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2007 (C)

Homilie zu den biblischen Texten des 33. Sonntags i. JK in St. Michael Neunkirchen Vorabendmesse und Sonntagabendmese

===>> zu den biblischen und liturgischen Texten des 33. Sonntags Lesejahr C
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Alles wird gerichtet[1]
  • Als „Frohbotschaft unseres Herrn Jesus Christus“ ist uns dieser Abschnitt aus dem Lukas Evangelium gerade verkündet worden. Und wir haben automatisch mit „Lob sei dir, Christus“ geantwortet. Dabei hat sich sicher mancher gedacht: Was ist denn an dieser Botschaft so frohmachend? Ist mein Lobpreis da angebracht?

Angst vor dem letzten Tag?

  • war lange Zeit ein wirksames Mittel, um die Gläubigen zu einem Leben nach den Geboten Gottes anzuhalten. Aber: Müssen wir wirklich Angst haben? Sicher dann, wenn wir uns um Gott und seinen Willen nicht scheren und nur egoistisch auf Kosten anderer leben.[2] Die Überheblichen und Erfolgreichen, die meinen ohne Gott zurechtzukommen,[3] trifft das Gericht mit aller Wucht: „Da werden alle Überheblichen und Frevler zu Spreu, und der Tag, der kommt, wird sie verbrennen, spricht der Herr der Heere.“[4]
Im Markus Evangelium heißt es

„Nach der großen Not“ wird das alles geschehen.[5]

  • Die große Not war für die Adressaten des Lukas Evangeliums damals die aktuelle Erfahrung der Zerstörung Jerusalems und des Tempels. Der Tempel von Jerusalem, der Stolz und die Freude Israels, wird zerstört werden. Für jüdische Ohren war das ein unfassbarer Gedanke; es bedeutete ihnen geradezu den Weltuntergang. Für den Evangelisten Lukas ist die Zerstörung des Tempels bereits ein Ereignis der Vergangenheit, und die Welt ist nicht untergegangen. Krieg und Terror aber suchen auch heute viele Menschen heim.

Die „große Not“ ist also immer noch im Gange.

  • Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen bringen uns fast täglich Berichte von Krieg und Zerstörung, von Hass und Streit und menschlichen Katastrophen. So eine große Not kam am Donnerstag über Bangladesh. Der Zyklon hatte das südasiatische Land am Donnerstag mit Windgeschwindigkeiten von 250 Kilometern in der Stunde erreicht. Er verursachte eine fünf Meter hohe Welle, die drei Küstenorte verwüstete. Die meisten Menschen starben allerdings durch die starken Windböen, die Geschwindigkeiten von bis zu 200 Stunden.
Daneben gibt es

die besondere Not der an Christus Glaubenden.

  • Darauf macht uns der heutige Diasporasonntag aufmerksam. Wir denken dabei zuerst an die katholischen Christen in Nord- und Ostdeutschland, sowie in Skandinavien und im Baltikum. Über diese Länder weit verstreut haben sie es als kleine Minderheit außerordentlich schwer, ihren Glauben zu leben.

In der Diaspora fühlen sich aber auch viele Christen bei uns.

  • Wir werden zwar momentan nicht wegen unseres Glaubens und unser Eintreten für christliche Werte vor Gericht gezerrt, so wie zur Zeit des Lukas[6] oder bei uns während der Nazizeit oder in den vom Kommunismus beherrschten Ländern. Aber viele erleben sich heute bei uns als kleine Minderheit unter Gleichgültigen und Kirchengegnern, Atheisten und Sektierern.
  • Umso wichtiger ist es, als Gemeinde Jesu, als Kirche zusammenzustehen, sich gegenseitig zu stützen und zu ermutigen, statt zu jammern. Verglichen mit der wirklichen Diaspora aber haben wir es in Neunkirchen paradiesisch gut. In unserer Pfarrei gibt am Sonntag sechs heilige Messen, in unserem Seelsorgebereich Augustinus mit Dormitz, Hetzles und Kleinsendelbach sind es zusammen sogar elf. Die Entfernungen sind minimal. Wem also der Auftrag Jesu »Tut dies zu meinem Gedächtnis« wichtig ist, hat keine Ausrede.
Es ist gut überlebenswichtig angesichts der realistischen

Angst vor bedrohlichen Zeichen, die das Ende ankündigen,

  • unsere Zuflucht zum Herrn zu nehmen, der den Seinen sagt: „ In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.“[7] Kosmische, aus dem Weltall kommende oder durch Menschen verursachte Katastrophen, können jederzeit Wirklichkeit werden. Wir denken dabei an Meteoriteneinschläge, an Ozonlöcher, Taifune und Hurrikans, an Ölpest und Nuklearunfälle.
  • Es bekümmern uns die unüberbrückbar scheinenden Gegensätze zwischen Islam und Christentum oder der immer wider aufflammende innerkirchliche Streit und die Spaltung der Christenheit. Innerhalb dieser wächst die Anzahl der selbst ernannten Apostel und Prediger und Sekten rasant.
  • Wie lange das noch so weitergeht, wissen wir nicht. Natürlich dürfen wir so, wie die Jünger im Evangelium, fragen: Wann wird der Tag des Endgerichtes kommen?
  • Die Antwort darauf gibt Jesus bei Matthäus und Markus: Das wissen „auch nicht die Engel, nicht einmal der Sohn, nur der Vater.“[8]

Doch was kommt nach all diesen dem Ende vorausgehenden Zeichen?

Was passiert an diesem letzten Tag?
  • Christus erscheint „mit großer Macht und Herrlichkeit",[9] um die von ihm Auserwählten zu sammeln.[10] Christus kommt, um – wie wir im Glaubensbekenntnis sprechen – „zu richten die Lebenden und die Toten."
Christus als Richter –
  • damit verbinden sich für viele nur negative Empfindungen. Wenn einer lieblos und verantwortungslos lebt, sicher mit Recht. Da klingt mit Recht das dunkle „Dies irae“ – der Tag des Zornes - an. Im Bewusstsein vieler Menschen ist der Richter nur einer, der verurteilt. Wir sollten aber nicht übersehen, daß ein Richter nach sorgfältiger Abwägung aller Umstände auch freisprechen kann.
Welche Qualität das Gericht hat, erfahren wir dem unserem heutigen Evangelium folgenden

Vergleich mit dem Feigenbaum:[11]
  • Die Zweige werden saftig, die Blätter treiben, der Sommer kommt. Und mit dem Sommer das Ende. Doch was passiert am Ende mit dem Feigenbaum? Er wird doch nicht umgehauen, er wird abgeerntet. Das Ende der Welt ist also nicht die Zerstörung, sondern die Ernte. Und damit verklingt das »Dies irae«.
  • Für die Glaubenden und Liebenden gibt es nicht den »Tag der Rache«, sondern das Fest der Vollendung.
Gericht kommt von Richten.
  • Das Tätigkeitswort „richten“ ist in unserer Sprache doppelsinnig: Einmal bedeutet es bei Gericht ein Urteil fällen, das schuldig oder frei spricht, zum anderen kann es bedeuten „etwas richten, in Ordnung bringen.“
  • Wenn unser Auto nicht mehr funktioniert, dann bringen wir es in die Werkstatt, damit es „gerichtet“ wird. Richten bedeutet dann: Was schadhaft ist, wird repariert, was kaputt ist, wird erneuert, und am Ende ist unser Auto wieder wie neu. In diesem Sinn dürfen wir auch das Tun Christi im Endgericht verstehen.
  • Im Johannesevangelium hören wir Jesus sprechen: „denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten."[12] Manche Worte des Evangeliums bekommen so einen ganz neuen Klang, wie z.B. jenes, das Jesus im Anschluss an die Heilung des Blinden spricht: „Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden.“[13]
  • Christus also nicht nur als Richter, um zu verurteilen oder um freizusprechen. Besser ist es zu sagen er „richtet“ die Dinge. Er setzt sie und uns ins richtige Licht. Der Blinde darf wieder sehen und in Jesus den Messias Gottes erkennen. Und den scheinbar Sehenden, den Schriftgelehrten und Pharisäern wird klar, dass sie eigentlich blind sind, weil sie das offensichtliche Werk Gottes nicht als solches erkennen.
  1. Wir dürfen Christus zutrauen, dass er uns auf diese Weise richtet. Was unvollkommen ist in unserem Leben, wird ergänzt, was falsch gelaufen ist, wird richtig gestellt, am Ende sind wir wieder ganz neue Menschen! Das wird sicher für viele von uns ein schmerzvoller Prozess sein, etwas was zunächst weh tut. Aber es ist wie bei einer Geburt. Ist das unter Schmerzen geborene Kind da, sind alle Schmerzen schnell vergessen.

Die neue Grundmelodie des Christen

  • Klingt in dem amerikanische Spiritual auf: „O when the saints go marching in." Wörtlich übersetzt: „Wenn die Heiligen einziehen...“ Dieses Lied ist entstanden in einer Zeit der Sklaverei, der tiefsten Not und Unterdrückung. Trotzdem schildert es nicht in dunklen Farben den Untergang, sondern in heiterer Beschwingtheit den Festzug der Erlösten.
  • In unseren Liederbüchern heißt die erste Strophe: „Ja, wenn der Herr einst wiederkommt, dann lass mich auch dabei sein!“ Das ist die Haltung, in der wir Christen diesem Tag entgegensehen und entgegengehen sollen: Wenn der Herr einst wiederkommt, dann brauche ich mich nicht vor Angst zu verkriechen, sondern darf mich einreihen in den Festzug der Geretteten. So gesehen wird auch das heutige Evangelium zur »Frohbotschaft unseres Herrn Jesus Christus«, auf die wir mit dankbarem Herzen antworten können: „Lob sei dir, Christus!“ In IHM geht uns auf die Sonne der Gerechtigkeit, und ihre Flügel bringen Heilung.(14)


[1] Homilie zu den Sonntagstexten: 1. L Mal 3,19–20b; 2. L: 2 Thess 3,7–12; Ev Lk 21,5–19
[2] 2 Thess 3,11
[3] vgl. Mal 3,14
[4] Mal 3,19
[5] Mk 13,24
[6] Lk 21,12-19
[7] Joh 16,33
[8] Mk 13,32; Mt 24,36
[9] Lk 21,27
[10] Mk 13,27
[11] Lk 21,29; vgl. Mt 24,32-35; Mk 13,28-32
[12] Joh 12,47
[13] Joh 9,39
(14) Mal 3,20

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