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2007 (C) Osterzeit

Homilie am 6. Ostersonntag und Kirchweih der Heilig Grabkapelle in Neunkirchen am Brand

===>> zu den biblischen und liturgischen Texten des 6. Ostersonntags (C)

Die Einwohnung Gottes in den Glaubenden.

Am Kirchweihfest der Heilig Grab Kapelle 13.Mai 2007
  'Heil uns Heil, Halleluja! Im Triumpf steht Jesus da! Seht, seht sein Heilig Grab ist leer, ewig Ruhm ihm, ewig Ehr!'
Am Kirchweihfest der Heilig Grab Kapelle 13.Mai 2007
"Heil uns Heil, Halleluja! Im Triumpf steht Jesus da! Seht, seht sein Heilig Grab ist leer, ewig Ruhm ihm, ewig Ehr!"
l. Beistand haben wir allemal nötig.

Beistand brauchen Menschen, denen eine Gerichtsverhandlung bevorsteht. Wichtig ist vor allem, dass uns jemand beisteht, wenn wir in ungewohnte Lebensverhältnisse kommen. Wenn ein Kind in die Schule kommt, braucht es den Beistand des Lehrers, wenn es gilt, Schreiben Lesen und Rechnen zu lernen. Wenn ein junger Mensch eine Lehre beginnt, braucht er einen Meister, der ihm beisteht und zeigt, wie es gemacht wird.

Ohne menschlichen Beistand gäbe es auch unsere Heilig Grab Kapelle nicht mehr.

Mancher wird vielleicht am Muttertag zu seiner Mutter sagen: "Danke für deine Liebe". "Danke, dass du mir immer beigestanden bist und zu mir gehalten hast, vor allem wenn es schwierig wurde."

In den vielen Dankadressen bringen wir zum Ausdruck, was uns der Beistand der Mitmenschen bedeutet. Aber aller Beistand der Menschen ist begrenzt, weil wir Menschen begrenzte Wesen sind. Wir brauchen mehr.

2. Wir brauchen Göttlichen Beistand.

  • Wer sich letztlich allein auf den Menschen verlässt, der ist im wahrsten Sinne des Wortes verlassen. Diese Erfahrung begegnet uns in der Heiligen Schrift, besonders in den Psalmen immer wieder: "Besser sich zu bergen beim Herrn, als auf Menschen oder auf Fürsten zu bauen." heißt es im Psalm 118.Ï[1] Im Evangelium sagt uns der auferstandene und erhöhte Herr seinen Beistand zu. Und dieser ist göttliches Pneuma, göttlicher Hauch, durch den Gottes Liebe in unsere Herzen ausgegossen ist.[2]
  • Christus ist durch seinen Tod und seine Auferstehung zum Vater, also in die göttliche Seinsweise hinübergegangnen, ist für ihre leiblichen Augen und Ohren nicht mehr sichtbar und hörbar, aber er ist und bleibt weiter auf eine neue, göttliche Weise bei ihnen, ja er wohnt in ihnen durch den Heiligen Geist, den er vom Vater sendet: Jene göttliche Kraft, aus der wir als Glaubende, Hoffende und Liebende in dieser Welt leben dürfen.
  • Johannes will zeigen, dass die Gegenwart des Auferstandenen und des Göttlichen nicht im äußerlich Wahrnehmbaren zu haben ist, sondern nur in der Tiefe unseres nach dem Ebenbild Gottes geschaffenen Wesens, wenn wir darin uns dem auferstandenen Jesus, dem göttlichen Geheimnis seiner Person liebend und sein Wort hörend öffnen.

2.1 Dem auf Jesus Hörenden und ihn Liebenden wird die Einwohnung Gottes geschenkt

  • Jesus sagt es ganz einfach: "Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen."[3]
  • Judas Thaddäus hatte Jesus gefragt, warum sich nur seinen Jüngern und nicht auch der Welt offenbare. Diese Frage haben Menschen aller Zeiten gestellt. Die Antwort Jesu meint: Das Göttliche lässt sich nicht vereinnahmen. Es wird nur dem Glaubenden und Liebenden geschenkt. "Dieses Wohnen Gottes im Glaubenden" ist ein sehr dichtes und schönes Bild. Es besagt: Gott und Mensch sind einander nicht fern, sondern nahe; sie sind einander nicht fremd, sondern vertraut; sie stehen in inniger Gemeinschaft zueinander, sorgen füreinander und wissen umeinander wie in einer guten Familie.
  • Wo Gott wohnt, da braucht der Mensch keine Angst mehr zu haben; denn da ist Platz zum Leben, da hat die Freude und Hoffnung Heimatrecht; da herrscht Friede, ein Friede, wie ihn Menschen nie geben und schaffen können. Lebensfeindliche Mächte, Unheil und Tod sind entmachtet. Sie haben keine Chance mehr.
  • Diese starken Glaubensaussagen, Glaubensgut der Urgemeinde, in der Johannes gelebt und gewirkt hat, haben heute vielfach ihre Kraft verloren. Vielleicht einfach deshalb, weil die Liebe zu Jesus in uns nicht lebendig genug ist und wir nicht genügend an seinem Wort festhalten. Jesus selber nennt ja gerade dies als Voraussetzung der Nähe und Einwohnung Gottes im Menschen. Denn

2.2 "Gott wohnt, wo man ihn einlässt."

  • Er drängt sich nicht auf. Vielleicht haben wir Gott, ohne es recht zu merken, diese Wohnung bei uns und in uns verweigert, ihn aus unserer Welt und unserem Lebensbereich hinausgewiesen und unser leeres Haus anderen Gewalten geöffnet. Vielleicht nehmen die Apparate, unsere Hobbys, unsere Arbeit oder auch Menschen den Platz ein, der allein ihm gebührt.
  • Ein Psychotherapeut beschreibt die Folgen so: "Die Angst vor dem Nichts ist der Preis, den die Menschen Europas seit 200 Jahren für den Glaubensabfall zahlen.“ Es kommt also darauf an, dass wir

2.3 Gott in alle Lebensbereiche zulassen.

  • Auch in Freizeit und beim Sport sollen wir uns als Christen bewähren, will Gott gegenwärtig sein, soll die Liebe Christi unser Zusammensein prägen, will der Beistand des Heiligen Geistes ein Fluidum schaffen, in dem wir uns menschlich beistehen, uns der Sorgen und Probleme des anderen annehmen und ihm Hilfe und Beistand anbieten. Und wenn wir beim Messen der Kräfte verlieren, wird uns das nicht aus der Bahn werfen, wir werden faire Verlierer sein; denn wir sind in Gottes Hand.
  • Wie sehr kommt es doch in allen menschlichen Gemeinschaften darauf an, dass unser menschliches einander Beistehen ganz durchwaltet ist von der liebenden Nähe Gottes, die uns durch den Heiligen Geist geschenkt wird.

2.4 Die Einwohnung Gottes und unser Gottesbild

  • hängen eng zusammen. Die von Eltern ihren Kindern vermittelte Botschaft darf keine Drohbotschaft sein. Solches geschieht, wenn z.B. beim Donner des Gewitters Eltern oder Großeltern zu ihren Kindern oder Enkeln sagen: "Der Himmelvater schimpft, weil du so böse bist." Oder wenn wir dem Kind, das sich bei Herumtoben wehgetan hat, zurufen: "Das ist die Strafe Gottes." Das ist Angsterziehung, um brave, gefügige, bequeme Kinder zu haben, Einschüchterung mit einem Gott, der mit dem Radarauge eines Polizisten über uns wacht, vor dem man sich in acht nehmen und an dem man möglichst unbemerkt vorbeikommen muss.
  • Wie soll ein Mensch, der in seiner Kindheit so behandelt wird, je an die liebende Einwohnung Gottes glauben oder sie auch nur ersehnen?
  • Schließlich wissen wir, dass alle Kinder sich ihr Gottesbild aus der Erfahrung mit ihren Eltern bilden. Dann hat Gott schnell den Charakter des Vaters oder der Mutter. Drohende Eltern vermitteln einen drohenden Gott. Ist der Vater hart, unzugänglich, unberechenbar, dann ist es auch Gott, den wir ja auch mit "Vater" anreden. Ist die Mutter launisch oder unzuverlässig, dann ist es schwer an die Liebe Gottes zu glauben. Eltern sind so im positiven wie im negativen Sinn in einem nicht geringen Maße auch Schicksal für ihre Kinder, prägend für deren Gottesbild. Deshalb ist es so wichtig, dass sie lernen auf Jesus zu schauen und an ihm Gott wahr zu nehmen.

2. 5 Jesus ist das Bild Gottes des Unsichtbaren

  • Weil wir Menschen so vielfach versagen, ist es wichtig, dass wir uns an Jesus halten. "Er ist das Abbild Gottes des Unsichtbaren". In dem, was er sagt und tut, zeigt Gott sein wahres Wesen. Jesus lehrt uns, Gott als den guten, liebenden Vater zu sehen, zu dem wir "Abba lieber Vater sagen dürfen. Er selbst lebt uns vor, dass Gott wie eine gute Mutter ist, die ihr Kind nie aufgibt. Sein Verhalten am Kreuz gegenüber seinen Gegnern und dem Schächer zeigt dies überdeutlich. Schon beim Propheten sagt Gott: „Könnte eine Mutter ihres Kindes vergessen, ich vergesse dich nicht."
  • Es wäre falsch, wenn Kinder jetzt voller Zorn auf ihre Eltern wären, weil diese ihnen ein falsches oder verzerrtes Gottesbild vermittelt haben. Meist waren diese Eltern auch nur Opfer ihrer eigenen Erziehung. Aber es ist wichtig, einzusehen, wo die Wurzeln für unser mangelndes Vertrauen, ja unseres Misstrauens Gott gegenüber liegen könnten.
  • Es kann nicht darum gehen, bei den eigenen negativen Erfahrungen hängen zu bleiben, sondern neu anzufangen mit dem, wozu uns Jesus im heutigen Evangelium auffordert: "Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten." Wir werden uns also an dem festhalten, was er uns gesagt und vorgelebt hat.

3. So bereiten wir Gott wieder eine Wohnung

  • in uns, bei uns, in unseren Familien, in unseren menschlichen Zusammenschlüssen, in unseren Gemeinden.
  • Das geschieht, indem wir ihn hereinbitten in unsere Überlegungen, in unsere Freuden und Feste, in unsere Sorgen und Nöte, in unsere menschlichen Beziehungen und in unseren Alltag.
  • Wie das geschieht, hat uns Jesus im heutigen Evangelium selber gesagt: Indem wir Jesus Christus lieben, ihn mit unserem Herzen und unseren Gedanken suchen; indem wir sein Wort festhalten, uns an sein Wort klammern wie Petrus damals mitten im Sturm auf dem See, und unsere Aufgaben und Begegnungen danach gestalten, dann nimmt Gott Wohnung bei uns, dürfen wir seine liebende Nähe erfahren.
  • In der Gemeinschaft der Kirche zu stehen, an Gott zu glauben, Gott bei sich einzulassen, ihn bei sich wohnen zu lassen, bedeutet nicht, dass wir vor Schwierigkeiten bewahrt werden. Aber es bedeutet die Zusage, dass wir in der Not, selbst im irdischen Untergehen gehalten sind und darum durchhalten können. Der Dichter Christian Morgenstern hat dazu diese Verse geschrieben:
    • "Ich habe mich in Gott verloren.
    • Aber Gott will nicht,
    • dass wir uns in ihm verlieren,
    •  sondern dass wir uns in ihm finden, 
    • das aber heißt, 
    • dass wir Christus in uns
    •  und damit uns in ihm finden."
  • Jede Mutter, die etwas von der bergenden Liebe Gottes ausstrahlt, und jeder Vater, der die zuverlässige Güte Gottes lebt, Eltern, Großeltern, Paten, die ihren Kindern, Enkeln und Paten die Liebe zu Jesus und das Festhalten an ihm und seinem Wort vorleben, erwecken in ihren Kindern, Enkel und Paten die Bereitschaft, Gott in ihrem Leben zuzulassen.
  • Das ist die beste Mitgift, die Eltern ihren Kindern geben können. Ihre Kinder werden ihnen immer dafür dankbar sein über dieses Leben hinaus.


[1] 118,8 f.
[2] Röm 5,5
[3] Joh 14,23

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