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2007 (C)

Homilie zu Lk 2,22-40 am Fest der Darstellung des Herrn in St. MIchael Neunkirchen

Darstellung des Herrn - Tafel aus dem ehem. got. Marienaltar - um 1580 in St. Michael Neunkirchen a.Br.
Darstellung des Herrn - Tafel aus dem ehem. got. Marienaltar - um 1580 in St. Michael Neunkirchen a.Br.
Fest der Begegnung [1]

1 In der Liturgie der Ostkirche

Was das heutige Fest bedeutet, sagt uns am deutlichsten die Liturgie der Ostkirche. Während wir dieses Fest Darstellung des Herrn oder Maria Lichtmess nennen, wird es in der orthodoxen Kirche Fest der Begegnung genannt. Es war dies eine entscheidende Begegnung, die 40 Tage nach der Geburt Jesu im Tempel stattfand. Maria und Josef erfüllen das Gesetz:
"Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein[2]
Damit bringt Israel seit der wunderbaren Errettung aus der Sklaverei in Ägypten zum Ausdruck, daß es seine Existenz in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der mächtigen Tat Gottes verdankt. Sie zeigen dadurch, dass Israel als erstes unter den Völkern Gott gehört und daß dieser Gott JAHWE heißt, der ICH-BIN-DA, ICH-BIN-BEI-EUCH. Und dieser Gott hat durch den Propheten Maleachi verheißen:
"Dann kommt plötzlich zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht, und der Bote des Bundes, den ihr herbeiwünscht."[3]
Auf diese Begegnung mit dem Messias warten die Frommen in Israel, sie wünschen sie herbei, wenn sie in den Tempel gehen. Und das heutige Evangelium bezeugt uns, daß dies schon am Anfang des irdischen Lebens Jesu wahr geworden ist.

2 Der Herr kommt zu seinem Tempel
Gott will in Jesus, in seinem menschgewordenen Sohn, seinem Volk begegnen.

2.1 Wem begegnet der Herr?
Er begegnet dem Greis Simeon und der Greisin Hanna. Wer sein ganzes Leben so wie diese beiden Menschen mit Gott und auf ihn hin lebt, auf seine Verheißungen baut, sich weder durch die Gleichgültigkeit noch den Glaubensabfall seiner Umgebung davon abbringen läßt, auf die Verheißungen Gottes zu vertrauen und mit seinem Volk zu leben, dem begegnet Gott als Retter und Licht in Jesus Christus.
Gerade die alten Menschen wissen, daß sich ihr irdisches Leben dem Ende zuneigt. Deshalb werden sie immer wieder im Tempel, im Hause Gottes nach Christus Ausschau halten, denn er führt uns in die Herrlichkeit Gottes. Deshalb ist es etwas durchaus Positives, daß so viele ältere Menschen am treuesten den Gottesdienst mitfeiern.

2.2 Wo begegnet Gott seinem Volk?
In seinem heiligen Tempel. Der Tempel Gottes ist zunächst die Gemeinschaft der Glaubenden. Er wird sichtbar und besonders offenbar, wo sich diese Gemeinschaft versammelt, um auf Gottes Wort und Verheißungen zu hören und ihn anzubeten.
Wir erleben daher die Begegnung mit Christus zu allererst hier in seinem Tempel, aber nicht automatisch, sondern nur wenn wir ihn hier suchen und herbeiwünschen, wenn wir in der Haltung Simeons und Hannas kommen und glaubend und liebend dem Geschehen der Verkündigung und der Anbetung uns hingeben. Dann wird uns Jesus Christus als Licht und Heil begegnen.
In dieser Haltung des gesammelten Bereitseins, des Sich-Sehnens nach der Begegnung mit dem gottgesandten Erlöser, kann das Wort zünden, kann sein Licht uns aufleuchten, freilich nicht sofort und nicht immer. Wir müssen warten können in Geduld und Treue wie Simeon und Hanna. Denn den Augenblick der Begegnung bestimmt Gott.
Zeichen für diese Geduld und Treue, für das gnadenhafte Aufleuchten des göttlichen Lichtes in unserem Herzen, sind die Kerzen am Altar. Sie brennen lautlos und verzehren sich still. Darum segnet die Kirche am heutigen Tag die Kerzen, die das Jahr über in der Kirche brennen.

3 Begegnung im Tempel ereignet sich auch heute.

Begegnung im Tempel Gottes inmitten der Glaubenden ist sogar für Außenstehende möglich. Dies zeigt ein berühmt gewordenes Beispiel aus unserer Zeit.
Der französische Journalist Andrè Fossard berichtet von einem solchen Begegnungsereignis in seinem Leben. Er beschreibt es in seinem Buch: "Gott existiert. Ich bin ihm begegnet." Aufgewachsen in einer völlig unchristlichen Familie und Umgebung betritt er eines Nachmittags eine Kirche in Paris im Stadtteil Latin, um einen Freund zu treffen. Sie hatten diesen Ort vereinbart, um sich nicht zu verfehlen. Fossard sieht sich in der halbdunklen Kirche um und sucht seinen Freund. Er hört das Beten der Klosterfrauen. Er schaut zum Altar mit den brennenden Kerzen. Sein Blick bleibt an einer Kerze haften, die links neben dem Kreuz brennt.
"In diesem Augenblick", so berichtet er, "bricht eine Welle von Wundern los." Fünf Minuten dauert diese Begegnung. Er ist von einem inneren Licht überwältigt. Er erkennt Gott.
"Als Atheist war ich eingetreten. Ich ging wenige Minuten später als katholischer Christ hinaus, getragen und emporgehoben von der Woge einer unerschöpflichen Freude."

4 Unsere Beteiligtsein an der Begegnung

Keiner von den anwesenden und betenden Gläubigen ahnte, was geschehen war. Es ist dies eine außergewöhnliche Begegnung, wie sie nicht jedem beschieden ist. Aber wir spüren, was sich ereignen kann, wenn Menschen hier betend den Herrn suchen und den Boten des Bundes herbeiwünschen. Die Begegnung mit Jesus Christus inmitten seines Tempels und seiner Kirche wird dem Wartenden und Sich-Öffnenden geschenkt. Und sie führt zum Lobpreis und zur Anbetung.

Von hier aus soll das Licht Gottes hinausstrahlen in die Welt, in das Leben, in den Alltag. Hier soll auch der Zufallsgast spüren, daß wir den Herrn suchen und den Boten des Bundes herbeiwünschen, daß wir in der Anwesenheit Gottes leben und ihn anbeten.

Hast, Eile, Zeitdruck lassen solche Haltung nicht aufkommen. Darum braucht der Gottesdienst Ruhe und Besinnung. Nur wenn wir uns die Zeit nehmen, unser Inneres zu öffnen, das Wort Gottes in uns einzulassen, es in uns hin und her zu bewegen, wird Begegnung geschehen. Jeder von uns ist durch seine innere Einstellung und sein äußeres Verhalten mitverantwortlich, ob inmitten seines Volkes, inmitten seines Tempels, Begegnung mit dem Herrn geschieht, und sein Licht und sein Heil andere, vielleicht einen Zufallsgast erfaßt.

Am Schluß der Lesung heißt es: "Dann werden sie dem Herrn richtige Opfer darbringen." [4]
Dazu haben wir uns ja versammelt, um Gott durch Christus, mit ihm und in ihm, das Opfer des Lobes und des Dankes, die Frucht unserer Lippen und unseres Lebens darzubringen. Dann können wir im Frieden in die Welt zu unseren Aufgaben zurückkehren oder auch, wenn es so weit ist, im Frieden sterben.
Pfarrgemeinde bedeutet auch, daß wir durch die Begegnung mit unserem Herrn Jesus Christus angeregt, die Begegnung miteinander pflegen. Denn als Christen sind wir gemeinsam unterwegs zu der großen, die Fülle des Lebens schenkenden Begegnung mit dem auferstandenen Herrn, der die Tür zum Vater und zum ewigen Leben ist.
Einander außerhalb des Gottesdienstes respektvoll, barmherzig und aufmerksam zu begegnen, setzt unser Begegnung mit Jesus, dem Messias Gottes, in die Welt hinein fort. Denn alles wirkliche Leben ist Begegnung.

[1] Mal 3,1
[2] Lk 2,23
[3] Mal 3,1
[4] Mal 3,3

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