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Predigten

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2007 (C)

Homilie zum 24.Sonntag in der Pfarrkirche St. Michael Neunkirchen

===>> Biblische und liturgische Textes des Sonntags
===>> Predigttext im Orginal lesen oder herunterladen
===>> Gottesdienstvorlage
===>> Predigt des Papstes im Stefansdom zu Wien über den Sonntag

DAS VERLORENE RETTEN
Die verratene Anbetung
Die heutigen Schrifttexte sprechen vom Menschen, der schuldig geworden ist.

  • Die Lesung aus dem Buch Exodus berichtet vom Abfall des ganzen Gottes Volkes, während sein Anführer Mose vor Gottes Angesicht auf dem Berg weilt. Vor einem Kalb aus Metall werfen sie sich nieder. Von ihnen Gespendetes und Geschaffenes soll ihr Gott sein. Eine Versuchung der bis heute immer wieder Menschen, auch solche die Christen sind, nachgeben.
  • Noch schlimmer: der einst getaufte, alle Achttausender Gipfel der Welt bezwungene Reinhold Messmer ließ sich in maßloser Selbstüberschätzung zu der Aussage hinreißen: „Wenn es einen Gott gibt, bin ich es."
  • Die Lesung spricht vom Zorn Gottes, der gegen das Volk entbrennt, das Geschaffenes nicht aber den Schöpfer anbetet. Gottes Heiligkeit erträgt es nicht, dass seine Geschöpfe ihr eigenes Werk anbeten, ihrem Schöpfer aber die Anbetung verweigern.
  • Wer Gott die Anbetung verweigert, wer Geschaffenes und Vergängliches zum höchsten Gut macht, dem ruft Gott durch den Propheten Jesaja zu: „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.“[1] Wer die irdische Wirklichkeit verabsolutiert, der wird schnell zum Feind jener Menschen, die ihm bei der Durchsetzung seiner Interessen im Weg stehen. Der von den Nazis hingerichtete Jesuit Alfred Delp hat angesichts des Naziterrors die Wurzel dieses verbrecherischen Systems erkannt. Angesichts der Todes schreibt er: "Das Schlimmste ist die verratene Anbetung". Der Zusammenbruch der Nazidiktatur, das elende Ende ihres Führers, lässt erahnen, was mit dem Zorn Gottes gemeint ist.
  • Mose versucht diesen Zorn Gottes gegen das von ihm abgefallene Volk zu besänftigen. Er erinnert Gott an seine Verheißungen, die er den Vätern gegeben. Und er hat damit bei Gott Erfolg. "Da ließ sich der Herr das Böse reuen, das er seinem Volk angedroht hatte". Hier wird das große Gewicht der Fürsprache eines Dieners und Freundes Gottes offenbar. Wir tun also gut daran, die Heiligen um ihre Fürsprache bei Gott anzurufen, Gott nahestehende Menschen um ihr Gebet zu bitten.
  • Gottes Liebe aber, so wird am Ende der Lesung sichtbar, die Treue zu seinen Verheißungen, siegt über seine Heiligkeit und Gerechtigkeit. Diese Liebe wird auch an der Sendung Jesu sichtbar:


Jesus kommt um die Sünder zu retten

  • In der 2. Lesung bekennt Paulus, dass Jesus in die Welt gekommen ist, um die Sünder zu retten. Und der Apostel hat dies in seiner eigenen Lebensgeschichte, ja am eigenen Leib erfahren. Obwohl er einst den Herrn lästerte, verfolgte und verhöhnte, hat er Erbarmen gefunden.
  • Er bekennt: In meinem Unglauben, wusste ich nicht, was ich tat.[2] Er nennt seinen Glauben Unglauben. Wenn Menschen unter Berufung auf Gott oder die Religion Böses tun, sich unmenschlich verhalten, dann ist dies immer ein Missbrauch der Religion.
  • Das galt für Paulus, der in seinem Hass die ersten Christen verfolgte, das gilt für den Islam, der im 7. und 8. Jht. mit Feuer und Schwert über Ägypten, Nordafrika und Spanien bis nach Tour und Poitiers in Frankreich vordrang und erst durch den Frankenkönig Karl Martell 723 gestoppt wurde. Das gilt für die Kreuzritter, die bei der Eroberung Jerusalems ein Blutbad anrichteten, das gilt für die islamischen Türken, die 1526 und 1683 Wien belagerten. Dies gilt für die muslimischen Mordkommandos, die sich auf den Koran berufend immer wieder Menschen umbringen. Die Chance zu Einsicht und Umkehr haben sie nicht mehr, weil sie mit ihren Opfern umkommen.
  • Wie die Verhaftungen in den letzten Wochen bei uns gezeigt haben, sind auch wir von solchen Fanatikern bedroht. Zum Islam konvertierte Deutsche, die aus gestörten Familienbeziehungen fliehend irregeführt von religiösen Fanatikern, glauben Gott einen Gefallen zu tun, wenn sie Menschen des Westens terrorisieren und morden. Sie kennen das Gebot Gottes nicht, das heißt: Wer zu mir gehört, der wird nicht morden![3]
Ganz anders offenbart sich der Gott Israels und der Christen in und durch Jesus von Nazareth. Sein Evangelium lautet:

Mein Gott und Vater sucht die Verlorenen und freut sich über die Umkehrenden.

  • Jesus hält mit den Zöllnern und Sündern Tischgemeinschaft. Er heißt nicht ihr Unrecht und ihre Sünden gut. Aber er gibt ihnen ihre Würde als Menschen zurück. Auch sie sind in die Heilssorge Gottes für seine Geschöpfe eingeschlossen. Das ist für die Pharisäer ein Skandal, der schließlich zum Tod bringenden Hass wird.
  • In zwei Gleichnissen zeigt ihnen Jesus die Sorge Gottes um die Sünder, die Verlorenen. Das Wort von der Freude der Engel Gottes über einen einzigen Sünder, der umkehrt, zeigt uns: Nur ein unendlich großer und liebender Gott kann sich über so etwas freuen.
  • Zu welcher Einsicht können uns die schrecklichen Geschehnisse in der Welt führen? Bei allem Entsetzen und aller Trauer über die furchtbaren Terroranschläge oder die Ausrottung von Menschen sollten wir dennoch fragen, was wird dadurch für uns erkennbar?
  • Weder das Geld der mächtigsten Nation der Welt, noch seine gewaltige Militärmacht, noch seine beherrschende Stellung auf den Weltmärkten, noch eine global agierende Kommunikationstechnik, auch nicht die Militärmaschinerie der Russen können solch schlimme Verbrechen verhindern.
  • Im Gegenteil mit der Macht der Technik wachsen auch die Möglichkeiten des Bösen. Das World Trade Center und das Pentagon, wie die unbeschränkte Mobilität per Flugzeug sind Symbole einer mächtigen Zivilisation. Und gerade sie waren vor genau 6 Jahren Ziel des Anschlags und wurden vernichtet oder empfindlich getroffen.
  • Menschen, die in großer Armut und ohne Zukunftsperspektive leben, sind für Neid- und Hassgefühle offen und werden von anderen Mächtigen schamlos als lebende Waffen missbraucht. Religiöser Fanatismus gibt dem Ganzen noch göttliche Legitimation.
Der christliche Glaube bietet das einzige wirksame Heilmittel an

Gerechtigkeit statt Macht

  • Schon immer waren die Menschen versucht hoch hinaus zu wollen. Der Turmbau von Babel ist ein uraltes Symbol dafür. Er führte dazu, dass sich die Menschen entzweiten und nicht mehr verstanden.
  • Immer wieder sind die Menschen versucht, wie die Geschichte vom Goldenen Kalb zeigt, ihre eigenen Werke anzubeten und zu verherrlichen. So schrecklich die mit regelmäßiger Wiederkehr über die Welt hereinbrechenden Terrorakte auch sind, so zeigen sie uns auch wie zerbrechlich und hinfällig unsere Werke sind und dass sie uns keinen Schutz bieten.
  • Es ist sicher wichtig alles zu tun, dass solch schlimme Katastrophen verhindert werden. Noch wichtiger aber ist, dass wir in uns gehen und umkehren. Nicht Machtausübung, nicht Markt- und Weltbeherrschung bringen eine gute Zukunft, sondern Gerechtigkeit, die das Wohl der ganzen Menschheitsfamilie im Blick hat. Nicht die Globalisierung der Märkte und der Geldströme bringen eine gute Zukunft, sondern die Globalisierung der Gerechtigkeit und der Menschenwürde.
Man muss nicht nur jedem Verbrechen wehren und seinen Ursachen nachspüren, sondern genauso wichtig ist es, aufzuwachen und zu einer gerechteren Weltordnung umzukehren. Beides wird nötig sein:

Sanktionen und Dialog

  • Sicher kommen wir Menschen ohne Sanktionen gegen Verbrechen nicht aus. Sie dürfen aber nicht dazu führen, dass wir damit unsere Rache- und Hassgefühle befriedigen. Wichtiger sind der Dialog, das Gespräch der Menschen, der Völker, der Kulturen, der Religionen untereinander. Das muss wieder ganz neu gesucht und intensiviert werden, wie unser Papst uns immer wieder mahnt.
  • Denn der Herr ist nicht gekommen, um das Verlorene und in die Irre Gegangene zu vernichten, sondern es zu suchen und zu retten. Und nicht selten gehören wir selber zu denen, die sich verlaufen haben und in die Irre gegangen sind. Auch wir möchten dann nicht, dass uns der Zorn Gottes straft, sondern sein Erbarmen und seine Liebe retten.
  • Und doch kann Strafe manchmal die letzte Möglichkeit seiner Liebe sein. Aus dieser Einsicht bekennt der Psalmensänger: „Ehe ich gedemütigt wurde, ging mein Weg in die Irre; nun aber halte ich mich an deine Verheißung."[4] Und weiter bekennt der Sänger des Psalms 119: „Dass ich gedemütigt wurde, war für mich gut; denn so lernte ich deine Gesetze.“[5]
  • Die Terroranschläge in der Welt sind eine furchtbare Demütigung aller, die der westlichen freiheitlichen Lebensart anhangen. Hoffentlich lernen wir alle daraus, nicht nur wie wir uns besser davor schützen können, sondern auch wie wir durch Gerechtigkeit und Menschlichkeit, durch Nächsten- und Feindesliebe, durch Teilhabe aller Menschen an den Gütern unserer Erde die Ursachen solchen Terrors überwinden.
  • Letztendlich werden wir jene, die sich bei ihren Verbrechen auf den Islam oder den Koran berufen, daran erinnern, dass sie zu Allah, dem All-Erbarmer, beten und durch ihr Tun zuerst ihrer eigenen Religion, aber auch allen anderen Religionen Schaden zufügen. Denn solches Tun ist Wasser auf die Mühlen der Atheisten und Gottesleugner, die sie meinen vernichten zu müssen.
  • Papst Benedikt lenkt in seiner Enzyklika »Deus caritas – Gott ist die Liebe« unseren Blick auf diesen im Handeln Jesu sich offenbarenden Gott: ‚Dieses Handeln Gottes nimmt seine dramatische Form.. darin an, dass Gott in Jesus Christus selbst dem ”verlorenen Schaf,“ der leidenden und verlorenen Menschheit, nachgeht. Wenn Jesus in seinen Gleichnissen von dem Hirten spricht, der dem verlorenen Schaf nachgeht, von der Frau, welche die Drachme sucht, von dem Vater, der auf den verlorenen Sohn zugeht und ihn umarmt, dann sind dies alles nicht nur Worte, sondern Auslegung seines eigenen Seins und Tuns.’ Ob man an unserem Sein und Tun etwas von dieser Haltung Jesu erkennen kann?


[1] Jes 7,9
[2] Tim 1,13
[3] Ex 20,13: Dtn 5,17
[4] Ps 119,67
[5] Ps 119,71

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