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Weihnachten 2007 (A)

Homilie am Stephanustag 26.12.2007 in St. Michael Neunkirchen am Brand 10.00

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Menschwerdung - Passion - Auferstehung
Menschwerdung - Passion - Auferstehung
Eine zweite Geburt - Stephanus

Weihnachten ist vom Ostergeheimnis nicht zu trennen.

Das zeigt auch das weihnachtliche Begleitfest, an dem wir des Märtyrertodes des heiligen Stephanus gedenken.
  • Sie haben doch gewusst, dass heute bei uns nichts von Christkind und Engeln und Hirten vorgelesen wird. Sie haben gewusst, dass Sie - wie alle Jahre wieder - die Stephanus Geschichte vorgesetzt bekommen. Und trotzdem sind Sie gekommen. Wollen Sie sich tatsächlich dieser brutalen Wirklichkeit stellen? Dieser Welt, in und an der dieser junge Mann zu Tode gekommen ist?
  • Dann sind Sie auf einer guten Fährte, ganz tief zu begreifen und zu erleben, was Weihnachten für uns ist und sein will: die Ermutigung, an die Nähe der Liebe Gottes zu glauben.

Die Liebe Gottes zieht ihre Spur durch die Geschichte

  • Weihnachten: Gott verschenkt sich an uns, wird Mensch, um uns in allem nahe zu sein. Gott traut sich uns Menschen zu, vertraut uns sein Liebstes an. So verrückt ist Liebe, so Verrücktes tut die Liebe.
  • Liebe ist ansteckend. Verleitet zu Worten und Taten, die man mit kühlem Verstand nie machen würde, nie wagen dürfte. Denken Sie nur an das erste Ja, das Sie einander gesagt haben. Leise und zitternd vielleicht und ohne jede Ahnung, was es bedeuten wird. Aber getragen von Liebe: erlebter Liebe und zur Antwort bereiter Liebe.
  • Liebe ist ansteckend. Das muss Gott gewusst haben, nein, das war seine Erfindung. Darum konnte er diesen verrückten Weg gehen, um die Welt zu retten und zu heilen: Mensch werden, ein Mensch, der liebt und Nähe schenkt und Gemeinschaft stiftet, die ihrerseits wieder liebt, Nähe schenkt und heilt - trotz allem Versagen und bis heute. Darum sind wir jetzt da. Darum wissen wir von Jesus, feiern Weihnachten und Ostern und erinnern uns an Menschen, Heilige, die vor uns seine Nähe gesucht und aus seiner Liebe gelebt haben.
  • Stephanus gehört zu den Allerersten. Nur eine kurze Zeit aus seinem jungen Leben ist uns bekannt. Es ist die Zeit der jungen Kirche, die Zeit, als die Jesusgemeinschaft sich aus dem Judentum herausentwickelt - oder ausgestoßen wird, beides ist wahr.

Die Liebe Gottes verlangt angesichts von Unrecht nach Lösungen

  • Erst hat die Jüngergemeinde, die Kirche also, in ihrem Innersten die Liebe zu verwirklichen; dann erst ist sie nach außen glaubhaft und wirkmächtig. Vor dem Kampf mit den Juden steht ein anderer Kampf, ein Streit innerhalb der Jesusgemeinschaft.
  • Es gibt Unzufriedenheit, Ungerechtigkeit: Die Witwen der griechisch sprechenden Judenchristen fühlen sich bei der täglichen Versorgung übergangen. Diese Frauen ohne jede Versicherung und ohne Rechtsbeistand werden anders behandelt als ihre aramäisch sprechenden Schicksalsgenossinnen - und das, obwohl sie zur selben Gemeinde gehören, die beteuert, ganz auf Jesus hin und aus seiner Kraft leben zu wollen!
  • Die Verantwortlichen wischen die Klage nicht vom Tisch. Sie rufen die Jünger zusammen, nehmen das Problem ernst und finden eine Lösung: Sieben Männer "von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit" sollen sich um die Diakonie unter den Hellenisten kümmern, jeder in einem ihm zugewiesenen Bereich.
  • Dienst am bedürftigen Mitglied der Gemeinde gehört also nicht nur nebenbei auch noch zur Kirche. An der konkreten Hilfe für Arme und Notleidende erweist sich ihre Echtheit. Tätige Nächstenliebe ist der Prüfstein der Kirche und ihr bestes Reklameschild. Damals - erzählt die Apostelgeschichte - wuchs die Gemeinde, das Wort Gottes breitete sich rasant aus. Weiter fällt uns auf:

Stephanus ist sachkundig
Stephanus mit der Märtyrerpalme und Augustinus mit dem flammenden Herzen.
  in St. Michael Neunkirchen am Brand 1741
Stephanus mit der Märtyrerpalme und Augustinus mit dem flammenden Herzen.
in St. Michael Neunkirchen am Brand 1741

  • Stephanus ist einer dieser sieben Gewählten, ein Mann "voll Gnade und Kraft". Er "tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk". Damit meint die Bibel nicht Zauberstücke, sondern ein Tun, aus dem Gottes Kraft herausleuchtet. Offensichtlich gelang es Stephanus tatsächlich, die Gaben gerecht zu verteilen. Er verstand es, nicht nur den Unmut zu dämpfen, sondern den Betroffenen mit Phantasie und Tatkraft so zu helfen, dass sie aufatmen und sich wieder als gleichwertige Mitglieder der Gemeinde fühlen konnten. Unsere Solidarität mit den armen Christen bei uns und in Lateinamerika gehört daher auch für uns wesentlich zum Weihnachtsfest.
  • Der Altaraufbau des barocken Hochaltars zeigt zur Linken den heiligen Stephanus und zur Rechten den heiligen Laurentius. Der Erste war Diakon in Jerusalem, der andere in Rom. Sie stehen dort nicht als Zierart, sondern zur ständigen Mahnung, dass die Sorge für die Armen und Hilfsbedürftigen eine wesentliche Aufgabe von uns Christen ist. Es muss einen Ausgleich geben zwischen arm und reich. Das ist

Für die Einen ein Wunder, für die anderen ein Skandal!

Kaum ist Friede in der Urgemeinde eingekehrt, springen andere auf, "um mit Stephanus zu streiten". Wer sind diese Leute und was wollen sie?
  • Als erste werden die Libertiner genannt: ehemalige Sklaven, die so gut gearbeitet haben, dass ihre Herren sie freiließen und als Verwalter ihrer Häuser einsetzten. Sie haben es zu etwas gebracht.
  • Die weiteren empörten Leute sind nach ihrer Herkunft beschrieben: Zyrene und Alexandria waren Kulturstädte ersten Ranges. Juden von dort, die in Jerusalem zu einer Synagoge gehören, zählen zur Prominenz. Leute aus Zilizien (z.B. Paulus) und aus der Provinz Asien gelten als geistesscharf, ungestüm und draufgängerisch.
  • Das sind also allesamt gut situierte Leute, hellenistische Juden wie Stephanus auch, als Ausländer vielleicht besonders engagiert für den Glauben, gebildet und redegewandt. Sie sind empört - weil sie Stephanus' Handeln als Skandal empfinden: Schon wieder einer, der den großen Gott so klein macht! Wie soll denn seine Erhabenheit deutlich bleiben, wenn man sich in seinem Namen um Witwen und um Lebensmittelspenden kümmert!
  • Sie stellen Stephanus zur Rede, aber kommen gegen die "Weisheit und den Geist, mit dem er sprach", nicht an. Stephanus ist nicht getrieben von Aktionismus; sein Tun hat geistliches Fundament. Deshalb kann er überzeugend, unwiderstehlich davon reden. Die christliche Botschaft zündet. Gewinnt immer neue Anhänger. Das bringt die Gegner der Christen in Sorge und Wut. Wie aber dem Stephanus beikommen?
  • Also setzen seine Gegner Gerüchte in die Welt - Gerüchte, wie wir sie schon vom Prozess Jesu kennen: Stephanus würde lästern "gegen Mose", "gegen Gott" und "gegen diesen heiligen Ort" (den Tempel), gegen "das Gesetz". Sie schaffen es tatsächlich, ihm einen Prozess vor dem Hohen Rat anzuhängen.
  • Dieser Prozess (von dem wir in der Lesung leider nichts gehört haben) bringt zutage, was diese Gläubigen so aufregt und warum sie meinen, Gottes Ehre mit Gewalt retten zu müssen. Des Stephanus Aktivitäten werden zum Skandal hochgepuscht. Aber

Der Skandal liegt auf Gottes Linie

  • Stephanus ist selbst Hellenist wie Paulus, ein Intellektueller wie dieser und kennt die ihm vorgeworfenen Punkte nur zu gut. In einer wunderbar komponierten Rede legt er aus der jüdischen Bibel (vom Neuen Testament existiert ja noch keine einzige Zeile!) dar, dass seine Sorge für die Schwachen ganz auf der Linie Gottes liegt.
  • Ganz zuletzt holt er zur Kritik aus und nennt seine Gegner "verstockt" und "halsstarrig", zwei Worte, die wir vor allem aus dem Mund von Propheten kennen. Sein Vorwurf: Ihr habt euch in euren Richtigkeiten und Wichtigkeiten verrannt! Die Kernpunkte unseres Glaubens, die lebt ihr nicht mehr!
  • Als Stephanus auch noch Jesus ins Spiel bringt - ohne seinen Namen zu nennen - und sie als dessen Verräter und Mörder anklagt, gehen die Sicherungen durch. Der Prozess wird zur Lynchjustiz. Sie hören nichts mehr und wollen nichts mehr hören, sondern haben nur noch eins im Sinn: Nieder mit diesem Wahnsinnigen, Tod diesem Gotteslästerer! So etwas können Christen nur aushalten und darin bestehen, die

der Nähe Gottes trauen

  • Stephanus ist in äußerster Lebensgefahr - und sucht Halt einzig in Gott. Er redet nicht nur von der Nähe Gottes, er traut ihr. Und im Sich-fallen-Lassen spürt er die Kraft Gottes in sich, sieht die Herrlichkeit Gottes über sich und Jesus, den Auferstandenen, zur Rechten Gottes stehen - bereit, dem gefährdeten Menschen an der Seite zu stehen.
  • Dienend hat Stephanus Gottes Nähe für andere erlebbar gemacht, nun erfüllt sie ihn ganz, fällt er ganz in sie hinein. Für ihn ist Weihnachten wahr geworden. Gottes Nähe ist sein Halt. Das rote Messgewand, das der Priester heute trägt, signalisiert uns: Bei Stephanus geht es um die gelebte Liebe, die sich bis in seinen gewaltsamen Tod bewährt und sich darin vollendet.
  • Bei ihm stimmt das alte Sprichwort: Wofür es sich zu leben lohnt, dafür lohnt es sich auch zu sterben.
Christbaum - Kreuz, Menschwerdung - Passion, Krippe - Kreuz; Baum des Christus - Baum des Lebens; Christbaum und der Gekreuzigte als Afuerstandener
Christbaum - Kreuz, Menschwerdung - Passion, Krippe - Kreuz; Baum des Christus - Baum des Lebens; Christbaum und der Gekreuzigte als Afuerstandener
Am Stephanustag feiert die Kirche ein zweites Geburtsfest:

        • die Geburt des Stephanus zum ewigen Leben bei Gott. Mit dem heutigen Fest zeigt sich die Radikalität der Weihnachtsbotschaft. Die Menschwerdung des Sohnes Gottes zielt darauf ab, die Vergänglichkeit menschlicher Geburt in die Unvergänglichkeit himmlischer Geburt zu verwandeln.
        • Das Motiv der Vergebung schließlich wird als Auftrag von Stephanus heute weitergetragen: „Herr, rechne Ihnen diese Sünde nicht an!“[2] Wie Gott in der Menschwerdung seines Sohnes den Menschen alle Schuld vergibt, wie seine radikale, vergebende Liebe zum Menschen in Jesus Christus sichtbar wird, wie Stephanus diese vergebende Liebe bis in den Tod gelebt hat, so sollen auch wir Weihnachten im Geist der Vergebung feiern, um einst wie Stephanus beten zu können: ”Herr Jesus, nimm meinen Geist auf.”[3]
        • Weihnachten und Ostern, Geburt und Tod - wie oft liegt doch beides so nah beieinander! Deshalb feiern wir jetzt miteinander Gott durch Jesus Christus preisend den Tod und die Auferstehung Jesu.


 [1] Apg 6,8-10;7,54-60; Mt 10,17-22;
[2] Apg 7,60
[3] Apg 7,59

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