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Predigten

Übesicht

2007 Jahreskreis (C)

Homilie zum 16. Sonntag und zur Diamantenen Hochzeit von Dr. Pilz, Neunkirchen in der Pfarrkriche von Poxdorf

===>> zu den bilbischen und liturgischen Texten des 16.Sonntags

===>> Predigt Text im Orginalformat zum Ansehen oder Herunterladen (als PDF Datei)

===>> Gottesdienstvorlage mit Einführung zur Diamantenen Hochzeit

Auf Jesus hörend hell wach werden für das Leben

1 Aktionismus und Verweilen

  • Unsere Gesellschaft ist heute von einem weit ausgreifenden Aktionismus erfasst. Immer muss etwas los sein. Die Freizeitindustrie hält uns ständig mit neuen Angeboten auf Trab und treibt uns von einem Event in den anderen. Tätig sein, in Bewegung sein, Mobilität ist alles. Dabei würde Verweilen, zu sich Kommen, bei sich sein, vor Gott, dem Ursprung und das Ziel unseres Lebens da sein, auf Seele und Leib heilend wirken.
  • Eine andere verhängnisvolle Entwicklung ist die Verbürokratisierung des Gesundheitswesens und die Budgetierung der ärztlichen Leistungen. Zeit fürs Zuhören, der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient, zwischen Pflegepersonal und den Pflegebedürftigen, Ermutigung und Zuspruch, werden nicht oder nur ungenügend vergütet, obwohl sie für das Gesundwerden eines Patienten von großer Wichtigkeit sind.
  • Sie lieber Herr Dr. Pilz haben schon bei ihrem Vater, der sie zu seinen ausgdehnten Hausbesuchen mitnahm, gelernt, wie wichtig persönliche Zuwendung, Anteilnahme und Vertrauen für den Patienten sind. Sie, liebe Frau Pilz, haben durch ihren Einsatz in der Familie und Verwaltung der Arztpraxis Ihrem Mann dafür Rücken frei gehalten. Von diesen Aufgaben frei konnte er sich ganz seinem Beruf und den ihm anvertrauten Menchen zuwenden. Auch dafür danken wir heute mit Ihnen Gott, "von dem jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt."[1]
2 Was letztendlich zählt
  • Die Abrahamsgeschichte wie auch die Gerichtsrede Jesu zeigen, was in den Augen Gottes letztendlich zählt: In jedem Menschen, selbst dem Geringsten, auch dem scheinbar zufällig Vorübergehenden, uns Begegnenden, sollen wir unsere Brüder und Schwestern erkennen und ihnen Gutes tun, Ihre Not sehen und lindern, den Fremden Gastfreundschaft bei uns gewähren. In ihnen will Gott uns begegnen und uns segnen.
  • Abraham kannte die Fremden nicht, die in der Mittagshitze vor seinem Zelt vorbeikamen. Aber er wollte sie nicht weiterziehen lassen, ohne ihnen Gutes zu tun. Abrahams Gastlichkeit und das göttliche Verheißungswort am Schluss sind die Schwerpunkte dieser Erzählung. Gott kam zu Abraham unerwartet, unauffällig.
  • Wer so handelt wie Abraham, wird schon in diesem Leben Gott als Segen bringenden Freund erfahren und beim Hochzeitsmahl des ewigen Lebens als von Gott angesehener Gast hoch willkommen sein. Es wird sich als wahr erweisen, was Jesus auf das kommende Gericht verweisend sagt: "Was ihr dem Geringsten meiner Brüder und Schestern getan habt, das habt ihr mir getan." Und ruft solchen Menschen zu: "Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist." [2] Das Evangelium erzählt zunächst eine alltägliche Begebenheit:
3 Jesus kehrt bei Freunden ein,
  • bei drei mit ihm befreundeten Geschwistern, bei Marta, Maria und Lazarus. Es geht um Gastfreundschaft und Gespräch, Zuwendung und Hinhören. Marta sorgt für das leibliche Wohl des Gastes. Maria hört ihm zu. Beide Frauen sind für Jesus da, jede auf ihre Art. Die Beschwerde Martas über die Jesus zuhörende Maria, ist der Anlass für eine wichtige Wegweisung Jesu.
3.1 Marta und Maria vor Jesus
  • Ein Theologe hat einmal von der »Häresie - der Irrlehre - der Aktion“ gesprochen. Der Heilige Benedikt, Begründer des Mönchtums im Abendland, hatte die Gefahr erkannt und an vielen Einsiedlern erlebt: Jede Einseitigkeit ist lebenszerstörend. Darum hat er seinen Mönchen das Ora et Labora, das Bete und Arbeite in die Regel geschrieben. Bei vielen sind heute an die Stelle des Betens Freizeitaktivitäten getreten.
  • Es geht in unserer Szene nicht um eine Konkurrenz zwischen Aktion und Kontemplation, zwischen beruflicher oder häuslicher Arbeit und Hören auf Jesus. Marta und Maria sind nicht Gegner, sondern Geschwister. Sie ergänzen einander, aber sie bekämpfen sich nicht. Was aber meint Jesus, wenn er sagt: Nur eines sei notwendig.
3.2 Was ist das die Not des Lebens Wendende?
  • Es ist sicherlich wichtig, daß wir in all unseren Begegnungen auch um das Äußere besorgt sind, um das Bedienen, um den Rahmen. Der aber bleibt nur Rahmen, das Eigentliche vollzieht sich und geschieht im Innern, in dem, was eben durch Maria verkörpert ist. Sie nimmt sich Zeit für den Gast. Sie ist öffnet sich ihm. Und er öffnet sich ihr. Wo das in Lauterkeit und Bescheidenheit geschieht, wird Gottes Anwesenheit erfahren.
  • Das ist auch die Frage, die wir in unseren Begegnungen, bei allem, was wir äußerlich herrichten, stellen müssen: Haben wir genug Zeit füreinander, damit das Eigentliche sich ereignen kann? - Maria hört auf IHN. Dafür sie lobend stellt Jesus fest: "Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden."
3.3 Dieses eine Notwendige ist nicht von dieser Welt.
  • Man kann es nicht selber schaffen, sondern muss es sich von Gott zeigen und schenken lassen. Grundsätzlich aber gilt: Ob einer arbeitet oder meditiert, ob er in der Praxis arbeitet oder im Haushalt und Büro - "entscheidend ist, dass er auf mich hört und sich vom Geist aus der Höhe leiten lässt!” will Jesus uns durch das heutige Evangelium sagen.
4 Auf ihn also sollen wir hören
  • Das gilt für jeden Lebensbereich, für ihre seit 60 Jahren bestehende Ehe, für die Begegnung zwischen Arzt und Patient, zwischen Seelsorger und geistlichen Rat Suchenden, zwischen Ehepartnern, zwischen Eltern und Kinder: Wenn jemand mit uns spricht, sich uns mitteilt, uns mit aufmerksamer Zuwendung begegnet, und wir für ihn offen sind und ihm zuhören, dann fühlen wir uns angenommen. So kommt jene dritte Kraft ins Spiel, die das bewirkt, was wir nicht erzeugen können, was zwar so ganz menschlich, aber nicht menschlich machbar ist.
  • Vielen Zeitgenossen, auch vielen Getauften bei uns, ist die aufmerksame Achtsamkeit des Hinhörens durch das sich Ausliefern an das Vielerlei abhanden gekommen. Sie vermögen nicht mehr Jesus, dem wahren Messias Gottes, und schon gar nicht seiner Kirche zuzuhören, sondern für sie ist Maß gebend, was die Medien oder selbst ernannte Propheten sagen. So ist es möglich geworden, dass die absurdesten Pseudowahrheiten und Weltanschauungen sich bei uns breit machen können.
  • Nur wer ganz bei sich ist, kann auch bei ganz dem ihm begegnenden Menschen sein. Nur wer ganz bei sich ist, kann auch bei dem Gott der Bibel, Jahwe, dem Ich-Bin-Da, sein. Wir Christen sind keine Pantheisten, die meinen alles sei Gott. Unser Gott begegnet uns als personales unfassbares Gegenüber, als unser großes Du. Er hat uns in Jesus Christus sein menschliches Antlitz gezeigt, uns angesehen und angesprochen, ist in ihm mit unserer ganzen Existenz bis hinein in den Tod eins geworden.
  • Darum versuchen wir, in den Beziehungen, in denen wir leben dürfen, uns an IHM zu orientieren, an dem besseren Teil.
  • Deshalb suchen wir IHN, damit wir unsere Mitmenschen, den liebstsen entlasten können von der Haftpflicht für unser Glück.
  • Voller Hoffnung suchen wir IHN, damit alle Begegnungen immer mehr gelingen und immer mehr unser Leben tragen durch diesen besseren Teil, der uns nie genommen werden kann, auch nicht in unserem leiblichen Tod.
  • Weil Gott unser absolutes Du ist, weil er uns durch Jesus liebend und erbarmend ansieht, sein Ansehen schenkt, uns als einmalige Person ganz ernst nimmt, darum begegnen wir einander in Respekt und Liebe, mit Wertschätzung und Erbarmen.

  • Seit 60 Jahren versuchen Sie, liebes Jubelpaar, Ihre eheliche Partnerschaft in vollkommenem gegenseitigem Vertrauen zu leben. Weil sie an das große und wunderbare Du Gottes glauben, können Sie, wie Sie es mir am Schluss unseres Vorbereitungsgespräches gesagt haben, am Ende eines jeden Tages zu Gott sagen: "Gott, ich danke Dir, dass ich noch am Leben bin."
  • So konnten Sie in Würde miteinander alt werden. Ich wünsche Ihnen, dass ihnen noch viele gute Tage miteinander geschenkt sind.

[1] Jak 1,17
[2] Mt 25,34
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