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Predigten

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2008 (A)

Homilie am 4. Advent in der Filialkirche »Regina pacis« in Rödlas, Pfarrei St. Michael/St.Augustinus Neunkirchen am Brand

===>> Biblische und liturgische Texte des 4. Adventssonntags
===>> Predigt im Orginaltext lesen oder herunterladen
===>> Gottesdienstvorlage zum 4. Advent

Immanuel - Gott ist mit uns.

1 Irdische Reiche gehen unter

  • Die Älteren unter uns sind Zeitzeugen des Untergangs machtvoller Reiche: Nach dem ersten Weltkrieg gingen die Kaiserreiche Preußens und Österreich-Ungarn unter. 1945 zerbrach das sog. »1000jährige Reich« der Nationalsozialisten. 1989 zerbrach die Gewaltherrschaft des sowjetischen Kommunismus. Nach 60jähriger Knechtschaft gewannen die Völker Osteuropas ihre Eigenständigkeit wieder. Es war etwas eingetreten, was bei uns im Westen kaum jemand für möglich gehalten hatte.
  • Glückliche Umstände! - sagten manche. Wir Glaubende beurteilen diese Vorgänge anders. Horchen wir in die Lesungen des 4. Advents hinein. Da begegnet uns als Erstes eine

2 Von Gott geschenkte Ermutigung

  • Nicht die Mächtigen allein bestimmen die Geschichte der Menschen, sondern letztlich Gott. Er verwandelt die Resignation der Menschen in Mut. Er schenkt die Kraft, sich der Gewaltherrschaft entgegenzustellen, selbst wenn es das Leben kostet.
  • In der Lesung aus dem Propheten Jesaja hörten wir, wie Gott durch seinen Propheten sein Volk inmitten der Belagerung durch mächtige Feinde, in einer aussichtslosen Situation also, ermutigt:
  • „Bewahre die Ruhe und fürchte dich nicht. Dein Herz soll nicht verzagen, wegen dieser beiden Holzscheite, dieser rauchenden Stummel.“[1]
  • So werden die Angreifer und Belagerer, die Könige von Damaskus und Israel genannt, die gegen Jerusalem gezogen sind. Die Ermutigung enthält eine Zusage:
„Das kommt nicht zustande, das wird nicht geschehen.“
  • Heute lachen wir über den bei 50jahrfeier des SED Regimes der DDR von Erich Honecker mit Pathos vorgetragenen Ausspruch: Die Mauer werde noch in 100 Jahren stehen. Nichts mehr ist heute davon zu finden.
  • Mit Maria, der Begnadeten Gottes und Magd des Herrn, singt oder betet die Kirche jeden Tag in der Vesper, dem Kirchlichen Abendgebet, im Magnifikat:
    „Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.“[2] Diese Zusage Gottes ermutigt uns,

3 Gott zu vertrauen und zu bitten

Gott schenkt die Rettung, denen, die ihn fürchten, die ihn in ihrem Leben ernst nehmen. Jesaja sagt es eindringlich:
„Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.“[3]
Und er sagt zum König von Israel:
„Erbitte dir ein Zeichen“[4]
  • Das Vertrauen auf Gott, der uns retten will, und die Bitte um sein rettendes Zeichen, gehören zusammen. Der König Ahas verweigert Gott dieses Vertrauen. Damit zerstört er die Zukunft des davidischen Königtums. So gibt Gott selber ein Zeichen:
    „Seht die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel geben - Gott mit uns.“[5]
  • Nach dem Untergang des davidischen Königshauses wurde schon im Alten Testament diese Verheißung auf den Messias gedeutet. So tun es auch die Christen von Anfang an. Jesus Christus ist für uns der von Gott geschenkte Retter. Er ist das größte rettende Zeichen Gottes.
  • Freilich wurde dieses »Gott mit uns« auch missbraucht. Es war der Wahlspruch des der Preußischen Könige und der deutschen Wehrmacht im ersten Weltkrieg. Auf dem Gürtel, genannt Koppel, prangte auf der Mitte des Leibes: »Gott mit uns«.
  • Gott aber ist nicht auf der Seite der Kriegführenden. Das musste auch Israel einsehen und lernen. Dreimal klagt in den Psalmen der Beter: »Gott, hast denn du uns verworfen? Du ziehst ja nicht aus, o Gott, mit unseren Heeren."[6]
  • Gottes rettende Tat wirkt, wie sie in Jesus geschehen ist, durch die Zeiten fort. Als vor 18 Jahren die Revolution in der DDR unblutig verlaufen ist, war das für die ganze Welt wie ein Wunder. Dieses Wunder – davon bin ich überzeugt -hängt wesentlich damit zusammen, dass diese Revolution vom ökumenischen Friedensgebet der Christen begleitet wurde. In den Gotteshäusern ist der friedfertige Mut gewachsen und gestärkt worden. Das Vertrauen zu und Bitte an Gott haben die friedliche Wende gebracht. Und wir durften erkennen:

4. Gott ist der Herr der Geschichte.

  1. Die Menschen machen «Geschichte», aber Gott ist der Herr der Geschichte. Wo Menschen Ihm vertrauen und an ihn glauben, wird Gott ihr Geschick wenden; wo Menschen ihn um sein rettendes Eingreifen bitten, werden sie eines Tages die Wende erleben. Denn er hat uns seinen Sohn als das rettende Zeichen gegeben, als Immanuel - als Gott mit uns.
  • Manchmal erleben wir das Eingreifen Gottes wie im Traum. Als Israel unerwartet nach langjähriger Verbannung aus der baylonischen Verbannung heimkehren durfte, da sangen sie:
„Als der Herr das Los der Gefangenschaft Zions wendete,
da waren wir alle wie Träumende.
da war unser Mund voll Lachen und unsere Zunge voll Jubel.
Da sagte man unter den anderen Völkern:
der Herr hat an ihnen Großes getan.“[7]
  • Auch bei Josef war es so. Sein sorgenvolles Gebet wegen der für ihn unverständlichen Schwangerschaft Mariens wird ihn bis in den Schlaf hinein begeleitet haben. Als er aus dem Traum erwacht, weiß er, daß bei der Schwangerschaft Mariens Gott am Werk ist; und er tut, was zu tun ist.
  • Natürlich sind wir als ichverfangene Menschen immer versucht Gott vor den Karren unserer Wünsche zu spannen. Dann stimmt, was ein Sprichwort sagt: »Hoffen und Harren macht manchen zum Narren« - dahinter steht wohl die Erfahrung, dass man manchmal vergeblich hofft und von der Enttäuschung ganz krank werden kann, weil man sich betrogen fühlt. Was habe ich erhofft - von Gott erhofft - und er hat es nicht getan? Gottes Gedanken sind andere als unsere Vorstellungen und Wünsche. »Nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen erfüllt Gott«, sagt Dietrich Bonhoeffer.[8] Und er wusste, was er sagte.
Papst Benedikt XVI beschreibt in seiner Enzyklika »spe salvi« unter der Überschrift »Lern- und Übungsorte der Hoffnung«


5. Das Gebet als Schule der Hoffnung

  • Der Papst schreibt: „Ein erster wesentlicher Lernort der Hoffnung ist das Gebet. Wenn niemand mehr mir zuhört, hört Gott mir immer noch zu. Wenn ich zu niemand mehr reden, niemanden mehr anrufen kann – zu Gott kann ich immer reden. Wenn niemand mehr mir helfen kann – wo es sich um eine Not oder eine Erwartung handelt, die menschliches Hoffen können überschreitet: Er kann mir helfen. Wenn ich in eine letzte Einsamkeit verstoßen bin: Der Betende ist nie ganz allein.“
  • Der Papst erinnert an einen Glaubenszeugen unserer Zeit, an den unvergessenen Kardinal Nguyen Van Thuan aus Hue in Vietnam, der 2002 als Kurienkardinal im Vatikan starb. Aus dreizehn Gefängnisjahren, davon neun in Isolierhaft, hat er uns ein kostbares kleines Buch hinterlassen: Gebete der Hoffnung. Der Papst schildert wie es dem Kardinal dabei ergangen ist:
  • "Dreizehn Jahre in Haft, in einer Situation scheinbar totaler Hoffnungslosigkeit, ist ihm das Zuhören Gottes, das Redenkönnen mit ihm zu einer wachsenden Kraft der Hoffnung geworden, die ihn nach seiner Frei-lassung beflügelt hat, den Menschen in aller Welt Zeuge der Hoffnung zu werden – der großen Hoffnung, die auch in den Nächten der Einsamkeit nicht untergeht." [9]
Immanuel - Gott mit uns, das ist der Name unter dem Gott mit uns geht. Durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus wurde dieser Name unseres Retter-Gottes Wahrheit, Wirklichkeit. Vom Augenblick seiner Empfängnis und Geburt bis zum grausam qualvollen Tod ist Gott in ihm bis in die tiefsten Finsternisse menschlicher Existenz mitgegangen. An ihn dürfen, können und sollen wir uns in jeder Lage vertrauensvoll wenden. Und wir werden erfahren, dass »Gott mit uns« ist.


[1] Jes 7,4
[2] Lk 1,50-52
[3] Jes 7,9
[4] Jes 7,11
[5] Jes 7,14
[6] Ps 60,12: 108,12; 44,10.
[7] Ps 126
[8] Hanna Ahrens, in: Mit der Bibel durch das Jahr 2007 S.358
[9] Spe salvi 32

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