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2007 (C) Ostern

Homilie zu Lk 24,13-35 am Ostermontag

===>> zu den liturgischen und biblischen Texten des Ostermontags

 Auf dem Weg mit dem Auferstandenen
Das Emmaus-Ereignis ein Gleichnis für unser Leben
1 Jesus geht mit ihnen, ohne dass sie es ahnen; aber das Gespräch mit ihm tut gut.

• Ist es nicht auch in unserem Leben so?

Wir sind einge spannt in viele Pflichten und Aufgaben. So vergehen ein Tag, ein Jahr nach dem anderen. Bis uns bestimmte Ereignisse froher oder auch trauriger Art plötzlich innehalten lassen, zur Besinnung rufen. Der plötzliche Tod eines Menschen, den wir kannten. Die Geburt eines Kindes. Wenn wir knapp einem Unfall entgangen sind. Oder wenn die Bäume blühen und ihr Duft den Hetzles entlang zieht, wir in stillen Augenblicken das Angesicht des Herrn suchend mit ihm Zwiesprache halten, erfahren wir die Wahrheit des Psalm-wortes. "Du führst mich hinaus ins Weite, du machst meine Finsternis hell."[1]

• Die schweren Stunden in unserem Leben,
sind die, in denen wir nachdenkliche Fragen stellen. Wenn wir erleben, dass es nichts gibt, was uns gehört; uns in einem Augenblick alles genommen werden kann, woran wir hängen, was uns lieb und teuer ist. Für die Emmaus-jünger, schien mit dem Karfreitag auch alles vorbei zu sein. Viele Fragen be-schäftigten sie, blieben ohne Antwort. „Warum musste der Messias Jesus all das erleiden?“ Doch der Auferstandene ging mit ihnen, aber noch merkten sie es nicht.

• In die Weite Gottes
will uns der Herr in schö nen und glücklichen Stunden führen, wenn wir anfangen, zu staunen, wenn unser Herz sich weitet im Glück. Und wenn wir uns daraufhin zum Loben und Danken aufschwingen, spüren wir, dass das Glück erst dann ein Bote des Himmels ist, wenn wir es nicht für selbstverständlich halten, sondern es als unverdientes Geschenk empfangen und dankbar leben.

• Der Herr ging mit uns
in den Zeiten, wo wir alles gegeben haben und doch kaum einen Erfolg sahen. Da erin nerte er uns an sein Wort: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.[2] Unser Herz beruhigt sich, wenn wir erkennen, dass nicht wir das Leben, die Welt in der Hand haben, sondern Er, den der Vater in der Auferweckung von den Toten zum Herrn des Alls gemacht hat. Das ist gut so. Es entlastet. Wir müssen nicht alles zu Ende führen, zur Vollendung bringen. »Tu das Deine nur getreu«, das genügt. Jesus geht mit uns, ohne dass wir es ahnen; aber das Gespräch mit ihm tut auch uns gut.

2 Er schließt ihnen die Schrift auf.

• Das große Abenteuer unseres Lebens
beginnt erst dann, wenn wir uns auf das Wort der Heiligen Schrift einlas sen. Ich sage das nicht, weil ich ein Pfarrer bin, sondern weil ich das an mir immer wieder erfahre. Da gibt es Schriftworte, die nahm ich vor 50 Jahren gar nicht wahr, die überhörte ich noch vor 20 Jahren und auf einmal erschlossen sie sich mir, wurden zur Offenbarung, zum Wort des Lebens, das mich trägt. Für dieses Abenteuer mit Gott ist keiner zu jung und keiner zu alt. Wenn uns sein Wort berührt, können auch wir sagen: "Brannte nicht das Herz in uns als er mit uns redete und uns die Schrift erschloss". [3]
Der Dienst der Predigt ist zwar ein schwerer Dienst, aber er beschenkt mich von Mal zu Mal neu, denn hinter diesem Wort steht der auf erstandene Herr, der uns an alles erinnern will, was er gesagt hat. Und damit anzufangen, ist es nie zu spät. Gerade die späten Jahre unseres Lebens, könnten sie nicht auch die tiefsten werden, weil Herz und Seele geweitet sind durch vielfäl tige Lebenserfahrung?

• Wenn Menschen jenseits 60 wieder neu anfangen,
mit der Kirche zu leben, den Gottesdienst, das Hören auf das Wort Gottes, das Lesen in der Bibel, als etwas Unverzichtbares in ihrem Leben neu zu entdecken, ist dies keine Altererscheinung, sondern die Gnade der späten Jahre. Diese kommt aus der Einsicht, dass wir ohne den tragenden Grund, den Gott uns im Glauben an den Auferstandenen schenkt, weder das Leben noch das Sterben be stehen können. Es geht darum

• Aus dem Wort Gottes und der Heiligen Messe zu leben.
Dazu ein erlebtes Beispiel. Am Mittwoch vor meiner Goldenen Kommunion 1993 beerdigte ich eine 88jährige aus dem fünf Kilometer von der Pfarrkirche entfernten Dorf Honings. Bis zu ihrem Tod hatte sie noch jeden Sonntag in der Pfarrkirche die heilige Messe mitgefeiert. Beim Krankengottesdienst vor Ostern hatte sie gebeichtet und zu sammen mit 68 älteren und kranken Gemeindegliedern die Heilige Krankensalbung empfangen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie gesammelt sie dabei war. Sie lebte ganz im Vertrauen auf Gott.
Bis in ihr hohes Alter fuhr sie Sonntag für Sonntag mit dem Rad nach Neunkirchen. Die Autofahrer fürchtete sie nicht. Ihre Ersparnisse überwies sie jedes Jahr an die verschiedenen Missionswerke der Kirche. Wenige Tage vor ihrem Tod begegnete sie im Dorf einer jungen Mutter. Sie ging auf sie zu und sagte: Ich muss dir noch etwas Wichtiges sagen: „Feiere jeden Sonntag die Heilige Messe mit.“ Es war wie ein Vermächtnis.
Am Sonntag früh läutete sie noch wie jeden Tag das Gebet mit der Ortsglocke. Dann ging sie in den Stall, um wie immer dort mitzu helfen. Jeden Sonntag bevor sie in die Kirche ging, nahm sie ein Bad. So bereitete sie sich innerlich und äußerlich auf den Gottesdienst vor. Als sie an jenem Sonntag im Bad ankam, starb sie.

• Gott hat uns in der Taufe, im Bad der Wiedergeburt an sein Herz gezogen.
Immer wieder reinigt und heiligt er uns, wenn wir es nur zulassen. Wenn wir uns auf das Wort Gottes einlassen, sein Ostergeschenk, die Sündenver-gebung annehmen, dann wird auch uns der Auferstandene wie den Jüngern von Emmaus seine befrei ende und heilende Nähe schenken, die unser Herz und unse ren Geist neu aufleben lässt, so dass wir den Tod nicht fürch ten müssen.

EMMAUS lavierte Federzeichnung, Rembrandt (1606-1669)
EMMAUS lavierte Federzeichnung, Rembrandt (1606-1669) Die Jünger erkennen den auferstandenen Herrn beim Brechen des Brotes
3 Er gibt sich den Jüngern zu erkennen beim Brotbrechen.

• Letzte Erkenntnis wird den Jüngern zuteil als er mit ih nen das Mahl hält und ihnen das Brot bricht.
Jeder Christ bedarf der Hinführung zu diesem Mysterium. In Katechese und Predigt muss dies immer wieder geschehen. Ich selber bin in einem katholischen Umfeld aufgewachsen, war 8 Jahre im Knabenseminar Ottonianum und dann 6 im Priesterseminar. Die tägliche Messe gehörte zum Tagesablauf. Aber es wurde nicht darüber ge sprochen, der Geist der Liturgie wurde uns nie richtig erschlossen. Ich war schon im 4. Semester im Priesterseminar, als mir bei einer Werkwoche auf Burg Rothenfels die geistliche Tiefe des Opfers und Mahles Jesu, der hl. Eucharistie, aufging und mich von da an bis heute fasziniert und verwandelt.

• Der gekreuzigte und auferstandene Herr wird in der Wandlung eins mit Brot und Wein,
er macht die Frucht der Erde, die durch die Mühe und Arbeit der Menschen zu Brot und Wein wurde, zu seinem Leib. Er nimmt also als erstes die Schöpfung mit hinein in seinen auferstandenen Leib.
In dem Lied »Dank sei dir Vater für das ewige Leben« singen wir in der zweiten Strophe: "Jedes Geschöpf lebt von der Frucht der Erde; doch dass des Menschen Herz gesättigt werde, hast du vom Himmel Speise uns gegeben zum ew’gen Leben."[4]
Gott liebt seine Schöpfung so sehr, dass er im Auferstandenen eins mit ihr wird. Gott ist nicht nur ihr Schöpfer, sondern auch ihr Vollender. Darin gründet unsere Verantwortung für die Erhaltung und Bewahrung der Schöpfung, wurzelt verantwortlicher, christlicher Umgang mit ihr.

• So wichtig ist Gott seine Schöpfung,
dass er eins mit ihr geworden, uns durch sie in der Kommunion mit seinem Auferstehungsleben erfüllt. Nicht nur wir Menschen, son dern die ganze Schöpfung ist zur Herrlichkeit Gottes beru fen. Dies ist die kosmische Dimension der Schöpfung: Gott meint im Opfer und Mahl seines Sohnes die ganze Schöpfung und den ganzen Menschen.
Indem ich das Brot esse, das sein Leib ist, und aus dem Kelch trinke, der sein Blut ist, strömt sein Auferstehungsleben bis in meinen Leib und in meine Seele hinein, durchdringt er mich bis in alle Fasern meines Leibes und meiner Seele. Weil ich von ihm durch drungen bin, wird er mich mit Leib und Seele zu seinem herrlichen Leben erwecken. Sagt er doch selber: "Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag."[5]
Durch ihn sind und bleiben wir mit dem lebendigen Gott, mit derm dreieinen und dreifaltigen Gott verbunden. Darum sagt Jesus: "Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben."[6] Darum ist für einen katholischen Christen die Mitfeier der heiligen Messe der

• Inbegriff der Begegnung mit dem auferstandenen Herrn.
Ich könnte und möchte nicht ohne das Testament Jesu leben. Denn hier begegnet er mir in seinem lebendigen Wort, das meinen Glauben und mein Leben nährt, und hier speist er im Mahl meinen Leib und meine Seele, durchdringt er mich bis in die Fasern meines Leibes und meiner Seele hinein mit seinem göttlichen Leben.
Beim Brechen des Brotes erkennen die Emmausjünger den Auferstandenen. Im Brechen des heiligen Brotes vor der Kommunion wird deutlich, dass er sich an uns verschenken will. Darin gibt er sich uns zu erkennen: »Ich bin für euch da mit meinem ganzen Leben.« Die innige Begegnung mit dem Herrn im heiligen Mahl wird zur Initialzündung des Aufbruchs für die Jünger.

4 Noch in derselben Stunde brechen sie auf.
Nach der Begegnung mit dem Auferstandenen suchen die beiden Emmausjünger die Gemeinschaft der anderen Jünger. Sie müssen es den anderen mitteilen, was sie erlebt haben. So sollte es auch bei uns sein.

• Das Mahl des Herrn verbindet uns untereinander.
Es verbindet uns mit dem auferstandenen Herrn aber auch mit allen, die mit uns den Namen Christi tragen. Wir werden daher die Glaubenserfahrung und Glaubensfreude miteinander teilen. Denn als Glieder an dem einen Leib des Herrn sind wir auf einander angewiesen. Keiner glaubt nur für sich allein.
In dem vorher genannten Lied heißt es in der 3.Strophe: "Wir, die wir alle essen von dem Mahle und die wir trinken aus der heil’gen Schale, sind Christi Leib, sind seines Leibes Glieder und alle Brüder."[7] Das Herrenmahl ist der Grund, dass wir untereinander eins sind. Das II. Vatikanische Konzil hat in der Liturgiekonstitution im Artikel 48 auf dem Punkt gebracht,

• Worauf die Kirche ihre ganze Sorge richten soll:
"..dass die Christen diesem Geheimnis des Glaubens nicht wie Außenstehende und stumme Zuschauer beiwohnen; sie sollen vielmehr durch die Riten und Gebete dieses Mysterium wohl verstehen lernen und so die heilige Handlung bewusst, fromm und tätig mitfeiern, sich durch das Wort Gottes formen las sen, am Tisch des Herrenleibes Stärkung finden. Sie sollen Gott danksagen und die unbefleckte Opfergabe darbringen lernen. So sollen sie durch Christus, den Mittler, von Tag zu Tag zu immer vollerer Einheit mit Gott und untereinander gelangen, damit schließlich Gott alles in allem sei."


• Ein Leben lang dürfen wir daraus leben.
Heute danken wir dem Gott und Vater Jesu Christi, der Jesus von Toten auferweckt hat und der auch uns mit Jesus aufer wecken wird. In dankbarer Freude dürfen wir das Testament Jesu, sein Opfer und Mahl feiern. Wie den Jüngern von Emmaus bricht er uns das Brot, gibt er sich uns zuerkennen als der Auferstandene, der ganz für uns da ist, im diesem Leben und in Ewigkeit.

[1] (GL712/1, Ps 18,20)
[2] Lk 17,10
[3][3] Lk 24,32
[4] (GL 634/2)
[5] Joh 6,54
[6] Joh 6,57
[7] GL 634/3

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