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Advent Lesjahr A

Homilie zum 1. Advent (A) in Großenbuch St. Johannes der Täufer

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Achtsam und wachsam auf den Herrn warten

  • Nach den Terroranschlägen in New York wurden alle Bürger aufgefordert, wachsam zu sein. Der Feind könne überall lauern. Die Sicherheitsvorschriften wurden erhöht und viel Geld locker gemacht, um dem Terrorismus wirksam begegnen zu können. Ja, wenn es uns an den Kragen geht, dann merken wir auf einmal, wie wichtig es ist, achtsam und wachsam zu leben.
  • Wie aber ist es mit unserem Achtsam- und Wachsamsein bestellt, wenn Gott auf uns zukommt, wenn es um unsere ewige Zukunft geht?
  • Leitworte der beiden Lesungen und des Evangeliums sind die Begriffe Aufbruch und Wachsamsein. Vom »Sich auf den Weg machen«, »Aufstehen vom Schlaf«, vom »Einbruch« in unser Lebenshaus, vom »Ende, das vor der Tür steht«, ist da die Rede. Alle Texte haben etwas mit dem Kommenden, mit unserer Zukunft, mit Hoffnung und mit Warten auf die endgültige Erlösung zu tun. Da geht es nicht um intimes Sich Zurückziehen, nicht um Kerzenschein bei Nüssen und Bratäpfel.
  • Der Advent ist die Zeit, in der wir Christen uns bewusst werden, dass unser Dasein hier auf Erden begrenzt ist und dass wir ausblicken dürfen nach dem, was wir Christen Erlösung nennen.

Erlösung - ist das noch zeitgemäß?

  • Wir Menschen in den Ländern des Wohlstandes tun uns heute schwer mit dem Begriff Erlösung. Wovon sollten wir denn schon erlöst werden. Not und Hunger müssen in unseren Breiten die wenigsten leiden. Wir haben, wenn alles gut geht, eine hohe Lebenserwartung. Unser Gesundheitssystem ist hervorragend ausgebaut. Und für die meisten Zeitgenossen ist nicht Gott, sondern Gesundheit das höchste Gut. Höchsten beunruhigen uns die drohende Energie Knappheit und die damit einhergehenden finanziellen Belastungen und Einschränkungen, während der Anstieg des Meeresspiegels infolge der Klimaerwärmung uns nicht unmittelbar zu betreffen scheint. Ob wir uns da nicht täuschen!
  • Natürlich es gibt auch unter uns arme Menschen, die besonderer Unterstützung und Zuwendung bedürfen. Aber um die soll sich gefälligst der Staat kümmern. Auch bei uns werden Menschen plötzlich von schweren, unheilbaren Krankheiten befallen. Auch bei uns verzweifeln Menschen, nehmen sich das Leben, weil sie keinen Sinn in ihrem Dasein oder keinen Ausweg aus ihrer verfahrenen Lebenssituation mehr sehen.
  • Viele andere Nöte und Belastungen, denen wir ausgesetzt sind, nehmen wir kaum mehr bewusst wahr, weil uns ja so viel geboten wird, um uns abzulenken, damit wir mit der inneren Hohlheit unseres Daseins nicht mehr konfrontiert werden. Und doch leiden nicht wenige Menschen bei uns an lähmender Angst. Depressionen verdunkeln den Blick für die lichten und schönen Seiten des Lebens.
  • Äußerlich gesehen ist die Adventszeit eine Ablenkzeit geworden. Die Texte des 1. Advent mahnen uns, diese Zeit zu nutzen, einmal unser Leben als Ganzes anzusehen und nachzuspüren, worin unsere tiefsten Sehnsüchte und Hoffnungen, aber auch Ängste und Sorgen bestehen.

Unsere Sehnsüchte

  • "Alles beginnt mit der Sehnsucht", schreibt die jüdische Dichterin Nelly Sachs; und wir dürfen darin die Ermutigung sehen, unserer Sehnsucht mehr Achtsamkeit zu schenken.
  • Da ist sicher einmal die Sehnsucht nach Geborgenheit, die Sehnsucht, im Leben einen Halt zu finden, gerade wenn jemand das Gefühl hat, vor einem Abgrund zu stehen. Und Abgründe tun sich oft genug im Leben auf: Das Scheitern einer Beziehung, Misserfolge in Schule und Beruf, das Scheitern eines Lebensplanes, unheilbare Krankheiten oder der Tod eines geliebten Menschen und vieles andere mehr. Und doch! Nur wer seine Sehnsüchte wahrnimmt, kann bereit werden, sie von jemand stillen zu lassen.
  • Aber können Menschen oder Dinge wirklich unsere Sehnsucht stillen? Wilhelm von Scholz meint: „In der Sehnsucht empfindet man die Dinge, nach denen man Verlangen trägt, so stark und lebendig wie nie im Besitz; allem Erreichten droht Ernüchterung und Enttäuschung.“ Also am besten gar nichts ersehnen, nichts erwarten? Das wäre der Tod.
  • Aber bei allem Sehnen und Erwarten muss ich wissen: Menschen oder Dinge können unsere Sehnsucht nur teilweise, nur vorläufig stillen. Wer das nicht akzeptiert, dessen Sehnsucht endet leicht in der Sucht, die Glückgefühle festhalten möchte. Aber jede Sucht bedeutet Abhängigkeit, Verlust der Freiheit, Siechtum, Zerstörung der seelischen und leiblichen Gesundheit. Es gilt also auch unseren Sehnsüchten gegenüber wachsam und genügsam zu sein.

Die Weisheit der Einsiedler und Mönche

  • Könnte für uns Heutige nach außen gewendeten Menschen hilfreich sein. Ein Mönchsbruder kommt in die Einsamkeit eines wegen seiner Weisheit geachteten Mönches und erbittet von ihm ein Wort. Der Greis sagt zu ihm: »Fort, geh in deine Zelle und setze dich nieder, und die Zelle wird dich alles lehren.«
  • Das Sitzen in der Zelle war für die frühen Mönche eine wichtige Übung. Sie konnten sogar sagen: »Du brauchst gar nichts Frommes zu tun. Du musst nicht beten oder fasten. Nur halte dich aus in deiner Zelle. Wirf deinen Leib nicht aus der Zelle heraus. Entscheidend ist, dass du vor dir selbst nicht davonläufst, sondern dich so, wie du bist, vor Gott aushältst«.
  • Der Benediktiner Anselm Grün schlägt folgende Übung vor: Setze dich in dein Zimmer, eine halbe Stunde lang. Nimm kein Buch zur Hand, auch nicht die Bibel. Denke nicht über bestimmte Dinge nach. Meditiere auch nicht und bete nicht irgendwelche Gebete. Deine Aufgabe besteht darin, dich einfach vor Gott hinzusetzen und zu beobachten, was sich da in dir regt.
  • Die Mönche nennen diese Übung Griechisch »nepsis = Wachsamkeit«. Sie vergleichen den Mönch mit einem Fischer. Der wartet in seinem Kahn darauf, dass sich das Wasser um ihn beruhigt. Dann sieht er, wie im klaren Wasser die Fische aufsteigen. Und er kann sie fangen.
  • So kannst du in deinem Zimmer warten, bis das Wasser um dich herum ruhig und klar wird. Dann erkennst du, was da alles in dir aufsteigt. Und das nimm dann in die Hand und halte es Gott hin. Dann erkennst du, welcher Fisch dich nähren kann und welchen du wieder ins Wasser zurückwerfen solltest. Hast du kein eigenes Zimmer, dann geh in die Kirche. Such dir dort einen Platz, wo dich niemand stört. Und warte, was mit dir geschieht.

In unserer Sehnsucht nach Frieden

  • werden wir daher unseren Blick auf Gott, den Lehrer und Richter der Menschheit lenken. Er will uns dazu bringen, dass wir aus Schwertern Pflugscharen, und aus Lanzen Winzermesser machen, d. h. die uns zur Verfügung stehenden Mittel für etwas Vernünftiges einzusetzen.
  • Stellen wir uns vor, das für Rüstung und Waffengänge aufgewendete Geld würde für die Bekämpfung von Armut, Hunger und Krankheit, für Bildung und für die Bewahrung der Schöpfung ausgegeben. Der Mensch würde sich diesen Aufgaben widmen und aufhören durch Waffen seine Brüder und Schwestern zu unterwerfen, bzw. aus dem Weg zu räumen.

Wie bringt man die Menschen soweit,

  • dass sie sich nicht nur nach Frieden sehnen, sondern ihm nachjagen? Die erste Lesung sagt: man muss sie auf eine Wallfahrt schicken, weg von Babylon, dem Ort der Missverständnisse, der Feindschaft und Kriege hin nach Jerusalem, der Stadt des Friedens, in der Gottes Wille geschieht, wie im Himmel so auf Erden.
  • In der Praxis heißt das, mit dem Willen Gottes ernst machen: Auf Machtausübung verzichten und Hilfe leisten. Die eigenen Ansprüche reduzieren und auf die Bedürfnisse der anderen eingehen. Widerstände nicht niederwalzen, sondern erkennen, was an ihnen berechtigt ist, und zu einem Ausgleich zu finden. Anfangen muss das beim Haus Jakob, d.h. beim Volk des Bundes, beim Volk Gottes. Jeder Christ muss sich auf den Weg machen und im „Lichte Gottes“ zu leben beginnen.

Es ist der Weg des Wach- und Aufmerksamseins

  • Die Adventzeit lädt uns ein, aus dem verordneten Trubel der Vorweihnachtszeit auszusteigen. Aber nicht um in die Scheinidylle adventlichen Brauchtums umzusteigen, sondern jenen ganz anderen Weg zu gehen, den uns die Texte der Frohen Botschaft dieses und der kommenden Sonntage weisen:
- Den Weg der Aufmerksamkeit und Wachsamkeit den eigenen tiefen Sehnsüchten und Hoffnungen gegenüber;
- Den Weg der Aufmerksamkeit und Wachsamkeit auch bezüglich der Sehnsüchte und Hoffnungen anderer Menschen, ja der ganzen Menschheit gegenüber.
  • Dabei ist notwendig zu beachten, was Ladislaus Boros geschrieben hat: „Jede Erfüllung ist zugleich ein neuer Anfang, Beginn einer noch größeren Erfüllung.“
  • Deshalb werden wir im Advent und in unserem ganzen Leben den Weg der Achtsam- und Wachseins Gott gegenüber gehen. Einer, der im Psalm 10 um Hilfe ruft gegen gottlose gewalttätige Menschen, kann am Schluss sagen: „Herr, du hast die Sehnsucht der Armen gestillt, du stärkst ihr Herz, du hörst auf sie: Du verschaffst den Verwaisten und Bedrückten ihr Recht. Kein Mensch mehr verbreite Schrecken im Land.“ [1]
  • Nie werden wir aufhören, uns nach der Fülle des Lebens zu sehnen, die nur Gott schenken kann. Er allein kann einmal all unsere Sehnsucht stillen.
  • Adventlich, wachsam und aufmerksam leben, heißt einmal wieder neu wahrnehmen, dass Gott in Jesus von Nazareth Mensch geworden ist. In ihm zeigt er uns sein menschliches Antlitz. Dies gilt es im Advent zu suchen.
  • Adventlich, wachsam und aufmerksam leben, heißt aber vor allem wie der heilige Paulus sehnsüchtig auf sein Erscheinen, den Tag der Vollendung der Erlösung, den Tag seiner Wiederkunft in Herrlichkeit zu warten.[2] Das bedeutet: Ich werde jeden Tag so leben, als wäre es mein letzter.


[1] Ps 10,17f.
[2] 2 Tim 4,8

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