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Predigten

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2007 (A)

Homilie am 3.Advent im Altenheim St.Elisabeth Neunkirchen am Brand

===>> Biblische und liturgische Texte des 3. Adventssonntag (A)
===>> Predigt zum Lesen, Herunterladen und Ausdrucken
===>> Gottesdienstvorlage für 3. Advent

Der Christ ist Wegbereiter und Bote[i]
1 Wozu bin ich auf Erden?

  • Unser Leben erfahren wir nur dann als lebenswert, wenn wir eine sinnvolle Aufgabe gefunden haben; wenn wir wissen wozu wir da sind, wozu unser Leben gut ist.
  • Johannes der Täufer sah seine Aufgabe und Sendung darin, Bote und Wegbereiter des Messias zu sein. Er war und ist für uns Christen nicht nur Bote des Advent, sondern auch Vorbild: Wir sind durch Taufe und Firmung berufen und gesandt, Wegbereiter und Boten Jesu Christi in unserer Zeit zu sein. Denn die Ankunft des Herrn, soll hier und heute geschehen. Deshalb singt die Kirche in der Christmette: Christus, der Herr, ist uns heute geboren. Kommt lasset uns anbeten.
Die erste Frage, die wir uns als Boten und Wegbereiter Jesu stellen werden, lautet:

1.1 Welche Botschaft bringe ich?

  • Wir haben noch die enthusiastischen Worte der 1. Lesung aus dem Propheten Jesaja im Ohr, die vom Erblühen der Wüste und von der Herrlichkeit des Herrn spricht, die offenbar werden soll. Inzwischen sind 2700 Jahre Menschheitsgeschichte vergangen und angesichts dieser Geschichte beschleicht uns das skeptische Gefühl, das könnte vielleicht doch nur eine unerreichbare Utopie sein.
  • Und doch hat sich die Hoffnung, die Jesaja damals verkündete an denen erfüllt, welche die Heimkehr aus dem Exil erlebten. Ja, die Ermutigung des Propheten hat mitgewirkt, dass die Verbannten für die Stunde der Rettung offen blieben und die Chance zu ihrer Rettung erfassten.
  • Trägt solche prophetische Verheißung auch heute? Denken Sie nur an die Wiedervereinigung Deutschlands 1989. Die Parteien mit dem C im Namen, das für christlich steht, haben immer an der Einheit Deutschlands festgehalten, obwohl viele andere keinen Gedanken mehr daran verschwendeten. Sicher ist es den intensiven ökumenischen Friedensgebeten in den Städten der Wendezeit zu verdanken, dass die Einheit auf friedlichem Weg zustande kam.
  • Wären die Israeliten im babylonischen Exil der Mutlosigkeit und Resignation verfallen, wäre die Verheißung des Jesaja für sie nicht wahr geworden: »Die Steppe soll jubeln und blühen. Sie soll prächtig blühen wie eine Lilie«.
  • Mut und Hoffnung zu machen, dazu ist jeder berufen, der an den erlösenden Gott und an Jesus Christus, den Erlöser, glaubt. Papst Benedikt hat das gerade mit seiner neuesten Enzyklika über die Hoffnung getan. Der Titel der Enzyklika "Spe salvi" ist der lateinischen Übersetzung des Paulusbriefes an die Römer entlehnt: "Wir sind gerettet in der Hoffnung."[ii] Wer aber in der Hoffnung auf die Fülle des Lebens bei Gott, das ewige Leben seinen Lebensweg geht, der kann »fröhlich in der Hoffnung sein, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet«![iii]
  • Wir sehen am Beispiel Israels, wie dieses Mut machen und Hoffnung wecken über die Jahrhunderte hinweg trägt und sich schließlich in Jesus erfüllt. Alle, die von dieser Hoffnung getragen waren, haben Jesus als Erfüllung dieser prophetischen Hoffnung erfahren.
  • Der Glaube an den erlösenden Gott, die Hoffnung auf sein rettendes Kommen, ist die beste Zukunftsvision. Der indische Weise Tagore sagt: "Glaube ist der Vogel, welcher singt, wenn die Nacht noch dunkel ist."
  • Die Frage, die ich mir als Christ im Advent stelle, heißt: Welchen Menschen in meiner Umgebung sollte ich Mut machen? Wer hat das besonders nötig?
  • Aber wenn wir katholisch sein wollen, muss die Frage noch umfassender gestellt werden: Wie kann ich mithelfen, dass die Menschen in Lateinamerika, auf dem Balkan, im Südsudan, in Afghanistan, im Irak, in Palästina neuen Mut fassen und das zarte Pflänzchen Hoffnung in ihnen wachsen kann? Die Adveniat Aktion an Weihnachten erinnert uns daran.
Der christliche Glaube will also als Erstes die Hoffnung wecken. Die zweite Frage, die wir uns als Wegbereiter und Boten des Herrn, also als Christen stellen, heißt:

1.2 Welchen Weg gehe ich?
1.2.1 Wir sollten den Weg des Täufers Johannes gehen.

  • Johannes ist glaubwürdig. Seine aszetische Gestalt und seine genügsame Lebensart drücken die Umkehr zum Wesentlichen aus. Jesus selber beschreibt Johannes als einen Menschen, der nicht wie ein Schilfrohr im Wind der Tagesmeinung hin und herschwankt, sondern der seine Berufung konsequent lebt. Sein ganzes Leben ist durchdrungen von dem Auftrag, Bote und Wegbreiter für den Erlöser zu sein.
  • Nur wenn ich als Christ immer wieder umkehre zu meiner Sendung, wenn ich mich treffen lasse und durchdrungen bin von der frohen Botschaft der Liebe und Güte Gottes, kann ich Wegbreiter und Bote für den Messias Gottes, für Jesus Christus sein.
  • Wenn wir die Kapelle heute verlassen, soll unser Eifer zugenommen haben, uns Zeit für das Wort Gottes zu nehmen, das wir in der Bibel finden, die wir immer wieder zur Hand nehmen sollten.
Nur wenn die Botschaft der Liebe und Güte Gottes aus uns herausstrahlt, können wir Wegbereiter und Boten des Erlösers sein.

1.2.2 Auch wir werden wie Johannes bei diesem Dienst angefochten

  • vor allem wenn uns Schmähung, Erfolglosigkeit und Verfolgung bedrohen oder wenn das Erhoffte zu lange auf sich warten lässt. Die Saat des Zweifels kann auch bei uns aufgehen, wenn gesagt wird: Zweitausend Jahre Christentum, und so wenig sei davon in der Welt zu spüren. Oder wenn Sektierer zu uns sagen, die Kirche habe das Christentum verfälscht und sie hätten Offenbarungen von Geistern, die sie belehrt hätten, dass manches in der Heiligen Schrift falsch überliefert oder übersetzt worden sei. Andererseits berufen sie sich wieder auf die Heilige Schrift.
  • Solche Zweifel werden wir schnell überwinden, wenn wir Folgendes bedenken: Christ sein ist keine Fertigkeit, die biologisch weitergegeben wird, so als wäre es gleichsam vererbbar. Jede Generation muss neu dafür gewonnen werden. Jede Generation braucht Wegbereiter und Boten des Erlösers.
  • In unseren Zweifeln werden wir so wie die Jünger des Johannes zu Jesus gehen, auf ihn schauen und sehen, was er sagt und tut, wie er mit den Menschen umgeht, gerade mit den Ausgegrenzten und Verachteten.
Ich werde mir also vornehmen: Ich gehe den Weg des Johannes, schaue mit ihm auf Jesus und lerne von ihm. Diesem Zweiten, was uns der Täufer als Wegbereiter und Bote des Erlösers vorlebt, folgt als Drittes die Frage:
 

1.3 Welche Einstellung habe ich zu mir selbst und den Mitmenschen?

  • Merkt der Pilot eines Flugzeuges bald nach dem Start, dass ein Triebwerk aussetzt oder sonst ein ernstes Problem auftritt, das ihn zwingt schnellstmöglich zu landen, dann kehrt er um. Es sei denn er hat bereits einen Punkt erreicht, an dem es ein größeres Risiko wäre umzukehren als weiterzufliegen. Man nennt dies den sog. point of no return", den Punkt, von dem an es keine Umkehr mehr gibt.
  • Manchmal verwechseln wir uns selber oder andere mit einem Flugzeug. Wir verhalten uns so, als hätten wir oder der andere den point of no return überschritten.
  • Wir sagen dann, bei mir ist so wie so alles zwecklos, mir ist nicht zu helfen, mein Leben ist verpfuscht, bei mir ist Hopfen und Malz verloren. Wir verwechseln einen Menschen mit einem Flugzeug, wenn wir sagen: den oder die können wir abschreiben. Das ist ein hoffnungsloser Fall.
  • Jesus hat sich solchen verzweifelten oder abgestempelten Menschen zugewandt, wenn sie ihm begegneten. Um ihnen zu zeigen, dass Gott anders denkt, hat er Kranke geheilt. Er tat das nicht , um Ärzten Konkurrenz zu machen, sondern zu zeigen, dass Blinde nicht ewig blind bleiben, Lahme nicht ewig hinken, Aussätzige nicht für immer dem Verfaulen und dem Ausschluss aus der menschlichen Gemeinschaft preisgegeben sind.
  • Und wenn er Dämonen austrieb, dann um uns zu zeigen, dass er stärker ist als alle den Menschen zerstörenden Mächte. Mit anderen Worten, Er zeigt uns, dass es keinen hoffnungslosen Fall gibt.
  • So zwingt uns das Evangelium zu fragen: Wen in meiner Umgebung betrachte ich als hoffnungslosen Fall? Ich werde ihm oder ihr zeigen, dass er/sie nicht abgeschrieben sind, weder bei mir und erst recht nicht bei Gott.
  • Und wenn ich nicht an ihn herankomme? Oder wenn ich entdecke, dass ich ihm nicht helfen kann, er sich vielleicht nicht helfen lässt? Dann werde ich werde nicht aufhören für ihn zu beten. Denn solange ich für jemand bete, habe ich ihn noch nicht abgeschrieben. Ich fasse zusammen:

2 Wegbereiter und Boten des Erlösers sind wir,

  • wenn wir anderen Menschen Mut und Hoffnung machen; wenn wir jeden Tag neu zum Herrn umkehren und die Botschaft von der in Jesus menschgewordenen Liebe Gottes leben. Wegbreiter und Boten des Erlösers sind wir, wenn wir weder uns noch andere für hoffnungslose Fälle halten. Wir werden vielmehr wie der auf das Heranreifen der kostbaren Frucht der Erde wartende Bauer sein. Wir werden mit Geduld darauf warten, was Gottes Gnade und unser Glaubenszeugnis bei unseren Mitmenschen bewirkt. Manchmal mehr als wir vermuten.
  • Diese Geduld und diesen langen Mut brauchen wir, bis am Ende Gott die Ernte einbringt. Von dieser Geduld spricht der Apostel Jakobus in der zweiten Lesung. »Im Leiden und in der Geduld nehmt euch die Propheten zum Vorbild«. Er lenkt unseren Blick also auf die Propheten. Johannes war einer der wichtigsten.
  • Du fragst: Gilt das auch noch für mich? Ich bin doch hier im Altenheim auf dem Abstellgeleis. Was hab ich denn noch zu erhoffen? Und doch: Du kannst Hoffnung ausstrahlen; denn der Glaube sagt Dir: Am Ende meines nur noch kurzen Lebens steht der Herr, der für mich und mit mir Mensch geworden ist, der sich aus Liebe am Kreuz für mich hingegeben hat und auferstanden ist. Er wartet auf mich mit der ganzen Seligkeit des Himmels, mit der Fülle des ewigen Lebens beim Vater im Himmel.


[i] Homilie zu 1. L Jes 35,1–6a.10; 2. L Jak 5,7–15; Ev Mt 11,2–11 (Lekt. /A, 14)
[ii] Röm 8,24
[iii] Röm 12,12

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