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Predigten

Übesicht

2007 BSA Titularfest

Homilie zu Joh 1,45-51 am Titularfest St. Bartholomäus Thüngfeld Pfarrei Schlüsselfeld

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"Komm und sieh!" - Wider die Vorurteile für den Dialog[1]
Vorurteile sind weit verbreitet.

  • Statt Vorurteil könnte ich auch »vorgefasste Meinung« sagen. d.h. ich erlaube mir ein Urteil über andere Menschen, ohne ihnen vorher offen und vorurteilsfrei begegnet zu sein; über Vorgänge in der Geschichte der Kirche oder der Welt, ohne mich genau informiert zu haben.
  • Vorurteile sind die Wegbereiter für Rassissmus und Antisemitismus, für Diskriminierung und Fremdenhass. Vorurteile können den Dialog und damit Begegnung verhindern. Schon der heilige Augustinus sagt in seinen Confessiones zu sich selbst: "Lass dich nicht durch die Menge deiner Vorurteile verwirren."[2] Der Kirchenvater, große Theologe und Gelehrte gibt also zu, dass er selber auch gegen seine Vorurteile angehen muss. Warum dann nicht auch wir?

Das Vorurteil des Natanaël

  • Natanaël, der spätere Apostel Bartolomäus, hätte durch sein Vorurteil beinahe die Begegnung mit Jesus unmöglich gemacht. Philippus trifft den Natanaël und voller Überzeugung sprudelt es aus ihn heraus, dass er und seine Gefährten in Jesus denjenigen gefunden haben, "über den Moses im Gesetz und die Propheten geschrieben haben" - eine Wendung, die formelhaft die ganze Hl. Schrift des AT umschreibt. Auch Natanaël gehört also zu jenem Kreis suchender, schriftbeflissener, den Messias erwartender Männer.
  • An der Nennung der Vaterstadt Jesu entzündet sich sogleich die Skepsis Natanaëls. In der ironischen Frage »kann denn aus Nazaret etwas Gutes kommen»? liegt der Zweifel, dass aus dem unbedeutenden Ort der Messias stammen sollte. Tatsächlich ist Nazareth politisch und religiös nie hervorgetreten und wird im AT und im frühen rabbinischen Schrifttum nirgends erwähnt.
  • Der im nicht weit entfernten Kana beheimatete Natanaël nimmt also an der geringen Herkunft des Messias Anstoß. Dies ist das Ärgernis, das der im Fleisch gekommene Messias bei allen erregt, die noch nicht zum Glauben gelangt sind.

Wie den Vorurteilen begegnen?

  • Was macht man mit einem Menschen, der eine festgefahrene Meinung auf Grund eines Vorurteils hat? Soll man mit ihm diskutieren? Bringt das etwas?
  • Philippus' Worte kommen also der Begegnung mit Jesus. „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“ Aber auch Begeisterung kann einen skeptischen Menschen, der voller Vorurteile ist, nicht überzeugen. Hilft die Diskussion weiter? Philippus gibt sich keine Mühe, die Bedenken seines Gefährten zu zerstreuen.
  • Er lädt vielmehr den Natanaël ein, sich persönlich ein Urteil zu bilden: "Komm und sieh!" Und er führt ihn zu Jesus, überzeugt, dass er durch Jesus gewonnen werden wird.
In der Zeitschrift »Bibel heute« erschien 1969, ein Jahr nach dem berühmt berüchtigten Jahr 1968 unter dem Titel »Lebendiges Evangelium« ein Aufsatz mit der Überschrift:

Wider die Vorurteile - für den Dialog.
Kluge Vermittler

  • Um von den Vorurteilen zum Dialog zu finden, bedarf es kluger Vermittler, die sich nicht autoritär gebärden, sondern einladen, sich der Wirklichkeit zu stellen, in einen Dialog einzutreten, sich selber ein Urteil zu bilden. Eben nicht annehmen, was man denkt, was man sagt. Denn auch das Denken und die Meinung der Mehrheit können falsch sein. Siehe das 3. Reich der Nationalsozialisten in Deutschland.
  • Philippus ist so ein kluger Vermittler. Er lässt sich auf keine Diskussion ein, sondern er lädt den Natanaël ein, sich persönlich ein Urteil zu bilden: "Komm und sieh!" Überzeuge dich selbst. Bilde dir deine eigene Meinung. Suche die Begegnung mit Jesus, nur dann kannst Du Dir ein Urteil erlauben, kann Dir aufgehen, dass Jesus der verheißene Messias ist.

Die Begegnung mit Jesus

  • Wie schon bei der ersten Begegnung mit Simon, dem Jesus den Namen Kephas (Petrus) gibt, zeigt auch bei der mit Natanaël, die wunderbare Herzenskenntis Jesu; obschon mit Natanaël noch nicht bekannt, urteilt er über den sich Nähernden: "Da kommt ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit."[3]
  • Das Joh-Ev führt das Wissen Jesu aber nicht auf Wunderkräfte zurück, die in ihm wohnen, sondern auf das nahe Verhältnis, in dem Jesus zu seinem Vater steht.[4]
  • Wie er seinen eigenen Auftrag und Weg kennt,[5], so weiß er auch um die Menschen, die ihm begegnen, um die Glaubenden und Nichtglaubenden,[6] die von ihm erwählten Jünger und den Verräter.[7]
  • Er durchschaut die Menschen,[8] weil er mit seinem Vater verbunden ist und der messianische Beruf sein Auge schärft. Jesu Urteil über Natanaël ist eine hohe Anerkennung. Der neue Ankömmling erhält den Ehrentitel "Israelit"[9] und ein Lob, das sich an Ps 32, 2 anschließen dürfte. Dort heißt es: "Wohl dem Menschen, dem der Herr die Schuld nicht zur Last legt und dessen Herz keine Falschheit kennt."[10]
  • Jesus Verhalten kann weder als Schmeichelei noch als Anbiederung abgetan werden; denn solches Verhalten ist Jesus fremd. Natanaël spürt vielmehr, hier ist jemand, der mich in der Tiefe meines Wesens erkennt, der um meine Gedanken und um meine Sehnsucht weiß.
Aber woher kommt dieses Wissen Jesu, seine Herzenskenntnis?

Jesus selbst weckt den Glauben

  • Natanaël, der die letzten Worte Jesu gehört hat, fragt betroffen, woher Jesus ihn kenne. Das Lob berührt ihn umso mehr, als er eben noch Jesu Heimatort herabgesetzt hat. Nach Jesu Antwort aber gibt es für ihn keinen Zweifel mehr, dass Jesus über ein wunderbares Wissen verfügt.
  • Natanaël ist von Jesu Wissen und Herzenskunde so überwältigt, dass er seinen Glauben an Jesu Messianität mit persönlicher Wärme (zweimaliges Sú=Du) frei bekennt: "Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!"
  • Nach dem üblichen Ausdruck "Rabbi" legt er ihm im Bekenntisstil zwei bezeichnende Titel bei: "Sohn Gottes" und "König Israels". Beide zusammen sollen die Ankündigung des Philippus bestätigen, dass Jesus der schriftverheißene Messias ist (V 45), aber auch die besondere Art der Messianität Jesu ins Licht heben.
  • An Natanaël soll sich zeigen: Erst der Glaube überwindet alle Anstöße und erkennt trotz der irdischen Niedrigkeit die göttliche Herkunft Jesu - und diesen Glauben weckt Jesus selbst durch sein Wort und seine Hoheit.

Der Himmel ist offen

  • Für das Christusbild ist es dem Evangelisten wichtig, dass alle Bedenken des zunächst kritischen Mannes vor Jesu Persönlichkeit geschwunden sind. Jesus kündigt ihm aber an, dass er noch "Größeres" sehen, d. h. erfahren werde. Der Anfangsglaube, der durch Jesus geweckt wurde, kann und soll durch weitere Offenbarung Jesu wachsen.
Worin besteht dieses "Größere"?
  • Darin, dass der Himmel offen ist und die Engel Gottes, die hinaufsteigen und herabsteigen über dem "Menschensohn".
  • Das Wunder aller Wunder, das Zeichen, dass sich der Himmel geöffnet hat, ist Jesus selbst, der »Menschensohn«, in dem die Fülle der Gottheit wohnt. Die Engel, die über dem Menschensohn auf- und niedersteigen, sind Symbole und Boten der göttlichen Welt, die in Jesus anwesend und sichtbar geworden ist.
  • Darum können wir freudig der Aufforderung des Antwortgesangs folgen: „Kündet den Völkern die Herrlichkeit des Herrn.“ Weil durch Jesus der Himmel für uns offen ist und uns die Engel Gottes zu Diensten stehen, werden wir uns von Vorurteilen aller Art nicht verwirren lassen, sondern auf den Dialog setzen; Weil durch Jesus der Himmel für uns offen ist und uns die Engel Gottes zu Diensten stehen, können wir jetzt freudig Eucharistie feiern, ist es uns ein Bedürfnis Gott durch Christus zu danken und zu preisen.


[1] Bibeltexte des Festes: Offb 21, 9b-14; Antwortpsalm Ps 145(144), 10-11.12-13b.17-18; Joh 1, 45-51
[2] Confessiones. XI Buch
[3] Joh 1,47
[4] (vgl. 3, 35; 11, 42; 13, 3)
[5] (2, 4; 6, 6; 8, 14; 13, 1; 17, 1; 18, 4)
[6] (vgl. 10, 14f 26ff)
[7] (6,61.64.70; 13, 11; 18, 38; 17, 12)
[8] (2, 25; 5, 42; vgl. 6, 15; 21, 17),
[9] (vgl. zu 1, 31)
[10] Ps 32,2

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