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Lesejahr 2012 (B)

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Menschwerdung heisst auch Ja zum Sterben

1 "Nehmt euch vor den Menschen in acht!“[1]
So mahnt Jesus seine Jünger, also auch uns im heutigen Evangelium. Er weiß wovon er redet.

1.1 Am gefährlichsten sind dabei die Fanatiker;
  • Die religiösen Fanatiker meinen auch noch Gott auf ihrer Seite zu haben. Die politischen ob rechts oder links berufen sich auf eine Ideologie oder auf einen Führer.
  • Verbünden sich religiöser Fanatismus mit politischen Interessen dann wird es besonders schlimm, wie uns muslimische Selbstmordattentäter immer wieder vor Augen führen.
  • Als Christen können und dürfen wir nicht zu allem Ja und Amen sagen und uns damit begnügen, was man sagt und tut. Christen beziehen Position, auch wenn die Mehrheit anders denkt.
  • Weltweit werden heute ca. 100 Millionen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt. 80% aller verfolgten Menschen sind Christen.
  • Vielleicht kannte Stephanus diese Mahnung Jesu »Nehmt euch vor den Menschen in Acht« gar nicht; er ließ sich auf einen Disput mit den Gegnern der Jesusgemeinde ein. Als sie aber „der Weisheit und dem Geist, mit dem er sprach, nicht widerstehen konnten“[2], wurden sie gewalttätig.
  • Sie glaubten sogar Gott auf ihrer Seite zu haben. Saulus, der spätere Paulus, gehörte zu ihnen. Bis zu seinem Damaskuserlebnis war er unterwegs, um die Jünger Jesu aufzuspüren und dingfest zu machen.
1.2 Stephanus hat sich einfach auf das Evangelium verlassen.
  • Die innere Verbindung mit dem auferstandenen Christus war in ihm so stark und lebendig, dass er Zeugnis von ihm ablegen musste.
  • War er ein Fanatiker? Ich meine er war ein Überzeugter, der von Jesus Christus Zeugnis ablegte.
  • Im Unterschied zu seinen Gegnern ist er nicht voller Hass und Grimm. Er greift nicht zu Gewaltmitteln. Er bringt niemand um. Die Kraft des Geistes Gottes strahlt er aus. Dem hatten seine Gegner nichts entgegenzusetzen.
  • Als ihnen die Argumente ausgehen, greifen sie zu brutaler Gewalt. "Sie stürmten gemeinsam auf ihn los, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn."
Für den Glauben sterben, macht das Sinn, lohnt sich das?
  • Sehen wir die Sache einmal ganz nüchtern: Ob Christ oder Nichtchrist, ob Jesusjünger oder Atheist, ob Pazifist oder Militarist, ob Mörder oder Opfer
2 Jeder wird sterben so oder so

2.1 Man kann wie Stephanus für die eigene Überzeugung sterben.
  • Stephanus verliert sein vergängliches Leben, weil er sich zu dem Gekreuzigten als dem von Gott bezeugten Messias bekennt.
  •  Eine große Schar von christlichen Märtyrern hat bis auf den heutigen Tag so Zeugnis abgelegt für den menschgewordenen Sohn Gottes. Und noch nie in der 2000jährigen Geschichte der Christenheit gab es so viele Märtyrer wie im 20. Jahrhundert.
  • Über ihren Gräbern errichtete man von Anfang an Altäre. So befindet sich auch in oder unter allen Altären der katholischen Kirche ein solches Märtyrergrab.
  • Hier in Rödlas sehe ich es immer, wenn ich an den Altar trete. An der Stirnseite des Altares in Großenbuch haben wir das Märtyrergrab sogar sichtbar vor Augen. Die das Grab verschließende Metallplatte zeigt die Inschrift "Zeugen Christi".
  • Die Christen der ersten Jahrhunderte haben eine tiefe mystische Erfahrung gemacht. Diese hat sich in dem geflügelten Wort niedergeschlagen:
»Sanquis Martyriorum Semen Christianorum. Das Blut der Märtyrer ist der Same der Christen«.
  • Dieses Glaubenszeugnis war so überzeugend, dass viele trotz der Gefahr für Leib und Leben Christen wurden, obwohl sie wussten, dass dies ihnen das Leben kosten konnte.       
2.2 Wir alle werden sterben
  • Wir können natürlich auch sterben durch Krieg und Gewalttaten. Die beiden Weltkriege, die in der ersten Hälfte 20. Jahrhunderts tobten, haben 52 Millionen Menschen das Leben gekostet. So geht es, wenn Hass und Verblendung die Menschen zur Gewalt treiben.
  • Wir können sterben an unheilbaren Krankheiten, an Herzinfarkt, Krebs, an Altersschwäche.
  • Wir können sterben bei Verkehrsunfällen oder wie gerade mehr als 1000 Menschen auf den Philippinen bei einer Naturkatastrophe.
Der Tod kommt über jeden so oder so. Deshalb ist es vernünftig zu fragen

2.3 Wofür und wohin sterben wir?
  • Für das Leben in Gott oder für das Nichts, für den Himmel oder die Hölle.
  • Das mit dem Märtyrertod besiegelte Lebenszeugnis für die Zukunft der von Gott geschenkten Hoffnung war und ist für die Märtyrer der sinnvollste Tod.
  • Sie haben ihn auf sich genommen, weil sie an die Auferstehung und das ewige Leben bei Gott glaubten. Stephanus sah sterbend den Himmel offen und den auferstandenen Christus zur Rechten Gottes stehen. In dieser Zukunftsperspektive konnte Stephanus seinen Mördern verzeihend sterben.
Was hat dies alles mit Weihnachten zu tun? Sehr viel!

3 Als Gott Mensch wurde, wurde er es ganz.
  • In einem modernen Herz-Jesu-Lied heißt es: "Jesus lebt unser Leben. Jesus trug unsre Sünden. Jesus starb unsern Tod. Gott hat ein Herz für den Menschen: Jesus ist einer von uns." [3]
  • Menschwerdung hieß für Gott auch Ja zum Sterben. Er hat uns in Jesus vorgelebt, dass wir auch im Sterben von Gott gehalten sind. "Vater in deine Hände lege ich mein Leben" sind seine letzten Worte.
  • Er ist uns auch im Sterben vorausgegangen. „Er wurde Gott gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz.“ Darum können auch wir - ganz gleich welchen Tod wir erleiden - mit Stephanus angesichts des Todes sprechen "Herr Jesus, nimm meinen Geist auf."      
  • Menschwerdung bedeutet ja zum Leben und ja zum Sterben. Krippe und Kreuz sind aus dem gleichen Holz. Sie gehören zusammen.
Das hat Matthias Grünewald in sein Weihnachtsbild hineingemalt, von dem eine Kopie in der Filialkirche St. Johannes der Täufer in Großenbuch hängt. Links vom Jesuskind unter den Bienenstöcken ein großes Kreuz, und drüber in der Tür, die zu dem Ort führt, über den ein Gewitter aufzieht, wieder ein Kreuz. Und das in diesem wunderbaren Weihnachtsbild.

Kinder begreifen das Geheimnis der Menschwerdung, den tiefen Sinn des Weihnachtsfestes oft unmittelbarer als wir Erwachsene.     
Vor Jahren ging ein Vierjähriger nach der Kindermette zu dem in der Krippe vor dem Altar liegenden Jesuskind hin und schaute es an.
Dann fragte er seine Mutter: "Darf ich es streicheln?" "Freilich darfst du das", sagt sie. Er streichelt ehrfürchtig das Jesuskind. Dann sagte er ganz ernst zu dem Jesuskind: "Armer Jesus, wenn du groß bist werden sie dich ans Kreuz nageln."
  • Auf der linken Seite des früheren Hochaltars unserer Pfarrkirche St. Michael steht die Figur des Diakons und Märtyrers Stephanus. Er hält in der Hand eine Siegespalme. Zu seinen Füßen liegen Steine.
Mit diesem Bild hält uns die Kirche ständig vor Augen, was unsere Berufung als Christen ist:
  •  Für Jesus, den menschgewordenen, gekreuzigten und auferstandenen Christus Zeugnis abzulegen;
  •  Seine Liebe zu leben, auch wenn es gefährlich wird oder wenn wir kein Danke und keinen irdischen Lohn zu erwarten haben.
  • Denn auch für uns ist durch Christus der Himmel offen und wir werden dort bei Gott von ihm erwartet – wie Stephanus.

[1] Mt 10,17
[2] Apg 6,10

[3] Gl 562

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