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Österliche Bußzeit 2007 (C)

Homilie am Aschwermittwoch um 9.00 in St. Michael Neunkirchen

Texte der Liturgie und der Heiligen Schrift finden Sie unter der Internetadresse:

Benediktiner Abtei Beuron - Schott

Gedenke Mensch, dass du Staub bist (1)

Asche als Zeichen der Vergänglichkeit
(2)

Hier auf dem Altar haben wir ein Gefäß mit Asche von den abgebrannten Palmzweigen des letzten Jahres. Asche ist Ausdruck der Vergänglichkeit. Doch warum sollen wir uns so drastisch an die Vergänglichkeit erinnern?
Schließlich muss man doch nicht ausdrücklich sagen, dass die Welt und auch wir Menschen unweigerlich dem Ende zulaufen. Tag für Tag können wir davon in den Zeitungen lesen. Und auch im persönlichen Bekanntenkreis oder gar in der eigenen Familie erleben wir Tod und leidvolle Krankheiten.

Die Staubverfallenheit des Menschen

Ist unübersehbar. Staub dringt durch alle Ritzen. Staub legt sich auf unsere Werke. Feinstaub dringt in die Lungen und zerstört sie. Den höchsten Anteil atmen Diskobesucher ein. Wer lange unterwegs ist, erlebt sich als staubiger Bruder, als staubige Schwester. Mit Staublappen oder Staubsauger kämpfen wir gegen den sich auf alles legenden Staub an.
Nach dem Sündenfall bekommt der Mensch von Gott zu hören: "Denn Staub bist du, zum Staub musst du zurück." (3) Diese Aussage legt sich wie Staub auf jedes Menschenherz. Doch liegt auch ein Körnchen Trost darin. Wenn wir das staubige Elend beklagen, dann müssen wir eben nicht so tun, als ob wir allein damit fertig werden müssen. Es trifft uns alle.
Worin zeigt sich wohl diese Staub bzw. Erdverbundenheit des Menschen heute sonst noch? Vielleicht an der eigenen staubigen Vergangenheit? An den erdigen Überbleibseln kindlicher Bedürfnisse im Leben? Den frühen Prägungen in der Familie und Kindheit? Vielleicht aber auch an den verkümmerten Visionen, den Enttäuschungen über uns selbst, die andern oder die Kirche? Oder eher an der Vergeblichkeit unserer Arbeit und der Geschichte? Etwa im Staub des Alltagstrotts, der ständigen beruflichen und familiären Anforderungen? An den traurigen Resten einer zerbrechlichen und zerbröselnden Beziehung?

Das göttliche Staubkorn - der zweite Bestandteil des Menschen

All diese Staubkörner menschlichen Lebens gehören von Anfang an zum Leben. Gerade auch die Ahnung davon, dass unser Leben begrenzt ist. Dass Krankheit und Tod das Los eines jeden Menschen sind. Ja, aber was soll dann die ganze Mühe im Leben, wenn alles Staub ist? Darum betet die Kirche heute in der Laudes aus dem Psalm 146: „Haucht der Mensch sein Leben aus und kehrt er zurück zur Erde, dann ist es aus mit all seinen Plänen." Aber dies ist für den Beter kein Grund um zu resignieren, sondern er betet weiter: „Wohl dem, dessen Halt der Gott Jakobs ist und der seine Hoffnung auf den Herrn seinen Gott setzt."
Denn Gott formt den Menschen nicht nur aus dem Staub der Erde. Der Mensch erhält noch ein göttliches Element dazu, das uns aus unserem irdischen Verhaftetsein herauszuheben vermag.
Gott haucht dem Menschen seinen lebendigen Atem ein. Dadurch sind wir nach biblischer Überzeugung kostbare, wertvolle und einzigartige Wesen. Liebevoll, geradezu intim und zärtlich ist dabei die Zuwendung, der Hauch Gottes. Wenn der Mensch bewegt wird und belebt ist vom himmlischen Atem, ja dann kann er auch glauben, hoffen und sein Leben unter dem liebevollen Blick Gottes sehen. Dann können wir das Leben vertrauensvoll gestalten, dürfen sich unsere Talente entfalten, kann unser Leben kreativ werden.
Dieser Geisthauch Gottes wurde uns bei der Taufe vertieft zugesagt. Wir sind Kinder Gottes und Erben mit Christus. Er wird an uns vollenden, was er in der Taufe begonnen hat. Darum leben wir nicht nach der Devise: „Lasst uns heute leben; denn morgen sind wir tot." Darum leben viele heute einfach drauf los, oft auf Kosten anderer. Dem Glaubenden aber ist die Fülle des ewigen Lebens bei Gott verheißen. Dafür investieren wir alles, damit wir dieses Ziel als lebendige Hoffnung nicht aus den Augen, aus dem Sinn verlieren. Unser Ziel ist nicht das Zurücksinken in den Staub, sondern das endgültige Erhobenwerden über den Staub.

Es weht ein göttlicher Hauch in der Schöpfung und der Geschichte

Gerade ein solch göttlicher Hauch weht übrigens auch im heutigen Evangelium. Spürbar und erfahrbar schon seit alters her in den drei Werken der Frömmigkeit. Schauen wir sie uns nochmals an.
Das erste fromme Merkmal ist Almosen geben und zwar diskret und handfest zugleich. Mitmensch sein für andere, dazu braucht es wirklich manchmal Geschick, Inspiration und den göttlichen Atem, den man in sich spürt. Diese Hilfsbereitschaft und Güte werden vor den Augen Gottes keinesfalls wie Staub verwehen.
Auch das zweite fromme Kennzeichen wird bewegt vom göttlichen Geisthauch. Es ist das ehrliche Gebet im stillen Kämmerlein. Erstaunlich ist es allerdings schon, warum man nicht in der Öffentlichkeit fromm zu Gott beten soll? Womöglich könnte man doch dabei die anderen mit der persönlichen Spiritualität anstecken und begeistern?
Oder auch auf die Nerven gehen? Vielleicht hat Gott auch hier einen langen Atem. Er kann es sich leisten, zunächst jeden Einzelnen im Gebet anzuhauchen. Und die verkrusteten und verkümmerten Menschlichkeiten mit seiner belebenden Zärtlichkeit neu zu durchströmen.
In einem solch intimen und belebenden Gespräch vermag ich dann auch persönlich zu sagen, wer du, o Gott für mich bist. Und wie ich mich vor dir, mein Gott, sehe. Vor dir darf ich frei sagen, dass ich leben möchte, mich danach sehne, von der Last vergangener Unzulänglichkeiten und Schuld befreit zu werden. Er kann mir neuen Atem einhauchen, neue Chancen eröffnen.
Gute Figur oder fromm fasten

Auch beim dritten frommen Merkmal, dem Fasten weht ein göttlicher Hauch. Doch überlegen wir zunächst, warum wir auf manche Genüsse des Lebens überhaupt verzichten? Geht es im Endeffekt darum, unsere eigene Willensstärke unter Beweis zu stellen? Möchten wir eine gute Figur machen? Was steckt also wirklich hinter unseren Fastenvorsätzen? Wischen wir auch hier einmal ordentlich unsere frommen Vorstellungen und den Staub des Alltags ab. Es geht nicht nur um Abspecken, sondern um Freiwerden, um neue Kraft das Gute zu tun.
Fasten mit dem langen göttlichen Atem könnte bedeuten, dass ich der Frage auf den Grund gehe: Was meint Gott damit, wenn er sagt: Barmherzigkeit will ich nicht Opfer.(4)

Der Staub des Himmels

Doch trotz all dem guten Anfang und dem zärtlichen Atem Gottes, den wir im Leben immer wieder erfahren können, bleibt es dabei, der Mensch ist Staub. Allerdings hinterlässt gerade dieses Zeichen der Vergänglichkeit, wenn wir es heute genau betrachten, doch noch eine bleibende Spur.
Gott lässt nämlich die Menschen selbst in all dem staubigen Elend nicht allein. Jesus Christus, Gottes Sohn teilt mit den Menschen den Staub der Erde. In ihm und im Zeichen des Kreuzes bekommt dann die Asche auf einmal eine Zukunft weisende Gestalt. So strahlt uns im Zeichen der Vergänglichkeit sein Wort neu und hoffnungsvoll auf: „Gedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst." Aber hinter dem Kreuz leuchtet die Wirklichkeit der Auferstehung auf, das neue Leben, das uns verheißen ist.
Beim Propheten Jesaja heißt es: "Deine Toten werden leben, die Leichen stehen wieder auf; wer in der Erde liegt, wird erwachen und jubeln. Denn der Tau, den du sendest, ist ein Tau des Lichts; die Erde gibt die Toten heraus." (5)
Was Jesaja ankündigt, wird an allen wahr, die auf den gekreuzigten und auferweckten Messias Jesus hören, der mit göttlicher Vollmacht im Johannesevangelium spricht: "Amen, amen, ich sage euch: Die Stunde kommt und sie ist schon da, in der die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden; und alle, die sie hören, werden leben." 6 Um dieses auf den gekreuzigten und auferstandenen Herrn hören, geht es vor allem in der kommenden österlichen Bußzeit.


1 L Jes 49,8-15; 2.L: 2 Kor 5, 20 6, 2; Ev Joh 5,17-30
2 Quelle: Brigitta Eicher, in „Gottes Volk" 2007 Digital
3 Gen 3,19
4 Mk 9,13
5 Jes 26,19
6 Joh 5,25





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