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2007 Herrenfest

Homilie am Herz-Jesu Fest zu Lk 7,36 - 8,3 und zur einer Goldenen Hochzeit

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Gott hat ein Herz für den Menschen,Jesus ist dieses Herz.

Ein Herz

  • Einer der Schlager singt: “Ein Herz, das kann man nicht kaufen, auch wenn sich das mancher so denkt. Doch wenn man Glück hat, doch wenn man Glück hat, bekommt man es geschenkt.”
  • Auch in der Religion gehört das Herz dazu, es ist tief in der christlichen Tradition verwurzelt. Neben aller echten und auch mal schiefen Sentimentalität verbindet sich mit dem Wort “Herz” ein tiefer religiöser Sinn: Das Herz des Menschen meint “das Teil für das Ganze”, also immer die ganze Person des Menschen. “Wer etwas von ganzem Herzen tut oder will, wer sich etwas zu Herzen nimmt, der will dies ganz und gar und ungeteilt." (Markwart Herzog)

Sie alle kennen das rote Herz mit der Aufschrift

"Ein Herz für Kinder",

  • das auf vielen Heckscheiben von Autos zu sehen ist. Zehn Millionen Autos in Deutschland trugen plötzlich diesen Aufkleber.
  • “Ein Herz für Kinder” – der Spruch zeigt, wie notwendig es ist, sich bewusst zu machen, dass die Kinder im Straßenverkehr die schwächsten Teilnehmer sind, noch unerfahren und impulsiv. Trotz allem Training für den Schulweg rennen sie einfach so über die Straße. Sie springen einem Ball nach, ohne auf Radfahrer oder schnelle Autos zu achten.
  • “Ein Herz für Kinder” – über die Aktion der Bild-Zeitung hinaus stellt der Satz eine beständige Erinnerung dar, dass Kinder auch sonst uns brauchen: unsere Achtsamkeit und Zuwendung, unseren Schutz und unsere Begleitung. Schließlich lernen sie erst und erfahren, wie es im Leben zugeht.
  • Dabei orientieren sie sich an den Gleichaltrigen. Aber – und das ist interessant – erst an zweiter Stelle! Als erstes und vor allem anderen schauen sie auf die Erwachsenen, auf Mutter und Vater! Und diese merken womöglich gar nicht, dass sie als Vorbild gefragt wären.

Gott hat ein Herz für den Menschen, Jesus ist dieses Herz.

Ein Herz haben für jemand,

  • d.h. sich im Kern der Person sich ihm zuwenden, ihm nahe sein.
  • Die Liebe sucht den Geliebten, die Geliebte, kümmert sich um ihn. Es macht ihr Kummer, wenn es dem Geliebten/der Geliebten schlecht geht und der Liebende tut alles es dass ihm oder ihr gut geht. Die Lesung aus dem Propheten Ezechiel[1] beschreibt diese Liebe Gottes zu seinem Volk, zu jedem Einzelnen unter dem Bild des Hirten, der für seine Schafe sorgt, sie befreit, heimholt, aus Irrwegen heraus- und auf gute Weide führt, der sie ausruhen lässt.
  • Im Psalm 23 ist diese Wahrheit zum Lied und Gebet geworden, das seit fast 3000 Jahren und heute in allen Sprachen der Welt gesungen und gebetet wird. So geschah es vorhin im Antwortgesang nach der 1. Lesung. Viele Juden und Christen kennen diesen Psalm auswendig. Er ist für sie Halt auf den oft schwierigen Wegen des Lebens.
  • Die Liebe Gottes zu uns Menschen kommt nicht nur aus dem Innersten Gottes, - um im Bild zu bleiben - aus seinem Herzen, sondern geht auch zu Herzen, wie Paulus in der 2. Lesung aus dem Römerbrief schreibt: "Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist." [2]
  • Im Heiligen Geist berührt und spricht uns die Liebe Gottes im Grund unseres Wesens, unserer Seele, an. Er nimmt sich in uns betend unserer Schwachheit an: "Der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können."[3] Weil der Heilige Geist göttliche Person ist, können wir ihn ansprechen, anrufen, bitten: „Komm Heiliger Geist, erfülle mein Herz und entzünde in mir das Feuer deiner Liebe.“

Gott hat ein Herz für den Menschen, Jesus ist dieses Herz.[4]

  • In einem kontrastreichen Bild offenbart uns Jesus im Evangelium die Liebe seines Herzens unter dem Bild des guten Hirten.[5] Dieser lässt die 99 versorgten und im sicheren Pferch sich Befindenden zurück und geht dem Verlorenen nach. Er sucht solange, bis er das Verlorene findet. Er schimpft nicht mit ihm, er treibt es auch nicht mit Schlägen heim. Nein, in einer zärtlich bergenden Geste "nimmt es voll Freude auf die Schultern," und der ganze Himmel freut sich mit ihm.
  • Weil Gott ein Herz für uns Menschen hat und Jesus dieses Herz Gottes ist, heißt Jünger und Jüngerin Jesu sein, ein Herz für die Menschen haben, unser Tun für die Menschen und für Gottes Erde aus der Mitte und Ganzheit unserer Person heraus, eben aus ganzem Herzen zu vollziehen.

Das gilt für alle Lebensbereiche.

  • Ganz sicher auch für jede Ehe. 50jähriges Ehejubiläum ist nur dann golden, wenn Eheleute einander im Herzen zugewandt sind und bleiben. Wenn jeder für den anderen ein Herz hat, das sieht, wie es dem Partner geht; das darauf sinnt, dass es dem Partner gut geht, dass er leben und sich entfalten kann.
  • Auch dabei hilft Gott mit seiner Gnade, seiner liebenden Nähe, mit seinem Heiligen Geist unserer Schwachheit auf. Es geschieht, wenn wir ihn bitten, dass er unsere kleine schwache Liebe immer wieder mit seiner Liebe durchdringe und sie vervollkommne, dass er in uns lieben möge.
  • Der gemeinsame Glaube an den Gott, der Liebe ist, der uns durch Jesus bis zum äußersten geliebt hat, hilft Eheleuten ihren Weg in Liebe zu gehen, auch noch nach 50 Jahren Ehe.

Heute am Herz Jesu Fest ist auch der

„Weltgebetstag für die Heiligung der Priester“.

  • Das diesjährige Leitwort heißt: „Der Priester, genährt vom Wort Gottes, ist universaler Zeuge der Liebe Christi.“
  • Zeuge der Liebe Christi kann ich als Priester nur sein, wenn ich all mein Tun, meine Begegnungen mit Menschen, das Feiern der Sakramente und Gottesdienste aus der Mitte meiner Person, also aus dem Herzen heraus vollziehe, mich hingebe.
  • Unser Bischof schreibt in seinem Brief:
  • "Der Priester soll als „Mann Gottes“ die Liebe Christi zu allen Menschen bringen; darin besteht sein missionarischer und pastoraler Auftrag. Diese Liebe empfängt er selbst, wenn er das Wort Gottes, besonders die Evangelien, täglich betrachtet und immer Jesus Christus vor Augen hat. Die Aufgaben des Priesters in Verkündigung, Gottesdienst und Leitung konzentrieren sich darin, alle Menschen in die Liebe zu Christus und zu den Mitmenschen einzuführen. Dabei sind vor allem die Armen, Ausgegrenzten und Hilfsbedürftigen in den Blick zu nehmen."
  • Eheleute müssen sich immer wieder ihrer Liebe zueinander vergewissern und sie mit Geist und Herz bis in den Leib hinein vollziehen, nur dann wird ihre Beziehung zueinander kostbar und glücklich sein und bleiben.
  • Der Priester ist für seine Gemeinde da, gleichsam mit ihr verheiratet. Er lebt der Gemeinde zugewendet, teilt mit ihr Freund und Leid, aber er braucht auch die Zuwendung der Gemeinde, die ihn in seinem Dienst bestätigt, darin ermutigt und unterstützend zur Seite steht.
  • Deshalb schreibt unser Bischof in seinem Brief weiter: "Der priesterliche Dienst ist in unserer säkularisierten Gesellschaft nicht leicht, sondern sehr anspruchsvoll. Die Priester brauchen die Unterstützung der Gläubigen durch deren Mitarbeit, vor allem auch durch deren Gebet. Das Dienstamt der Kirche ist ein schöner Dienst, der den Menschen das Wichtigste für ihr Leben bringt, die Gemeinschaft mit Gott und untereinander.
  • Ohne das Gebet können die Priester die „Herrlichkeit des Dienstes, der zur Gerechtigkeit führt“ nicht erkennen und leben (vgl. 2 Kor 3,10). Sie müssen selbst betende Männer sein und vom Gebet der Gläubigen getragen werden."

Jeder Dienst, den wir in Kirche und Welt vollziehen, braucht die Kraft der Liebe,

  • die aus dem Herzen Gottes kommt, die in Jesus ihr menschliches Antlitz hat, die durch den Heiligen Geist in der Tiefe unseres Wesens, im Herzen also, wirkt. Darum trägt Jesus als sein neues Gebot uns auf: "Liebt einander, wie ich euch geliebt habe." [6]


[1] Ez 34,11-16
[2] Röm 5,5b
[3] Röm 8,25
[4] GL 552/3
[5] Lk 15,3-7
[6] Joh 13,34; Joh 15,12

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