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Predigten

Übesicht

2007 (C)

Homilie tzu den Texten des 4.Sonntags - 1. L Jer 1,4–5.17–19; 2. L 1Kor 12,31 – 13,13; Ev Lk 4,21–30 - in der Sonntag Abendmesse in St. Michael Neunkirchen

Teilhabe am Schicksal Jesu [1]
4. S. . Jahreskreis (C) Zum Propheten bestimmt' (Jer 1,5) mod. Graphik
4. S. . Jahreskreis (C) Zum Propheten bestimmt" (Jer 1,5) mod. Graphik


Begeisterung und Ablehnung
schlagen Jesus heute im Evangelium entgegen. Am Ende seines Leben erfährt er es nochmals: Hosianna und Kreuzige Ihn! Was ist es, was die Menschen so zwiespältig reagieren lässt?

• Einer der Ihren, den sie von Jugend an kennen, kann begnadet reden. Sie sind fasziniert von der Kraft seines Wortes. Zunächst wird seine Selbstoffenbarung auch von ihnen angenommen.

• Große Dinge hört man von ihm. Aus Kafarnaum hat es sich bis herauf nach Nazareth wie ein Lauffeuer verbreitet. Jesus - in aller Munde. Etwas von seinem Glanz fällt auch auf sie. Ist das nicht der Sohn Josefs? Kaum zu glauben.

• Ob er das Zuhause auch kann? Ob wir ein spektakuläres Wunder erleben werden? In ihm soll sich die messianische Verheißung erfüllt haben? In einem aus Nazareth? Er von Gott gesandt. Was der sich herausnimmt. Schnell schlägt die Stimmung um von liebender Zustimmung zur Ablehnung bis hin zum Lynchversuch.

Der Evangelist versucht nicht, diesen Vorgang psychologisch zu deuten. Er deutet ihn theologisch. Er wird durch Jesu Herausforderung bewirkt.

• Jesus zitiert zwei Sprichwörter: „Arzt heile dich selbst“ und „Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.“ Von einem der Ihren erwarten die Leute in Nazareth, dass sich die Verheißung nicht nur als Wort der Gnade, sondern auch als Tat verwirklicht. Bei ihnen müsste er zuerst irdische Wohltaten bewirken. „Arzt heile dich selbst,“ bedeutet dann: „Tu zuerst was für uns.“ Denn wir stehen dir am nächsten.

• Die Entlarvung der Landsleute geht schonungslos weiter. Im Grunde sind die Nazarether ebenso ungläubig wie alle Heimatstädte gegenüber einem Prophetenwort in ihrer Mitte. Zwei Beispiele aus dem Leben der Propheten Elija und Elischa bringen die Zuhörer schließlich so in Rage, dass ihn aus der Stadt hinaustreiben und versuchen zu lynchen. Damit wird das Evangelium zur Passionsgeschichte.

Jesus aber wird wunderbarer Schutz zuteil. Das ist für die Wissenden schon wie eine Verheißung der kommenden Errettung aus dem Tode. Der Weg Jesu ist von Anfang an bei Lukas „Wanderung“ näher hin zum Kreuz und zum Himmel. Darum heißt es: „Er ging weg“ oder wie andere übersetzen „er ging weiter.“ Selbstsucht und Machtstreben stellen Jesus aber auch seine Kirche, also uns Christen, vor die schlimme Wahl:

Gleichschaltung oder Verwerfung

Die Kirche hat es, sich an dem Schicksal Jesu orientierend, deshalb immer vermieden z.B. ihre Priester in deren Heimatorte einzusetzen. Sie weiß um die Gefahr der Manipulation und Gleichschaltung, die dem allzu Vertrauten und Dazugehörenden droht. Sie weiß, wie es dem Jeremia in seinem Heimatort Anatot ergangen ist: „Du sollst dich nicht als Prophet im Namen des Herrn gebärden, sonst stirbst du durch unsere Hand.“[2]

Durch die Geschichte hindurch haben vielmals die weltlichen Mächte versucht, die Kirche gleichzuschalten. Nicht immer hat die Kirche dieser Versuchung widerstanden.
Aber es gab zu allen Zeiten viele, denen ihr Widerstand gegenüber den Mächtigen die Freiheit oder das Leben gekostet hat. Stellvertretend für viele erinnere ich an Johannes Chrysostomus, dem Erzbischof von Konstantinopel. Er wurde vom Kaiser in die Verbannung geschickt, weil er sich keinen Predigtmaulkorb anlegen ließ.
Ich denke an Thomas Becket, den Erzbischof Canterbury, der wegen seiner konsequenten Haltung während eines Gottesdienstes von Höflingen des Königs in der Westminster Abbey niedergemacht wurde.
Ich denke an den Lordkanzler von England Thomas Morus, der sich von seinem König Heinrich VIII nicht gleichschalten ließ. Es hat ihm dem Kopf gekostet.
Ich denke an den Erzbischof Oscar Romero in Nicaragua, der während eines Gottesdienstes in seiner Kathedrale von einer Todesschwadron der herrschenden Militärjunta niedergeschossen wurde, weil er die Ungerechtigkeit und den Terror gegen das Volk anprangerte.

Immer wenn die Kirche ihre prophetische Stimme erhebt und die Ordnung Gottes anmahnt, muss sie mit Ablehnung, mit Angriffen, ja auch mit Unterdrückung rechnen. Die Kirche hat es im vergangenen Jahrhundert weltweit vor allem in den diktatorischen Systemen durch blutige Verfolgungen zu spüren bekommen, dass sie am Schicksal ihres Herrn teilhat.

Der Druck auf die Kirche in einer sog. freien Gesellschaft ist zwar nicht gewalttätig und Lebens bedrohend. Er wird aber in Wort und Schrift nicht weniger heftig ausgetragen.
So ist in unserer Gesellschaft die Sensibilität für die Würde des ungeborenen Lebens stark zurückgegangen. Im Jahr 2006 wurden ca. 138.000 legale Abtreibungen gemeldet, das ist für jeden Tag die Kinderzahl von 12 Schulklassen. Dazu kommt noch eine erhebliche Dunkelziffer der illegal oder nicht gemeldeten Abtreibungen.
Man beklagt den Geburtenrückgang und die dadurch entstehenden Probleme für unser Sozialsystem, verteidigt vehement das Selbstbestimmungsrecht der Frau. - Dem werdenden Menschenkind aber wird das Recht auf Leben verweigert. Der Kirche bringt es nicht nur Anerkennung, wenn sie sich für die Kleinen und Wehrlosen einsetzt, sondern auch heftigen Widerspruch bis hin zur Diffamierung und Anfeindung. Aber gerade dann sind wir in guter Gesellschaft mit Jesus und den Propheten, mit den Heiligen und Märtyrern.

Immer steht der christliche Glaube in dieser Spannung zwischen Begeisterung und Ablehnung. Das war bei Jesus so, und das wird auch bei seinen Jüngerinnen und Jüngern, wenn sie wirklich welche sind, so sein. Zu allen Zeiten ist der Christ bedroht von der Versuchung, sich an den Geist der Welt anzupassen, gleichgeschaltet und für politische, gesellschaftliche Zwecke missbraucht zu werden. Dann braucht es vom Geist Jesu ergriffene prophetische Menschen, die dagegen ihre Stimme erheben, damit wir auf dem Weg der göttlichen Wahrheit bleiben.

Die erste Lesung und das Evangelium haben uns diese Wirklichkeit christlicher Existenz klar vor Augen gestellt. Jeder von uns ist bei der Taufe für den prophetischen Dienst geweiht. Diese Sendung wurde im Sakrament der Firmung erneuert und bekräftigt. Auch uns sagt der Geist Gottes: „Du aber gürte dich, tritt vor sie hin, und verkünde ihnen alles, was ich dir auftrage. Erschrick nicht vor ihnen.... Mögen sie dich bekämpfen, sie werden dich nicht bezwingen; denn ich bin mit dir, um dich zu retten - Spruch des Herrn.“

Die erste Lesung und das Evangelium haben uns das Schicksal des Propheten und des Gesandten Gottes vor Augen gestellt. Die zweite Lesung aus dem 1. Kor. und das Tagesgebet zeigen uns, wie die prophetischen Berufung und Sendung ausgeübt werden soll:

Prophetisches Reden soll von der Liebe geleitet sein.[3]

„Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.“
In der Antike war der Rhetor ein wichtiger Beruf. Rhetorik, die Kunst der Rede, wurde an den Schulen gelehrt. Augustinus hat die Kunst der Rede nicht nur gelernt, sondern noch bevor er Christ wurde, sie in Karthago seinen Studenten gelehrt. Durch die Macht der Rede konnte man Menschen beeinflussen, überzeugen, vor Gericht einen Prozess gewinnen.

Adolph Hitler studierte seine vor den Massen geplanten Reden in Wort und Gestik intensiv ein. Aber er predigte die Überheblichkeit und den Hass. Durch die Gewalt seiner Rede verführte er die Menschen.
Eine Rede stiftet nur dann gutes, wenn sie von der Liebe zu Gott und den Menschen durchdrungen ist. Darum beteten wir heute im Tagegebet mit der Kirche zu Gott: „ Gib, dass wir dich mit ungeteiltem Herzen anbeten und die Menschen lieben, wie du sie liebst.“ Prophetische Rede kann ja nur im Geiste Gottes, für ihn sprechen, wenn der Redende Gott als seinen alleinigen Herrn erkennt und anbetet.
Weiter sagt Paulus in seinem Lied der Liebe: „Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; ...hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts.“ Unser prophetische Berufung ist weder zum Angeben, noch zum Dreinschlagen da, sondern sie erweist sich darin als göttlich und christlich, dass wir uns, wie es im Epheserbrief heißt, »von der Liebe geleitet, an die Wahrheit halten und in allem wachsen, bis wir ihn erreicht haben. Er, Christus, ist das Haupt.“[4]
Also nicht kopflos, orientierungslos in eine ungewisse Zukunft hineinschlittern, sondern Christus ähnlicher werden in der Liebe zu Gott, den er seinen lieben Vater nennt; uns an die Wahrheit zu halten, dass Gott gegenwärtig da ist; von der Liebe zu Gott und von der Liebe zu den Menschen geleitet, uns der Gegenwart und der Zukunft zu stellen, den Mund aufmachen und handeln, wenn es darum geht, falsche Entwicklungen zu stoppen und gute zu befördern. Zwar bei allem unseren Kopf, unseren Verstand und unser Herz befragen, aber immer im Hinhören und Hinschauen auf ihn, der das Haupt ist, Jesus Christus.

[1] 1. L Jer 1,4–5.17–19; 2. L 1Kor 12,31 – 13,13; Ev Lk 4,21–30
[2] Jer 11,21
[3] 1 Kor 13,2
[4] Eph 4,15

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