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2010 (C)

Homilie an Allerheiligen in Rosenbach "Maria Schutzfrau Bayerns"

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Zukunft für alle, die sich heiligen lassen.[1]

1  Allerheiligen  - ein  Fest  mit besonderem Flair

 Vielleicht empfinden Sie heute ähnlich wie ich: Allerheiligen ist ein Fest mit einem besonderen Flair, einer besonderen Stimmung.
  •  Sie haben in den vergangenen Tagen die Gräber Ihrer Lieben mit Blumen geschmückt. Sie zeigen damit Ihre Dankbarkeit und Liebe gegenüber den Verstorbenen, aber zugleich auch Ihre Hoffnung, dass diese bei Gott geborgen sind und an der Fülle seines herrlichen Lebens teilhaben.
  •  An Allerheiligen verkündet uns die Kirche, dass sie fest daran glaubt, dass neben den von ihr "heilig gesprochenen" Menschen viele ungezählte Glaubende in der Herrlichkeit bei Gott sind.
  •  Und diese an ungezählten Glaubenden offenbar gewordene Herrlichkeit Gottes strahlt heute in diesen Tag und über alle Gräber hinweg in unser Leben hinein.

2  Heil ohne irdische Grenzen

Der heilige Johannes spricht im Buch der Offenbarung von der großen Schar der Geretteten "aus allen Nationen und Stämmen Völkern und Sprachen. Niemand konnte sie zählen.[2]

2.1 Die große Schar der Erlösten

Unserer Enge steht die Weite des göttlichen Heilswillens gegenüber, unserer begrenzten Liebe die grenzenlose Liebe Gottes. Wie dem Petrus nach der Vision im Haus des Kornelius soll auch uns aufgehen, dass Gottes Heil keine Grenzen kennt: "Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist."[3]

2.2 Freilich, nur der wird gerettet, der das Siegel des lebendigen Gottes trägt.

  • Darum verkündet Jesus: "Wer glaubt und sich taufen lässt, der wird gerettet werden."[4] Aus diesem Grund gibt Jesus vor seiner Himmelfahrt seinen Jüngern den Auftrag: "Geht in alle Welt und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes."[5]
  • Die Antwort des Menschen darauf heißt:  O Gott, mein Leben gehört dir. Dein bin ich im Leben und im Tod. Im Lied singen wir „Herr ich bin dein Eigentum dein ist ja mein Leben; mir zum Heil und Dir zum Ruhm hast du’s mir gegeben.“[6]
  •  Und im Tauflied bekennen wir "Ich bin getauft und Gott geweiht durch Christi Kraft und Zeichen. Das Siegel der Dreieinigkeit wird niemals von mir weichen.“[7]
  •  Es ist also heilsnotwendig, dass sich der Mensch das Eigentumssiegel Gottes aufdrücken lässt. Deshalb gibt es Mission, sind wir aufgerufen, jeder an seinem Platz die Menschen zu evangelisieren, sie mit der Heilsbotschaft Gottes, mit dem Evangelium Jesu bekannt zu machen.

3  Heil durch Christi Blut

  • Nicht durch Edelmetall sind wir aus der Sinn- und Ziellosigkeit des Lebens losgekauft schreibt der heilige Petrus in seinem 1. Brief, „sondern mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel.“ [8] „Für das Leben ist jeder Kaufpreis zu hoch“, heißt es im Psalm.[9] Aber gerade sein Leben bis aufs Blut gibt er ganz und gar gehorsam an Gott für die Menschen hin.
  • Durch den Gehorsam und die Liebe Christi sind wir erlöst. Als Erlöste wissen wir um den hohen Preis, den Jesus, der Christus, dafür bezahlt hat. Dankbare Freude aber auch die Furcht Gottes, wird künftig das Leben und Handeln bestimmen.
  • Um diesen »teueren Preis« der Erlösung wissend zieht Paulus für die Christen in Korinth daraus eine doppelte Konsequenz: a) „Verherrlicht also Gott in eurem Leib!“[10] und b) „Macht euch nicht zu Sklaven von Menschen!“[11]

3.1 Kein Mensch kann durch eigene Anstrengung heilig werden.

  • Jeder ist und bleibt vor Gott ein Schuldner. Darum wird der Mensch Gott gegenüber anerkennen, dass er vor ihm arm ist.
  • Die erste Seligpreisung der Bergpredigt Jesu lautet daher: "Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich.“[12]
  • Hinter dem Wort selig steht ein hebräisches Wort, das so viel bedeutet, wie: Wenn du in dieser Haltung lebst, dann bist du auf dem Weg in eine gute Zukunft, auf dem Weg zum Himmel.

3.2 Weil wir um unsere Armut wissen,

- lassen wir unsere Kinder taufen, damit Gott sie durch Christus heilig macht;
- lassen wir uns durch das Wort Gottes zur Umkehr rufen und suchen die Vergebung unserer Sünden;
- halten wir fest an der Liebe zueinander; „denn die Liebe deckt viele Sünden zu.“[13]
- feiern wir das Opfer und Mahl des Herrn, weil „das Blut Jesu Christi uns reinigt von aller  Sünde."[14]
  •  Der emanzipierte Mensch tut sich sehr schwer, seine Armut zuzugeben. Er will sich lieber aus eigener Kraft erlösen. Er will nicht wahrhaben, dass für ihn jemand gestorben ist, sein Blut vergossen hat, seine ganze Existenz dafür in die Wagschale geworfen hat.
  •  Was aber sagt der Herr zum Seher Johannes über die Geretteten? "Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht."[15]
Es geht also darum, die Erlösung durch Jesus Christus anzunehmen, sich schenken zu lassen.

3.3 Jene Menschen haben an der Seligkeit Gottes teil

- die in den Stunden der Versuchung und Bedrängnis sich an ihn gehalten haben;
- die sich eingesetzt haben für Gerechtigkeit und Frieden, auch wenn sie sich dadurch Scherereien, Folter und Tod eingehandelt haben;
- Die auch dann lauter und wahr lebten, wenn es Nachteile mit sich brachte;
- die sich offen zu Jesus und seiner Jüngergemeinde, seine Kirche bekannten, auch wenn sie  sich dafür Spott und Verfolgung einhandelten;
- „die auch dann, wenn sie alles getan haben, bekennen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.“[16]
  • Jene Menschen gehen in die Herrlichkeit Gottes ein, welche die Erlösungstat Gottes in Christus annehmen, die sich rein waschen lassen durch das Blut des Lammes. Wer sich so aus der Macht des Todes und der Sinnlosigkeit gerettet weiß, wird fähig zum Lobpreis Gottes.

4  Aufbrechen zum großen Lobpreis

 Die Seligkeit der unzählbar geretteten Menschen wird für uns darin erkennbar, dass sie in den Lobpreis der Engel mit einstimmen und Gott anbeten. In der heiligen Messe geschieht dies beim Gloria und beim Sanctus.

4.1 Der Lobpreis und die Anbetung Gottes

  • haben nichts mit dem gelangweilten und überdrüssigem Halleluja-Rülpsern jenes Bayern gemein, der da auf einer Wolke sitzend sich nach dem Hofbräuhaus sehnt, sondern ihr Jubel und ihre Anbetung kommen aus einer beglückenden Erfahrung: "Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm."[17]
  •  Wer diese Rettung durch alle Bedrängnisse dieses Lebens erfährt und die unbegrenzte Weite der Liebe Gottes und den unermesslichen Reichtum seines göttlichen Lebens verinnerlicht, der wird jetzt schon jubeln und jauchzen; wenn auch manchmal unter Tränen. Doch „die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten.“[18]

4.2 Wir stimmen heute in den Jubel des Himmels, der Engel und Heiligen mit ein.

  • Wir stehen als vom dreieinigen Gott Geheiligte und Besiegelte unter der Verheißung der Fülle des Lebens in seinem Reich. Die Engel und Heiligen haben schon voll und ganz daran Anteil.
  •  Zugleich ist uns dieses Fest Ansporn, uns wieder erneut vom Herrn heiligen zu lassen und auch in den Bedrängnissen des Lebens und Sterbens an ihm festzuhalten.
  • Der heilige Johannes richtet unseren Willen und unsere Hoffnung in der 2. Lesung auf diese Zukunft, indem er uns verkündet:

   "Jetzt sind wir Kinder Gottes.
   Aber was wir sein werden,
   Ist noch nicht offenbar geworden.
   Wir wissen, dass wir IHM ähnlich sein werden,
   Wenn er offenbar wird;
   Denn wir werden ihn sehen, wie ER ist."[19]
  •  Mit der Zusage, dass uns Gott sein Wahres Wesen zeigen wird, ermutigt uns hl. Johannes, unsere Heiligung zuzulassen und uns um sie zu bemühen:
  •    "Jeder, der dies von ihm erhofft, heiligt sich, so wie ER heilig ist."[20] Damit sagt Johannes, dass die Hoffnung uns heilig macht. Wir tragen jetzt schon als Geschenk das Schönste und Kostbarste von Gott in uns seine Heiligkeit. Sie trägt uns durch den Tod hindurch in die Unsterblichkeit, in die Fülle des Lebens und der Beziehung in ihrer Vollgestalt in seinem Reich. Für alle, die sich von Gott heiligen lassen, gibt es eine unverlierbare ewige Zukunft. 


[1] Predigttext: Offb.7,2-4.9-14 Rosenbach
[2] Offb 7,9
[3] Apg 10,34
[4] Mk 16,16
[5] Mt 28,19
[6] Gl 916/1
[7] GL 635/1
[8] 1 Petr 1,19
[9] Ps 49,9
[10] 1 Kor 6,20
[11] 1 Kor 7,23
[12] Mt 5,3
[13] 1 Petr 4,8
[14] 1 Joh 1,7
[15] Apk 7,14
[16] Lk 17,10
[17] Offb 7,10
[18] Ps 126,5
[19] 1 Joh 3,2
[20] 1 Joh 3,3

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