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2007 (C)

Meditation und Ansprache zur Aufstellung des Wilhermsdorfer Kreuzaltarbildes von Felix Müller am Freitag 18. Mai 2007 um 18.30 in der Katharinenkapelle Neunkirchen am Brand

Der Wilhermsdorfer Altaraufbau - eine Annäherung[1]

1 Es gibt mehrere Möglichkeiten, einem Kunstwerk zu begegnen:

1.1 Kunstgeschichtliches Interesse lässt uns nach Entstehungszeit und -ort, nach Stil und Einflüssen fragen.

1.2 Wir können es als Ganzes auf uns wirken zu lassen, um schauend im Bild zu sein.

In Kosmischer Weite
Baum des Lebens
Oben und unten
Himmel und Erde
Ost und West,
Nord und Süd
verbindend


Wunden traubenrot
Traubenblut
Lebenssaft
sie schauend
heilen
unsere Wunden
 
Christus verherrlicht
am Kreuz
Ganz gelöst
wie auf Himmelsklänge
lauschend
 
Kreisrund
Kreuzinschrift
Haupt dornengekrönt
Schulter und Brustkorb
aus der Personmitte
Himmel und Erde
durchstrahlend
Gott in ihm
verherrlicht.


Tanzend
die Welt
den Kosmos
umarmend
am Kreuz
erhöht
alle an sich
ziehend.
 
Lendentuch Christi
als Heiltum in Aachen
gezeigt
im Rhythmus
siebenjährig
des Leibes Mitte
verhüllend.
 
Zu seinem Leib
als Getaufte
gehörend
Er
in uns
das Leben
zeugend
Er
der Weinstock
Wir
die Reben
in ihm bleibend
Frucht bringend
für Gott
und die Welt.



1.3 Bei einem Kunstwerk, das einen wichtigen Inhalt des christlichen Glaubens darstellt, werden wir nach den biblischen, theologischen, liturgischen und spirituellen Inhalten fragen.

1.3.1 Biblische und Theologische Annäherung
a) Kreuzestod und Verherrlichung Jesu werden bei Johannes zusammen gesehen.

  • Als schmählichste persische und römische Hinrichtungsart war das Kreuz ein Zeichen der Schmach und der Schade, also alles andere als ein Heilszeichen. Petrus und die anderen Apostel verkünden bei ihrem Verhör vor dem Hohen Rat (Apg 5,30) den Gekreuzigten als den Auferstanden: "Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und ermordet habt."
  • In prophetischer Rede weist Jesus im Johannesevangelium darauf hin, dass er als der am Kreuz Erhöhte, alle zu sich ziehen wird. (Joh 12.32) Bei Joh 13,31f. heißt es: "Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht und Gott ist in ihm verherrlicht."
  • Als Johannes in seinem Evangelium im Lichte der Auferweckung Jesu vom letzten Abend Jesu berichtet, hat er bereits erfahren, daß auch der grausame Tod Jesu für Gott kein Hindernis war, dem Leben zum Durchbruch zu verhelfen.
  • Jesus hat darauf vertraut, daß auch sein Tod noch dem Lebenswillen Gottes entspricht. So verherrlicht er in dieser extremen Lebenssituation Gott. Durch die Auferweckung des bis in den Tod am Kreuz gehorsamen und liebenden Jesus verherrlicht Gott sich, wird seine den Tod besiegende Herrlichkeit offenbar.
  • Auch nach dem Hebräerbrief gehören Todleiden und Herrlichkeit zusammen. Er sagt von "Jesus, ihn sehen wir um seines Todesleidens willen mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt; es war nämlich Gottes gnädiger Wille, dass er für alle den Tod erlitt."

b) Kreuz und Lamm

  • Zu dem Altarbild gehört der Tabernakel mit dem ausschreitenden Lamm Gottes. Als Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen sieht, sagt er von ihm: "Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt." (Joh 1,29)
  • Als Mensch und Messias Gottes geht er den Weg der gewaltlosen Liebe, so wie der Prophet Jesaja den Knecht Gottes prophetisch schaut: “Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf." (Jes 53,7)
  • Zugleich wird Jesus in der Offenbarung des Johannes das verherrlichte Lamm mit dem Vater von den Erlösten aus allen Völkern und Nationen mit lauter Stimme gepriesen: "Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm." (Offb 17,10) Die aus Verfolgung und Bedrängnis Kommenden "haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht." (Offb 10,13)
  • Und Gott breitet sein schützendes Zelt über die vor ihm Stehenden aus und übergibt sie der Sorge des verherrlichten Christus: "das Lamm in der Mitte vor dem Thron wird sie weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens strömt, und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen." (Offb 11,17)
  • Darum grüßt die Kirche das Kreuz Christi in Liedern des Gotteslobes als heiliges heilbringendes Zeichen, (GL 858) als "Starke Brücke", als "Siegeszeichen", als "Stab der Pilger" und als des Himmels Schlüssel". (GL 182)
  • Die Hymnen des Stundengebets der Passionszeit und der heiligen Woche besingen das Kreuz Christi als Siegeszeichen:
Preise, Zunge, und verkünde
den erhabnen Waffengang;
auf das Kreuz, das Siegeszeichen,
singe den Triumphgesang.
Singe, wie der Welt Erlöser
starb und dennoch Sieg errang.


  • Durch seine Beziehungen zu den damals von der biblischen und liturgischen Bewegung geprägten Priestern, hatte Felix Müller Zugang zu den liturgischen Texten der Passionszeit und Karwoche: Der bildreiche Hymnus der Laudes scheint mir aus diesem Kunstwerk herauszuleuchten:
Heilig Kreuz, du Baum der Treue,
edler Baum, dem keiner gleich,
keiner so an Laub und Blüte,
keiner so an Früchten reich:
Süßes Holz, so süße Nägel,
welche süße Last an euch.

Beuge, hoher Baum, die Zweige,
werde weich an Stamm und Ast,
denn dein hartes Holz muss tragen
eine königliche Last,
gib den Gliedern deines Schöpfers
an dem Stamme linde Rast.

 
Du allein warst wert, zu tragen

aller Sünden Lösegeld,

du, die Planke, die uns rettet

aus dem Schiffbruch dieser Welt.

Du, gesalbt vom Blut des Lammes,

Pfosten der den Tod abhält.

1.3.2 Liturgische und spirituelle Annäherung

a) Die Wunden des Lammes
  • Viele Bilder kommen mir in den Sinn, wenn ich auf dieses Altarbild schaue:
  • Christus als Keltertreter, der so wie auf unserem Altarbild selber in Kelter zerpresst wird. Besonders in Weingegenden finden wir diese Darstellung. Diese Christus-Darstellungen deuten den Tod Jesu als Geschenk: Leid, Blutvergießen und Tod Jesu waren nicht umsonst. Denn unten aus der Kelter fließt der Traubensaft, der Wein als Symbol der Hoffnung und der Freude. Die Christen dürfen hoffen auf ein neues Leben im auferstandenen Christus!
  • Der verwundete Christus, der seine Wunden nicht verbirgt, sondern sie nach seiner Auferstehung zeigt, ja den Thomas sogar einlädt sie zu berühren, um seine Gegenwart als Auferstandene Jesus zu spüren. Daran erkennen sie, dass der Auferstandene auch die Gekreuzigte und zu Tode verwundete Herr ist.
  • Sowohl Jesaja bekennt vom gemarterten und zu Tode verwundeten Gottesknecht, wie Petrus von Jesus, dem Christus: "Durch seine Wunden sind wir geheilt." Jes 53,5; 1 Petr 2,24f.)
  • Das Fronleichnamsfest heißt im Sprachgebrauch der Kirche: Hochfest des Leibes und Blutes Christi. Das Altarbild ist ein wahres Fronleichnamsbild.

  • Felix Müller lässt das aus den Wunden fließende Blut des Herrn zu Trauben werden. Das lässt mich an das österlichen Marienlied „Lasst uns erfreuen herzlich sehr“[2] denken:
Aus seinen Wunden fließen her, Halleluja,
fünf Freudenseen, fünf Freudenmeer. Halleluja.
Die Freud sich über dich ergoss, Halleluja,
und durch dein Herz die Freude floss. Halleluja.
 
  • Er ist der Weinstock wir die Rebzweige. Mit ihm verbunden bringen wir reiche Frucht. (Joh 15) Die Frucht besteht darin, dass wir so lieben, wie er geliebt hat. Die Wunden gehören zu Jesus und sie bringen reiche Frucht durch Gottes große Tat, durch die Auferweckung Jesu.
b) Wunden werden zu Perlen
  • Das restaurierte Altarbild von Felix Müller will jedem, der an den Wunden seines Lebens leidet, einen Weg der Heilung zeigen.
  • Dazu will ich Anselm Grün zitieren, der auf seiner CD "Wunden zu Perlen" zur Einführung sagt:
  • "Jeder Mensch wird in seinem Leben verletzt. Verletzungen gehören zu unserer Lebensgeschichte. Ob es uns gelingt ein reifer und versöhnter Mensch zu werden, das hängt von unserem Umgang mit den eigenen Wunden ab.
  • Für die heilige Hildegard von Bingen besteht die Kunst menschlicher Selbstwerdung darin, diese Wunden zu Perlen zu verwandeln. Wenn ich mich aussöhne mit meinen Wunden, dann kann ich in ihnen etwas Kostbares entdecken, etwas das meinen persönlichen Wert ausmacht und mir meine Lebensspur aufzeigt. Die Wunde hält mich lebendig auf Gott und die Menschen hin. Aber solange die Wunde noch eitert kann sie nicht zur Perle werden. Sie muss erst heilen. Nach Heilung sehnen sich heute viel Menschen."
  • Die katholischen Christen früherer Zeit wurden durch die Betrachtung der Wunden Christi dazu befähigt ihre eigenen Wunden von ihm her zu sehen und anzunehmen. Wir schauen auf die Wunde seiner rechten und linken Hand. In den Händen spiegeln sich die Seele eines Menschen und seine seelischen Verwundungen. Wir schauen auf die Wunden seiner Füße in deren Sohlen sich unsere leiblichen Organe spiegeln, ihre Wunden und Krankheiten. Wir schauen auf die Seitenwunde des Herrn, die durchbohrt verwundet den Tod bringt.
  • Im Jesusgebet zu den fünf Wunden betet man so: "Jesus Christus - für uns am Kreuz gestorben - durch die heilige Wunde deines rechten Fußes - erbarme dich unser."
  • In der christlichen Tradition hat man dem Gebet und der Meditation heilende Wirkung zugetraut. Und im Gebet oft genug Heilung erfahren.
  • Durch den Auferstandenen wurden die Wunden zu verklärten Wunden.
  • Welche Bedeutung die Wunden Jesu im Heilswerk Gottes zukommen besingt der Hymnus »Ave verum«. Zu Deutsch:
1. Wahrer Leib, sei uns gegrüßet!
Dich Maria uns gebar,
du hast unsre Schuld gebüßet,
sterbend auf dem Kreuzaltar!
Blut und Wasser sind geflossen,
als dein Herz durchstochen war,
sei zum Heil von uns genossen
in der Todesstund Gefahr!

2. Göttlich Blut, für uns vergossen
aus des Heilands Wunden rot!
Du den Himmel hast erschlossen,
uns erlöst vom ewgen Tod.
Herr, der Feind von allen Seiten
mit Gewalt und Arglist droht,
hilf uns beten, hilf uns streiten,
stärk uns in des Sterbens Not.

c) Der Wunden köstliche Frucht

  • Durch die Auferstehung Jesu Christi bringen die Wunden köstliche Trauben hervor. Darum singen wir in dem 1788 in Mainz entstandenen Osterlied:
3. Verklärt sind seine Wunden ganz,
freu dich und singe!
Sie leuchten wie der Sonne Glanz, alleluja!
Sing fröhlich alleluja!
 
4. Die Seite, die geöffnet war,
freu dich und singe!
zeigt sich als Himmelspforte klar, alleluja!
Sing fröhlich alleluja!


  • Wir verstehen warum Johannes die geöffnete Seitenwunde des Herrn uns als Quelle des Heils und der Erlösung verkündet: Blut und Wasser flossen aus der durchbohrten Seite Jesu (Joh 19,34). «Wasser» ist bildhafter Hinweis auf die Taufe Jesu im Jordan (vgl. Joh 1,31f), «Blut« auf den Opfertod Jesu am Kreuz (vgl. Joh 19,34).
  • Aus dem durchbohrten bis zuletzt liebenden Herzen Jesu strömen Blut und Wasser. Blut für uns vergossen zur Vergebung der Sünden. Wasser, das uns in der Taufe reinigt und heiligt, uns zu Kindern Gottes macht.
  • Indem sich Jesus, der Christus, mit seiner ganzen menschlichen Existenz als der geliebte Sohn Gottes bis zum Äußersten, bis zum Vergießen seines Blutes für die Welt und die Menschen im wahrsten Sinn des Wortes vertrömte, wurde er zum alles versöhnenden Wesen. In dem Christuslied des Kolosserbriefes wird diese Wahrheit so besungen:
Er ist das Haupt des Leibes,
der Leib aber ist die Kirche.
Er ist der Ursprung,
der Erstgeborene der Toten;
so hat er in allem den Vorrang.
Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen,
um durch ihn alles zu versöhnen.
Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen,
der Friede gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.
Kol 1,18-20
  • Wer ein Freund, eine Freundin Jesu ist, der hat auch Teil am Schicksal Jesu, an seinen Wunden, die ihm Menschen zufügen.

  • Das muss nicht wie bei Franziskus, wie bei Anna Katharina Emmerich, bei der Resl aus Konnersreuth oder bei Pater Pio zu einer äußerlich sichtbaren Stigmatisierung führen. Aber jeder Jünger, jede Jüngerin, wird mit Jesus und seiner Kirche, die sein mystischer Leib ist, mitleiden. Paulus sagt von sich, dass "er die Stigmata - die Wunden Christi an seinem Leib trage." (Gal 6,17) Der Christ leidet nicht nur an den persönlichen Wunden, sondern auch an den Wunden, die man dem Herrn und seiner Kirche zufügt.

  • Schauen wir auf die Wunden des Auferstandenen. Halten wir ihm unser Wunden hin. Bitten wir ihn, dass sich unsere Wunden in Trauben und Perlen verwandeln, damit auch wir mit Jesaja und Petrus bekennen können, "durch seine Wunden sind wir geheilt."


[1] 1934 für die katholische Diasporakirche in Wilhelmsdorf geschaffen
[2] GL 585/4

 

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