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Predigten

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2007 (C)

Homilie am 28.Sonntag C in Dormitz »Maria Verkündigung« um 10.00

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Danken – Gott die Ehre geben in Christus

1. Gedicht einer schwerkranken Frau

Eine schwerkranke Frau, fast gelähmt, hat folgendes Gedicht geschrieben:

„Erst wer darniederliegt,
weiß wie gesund er war.
 
Erst wer verlassen und einsam ist,
weiß, wie beglückend es ist,
sich mitteilen zu können.

Erst wer älter ist,
Weiß wie köstlich es ist,
unbeschwert und beweglich zu sein.

Erst wer nicht mehr hört,
empfindet, wie gut es ist,
Menschenwort, Musik, Vogelgesang zu hören.

Erst wer blind geworden ist,
weiß, wie schön es ist,
Gottes Welt zu schauen.
 
Erst wer einen lieben Menschen verloren hat,
weiß um das Glück,
einen getreuen Menschen zu haben.

Erst wer das Vertrauen zu Gott
und die Geborgenheit bei ihm verloren hat,
ist wirklich arm, dass Gott sich seiner erbarm.


2. Nichts ist selbstverständlich

  • Gedankenlosigkeit oder auch ein idealistisches Welt- und Menschenverständnis verführen dazu, alles für selbstverständlich zu halten. Dabei bedeutet Leben immer ein Wandern auf einem schmalen Grat. Ein falscher Tritt, schon stürzen wir ab. Das Gleichgewicht der Stoffwechselvorgänge in unserem Körper wie das seelische Gleichgewicht entscheiden über unsere körperliche und seelische Gesundheit.
  • Seit 1989 durch die Auflösung des von den Kommunisten beherrschten Ostblocks die atomare Bedrohung aufhörte, wähnten viele ein Zeitalter des Friedens und der Freiheit angebrochen. Globalisierung hieß das neue eine gute, weltoffene Zukunft verheißende Schlagwort. Aber die wirtschaftliche Globalisierung ließ viele übersehen, dass die gegensätzlichen weltanschaulichen, kulturellen, religiösen Lebensformen und die ungerechte Verteilung der Güter dieser Erde eher noch größer geworden sind. Ja, dass mit der Globalisierung auch die Möglichkeiten des Bösen, des Terrors, enorm gewachsen sind.
  • Viele bei uns haben durch Wohlstand und Wohlleben verführt, sich in allzu großer Sicherheit gewähnt. Sie haben aufgehört, Gott, dem Geber aller guten Gaben, zu danken. Sie haben aufgehört zu beten und es aufgegeben am Sonntag die Eucharistie, das große Dankopfer Jesu und seiner Kirche mitzufeiern. Viele haben aufgehört aus christlicher Verantwortung ihr persönliches Leben wie das Leben der Wirtschaft zu gestalten.
  • Die Muslime halten deshalb zu Recht die meisten Menschen der westlichen Wohlstandsländer für Ungläubige, mit denen man nichts gemein hat. Und die radikalen unter ihnen fordern den Dshihad, den Heiligen Krieg gegen diese Ungläubigen mit allen Mitteln, mit Rauschgift und Selbstmordattentätern.
  • Wenn wir über unser Leben ernsthaft nachdenken, werden wir entdecken wie unberechenbar und zerbrechlich unser Leben ist. Und gerade diese Erkenntnis bringt uns dazu, nichts für selbstverständlich zu halten. Gerade das Danken für jede gute Gabe erhält dieses Wissen in uns lebendig, wie sehr wir Beschenkte sind.
  • Der heidnische königliche Beamte aus Syrien, versuchte alles, um dem Propheten Elischa zu danken, der ihm den Weg zur Heilung vom Aussatz gewiesen hatte. Dieser verweist ihn auf Jahwe, den Gott Israels, in dessen Dienst er steht. Von nun an wird der Geheilte nur noch Jahwe sein Dankopfer darbringen.

3. Von Zehn dankt einer Gott.

  • Im heutigen Evangelium erleben wir 10 Menschen, die ganz elend dran sind, ausgeschlossen von allem, was das Leben menschenwürdig macht. Der Aussatz zerstört nicht nur ihren Körper, sondern schließt sie wegen der Ansteckungsgefahr aus der Gemeinschaft der Mitmenschen aus. Vielleicht können wir ein wenig nachempfinden mit welcher Verzweiflung sie zu Jesus um Hilfe schreien: „Meister, hab Erbarmen mit uns.“
  • Jesus schickt sie zu der damaligen Gesundheitsbehörde, die ihre Heilung feststellen und sie wieder in die menschliche Gemeinschaft aufnehmen soll. Auf dem Weg dorthin geschieht das Wunder der Heilung. Wir verstehen, dass sie es eilig haben, die Heilung bestätigt zu bekommen. Jahrelang waren sie aus der Dorf- und Familengemeinschaft ausgeschlossen und führten ein elendes Leben. Und sicher waren sie in ihrem Herzen auch dem Rabbi Jesus unendlich dankbar.
  • Aber nur einer von Zehn rafft sich auf, umzukehren, um vor Jesus Gott für seine Heilung zu danken. Die Heimkehr kann warten. Der Mann aus Samarien, auf den Juden als Angehöriger eines vom wahren Glauben abgefallenen Stammes mit Verachtung herabschauen, der zudem sogar den weitesten Weg nach Hause hat, er kehrt um und dankt. Er weiß, hätte Gott nicht durch diesen Gottesmann Jesus an ihm gehandelt, dann könnte er jetzt gar nicht heim, gäbe es für ihn kein neues Leben, müßte er elend zugrunde gehen. Und darum hat für ihn in seinem neu gewonnen Leben der Lobpreis Gottes in Gegenwart Jesu, seines Retters, die erste Priorität.
  • Nicht nur sein kranker Leib hat sich zur Gesundheit gewandelt, sondern auch seine Seele und sein Geist hat sich dem zugewandt, der allein das Leben in Fülle schenken kann.

4. Jesus bestätigt die Verwandlung des Einen.

„Steht auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.“
Die übrigen neun sind zwar auch an ihrem Leib gesund geworden.
Aber nur dem Einen ist wirklich geholfen.
  • Jesus will damit sagen: Du allein hast begriffen, dass Krank- und Gesundwerden mehr ist als nur ein Vorgang an und in unserem Körper.
  • Dir allein ist aufgegangen, wie sehr unser Vertrauen auf den Arzt und auf Gott herausgefordert ist, wenn wir die Krankheit überwinden und bestehen wollen.
  • Dir ist als einzigen klar geworden, dass unser Leben in Gesundheit und Krankheit von dem größeren Gott umfangen ist. Dieser Gott geht auch dann mit dir, wenn du krank bist, entweder um dich zu heilen oder dich bei sich aufzunehmen in die Fülle seines Lebens.
  • Du allein hast verstanden, wie sehr unser ganzes Leben verdanktes Leben ist. Du hast das Nachdenken und das Danken nicht vergessen und bist dorthin gegangen, wo der Dank hingehört.
  • Deine Krankheitsgeschichte hat dich sehender, nachdenklicher, offnerer und insgesamt dankbarer gemacht für das Geschenk des Lebens. Denn wer denkt, der dankt.

5. Unser Dank geht durch Jesus zum Vater.

  • Unser Dank als Christen geht durch Jesus, mit ihm und in ihm vor dem wir Gott loben, zum Vater. Nur wenn wir uns dazu aufmachen, ist uns wirklich geholfen. Immer bedarf es dieser Umkehr, dieses Nach- und Zurückdenkens, damit wir durch Jesus Gott die Ehre geben.
  • Gott hat uns in der Taufe als seine Kinder, als seine Töchter und Söhne angenommen und uns zu seinem Tempel gemacht. Christus hat sein Leben für uns hingegeben, ist gehorsam geworden, ein Liebender geblieben bis zum Tod. Durch seine Lebenshingabe hat er unsere Sünden ausgelöscht.
  • Im Sakrament der Sündenvergebung, in der heiligen Beichte, spricht er uns diese Vergebung persönlich durch den geweihten und bevollmächtigten Priester zu, schenkt er uns einen neuen Anfang. Vielleicht hat auch deshalb die Intensität unseres Dankens so stark abgenommen, weil wir uns der Geschenke Gottes durch Jesus nicht mehr bewußt sind. Wer am Sonntag, am Tag Gottes, die Einladung Jesu »Tut dies zu meinem Gedächtnis« annimmt: kommt vom Denken zum Danken.

6. Damals und heute.

  • Damals kam von 10 Einer. In unserem Seelsorgebereich sind es am Sonntag von 10 höchstens 2, die durch Christus, mit ihm und in ihm Gott für die Gaben seiner Schöpfung und Erlösung danken. Wer denkt, der dankt Gott dafür, dass er genug Nahrung und Kleidung hat, in Gemeinschaft leben darf, an den Gütern dieser Erde teilhat, wie sonst niemand auf der Welt. Oder haben wir das Nachdenken aufgegeben und halten unseren Wohlstand für selbstverständlich? Müssen erst die Kräfte des Bösen uns aufwecken oder das, was uns so selbstverständlich ist, aus der Hand schlagen, damit wir aufwachen?
  • Wer denkt, der dankt. Die heilige Messe ist Gedächtnisfeier. „Tut dies zu meinem Andenken.“ Tut dies und denkt an mich! Denkt daran, dass ich euch das Ansehen und die Liebe Gottes geschenkt und die Fülle seines Lebens zugesagt habe. Achtet dieses Geschenk nicht gering! Haltet es nicht für selbstverständlich. Sonst kann es sein, dass es euch genommen wird. Denkt an mich und dankt Gott, gebt ihm die Ehre. Dann ist euch wirklich geholfen, hier auf Erden und über den Tod hinaus.


 

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