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2007 (C)

Homilie zu Psalm 47,6-9 am Fest Christi Himmelfahrt bei der Feld(Zelt)messe in Gleisenhof zum Dank für die Kirschblüte. Es regnete in Strömen, so dass die Messe nicht im Freien, sondern im Festzelt stattfand.

===>> zu den biblische und liturgischen Texten des Festes Christi Himmefahrt

Wir steigen auf!

1 Begeisterung und Jubel

  • Erfüllen Spieler und Anhänger, Aktive und Fans, wenn ihr Verein in die nächst höhere Spielklasse aufsteigt. Tiefe Traurigkeit packt dagegen Spieler und Anhänger, ja Tränen werden geweint, wenn der Verein absteigt. In der Liturgie des Festes Christi Himmelfahrt geht es um Aufstieg. Darum wurde uns heute im Antwortgesang zugesungen:

2 Gott steigt empor, Erde jauchze! Halleluja, preist unseren Gott.

2.1 Das Fest Christi Himmelfahrt meint nicht,

  • daß Jesus zu einer Reise in den Himmel gestartet ist, so wie ein Flugzeug startet oder eine Rakete in den Weltraum aufsteigt. Wenn wir die Texte des Neuen Testaments befragen, dann sprechen sie zwar in verschiedenen Bildern, aber der Sinn ist immer der gleiche: Jesus Christus geht heim zum Vater. Er wird aufgenommen in die Herrlichkeit Gottes. Er hat teil an Gottes Macht und Herrschaft. Er ist zwar unseren leiblichen Augen entzogen und doch ist er bei seinen Jüngerinnen und Jüngern und wirkt bei ihnen durch den Heiligen Geist.

2.2 Die Liturgie des Festes greift ein Geschehen aus dem ersten Testament auf, das der Psalm 47 besingt.

  • Wir hörten es im Antwortgesang nach der 1. Lesung."Gott steigt empor unter Jubel, der Herr beim Schall der Hörner"[1] Einer der großen Exegeten des AT, Alfred Deissler, übersetzt den Vers aus dem Hebräischen so: „Herauf steigt Jahwe unter Siegesjauchzen, Jahwe beim Schalle der Posaunen.“
  • Zentrales Thema ist die Rühmung der Königsherrschaft Jahwes. Er ist der Herr über alle Völker. Israels Heimkehr aus der Gefangenschaft war nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was Gott immer wieder und vor allem am Ende der Zeiten an seinem Volk tut.
  • Nicht ein Ereignis in der Vergangenheit wird also besungen, sondern ein Geschehen der Gegenwart und der Zukunft. In der gottesdienstlichen Feier wird die Auffahrt Gottes, sein Heraufsteigen in unsere Welt und Zeit wie seine Auffahrt mit seiner Schöpfung in die Himmel der Himmel gegenwärtig durch den in seiner Gemeinde gegenwärtigen Christus.
  • In der Entstehungszeit des Psalms lag die Auffahrt des Sohnes Gottes, der ganz den Willen des Vaters lebte, noch in der Zukunft. Für uns heute ist sie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zugleich. Denn was vor 2000 Jahren in Jerusalem geschah, wird heute im Gottesdienst Gegenwart und es wird sich in der Zukunft an uns allen erfüllen. Denn Christus lebt durch seinen Geist in und bei uns und macht uns zu Zeugen seiner Herrlichkeit.
  • Deshalb singt die christliche Gemeinde diesen Psalm als Antwort auf das Ereignis der Himmelfahrt Jesu. Als der zur Rechten des Vaters Erhöhte ist er mit dem Königtum Gottes über die Welt belehnt und der »Herr der Herren« und der »König der Könige«. Das Volk Gottes bricht in Jubel aus über Jahwes und seines Sohnes triumphierende Auffahrt und die Musikinstrumente stimmen in diesen Jubel ein. Der Psalm zeigt uns:

2.3 Die im Gottesdienst gefeierte Auffahrt Gottes wird im gottesdienstlichen Geschehen erfahrbare Gegenwart.

  • Nachdem die Gottesdienstgemeinde in das Heiligtum eingezogen ist, wirft sie sich vor der Lade, dem Thronsitz Jahwes, zu Boden. Es folgt ein Hoch auf Jahwe den göttlichen König der Völker. Der Gott Israels wird als der Herr der Welt gefeiert. Kein Widerstand ist gegen ihn möglich. Als Schöpfer ist er der Weltenherrscher. Alle Lande sind erfüllt von seiner Herrlichkeit.
  • Warum geschieht im Ersten Bund diese Huldigung vor der Bundeslade? Sie enthielt die zwei steinernen Tafeln mit den 10 Geboten, also das Gesetz des Bundes, und den immergrünen Stab Aarons, gleichsam der Baum des Lebens, ist Zeichen des rettenden, Leben spendenden Bundes mit seinem Volk. Der Einzugsgesang ruft die Völker auf, dem König Jahwe in Begeisterung und Freude zu huldigen. Händeklatschen ist Ausdruck begeisterter Freude.
  • Ähnliches tun wir beim Einzug ins Gotteshaus. Der Altar gesalbt und geweiht, bedeutet Christus; Tief verneigen wir uns vor dem Altar, auf den das Evangeliar, das Gesetz des Neuen Bundes, gestellt wird. Zugleich verneigen wir uns vor dem Triumpfkreuz, das unser Baum des Lebens ist.
  • Freilich, was es mit diesem Tun auf sich hat, wird nur verstehen, wer mit den von Gott erleuchteten Augen des Herzen sehen kann. Das Evangelium verkündet uns die Hoffnung, zu der wir berufen sind. Aber geht sie auch zu Herzen? Erfasst sie uns im Kern unserer Person?
  • Wir lassen uns heute leicht von einer langen Lebenserwartung blenden. Aber der Tag kommt, wo wir am Sterbebett eines lieben Menschen stehen oder selber den Tod vor Augen haben. Wie gut, wenn wir dann glauben können: der geliebte Mensch geht zu Gott; oder ich selber gehe zu Gott. Gott erweist seine Macht und Stärke auch an uns den Gläubigen, wie er sie an Christus erwiesen hat.
  • In Hymnischer Sprache verkündet der Epheserbrief in der 2. Lesung, was in bei der Himmelfahrt mit Jesus geschah: Ihn hat Gott auferweckt und im Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben, hoch über alle Fürsten und Gewalten, Mächte und Herrschaften und über jeden Namen, der nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen Welt genannt wird. Dies zu begreifen und glaubend anzunehmen, ist nicht selbstverständlich. Zu allem guten Willen, glauben zu wollen, muss die Gnade, die liebende Zuwendung Gottes zum Glauben Wollenden hinzukommen.
  • Die Bitte des Epheserbriefes wird daher mein Gebet für uns alle sein: "Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid."[2] Dies könnte auch ihr Gebet für ihren Ehepartner, für ihre Kinder und Enkel , für die Menschen sein, mit denen sie befreundet, denen sie beruflich oder in der Freizeit begegnen.
  • Gott erweist seine Macht und Stärke an uns, wie er sie an Christus erwiesen hat. Durch ihn hat unsere ewige Zukunft schon begonnen. Darum werden wir dem Aufruf des Psalms 47 folgen:

2.4 "Singt unserm Gott, ja, singt ihm! spielt unserem König spielt ihm! [3]

  • David und Israel geben uns ein Beispiel: „David und ganz Israel tanzten und sangen vor Gott mit ganzer Hingabe und spielten auf Zithern, Harfen und Pauken, mit Zimbeln und Trompeten.“ [4]
  • Was wäre Christi Himmelfahrt ohne die Königin der Instrumente, ohne das festliche Spiel der Orgel. Der Dienst an der Orgel ist ein überaus wichtiger und gebe Gott, daß sich in unserer Gemeinde immer wieder Menschen finden, die Freude daran haben, an der Orgel zu musizieren; die bereit sind den Dienst an der Orgel zu übernehmen.
  • Für Trompeten und Posaunen und für alle Musikinstrumente ist es deren höchste Bestimmung, vor Gott zu spielen und zu musizieren. Darin erfährt das Musizieren seinen tiefsten Sinn. Wenn Musik die Herzen der Menschen mitreißt, Gott zu loben und zu preisen als Herrn und König der Welt, dann stimmt sie mit dem Himmel, mit der Ewigkeit überein.
  • Musik zur Ehre Gottes gibt dem Menschen und dem Instrument, das aus dem Stoff des Kosmos hergestellt ist, eine Würde, die durch keine menschliche Ehrung und keinen menschlichen Beifall übertroffen werden kann. Und sie schenkt dem Musizierenden ein tiefes Selbstwertgefühl. Auf einem meiner Primizbilder stand dies: „Denn es kann kein Ton so lieblich sein, als ein Herz, das mit Gott stimmt überein.“
  • Mag ein Orchester noch so berühmt, ein Musiker noch so gefeiert sein, wenn sie nicht einstimmen in den Lobpreis ihres Schöpfers und Erlösers, dann haben sie nicht zum eigentlichen Sinn allen Musizierens gefunden. Wer verstanden hat, zu welcher Hoffnung uns Gott in Christus berufen hat, der wird wie David und Israel mit ganzer Hingabe vor ihm singen und spielen. Denn

3 Wir sind mit Christus erhöht.

  • Alle Getauften, an Jesus Christus Glaubenden sind in Christus schon miterhöht in die Herrlichkeit Gottes. Ihm hat Gott alles zu Füßen gelegt und zum alles überragenden Haupt der Kirche gemacht. Zu ihr, die sein Leib ist, gehören wir. Seinen Segen hat er ihr gegeben als er zum Vater heimkehrte.
  • „Während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben.“[5] Unter diesem Segen gehen wir unseren Weg als Volk Gottes, bis wir mit ihm beim Vater vollendet sind.
  • Wir, und mit uns die Erde, können jauchzen, weil Christus, unser Bruder, und mit ihm ein Mensch schon im Himmel ist. Deshalb lieben und schützen wir die Schöpfung, weil sie zur Herrlichkeit berufen ist. Deshalb preisen wir mit unserer Stimme und die Musiker mit ihren Intrumenten Gott, den Herrn des Alls. Denn er hat in Jesus die Erde und den Menschen mit in den Himmel aufgenommen. Gott dafür preisend werden wir Menschen nicht vergessen, daß wir bei Gott eine ewige Zukunft haben.
  • Ja, die ganze Erde kann jauchzen. Der Mensch, der singt und die Instrumente zum Lobpreis Gottes zum Klingen bringt, stellt sich an die Spitze der ganzen Schöpfung. Im Lobpreis Gottes geht ihm auf: Weil Christus Gott und Mensch zugleich ist, steigt in ihm der Mensch und mit ihm die Schöpfung zu Gott empor.
  • Ganz gleich, wo wir leben und arbeiten, uns erholen und das Leben genießen, ganz gleich wo uns das Leben beruflich oder menschlich hinführt: Es ist unsere Berufung als Christen, bis an das Ende der Erde dafür Zeugnis abzulegen: der Mensch und die ganze Schöpfung sind unterwegs zu Gott, zur Fülle seines herrlichen Lebens. Wir steigen nicht ab, sondern auf.
  • Irdisch gesehen geht es letztlich mit uns abwärts. Die Älteren unter uns wissen, was ich meine. Aber als Glaubende sind wir die Kirche des Herrn. Von ihr sagt der letzte Vers der 2. Lesung aus dem Epheserbrief: „Sie ist sein Leib und wird von ihm erfüllt, der das All ganz und gar beherrscht.“[6]
  • Unter dieser Leben und Zukunft schenkenden Herrschaft Christi dürfen wir unseren irdischen Weg gehen, wird er nicht zu einem fortschreitenden Abstieg, endet er nicht im Grab. Vielmehr erweist sich seine Macht an uns den Gläubigen darin, dass er den ganzen Reichtum seines herrlichen Erbes mit uns teilt.[7] Deshalb haben wir auch keine Angst vor unserem irdischen Ende, denn seine übergroße, den Tod und alles Böse besiegende Macht wird sich an uns, die wir von ihm geheiligt sind, erweisen.


[1] Ps 47,6
[2] Eph 1,18
[3] Ps 47,7
[4] 1 Chr 13,8
[5] Lk 24,51
[6] Eph 1,23
[7] Eph 1,19

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