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Allerheiligen 2008

Homilie am Allerheilgientag zu den Texten des Festes in der Filialkirche in Rödlas

===>> Biblische und liturgische Texte des Festes
===>> Homilie im Orginal lesen oder herunterladen
===>> Gottesdienstvorlage

Christen - zukunftsorientierte Realisten
Halloween - Allerheiligen

Heute spricht man in weiten Teilen der Bevölkerung mehr von Halloween als von Allerheiligen und Allerseelen.
  • Immer wieder wird behauptet, dieser Brauch käme aus vorchristlicher Zeit aus dem Keltischen, aber ziemlich wahrscheinlich stammt dieser Brauch wohl doch aus christlicher Zeit aus dem englischsprachigen Raum, und ist nur eine Verballhornung des Begriffs All Hallows even, Allerheiligen-Abend.
  • Verschiedene Bräuche um Allerheiligen herum – Gedächtnis der Verstorbenen, Jahreswechsel, Laternegehen, die dunkle Jahreszeit haben sich zu einem etwas merkwürdigem Grusical vereint, dass vor allem in den USA bedeutend geworden ist. Besinnen wir uns lieber auf das, was uns in den kommenden Wochen bevorsteht:

Eine Zeit mit weniger Licht

Die zwei letzten Monate des Jahres gehören auf der Nordhalbkugel der Erde zu den dunkelsten. Die Dunkelheit wird noch verstärkt durch anhaltenden Nebel und Tiefdruckgebiete. Die Sonne macht sich rar. Das Leben aber braucht Licht.
  • Kein Wunder, dass Traurigkeit, ja Depression um sich greifen. Die Blätter sind gefallen. Die Schöpfung hat ihr freundliches Kleid abgelegt. Die immergrüne Fichte wurde durch den Borkenkäferbefall ein seltener Baum. Laubbäume stehen nackt da. Die Vergänglichkeit wird überall sichtbar. Sterben und Tod drängen sich ins Bewusstsein. Melancholie legt sich auf manches Gemüt.
  • Dazu kommen noch die Finanzmarktkrise, die Hiobsbotschaften von der Börse, der drohende wirtschaftliche Abschwung, die Erhöhung der Lebenshaltungskosten, die besonders Familien hart treffen. Und doch,

Neues Leben wartet schon

Wer nämlich genau hinschaut, entdeckt an den Bäumen die Knospen des kommenden Frühjahrs. Auf den Äckern ist längst schon das Getreide aufgegangen, das die Ernte für das kommende Jahr verheißt.
  • Allerheiligen und Allerseelen sind also keineswegs Feste, die nur an Tod und Sterben erinnern, sondern die das neue Leben feiern, dass dem Christen jenseits des Todes geschenkt wird.
  • Leider ist für viele Zeitgenossen der Tod die Katastrophe des Lebens, wie sie der Titel eines Films ausdrückt: "Wer früher stirbt, ist länger tot." Andere meinen, sie müssten nach ihrem Tod wieder geboren werden als wer oder als was weiß ich. Alles finge wieder von vorne an.

Der Christ ist zukunftsorientierter Realist

Er lebt in den gegenwärtigen Verhältnissen, aber er lebt mit einer Hoffnung, die erfüllte Zukunft verheißt.
  • Der Christ weiß, jedes Leben ist einmalig, unwiederholbar. Jeder ist persönlich von Gott geschaffen und durch seinen Lebensodem ein lebendiges Wesen geworden. (Gen 2,7) Jeder und Jede ist als dieses einmalige Geschöpf von Gott liebend angesehen und zur ewigen Gemeinschaft mit ihm berufen. In der Taufe wird uns dies verbindlich zugesagt und geschenkt.
  • Die Erde und der ganze Kosmos und jeder Mensch gehören Gott. Der Antwortgesang nach der 1. Lesung besingt diese Wahrheit: "Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner."[1]

Die 1. Lesung aus der Offenbarung des Johannes spricht von einer Reihe

Von Visionen über die Katastrophen der Weltgeschichte.

  • Fast jede Zeit und Generation, aber auch jeder Einzelne wird von Katastrophen heimgesucht. Der Christ ist eingebunden in die sich ständig einander ablösenden weltlichen Machtstrukturen. Die hat er zu verarbeiten und zu deuten. Damals waren die Christen z.B. unter Kaiser Nero (um 70 n. Chr.) oder Kaiser Domitian (um 90 n. Chr.) von schweren Verfolgungen bedrängt.
  • Die Apokalypse, was so viel bedeutet, wie die Schleier lüften über normalerweise nicht einsehbare Dinge, - dieses visionäre und prophetische Buch will die Christen in ihrer Treue zum Glauben an den Gott und Vater Jesu Christi stärken. Es will ihnen helfen ihren Glauben auch durch die harten Prüfungen hindurch zutragen. Diese Stärkung geschieht in der

Vision von der glanzvollen Versammlung der Geretteten

vor dem Thron Gottes.
  • Die Welt ist also nicht so dunkel, wie es dem Blick der Menschen oft scheinen möchte. Die Rettung kommt „von unserem Gott ... und von dem Lamm“.[2] Durch Jesu sich bis in den Tod hingebende Liebe ist der Tod überwunden. Im Bild des geschlachteten und verherrlichten Lammes steht dieser Jesus vor uns und vor der ganzen Welt. Durch ihn ist das göttliche Leben in diese vergängliche Welt und ihre Ordnungen eingedrungen.
  • Zwar ist der leibliche Tod noch nicht aus der Welt geschafft. Aber für alle, die „ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht haben“, ist der Tod das, was er auch für das geopferte Lamm war: ein Hinübergehen aus Not und Verfolgung in die Welt Gottes, wo es keine Not und keinen Tod mehr gibt. Vom Kreuz Christi her empfängt der Glaubende die Kraft in das Leben hineinzusterben.
  • Der Titel dieses Lebensfilmes heißt dann nicht mehr, "wer früher stirbt, ist länger tot," sondern er lautet: "Wer früher stirbt, lebt länger ewig." Der Christ erwartet seine Zukunft weder vom Geld noch vom Besitz. Außer einer großen Beerdigung bleibt denen, die davon zu viel haben, nichts.

Der Christ erwartet seine Zukunft von der Liebe Gottes.

"Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es."[3] Der weltlich gesinnte, aufs Habenwollen fixierte Mensch wird sagen »von der Liebe Gottes kann ich mir nichts kaufen«. Das mag stimmen.
  • Aber wer sich in der Liebe Gottes geborgen weiß, braucht weder die Zukunft noch den Tod zu fürchten. "Furcht gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht." [4]
  • Der weltlich gesinnte, nur im Diesseits lebende und daher zur Selbsterlösung neigende Mensch erkennt die Kostbarkeit und Schönheit der Liebe Gottes nicht. Sie bleibt ihm verborgen. Er wundert sich höchstens über die Gelassenheit des vom christlichen Glauben geprägten Menschen angesichts der Bedrohungen und Nöte des Daseins. Ja, auch wir selbst als Glaubende ahnen noch gar nicht,

Was die Gotteskindschaft aus uns macht.

  • Wir wissen nur eines, dass wir Gott "ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird". [5] Durch seine Liebe Gott ähnlich geworden, "werden wir ihn sehen, wie er ist."[6] Die für uns jetzt noch nicht vorstellbare Tiefe des Reichtums Gottes wird sich uns in nie endender Seligkeit erschließen.
  • Diese uns durch alle Anfechtungen hindurch tragende Zukunftsperspektive spornt uns jetzt schon an, heilig zu werden, wie er heilig ist. Gott hat den Anfang mit uns schon gemacht, als er uns in der Taufe durch seinen Geist geheiligt hat. Je vollkommener wir in der Liebe werden, desto mehr werden wir Gott ähnlich, umso näher sind wir dem Himmel, unserer ewigen Zukunft.

Die Seligpreisungen Jesu wurzeln in der Liebe,

  • Von Gott in uns entzündet. Matthäus lässt Jesus auf einen Berg steigen. Er ist der neue Mose mit dem Unterschied: Er empfängt nicht wie Mose Weisungen von Gott, sondern verkörpert mit Autorität die vollendete Offenbarung Gottes. Diese richtet sich bewusst an Menschen, die auf irgendeine Weise mühselig und beladen sind, es schwer haben im Leben oder vom Anspruch der Mächtigen bedrängt werden. Wir dürfen dies nicht marxistisch missverstehen, so als würde die Drangsal an sich verherrlicht, um die Menschen zu betäuben, damit sie sich nicht wehren.
  • Ganz im Gegenteil Jesus spricht den Menschen vor Ort die Teilhabe am Reich Gottes zu, wo Gottes Gerechtigkeit und Liebe herrschen.

Menschen, die unter dieser Zusage, unter diesem »Selig« stehen,

Lassen sich weder hinters Licht noch in die Irre führen. Sie werfen sich vor den Götzen dieser Welt nicht nieder. Weder vor dem Geld noch vor der anmaßenden Macht der Diktatoren.
  • Mit innerer Aufmerksamkeit nehmen sie am Leben ihrer Mitmenschen teil, trauern und weinen mit ihnen, freuen sich mit ihnen, machen Mut, stiften Frieden, wo Streit und Feindschaft die Atmosphäre vergiften; sie verdammen und verfluchen nicht, sondern beten für die irregeleiteten oder in der Irre gehenden Mitmenschen; Sie halten Ausschau nach den Verlorenen, sehnen sie herbei und nehmen sie barmherzig auf;
  • Verfolgung und Beschimpfung überrascht sie nicht; denn sie wissen um den Bösen und das Böse in der Welt. Sie können vielmehr jauchzen und tanzen, denn ihr Lohn im Himmel wird groß sein.
  • Von Maria singt die Kirche: "Selig der Mensch, der trägt den Herrn, den Sohn des ewigen Vaters." [7] Möge der Herr in göttlicher Vollmacht heute und im Alltag unseren Eifer liebend zu leben neu mit der Zusage entfachen: "Selig, selig... selig seid ihr!“

 

[1] Ps 119,1
[2] Offb 7,10
[3] 1 Joh 31,
[4] 1 Joh 4,18
[5] 1 Joh 3,2
[6] ebd.
[7] GL 598

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