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2007 (C) Osterzeit

Homilie zu 5,27b-32.40b-41 am 3. Ostersonntag in der Sonntag Vorabendmesse und Abendmesse und in St. Johannes Großenbuch

===>> Zu den liturgischen und biblischen Texten des 3. Ostersonntags C

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen

so antworten in der Lesung die Apostel dem Hohenpriester, der sie mit einem Schweigegebot belegt und mit dem Tod bedroht.

Die Lesung stellt uns die Apostel als mutige Männer vor.

  • Ohne Furcht widersetzen sie sich den Anordnungen der politischen und religiösen Führer. Sie nehmen dafür Gefangenschaft und Auspeitschung in Kauf. Ohne Rücksicht auf die eigene Person treten sie für ihre Überzeugung ein. Immerhin überlegt der Hohe Rat die Tötung der Apostel. Es ist eine Tatsache, dass sich der richtige, echte Glaube gerade in der Verfolgung bewährt und überzeugend zu Tage tritt.

Mutige Christen gibt es auch heute

  • Das jüngste Beispiel sind die drei bei einem Überfall auf ein christliches Verlagshaus im osttürkischen Malatya getöteten jungen Männer. Gefesselt und mit durchschnittener Kehle fand man sie in den Verlagsräumen.
  • Christen leben in der Türkei nach wie vor gefährlich und sind stark benachteiligt. Die christlichen Kirchen haben keinen rechtlichen Status. Vor 100 Jahren waren 30% der Bevölkerung in der Türkei Christen. Heute sind es noch 0,07%. Daran erkennen wir, was nationalistische Politik gepaart mit religiösem Fanatismus anrichten.
  • In allen islamisch dominierten Staaten ist es lebensgefährlich zum christlichen Glauben zu konvertieren. Genauso gefährlich ist es, die Bibel oder christliche Literatur herzustellen und an den Mann zu bringen. Zwei der ermordeten jungen Männer waren vom Islam zum Christentum konvertiert, der dritte Tilman G. aus Deutschland war als Übersetzer tätig. Wir können ihren Mut, den sie mit dem Martyrium bezahlten, nur bewundern. Wie sehr mussten sie von der Begegnung mit dem Gekreuzigten Christus, der den Tod besiegt hat und auferstanden ist, geprägt gewesen sein, dass sie dieses Wagnis des Glaubens in einer christenfeindlichen Umgebung zu leben und zu wirken, auf sich nahmen.

Wie steht es mit unserem Mut?

  • Hätten wir den Mut für unseren Glauben so viel zu riskieren? Schnell verlässt uns der Mut, wenn es um Kopf und Kragen geht, wenn wir Nachteile in Kauf nehmen müssen. Wer sich offen als Christ, als katholischer Christ bekennt, muss auch bei uns mit Spott und Hohn rechnen. Die jungen Menschen betrifft heute das oft mehr, als die älteren.

Woher kommt der Mut zum Bekenntnis?

  • Eines ist klar: Die Begegnung mit Jesus, vor allem mit dem Auferstandenen, hat das Leben der Jünger verändert. Sie, die zum niederen Gottesvolk gehören, in religiösen Fragen als nur bedingt kompetent gelten - wenn überhaupt -, treten auf, nehmen den Heiligen Geist für sich in Anspruch und verkünden, dass der Glaube an Jesus Christus den Menschen rettet. Der Heilige Geist ist es, der sie zum mutigen Zeugnis befähigt. Gott gehorchend werden sie fähig, die Auferweckung Jesu vor aller Welt zu bezeugen.

Ihr Grundsatz lautet:
”Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“[1]

  • Die Mitglieder des Hohen Rates waren keine übel wollenden Schurken, Diktatoren oder sonstige Bösewichte. In unserer christlichen Verkündigung ist oft verlorengegangen, dass sie ernsthafte, gläubige Männer waren, denen das Wohl des Volkes und der Glaube der Väter am Herzen lagen. In der schwierigen Zeit der römischen Besatzung oblag ihnen die Aufgabe, für Ruhe und Ordnung im politischen Bereich Sorge zu tragen und den Glauben an den Bund mit Jahwe, dem Gott der Väter, in Tagen politischer und religiöser Umbrüche zu bewahren.
  • Auch der Hohe Rat ist, trotz der von ihm gewollten Hinrichtung Jesu, nicht vom Heil ausgeschlossen. ”Gott schenkt Israel die Umkehr und die Vergebung der Sünden.”[2] Die Botschaft Apostel gilt also auch denen, die an den Hebeln der Macht sitzen.
  • Es ist schon beachtenswert, mit welcher Selbstverständlichkeit hier eine Gerichtsverhandlung zum Ort der Verkündigung des Heils umfunktioniert wird. Der Ort mag für die Verkündigung unangemessen erscheinen, aber die Verkündigung passt an diesen Ort, in diese Situation. Dies bringt sie mit der eigenen religiösen Tradition und deren Bewahrern in Konflikt.
  • Die Mörder der drei Christen in der Türkei geben an, sie hätten für "Vaterland und Glauben" gehandelt. Wo Menschen sich selbst Gesetz sind, da sind der Willkür und dem Terror Tür und Tor geöffnet.

Auf die Apostel schauend erkennen wir, was in bedrohlichen Situationen die Kraft zum Zeugnis für den Auferstandenen gibt. Was also ist

Der Standpunkt der Apostel?

  • In einem ersten Schritt machen die Apostel ihren Hintergrund deutlich, den Boden, auf dem sie stehen. Sie verstehen sich als unter dem Gesetz Gottes Stehende.
  • Sodann nennen sie die Dinge beim Namen. Das, was aus Sicht der Obrigkeit notwendig war, um Aufruhr und Abfall vom Glauben zu verhindern, war aus ihrer Sicht Mord. Das ist eine ungeheuerliche Anklage.
  • Die Apostel sehen dies so, aber die Führer des Landes hatten Prioritäten zu setzen, das Volk, den Staat zu schützen. Gründe, die solches Handeln im Blick auf das ”übergeordnete Ganze” rechtfertigen. Die Apostel lassen sich von diesen Aspekten nicht beeindrucken. Der Boden, auf dem sie stehen, ist ihr Vertrauen auf Gott, der Jesus von den Toten auferweckt hat. Aus dieser Überzeugung wächst ihnen der Mut zum Reden und Handeln zu. Der Geist ist es, wie Jesus verheißen, der in den Jüngern und durch die Jünger für Jesus und sein Evangelium Zeugnis ablegt.[3]

Was aber bedeutet das für uns Christen heute?

  • Jeder und jede muss sich fragen, wo stehe ich? Stehe ich in allem auf dem Boden des Evangeliums? Lebe ich aus der Begegnung mit dem gekreuzigten und auferstandenen Jesus? Liebe ich ihn als meinen Herrn und Erlöser, der mich kennt mit meinen Fehlern und Sünden? Nur wenn das der Fall ist, empfange ich den Heiligen Geist, der mich zum Zeugnis für Jesus befähigt.[4] Unter seiner Führung wächst dem Glaubenden der Mut zu, jene Sicherheit, die wir Zivilcourage nennen.

Für uns geht es darum
die wirkmächtige Gegenwart des Auferstandenen im Alltag zu bezeugen.

  • Um den Heiligen Geist bittend und auf seinen Beistand vertrauend werden wir uns in allen Dingen eine eigene Meinung bilden. Werden wir nicht nur zusehen, sondern dazwischengehen, wenn über andere der Stab gebrochen wird. Wir werden hellhörig und aufmerksam sein für das, was um uns herum geschieht.
  • Unser Leben besteht aus einer Menge von Alltäglichkeiten, die wir schon gar nicht mehr als wirkliches Geschehen wahrnehmen. Und doch gibt es gerade darin immer wieder Gelegenheiten, das Neue vom Auferstandenen erworbene Leben sichtbar und erfahrbar zu machen.
  • Es geht nicht darum, sich vor den großen Aufgaben, dem Engagement in ”gefährlichen” Bereichen zu drücken. Es geht darum, aufmerksam zu werden für das Alltägliche, zu sehen und nicht wegzusehen; jene, die suchen, zu fragen, was sie suchen; zu fragen nach den Ursachen für das Leid, zu fragen, warum die einen lachen und die anderen weinen.

Der Geist des Auferstandenen

  • will uns die Augen und das Herz öffnen für Menschen, die uns zufällig begegnen. Er will, dass wir sie in Ihrem Anderssein annehmen und ihnen unser Wohlwollen schenken, ihnen zuhören, sie ansprechen, damit sie in uns das Angesicht dessen erkennen, der den Tod und alle irdischen Einengungen und Trennungen überwunden hat.
  • Wie bei den Aposteln wird es auch bei uns darauf ankommen, dass wir Menschen sind, die durch den Auferstandenen mit dem Heiligen Geist in Verbindung stehen. Es ist dies ein Geist der Wachsamkeit, der Aufmerksamkeit, des Rates und der Stärke. Ein Geist, der uns so frei macht, wie Jesus frei war im Wahrnehmen der großen und kleinen Sorgen der Menschen seiner Zeit.
  • Wenn ich mit Gott über alles spreche, was mir unterkommt, auffällt, stört, Sorge macht, dann wird mich das Gesehene oder Gehörte nicht erdrücken. Der Heilige Geist wird mir die Kraft geben, es zur Sprache zu bringen, aufzudecken und nach Wegen der Heilung zu suchen.
  • Unser Zeugnis von der Auferweckung der Toten wird in einer pluralistischen, globalen Welt von Tag zu Tag wichtiger: der getötete Jesu lebt. Gott hat ihn auferweckt. Wir werden mit ihm auferweckt werden. Gott steht zu denen, die ihre ganze Hoffnung auf ihn setzen. Das zu glauben und danach zu leben, ist nur im Heiligen Geist möglich. Der heilige Geist, der zum Zeugnis befähigt und der uns die Auferweckung von den Toten verbürgt, wird jenen geschenkt, die Gott gehorchen.[5]


[1] Apg 5,29
[2] Apg 5,31
[3] Joh 15,26
[4] Apg 5,32
[5] Apg 5,32

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