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Predigten

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2007

Homilie in der Vorabendmesse zum Fest Allerheiligen in St. Michael Neunkirchen am Brand am 31. Okt. 2007

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Freunde Gottes und der Menschen

»Zu Gast bei Freunden«,

  • so bewarb Deutschland vor einem Jahr die bei uns stattfindende Fußballweltmeisterschaft. Diese wohlwollende Offenheit war für die Gäste, deren Mannschaften gegeneinander um die Weltmeisterschaft kämpften, eine frohe Überraschung. Sie erzeugte ein nicht gekanntes Wir-Gefühl.
  • Freunde fürs Leben ersehnen viele, wenn auch oft vergebens. Freunde als Helfer in der Not, als Mutmacher in den Prüfungen des Lebens, in Krankheit und Einsamkeit, sind ein wunderbares Geschenk, für das wir nur danken können. Es ist wichtig solche Freundschaften zu pflegen, damit sie lebendig bleiben. Wir wissen, irdische Freundschaften können zerbrechen oder auch einschlafen. Der Tod des Freundes, der Freundin hinterlässt eine schmerzliche Lücke.
  • Weil wir aber nur Gast auf Erden sind, ist jeder Freundschaft eine irdische Grenze gesetzt. Deshalb sind wir, solange dieses Leben währt, immer nur auf Zeit »zu Gast bei Freunden«. Aber als

Freunde Gottes sind wir für immer zu Gast bei Gott.

Wie gut, dass der christliche Glaube unseren Blick weitet: Im Glaubensbekenntnis der Kirche sprechen wir es immer wieder aus:

"Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen", hier auf Erden.

  • Uns alle hat Gott in der Taufe geheiligt, seinen Geist uns eingehaucht, so dass wir teilhaben an seinem unvergänglichen ewigen Leben. Uns allen hat er durch die gläubige Annahme unserer Taufe Jesus, seinen geliebten Sohn, als Freund, Bruder und Herrn an die Seite gegeben. Und Jesus nennt seine Jünger und Jüngerinnen »seine Freunde«. Durch ihn sind wir Gott immer nahe, haben wir Anteil an seinem erlösenden Tod und an seiner selig machenden Auferstehung. Durch Jesus wird uns die Freundschaft Gottes zuteil. Durch Wasser und Geist sind wir Kinder Gottes, durch Jesus, der uns seine Freundschaft schenkt, sind wir auch Freunde Gottes.

"Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen,“ die im Himmel vollendet sind.

  • Gemeinschaft der Heiligen meint nicht nur die Glaubensschwestern und -brüder, die mit uns hier auf Erden leben und in der Kirche Jesu Christi den Weg des Glaubens mit uns gehen, sondern auch jene, die uns im Glauben vorausgegangen und schon bei Gott vollendet leben. An ihnen ist schon offenbar geworden, was sie auf Erden erhofft haben: von Gott geliebt und angenommen sein, ganz und endgültig.
  • In ihren Selig- und Heiligsprechungen verkündet die Kirche von einigen Christen, die diesen Glauben, diese Hoffnung und die daraus fließende Liebe auf Erden überzeugend gelebt haben, dass sie bei Gott vollendet leben. Aber vollendet sind nicht nur sie, sondern ungezählte andere Christen. Ihrer aller Vollendung feiern wir heute.
  • Sie gehören durch Christus zu uns und wir zu ihnen. In ihnen haben wir Freunde bei Gott. Darum schauen wir verehrend auf sie, um noch das mehr zu werden, was wir seit unserer Taufe sind: Heilige und Freunde Gottes. Deshalb rufen wir sie um ihre Fürbitte als Helfer in jeder Not an, weil sie als unsere Freunde und als Freude Gottes mit Christus und durch ihn bei Gott für uns einstehen.

"Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen,“ an die Gemeinschaft mit unseren Verstorbenen.

  • Zur Gemeinschaft der Heiligen gehören auch jene im Glauben Verstorbenen, deren Glaube, Hoffnung und Liebe bei ihrem Sterben noch unvollkommen war. Das Feuer der Liebe Gottes muss sie noch reinigen; denn nichts Unreines wird hinein kommen in die himmlische Stadt Gottes.[1] Indem wir Gott für unsere Verstorbenen danken, für das was sie uns Gutes getan haben, ihnen ihre Fehler verzeihend Gott um Erbarmen für sie anrufen, helfen wir ihnen bei diesem Prozess der Reinigung, Reifung und Heiligung.
  • Es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke die Verstorbenen durch Opfer zu entsühnen,[2] sagt eine späte Schrift des AT. Das Opfer Christi in der heiligen Messe für unsere Verstorbenen darzubringen ist der wichtigste Liebesdienst, den wir ihnen erweisen können. Vor Gott für sie einzustehen bringt ihnen und uns Segen. Als siebtes der geistigen Werke der Barmherzigkeit ist uns aufgetragen: Für die Verstorbenen zu beten.
  • Unsere Verstorbenen, die auf dem Weg zur Vollendung für Anschauung Gottes noch der Reinigung und Heiligung bedürfen, sind und bleiben unsere Freunde. Wir dürfen weiter mit ihnen Zwiesprache halten und uns mit unseren Freuden und Sorgen anvertrauen. Denn auch sie sind Gott nahe. Sie wissen nämlich schon, dass sie gerettet der Vollendung entgegen reifen.
  • Mit ihnen werden alle einmal in seliger Gemeinschaft mit Jesus für immer bei Gott zuhause sein. Wer auf Erden zu Jesus und seiner Kirche gehört wird daher sagen: Da muss ich unbedingt dabei sein!


Der Zugangscode zur Fülle des Lebens bei Gott
wird uns wie jeden Sonntag in den Lesungen der Messe ausgehändigt.

  • Wir glauben, dass unsere Schöpfung aus der Weisheit Gottes hervorgegangen ist. Der Mensch erforscht ihre Geheimnisse, ihre Gesetzmäßigkeiten und wendet sie für sich an. Deshalb können diese ähnlich wie bei Jesus die Gleichnisse aus der Natur zum Bild und Gleichnis werden für unsere Gottesbeziehung, wie sein Reich in uns und bei uns wachsen kann.
  • Um in das Internet zu gelangen und an dem weltweiten Netz der Informationen teilzuhaben, brauche ich z.B. einen DSL Anschluss, der vom Betreiber freigeschaltet ist. Dieser Zugang funktioniert nur, wenn mein Computer ans Stromnetz angeschlossen und eingeschaltet ist, wenn ich meinen Benutzernamen und das dazu gehörige Passwort eingebe.
  • In der Taufe hat uns Gott beim Namen gerufen, hat die Kirche im Auftrag Jesu unser irdisches Leben freigeschaltet auf Gott hin. In der Taufe werden wir durch Christus eingefügt in seinen mystischen Leib und im Heiligen Geist in den innergöttlichen des Lebens und der Liebe mit hinein genommen.
  • Unser Passwort ist der Glaube an die Gegenwart Gottes: Heiliger Gott, ich glaube, dass du da bist. Uns in die Gegenwart Gottes versetzend, sprechen wir mit ihm, hören wir sein Wort, empfangen wir seine Heilsgaben in den Sakramenten. So stehen wir in Verbindung mit dem weltweiten Netz der Glaubenden und mit dem kosmischen himmlischen Netz derer, die bei Gott vollendet leben. Das Wort der Heiligen Schrift, Gottes Wort in menschlicher Sprache, liefert uns die Passwörter, die Glaubensinhalte, die diesen himmlischen Zugang für uns offen halten, wann und wo immer wir wollen.

Ein erster Zugang

  • wird uns in der Lesung aus der Offenbarung des Johannes aufgetan. Diese ist ein Trostbuch für Verfolgte. Zwar werden wir nicht religiös oder politisch verfolgt, aber im übertragenen Sinne sind auch wir von der Fülle der uns umgebenden Angebote verfolgt, auch uns kostet der Glaube etwas. Es gibt so vieles, was uns heute schadet und den Glauben schwer macht. In diese Erfahrung hinein spricht die gute Botschaft: Gott wird einmal all’ diesem Schweren in unserem Leben ein Ende bereiten.
  • Die dem Herrn Dienenden werden durch ein Siegel auf der Stirn bezeichnet. Wir werden dabei an das Kreuzzeichen denken, das uns bei der Taufe auf die Stirn gezeichnet wurde, bzw. bei der Firmung mit dem Chrisam durch den Bischof als die endgültige Besiegelung vollzogen wird: „Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist.“ Der christliche Glaube ist der Schutz, der uns vor allem Schaden dieser Welt bewahrt.
  • Die Zahl 144.000 weist in einer symbolischen Zahlenkombination aus 12 mal 12 mal 1000 auf die große Menge der Geretteten hin! Sie kommen aus den 12 Stämmen Israels und aus der auf die 12 Apostel gegründeten Kirche. Aus allen Himmelsrichtungen kommen sie: „Niemand konnte sie zählen.“[3] Alle zusammen nehmen teil an der himmlischen Liturgie: Alle zusammen beten Gott an. Das Lamm Gottes, Jesus Christus, ist der Weg für alle Menschen, an dieser Liturgie teilzunehmen.

Ein zweiter Zugang

  • ist uns in der Lesung aus dem 1. Johannesbrief eröffnet, Ausdruck der großen Zuversicht, welche die ersten Christen erfüllte: Gott schenkt uns alles, Gott liebt die Menschen.
  • Der kurze Text sagt uns: Nicht was du tust, ist wichtig, sondern was du bist! Als Kirche und Gemeinde machen wir eine andere Erfahrung: In den Augen der Öffentlichkeit zählt, wer in der Zeitung steht und ein Interview geben darf. Der Trend geht klar zu Aktionismus und Rechtfertigung. Wer unter solchem Druck steht, den will dieser uns der Text mit seiner Botschaft entkrampfen: Es ist noch nicht sichtbar, wer oder was wir sind: geliebte Kinder Gottes, ja Verwandte unseres Gottes! Wir werden Gott ähnlich sein, wie es schon die alten Theologen der Ostkirche gesagt haben: Gott wird Mensch, damit wir Menschen „vergöttlicht“ werden.
  • Dieses Axiom, dieses unmittelbar einleuchtendes Prinzip altkirchlicher Theologie kann uns heutigen Christen helfen, gelassen zu bleiben: Unsere Hoffung auf diesen Glauben setzend „heiligen wir uns,“ wie Gott heilig ist. Übersetzt könnten wir sagen: Dann sind wir Christen „anders, alternativ,“ so wie Gott selber „anders, alternativ“ ist, im Vergleich zur uns umgebenden Öffentlichkeit. Unser Selbstbewusstsein kommt daher, dass wir uns geliebt wissen, nicht daher, dass wir meinen, alles »machen« können und zu müssen.

Ein dritter Zugang,

  • zunächst nicht sehr verlockend, leuchtet auf im Evangelium der Seligpreisungen. Angesichts des Textes werden wir fragen: Sind wirklich nur die selig, denen es menschlich schlecht geht? Bei Matthäus geht es bei den Seligpreisungen vor allem um die »neue Gerechtigkeit«, also um das, was in den Augen Gottes richtig ist. In jeder Seligpreisung spiegeln sich Tod und Auferstehung wieder.
  • Der erste Teil einer jeden Seligpreisung spricht vom innerweltlichen Tod: Armut, Trauer, Gewalt, Hunger und Durst, Verfolgung, Beschimpfung und Verleumdung, oder von Barmherzigkeit, vom reinen Herzen, von Frieden stiften. Allen gemeinsam ist aber, dass diesem ersten Teil rein weltlich gesehen ein „sterben“ entspricht: Der normale Menschenverstand sagt, das bringt mir innerweltlich nur Verlust, ja in letzter Konsequenz den Tod.
  • Diesem ersten Teil steht dann jeweils eine Verheißung gegenüber, die nur im Glauben an die Auferstehung anzunehmen ist: Das Himmelreich besitzen, getröstet werden, das Land erben, satt werden, Erbarmen finden, Gott schauen, Söhne Gottes genannt werden, großen Lohn im Himmel haben.
  • Kurz gefasst könnte man also die Seligpreisungen als angewandtes Leben mit Jesus Christus sehen: Sein Tod und seine Auferstehung werden angewandt auf die Nöte unseres Lebens. Da, wo wir den „Tod“ erleben, genau da wird uns seine Auferstehung retten. Auf die Heiligen schauend stimmt das wortwörtlich: Fast alle Heiligen haben große Nöte und Probleme bestanden. Sie haben sie bestanden, weil sie an die Auferstehung Jesu glauben konnten.
  • Die Hoffnung auf den Himmel lässt auch heutige Menschen leichter die Schwierigkeiten des Lebens bestehen. Denn das ist das Geheimnis unseres Glaubens: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“
  • Die Heiligen sind also nicht von Gestern. Alle die sich heiligen lassen sind die einzigen wahren Zukunftsträger, sie sind

die wahren Freunde Gottes und der Menschen.

  • ”Ich möchte es aber noch radikaler ausdrücken,“ sagte Papst Benedikt XVI. auf dem Weltjugendtag 2005: ”Nur von den Heiligen, nur von Gott her kommt die wirkliche Revolution, die grundlegende Änderung der Welt.” Weiter sagte er, dass ”allein die Hinwendung zum lebendigen Gott,“ welcher der ”Garant für die Freiheit und die ewige Liebe” sei, die Welt retten könne. Dann stellte er die Frage: ”Und was könnte uns denn retten, wenn nicht die Liebe?” 800.000-facher Jubel war die Antwort.


[1] Off 21,27
[2] 2 Makk 12,45

[3] Offb 7,9

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