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Predigten

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2007 (C) Österliche Bußzeit

An der Quelle des Lebens (1)

1. Wüste und Fruchtland

Im Nahen Osten liegen große Flächen des Landes wegen Wassermangels unfruchtbar brach. Dort erleben die Menschen anschaulich den krassen Gegensatz zwischen Wüste und wasserreichem Fruchtland.

Die Lesung aus dem Propheten Jeremia verwendet dieses Gegensatzpaar, um uns vor Augen zu führen, was ein Leben ohne Gott und was ein Leben mit Gott für den Menschen bedeutet. Was wollen wir sein, Verfluchte oder Gesegnete?
Der Prophet lässt keinen Zweifel:

2. Gott ist die Quelle,
aus der wir unsere ganze Kraft zu einem ausdauernden Leben schöpfen. Wenn ich mich ganz auf Gott verlasse, darf ich hoffen, ja sicher sein, dass Gott mir ständig und zuverlässig beisteht.

Dieses Vertrauen ist freilich nur dann sinnvoll, wenn ich den richtigen Ort im Leben gewählt habe, also am Wasser führenden Bach d.h. dort wo Gott die lebendig machende Kraft zur Verfügung hält. Dieser Ort ist vorzüglich die Kirche Jesus Christi, in der uns die Worte seiner befreienden Zuwendung gesagt und die Zeichen seiner sich an uns verschenkenden Liebe zuteil werden.

So ist die entscheidende Frage, die ich mir stellen muss:
Wo lebe ich? Wo habe ich mein Leben festgemacht? In der Wüste der selbst gemachten Weisheit, des Haben Wollens, des Ankerns im Vergänglichen, im Diesseitigen? Oder im lebendigen, immer gegenwärtigen Gott, der Liebe und Erbarmen ist?
Wo lebe ich? In der Wüste meines eigenen kleinen Ichs; in einem Menschen von dem ich alles erwarte und den ich so hoffnungslos überfordere? Oder als Gefährte oder Gefährtin auf dem oft steilen Weg zu Fülle des Lebens, die nur Gott uns in seinem Reich schenken kann?
Wo lebe ich? In einem Werk, das ich geschaffen, aufgebaut habe? Oder als Mitarbeiter Gottes in seiner Welt? „Mitarbeiter am Evangelium Jesu Christi“ zu sein, Menschen „zu stärken und im Glauben aufzurichten“,(2) ist nicht nur die Aufgabe eines Paulus oder der Priester, sondern Aufgabe eines jeden Getauften und Gefirmten.
Wo mache ich mich fest in meiner Freizeit? In der Bibel, in geistlicher Lesung oder in Illustrierten und Sensationsblättchen? Im Gottesdienst oder in allerlei Aktivitäten, die niemandem nützen außer meiner Selbstbestätigung.
Wem wende ich mich zu, wenn meine Pflichten erfüllt sind? Den Apparaten wie Fernseher oder Computer? Was suche ich darin? Nur Zerstreuung und Zeitvertreib oder Weiterbildung, Vertiefung meines Wissens im Glauben, im Verstehen der Welt, der Geschichte, der Politik, der gesellschaftlichen Entwicklungen?
Wie schon wiederholt in den Texten des AT geht es auch heute bei Jeremia um Fluch oder Segen, um Tod oder Leben. Freilich dürfen wir dieses uns Festmachen in Gott und seinem Messias nicht als Lebens- oder Glücksversicherung missverstehen.

3. Mein Vertrauen und meine Hoffnung auf den Herrn zu setzen

heißt nicht, dass mein Leben glatt läuft und sorgen- oder problemlos dahinplätschert.
Auch für die auf Gott Vertrauenden und auf ihn Hoffenden gibt es Zeiten, wo sie von der Hitze des Tages oder von der Härte der Arbeit wie ausgebrannt sind. Auch für sie gibt es Zeiten der inneren Trockenheit, wo sich nichts tut, wo sie nichts fühlen. Viele Heiligen bezeugen uns solche Erfahrungen.
Aber wir werden darin nicht untergehen. Der sich auf Gott Verlassende „hat nichts zu fürchten",(3) sagt Jeremia; weil er „wie ein Baum an Wasserbächen gepflanzt“ (4) fest verwurzelt im Urgrund des Seins, auch in Zeiten der Trockenheit ohne Sorge sein kann. „Unablässig bringt er seine Früchte.“(5)

Paulus hat diese Erfahrung im 2.Brief an die Korinther so ausgedrückt: "Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet." (6)
Das Vertrauen auf Gott lässt den Glaubenden weder lahm noch energielos werden. Er ist auch dann noch zur Liebe und zum Gutes tun fähig, wenn es ihm schlecht geht. Ja, er macht die Erfahrung, dass gerade in den Zeiten seiner Schwachheit Gottes Kraft am stärksten wirkt. Darum kann Paulus im 2. Korintherbrief von sich sagen: „Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“(7)

Dummerweise reden wir uns gern ein, dass es "vor allem guten Menschen schlecht gehe". Dabei ist zu fragen: Wer ist schon gut? Jesus sagt: „Niemand ist gut außer Gott, dem Einen.“(8) Weil das unsere Situation ist, werden wir ständig

4. auf die Regungen unseres Herzen achten;

das wäre ein Fasten, das uns auf unserem Lebens- und Glaubensweg voranbringt; denn, so sagt Jeremia: "arglistig ohnegleichen ist das Herz und unverbesserlich. Wer kann es ergründen?" (9)
Das Herz eines Menschen, seine Gemütsbewegungen und Gefühle, die Beweggründe seines Handelns und Entscheidens, sein persönliches Ich, sind nicht nur für andere undurchschaubar, sondern oft auch für ihn selber nicht. Wie oft mussten wir schon sagen: "Ich kenne mich selber nicht mehr." Oder auch: "Ich weiß nicht, was mit mir los ist."

Deshalb ist es unverzichtbar, dass wir täglich die Regungen unseres Herzens dem Herrn hinhalten, dass es sie heilt. Besonders hilfreich ist es, wenn wir uns im Sakrament der Versöhnung, in der Beichte, persönlich stellen, unseren Sünden auf den Grund gehend deren Wurzeln freilegen, Rat und Weisung erbitten.
Bewusstsein und Unterbewusstsein haben ihre Winkel und Verstecke. Unsere Träume sprechen da oft eine beredte Sprache. Jeder Mensch hat und ist ein Geheimnis. Doch dieses Geheimnis gibt es nur vor den Menschen, nicht vor Gott. Vor ihm sind wir ein offenes Buch.
Der dreieinige Gott allein kennt die wirklichen Beweggründe meines Herzens. Daher ist es wichtig, dass ich mein Herz ständig offen halte für ihn, damit er es reinigt und verwandelt. Es hat schon seinen Sinn, was die Herz-Jesu-Verehrung uns Jesus bittend in den Mund legt: "Jesus, bilde mein Herz nach deinem Herzen."

Jeden Tag sollte es eine Zeitspanne geben, wo wir ihm unser Herz hinhalten. Selbst wenn es nicht zu mehr reicht, als im Jesusgebet mehrmals zu wiederholen: "Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, mein Heiland und Erlöser, Du kennst mein Herz, erbarme dich meiner."


1 Homilie zu Jer 17,5-10
2 1 Tim 3,1
3 Jer 17,8
4 ebd.
5 Ebd.
6 2 Kor 4,8f.
7 2 Kor 12,10
8 Mk 10,18
9 Jer 17,9

 

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