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Predigten

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2007

Homilie zu den Gebeten (Tagesgebet, Gabengebet, Schlussgebet) beim Einkehrtag für die Pfarrei Schlüsselfeld in Kloster Schwarzenberg und in der Sonntagabendmesse in St. Michael Neunkirchen gehalten.


MIT DER KIRCHE BETEND DEN ERLÖSER ERWARTEN[1]

In jeder Messfeier zeigt uns die Kirche in ihren Gebeten,
was und wie sie glaubt, wie sie sich vor Gott sieht.

Drei Gebete sind es, in denen der Priester als Vorsteher die Gebete der Gemeinde zusammenfasst. Das Tagesgebet am Schluss der Eröffnung der Messfeier; das Gabengebet am Schluss der Bereitung der Gaben und Herzen; und das Schlussgebet am Ende der Eucharistiefeier.

Vor jedem dieser Gebete ruft uns der Priester zu: »Lasset uns beten« oder »Wir wollen beten«. Wir alle sind damit gemeint. In den Ausführungsbestimmungen der Liturgie heißt es, dass jetzt eine Gebetsstille folgen soll. In dieser Stille soll jeder Gott noch einmal sagen was uns besonders auf der Seele brennt oder am Herzen liegt. Da soll das zur Sprache kommen, was uns bei der Eröffnung, beim Bußakt aufgegangen ist; oder beim Gabengebet, was wir Gott jetzt geben wollen; oder beim Schlussgebet, was uns in der Begegnung mit dem Herrn in seinem Opfer und Mahl wichtig geworden ist für unseren Alltag. In der Stille nach dem »Lasset uns beten«, ist also jeder von uns gemeint.

Anschließend fasst der Priester unser Beten mit dem Tagesgebet, dem Gabengebet oder dem Schlussgebet zusammen.
Hören wir nochmals

das Tagesgebet

Allmächtiger und barmherziger Gott, deine Weisheit allein zeigt uns den rechten Weg. Lass nicht zu, dass irdische Aufgaben und Sorgen uns hindern, deinem Sohn entgegenzugehen. Führe uns durch dein Wort und deine Gnade zur Gemeinschaft mit ihm, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Das Tagesgebet steht unter dem Thema des Weges: »Deine Weisheit zeigt uns den rechten Weg,... deinem Sohn entgegenzugehen«. Daher die Bitte: »Führe uns...«. Damit ist deutlich gesagt, dass wir der göttlichen Führung bedürfen, um auf diesem Weg zu bleiben, der uns zur Begegnung mit dem auferstandenen und erhöhten Christus führt.

In Advent geht es nicht nur darum an Weihnachten dem Mensch gewordenen Christus zu begegnen. Vielmehr bewegen wir uns auf den wiederkommenden Herrn zu, der bei seiner zweiten Ankunft die Welt heimholen wird in das Reich seines Vaters.

Der tiefste Sinn der Liturgie,

besonders der Eucharistie, ist es, uns auf diesen Weg voranschreiten zu lassen. Der 2.Artikel der Liturgiekonstitution des 2.Vat. zeigt uns ausdrucksstark das wahre Wesen der von Christus durchdrungenen Kirche: In der Liturgie »vollzieht sich das Werk der Erlösung«. Die Liturgie, besonders die Eucharistie »trägt in höchstem Maße dazu bei, dass das Leben der Gläubigen Ausdruck und Offenbarung des Mysteriums Christi und des eigentlichen Wesens der wahren Kirche wird«.

Die Gegenwart Christi in seiner Kirche wirkt sich dahin aus, dass »die Kirche zugleich göttlich und menschlich ist, sichtbar und mit unsichtbaren Gütern ausgestattet, voll Eifer der Tätigkeit hingegeben und doch frei für die Beschauung, in der Welt zugegen und doch unterwegs; und zwar so, dass dabei das Menschliche auf das Göttliche hingeordnet und ihm untergeordnet ist, das Sichtbare auf das Unsichtbare, die Tätigkeit auf die Beschauung, das Gegenwärtige auf die künftige Stadt, die wir suchen.« Eucharistie feiern bedeutet; Gott dankend den Tod und die Auferstehung ihres Herrn zu feiern, »bis er kommt in Herrlichkeit«.
So erfahren wir jetzt schon seine Ankunft bei uns, freilich noch nicht in offenbarer Herrlichkeit, sondern im Glauben und unter sakramentalen Zeichen.

Das Gebet beginnt mit einer doppelten Aussage.

Die erste steckt in der Anrede: Gott ist allmächtig und barmherzig, barmherzige Allmacht und allmächtiges Erbarmen. Beides ist entscheidend wichtig. Denn als sündige Menschen, wie wir uns im Bußakt der Messe bekennen, müssten wir die Allmacht Gottes fürchten, wäre er nicht barmherzig ‑ und könnte uns seine Barmherzigkeit nicht retten, wäre er nicht allmächtig. So aber sind wir tief geborgen in der Allmacht, die Barmherzigkeit ist.

Die zweite Aussage entspringt dem Vertrauen in dieses Geborgensein: "Deine Weisheit allein zeigt uns den rechten Weg." Beide: Weisheit und Weg sind Bildworte für Christus. Er ist Gottes Weisheit, "Widerschein des ewigen Lichtes" und "Bild seiner Vollkommenheit"[2] oder wie es im Hebr.[3] heißt: "Abglanz seiner Herrlichkeit und Abbild seines Wesens".

Es gibt kein anderes Licht, in dem wir das Ziel, d.h. Gott als unser Heil und unsere Vollendung in Gott, erblicken und keinen anderen Weg, auf dem wir es erreichen können, als Christus selbst.[4] All die Lichter in den Geschäftsstrassen sind vergängliche Lichter, höchstens Ausdruck einer ungestillten Sehnsucht nach Licht in den Dunkelheiten des Lebens.

Auf die doppelte Aussage
"Gott ist allmächtig und barmherzig" und "Deine Weisheit allein zeigt uns den rechten Weg", folgt eine doppelte Bitte:

Die erste hat ihren Grund in der Erfahrung unserer Schwäche und Inkonsequenz. Als Glaubende sehen wir den Weg und kennen das Ziel. Wir brauchen, ja dürfen uns auch gar nicht den Aufgaben und Sorgen entziehen, die das Leben in dieser Welt mit sich bringt. Aber wenn wir es zulassen, dass sie allein unsere Kraft und unser Denken beanspruchen, dass sie uns den Blick auf das Ziel verstellen und uns hindern, konkrete Schritte zu tun, die uns Christus näher bringen, dann ist es an der Zeit zu rufen: Lass es nicht zu! Halte uns den Blick und den Weg offen in eine Zukunft, die mehr als nur irdisch ist, und die für uns das Antlitz und den Namen deines Sohnes trägt.

Die zweite Bitte schließt hier an, und sie hat ihren Grund im Vertrauen auf die Kraft und Treue Gottes: Er kann und wird uns führen ‑ über alle Grenzen hinaus, die wir aus eigener Kraft nicht überschreiten könnten. Denn sein Wort ist das Wort schöpferischer Allmacht und Gnade, also seiner allmächtigen Nähe, die Liebe und Erbarmen ist: "Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht alles, wozu ich es ausgesandt habe.“[5] Gottes Wort und seine Gnade sind es, die uns der Gemeinschaft mit dem Herrn entgegenführen, dessen Advent wir begehen.

Das Gabengebet

Barmherziger Gott, wir bekennen, dass wir immer wieder versagen und uns nicht auf unsere Verdienste berufen können. Komm uns zu Hilfe, ersetze, was uns fehlt, und nimm unsere Gebete und Gaben gnädig an. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Die Gaben, die dargebracht und auf dem Altar niedergelegt worden sind, sind "Frucht der Erde" und "des Weinstocks" ‑ aber auch "menschlicher Arbeit‑, Zeichen der Kraft und Fruchtbarkeit, die Gott seiner Schöpfung eingestiftet hat, aber auch der Mühe, Sorgfalt und Phantasie des Menschen, dem die Schöpfung anvertraut ist. Trotzdem bekennen wir vor dem barmherzigen Gott, dass wir versagen und uns nicht auf unsere Verdienste berufen können. Was bedeutet dieses Bekenntnis gerade in dem Augenblick, wo der eucharistische Teil der Messfeier begonnen hat?

Es bedeutet zunächst, dass keine irdische Gabe, ja dass nicht einmal die ganze Schöpfung und wir selber dazu, für deren Hingabe und Opferbereitschaft Brot und Wein Sinnbild sind, der Größe und Heiligkeit Gottes genügen können.

Es bedeutet ferner, dass alles, was wir darbringen, ihm längst gehört und dass selbst unsere Verdienste seine Gaben sind. Und es bedeutet schließlich das Eingeständnis, dass wir sogar hinter dem Guten, das uns mit seiner Hilfe möglich wäre, immer wieder zurückbleiben und versagen.

Aber im Hinblick auf die Eucharistie hat das Bekenntnis des Unvermögens noch einen tieferen Grund. In dieser Feier bringen wir ‑ unvollkommen genug ‑ uns selbst vor Gott und alles, was wir von ihm empfangen haben. Er aber überbietet unsere Hingabe an ihn in unerhörter Weise: er gibt uns sich selbst in seinem Sohn, sakramental verhüllt in Brot und Wein.

In diesem heiligen Tausch sind wir die von Anfang an und bis zum Ende in beglückend beschämender Weise Beschenkten: Alles, was wir geben, ist schon zuvor seine Gabe. Alles, was wir empfangen, kann nur er uns geben. Alles, was wir tun können, ist ihn zu bitten, dass er vollbringe, was wir nicht vermögen.

So ist die Bitte zu verstehen, die auf das Bekenntnis unseres Unvermögens folgt. die Bitte um seine Hilfe, ohne die wir ihn nicht einmal suchen, geschweige denn finden und ihm begegnen könnten; die Bitte zu ersetzen, was uns an Fähigkeit zur Hingabe, an Bereitschaft, in das Opfer Christi einzugehen, fehlt; die Bitte um gnädige Annahme unserer Gebete und Gaben, der menschlich irdischen Worte und Zeichen, in denen und durch die er uns seine Gegenwart in Christus schenkt.

Das ist Beten im Namen Jesu, "der uns die Feier dieses Geheimnisses aufgetragen hat" (Hochgebet IV). Es ist Gebet, das der Erhörung gewiss sein darf.[6] Darum wird bei der Feier der Eucharistie geschehen, worum wir bitten: die Wandlung unserer Gaben in den Leib und das Blut des Herrn, Durch die Wandlung unserer Gaben geschieht Advent, die Ankunft Gottes in seiner und unserer Welt "durch Christus, unseren Herrn".

Schlussgebet

Herr, unser Gott, im heiligen Mahl hast du uns mit deinem Geist erfüllt. Lehre uns durch die Teilnahme an diesem Geheimnis, die Welt im Licht deiner Weisheit zu sehen und das Unvergängliche mehr zu lieben als das Vergängliche. Darum bitten wir durch Christus....

In der Eucharistiefeier geschieht also Ankunft des Herrn bei seiner Gemeinde unter sakramentalen Zeichen. Die Ankunft des Herrn in der Eucharistie und die Mahlgemeinschaft ist so wirklich, dass das Schlussgebet feststellt: »Du hast uns mit deinem Geist erfüllt«. Der Geist, das ist die Frucht der Begegnung mit dem Herrn; es ist jener Geist, der im Schoß der Jungfrau das Wunder der Menschwerdung Gottes gewirkt hat, der in der Eucharistie die Gaben von Brot und Wein heiligt, damit sie für uns Leib und Blut des Herrn seien, durch deren Genuss "wir ein Leib und ein Geist werden mit Christus"[7]

Die Feier, in der das geschieht, wird Geheimnis genannt. Nicht, weil das, was in ihr geschieht, so dunkel und verborgen wäre, dass wir es nicht verstehen können. Sie ist ein Geheimnis deswegen, weil die Liebe, die uns Gott bei dieser Feier in Christus erweist, so unermesslich reich ist, dass wir nur im Glauben, im Vertrauen auf Gottes Wort ihre Länge und Breite, Höhe und Tiefe zu ermessen vermögen, die letztlich alles Erkennen übersteigt.[8] Es geht hier um ein Geheimnis des Reichtums und der Fülle.

Wir bitten deshalb darum, dass wir durch die Teilnahme an diesem lichtvollen Geheimnis die Welt im Licht der Weisheit Gottes sehen lernen als Schöpfung Gottes, die aus seinen Händen kommt und zu ihm zurückkehren soll, damit er sie vollende;
dass wir die Welt begreifen als Bühne, auf der das Drama der Heilsgeschichte im Gang ist, in deren Zentrum Christus steht, dessen Brüder und Schwestern wir sind;

als Straße unserer irdischen Pilgerschaft, auf der wir der zweiten Ankunft des Herrn entgegengehen, seiner Wiederkunft in Herrlichkeit am Ende der Geschichte.

Wer so im Licht der Weisheit Gottes die Welt gläubig sehen lernt, der kann und wird das, was unvergänglich ist, mehr lieben als das Vergängliche. Und das bedeutet nicht Verachtung der Welt, sondern noch tiefere Liebe und Verantwortung für sie. An dem wie die Kirche betet, wird uns also klar, was sie glaubt. Ihr Beten ist daher ausdrucksstarke und lebendige Verkündigung der Frohen Botschaft.


[1] Homilien zum Tagesgebet, Gabengebet und Schlussgebet des 2.Advont B
Vgl. Erhöre die Bitten deines Volkes ‑ Geistl. Kommentare zu den Orationen des Messbuches Bd.II Benzinger‑Herder
[2] Weish 7,26
[3] Hebr 1, 3
[4] vgl. Joh 14,6
[5] Jes 55,11
[6] vgl. Joh 15,7; Mt 7,7
[7] Hochgebet III; vgl. Eph 4,4
[8] vgl. Eph 3,18f

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