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2007 (C)

Homilie zu den Texten des 2.Sonntags C) in St. Johannes in Großenbuch


Gottes Wirken in Gemeinde, Ehe und Familie
Gottes Wirken in Gemeinde, Ehe und Familie
Das Wirken Gottes in Gemeinde, Ehe und Familie [1]


„Alles ist machbar!“

so lautete ein Slogan in den 70er Jahren des 20. Jhts. Wir haben inzwischen erhebliche Zweifel daran, dass alles machbar sei. Aber von diesem Denken angesteckt, fällt es uns schwer, das Wirken Gottes in unserer Welt und in unserem Leben wahrzunehmen.
Solch atheistischer Anfechtung, als sei der Mensch der allein Wirkende und sich selber Verdankende, tritt Paulus in der 2. Lesung entgegen. Auf die verschiedenen Gnadengaben (Charismen) und Dienste in der Gemeinde von Korinth verweisend verkündet er:

"Gott wirkt alles in allen."

Damit meint er alles Gute, was in der Gemeinde geschieht. Es gibt offensichtlich verschiedene Begabungen und Charismen, aber nur den einen Geist, der inspiriert und uns zum Handeln antreibt. Es gibt in der christlichen Gemeinde verschiedene Aufgaben. Aber weil wir im Dienst des einen Herrn stehen, der unter uns war, wie einer der dient, muss der Dienst zum Nutzen aller geschehen und nicht um dadurch besondere Privilegien oder Ansehen für sich zu gewinnen.
Bei den vielen Kräften, die wirken, gilt, dass es nur den einen alles in allen wirkenden Gott gibt.
Jesus hat diesen Gedanken im Blick auf seine Jünger noch verschärft: "Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan."[2] Keiner darf sich in der christlichen Gemeinde über den anderen erheben; denn alle sind wir letztlich unnütze Mägde und Knechte Gottes. Wenn Gott unser Tun nicht segnet, geht es ins Leere.
Dies gilt nicht nur für das Leben der Kirche und ihrer Gemeinden, sondern auch in unseren christlichen Familien. Es besteht eine fundamentale Einheit zwischen den verschiedenen Menschen. Die Verschiedenheit der Geschlechter muss weder eingeebnet werden, noch soll sie zum Kampf der Geschlechter werden. "Gott bewirkt alles in allen".
Wenn beide Ehepartner sich auf diesen Gott ausrichten und in Verantwortung vor ihm leben, dann werden sie sich ergänzen. Denn jede Gabe des Geistes ist geschenkt, "damit sie anderen nützt". Jeder wird sich daher bemühen, alles zu tun, damit es dem anderen gut geht. Man wird eine fruchtbare Arbeitsteilung vereinbaren und phantasievoll alles tun, um nicht auf Kosten des anderen zu leben.
Das gilt für alle Familienangehörigen, auch für die Kinder. Die Eltern sind für die Kinder da, die Kinder aber auch für ihre Eltern. Weil Mutter und Vater für sie arbeiten und sorgen, werden auch sie ihren Eltern helfen. Das gilt vor allem, wenn die Eltern älter werden und ihre Kräfte schwinden.
Der Glaube an den einen Gott, "der alles in allen wirkt", ist die beste Garantie dafür, dass unsere Familien Bestand haben und nicht zerbrechen. Es soll nicht so sein, dass einer die Hosen an hat und alle anderen haben zu parieren, sondern es sollte auch in der Familie nur einen Herrn geben: Jesus Christus, der unter uns war, wie einer, der dient. Das ist wahres Herr Sein.
In der Nachfolge Christi heißt das ganz einfach: "Ich als Mann diene dem Leben und dem Glück meiner Frau und unserer Kinder." Und: "Ich als Frau diene dem Leben und dem Glück meines Mannes und unserer Kinder." Wenn beide von diesem Willen beseelt sind und sich immer wieder diese Haltung vom Herrn erbitten, wird Ehe gelingen.

Was bewirkt die Anwesenheit des Herrn?

Wir erfahren es im heutigen Evangelium. Jesus eröffnet seine öffentliche Wirksamkeit bei einer Hochzeit. Wie in allen Kulturen gehörte auch in Israel die Hochzeit zu den großen Freudenfesten. Jesus empfand offenbar die dabei herrschende Fröhlichkeit als gutes Bild für die mit ihm anbrechende Heilszeit.
Zunächst wird sichtbar, welche Rolle Maria, die Mutter Jesu spielt. Sie hat ihr Ohr an den Sorgen des jungen Paares. Sie gibt diese Sorge an Jesus weiter. Ob wir in den Familien unsere Sorgen nicht wieder mehr ihrer Fürbitte anvertrauen sollten?
Manche, vor allem Christen, die der Marienverehrung kritisch gegenüber stehen, sehen in dem Ausspruch Jesu »Was willst du von mir, Frau?" übereilt eine Abfuhr Mariens. Sie übersehen den Zusammenhang mit dem Wort, das folgt: "Meine Stunde ist noch nicht gekommen".
Mit der Stunde, meint Jesus die Stunde der Verherrlichung und Erhöhung durch den Vater, die in seinem Tod und in seiner Auferstehung geschieht.
Dieses "Was willst du von mir, Frau" hat nichts mit einem gespannten Mutter-Sohn-Verhältnis zu tun, sondern soll in der theologischen Schau des Evangelisten besagen, dass Jesus in seinem Handeln nicht von äußeren Autoritäten bestimmt wird, sondern nur tut, was sich ihm innerlich als Gottes Wille erschlossen hat.
Daher ermutigt Maria ja auch die Diener des Hauses: "Was er euch sagt, das tut." Sie sagt nicht, "was ich euch sage, das tut.“ Als das Wunder des zu Wein verwandelten Wassers geschehen ist, sagt das Johannesevangelium: "So tat Jesus sein erstes Zeichen in Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn."
Der göttliche Glanz liegt also über dieser Hochzeit, bei der Jesus und Maria anwesend sind. Seine Anwesenheit hat verwandelnde Kraft. Und die Anwesenheit Mariens sorgt dafür, dass die Sorgen der Menschen beim Herrn ankommen. Vergessen wir nicht, dass die Redaktion dieses Evangeliums vielleicht 60 oder 70 Jahre nach dem Tod Jesu geschah.
Es schwingt also in diesem Evangelium auch die Erfahrung der Urkirche mit. Eine Ermutigung für alle christlichen Paare, für Eltern und Kinder die Gegenwart Christi und seiner Mutter in ihrer Ehe und Familie zuzulassen und zu pflegen.
Die ganze Heilige Schrift schildert uns

Das Glück der Ehe als Bild für Gottes Heil und Erwählung

Alles Irdische kann Bild und Gleichnis des Vollendeten, des Ewigen werden. Der Prophet greift Gedanken aus Hos 1,6-9; 2,25 auf; auch hier erhalten die Kinder Hoseas zunächst Unglücksnamen, Gerichtsnamen, und in seiner Heilsverheißung verwandelt Gott diese Namen in ihr Gegenteil: Lo-Ruhama (Kein Erbarmen) in Ruhama (Erbarmen) und Lo-Ammi (Nicht mein Volk) in Ammi (Mein Volk). So nennt der Prophet das durch die Babylonier zerstörte und darniederliegende Jerusalem "Die Verlassene" und "Die Einsame".
In überkreuzender Folge verwandelt er diese Namen nun in ihr Gegenteil: Aus der Einsamen wird "Meine Lust", ein Lustgarten, und aus der Verlassenen wird "Liebes Weib".
Die Bedeutung des letzten Namens entfaltet v 5: "Wie der Junge Mann sich mit der Jungfrau vermählt, so vermählt sich mit dir dein Erbauer. Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich dein Gott über dich."
Der Gedanke der Vermählung Jahwes mit Israel geht auf Hos 2,21-22 a zurück: "Ich traue dich mir an auf ewig; ich traue dich mir an um den Brautpreis von Gerechtigkeit und Recht, von Liebe und Erbarmen, ich traue dich mir an um den Brautpreis meiner Treue".
Dieser Gedanke sollte von nun an das Verhältnis Israels zu Jahwe prägen. Das müttlerliche und väterliche Erbarmen Gottes zu uns befähigt uns, in unseren Familien erbarmend miteinander umzugehen.
Die nie aufhörende Liebe Gottes zu uns ist eine Quelle der Liebe für Mann und Frau, für Eltern und Kinder. Wir dürfen Bild der Liebe, die Gott zu uns hat, werden. Freilich werden wir immer mehr oder weniger hinter diesem Bild zurückbleiben. Deshalb ist es wichtig, dass für jeden in einer Familie oder menschlichen Beziehung der Gott der Liebe die gemeinsame Mitte ist, auf die jeder und jede ausgerichtet leben.

Die Treue zueinander hat ihr Fundament darin, dass sich Gott für immer an sein Volk bindet. In Jesus hat er diesen Bund bekräftigt und einen neuen und ewigen Bund mit uns geschlossen. Seine Liebe und Treue zu uns möchte uns ermutigen, einander treu zu sein.
Freilich diese Treue zueinander bedarf der lebendigen Beziehung, des Zuhörens und Miteinander-Sprechens, des liebenden Sich-Öffnens für den Partner und des ehrfürchtigen zärtlich Sich-ihm-Näherns.
Dies alles setzt die lebendige Beziehung zu Jahwe, dem Ich-Bin-Da voraus. Sie gilt es zu pflegen, wie eine Liebesbeziehung, dann kann sie zu einer ständigen Quelle der Liebe zueinander werden. Wenn wir es zulassen und verinnerlichen, dass Gott sich über uns freut, wie der Bräutigam über die Braut, dann werden auch wir uns aneinander freuen.
Anspruch und Liebe schließen sich aus. Liebe lässt sich weder einfordern noch durch Druck oder Tricks sichern. Die Liebe ist und bleibt immer Geschenk. Sie will uns in die Weite der Liebe Gottes hineinführen. Wo sie echt ist, kann sie ganz da sein für die geliebten Menschen, aber auch ganz offen und zugewandt den Menschen, die uns brauchen. Denn wahre Liebe zu einem Menschen schließt zur Liebe aller auf. (K.Rahner)
Die voneinander empfangene Liebe und Treue, Geborgenheit und Hilfe wird dann zum Bild und Gleichnis für die Liebe Gottes, die immer noch größer ist als alles jetzt Erlebte. Diese Überfülle der Liebe Gottes verkündet Paulus so: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“[3] Ihn für seine Liebe preisend wird sich unser Glück noch vertiefen; denn "er bewirkt alles in allen."

[1] Lesungen: 1. L Jes 62,1–5; 2. L 1Kor 12,4–11; Ev Joh 2,1–11
1 Lk 17,10
[3] 1 Kor 2,9

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