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2007 (C) Osterzeit

Homilie in der Gedenkmesse für + Mathilde Riehm, 54 J.

===>> Liturgische und biblische Texte zum Gedenkgottesdienst

Auf dem Weg der Liebe

  • Die Lesung aus dem 1.Brief des heiligen Paulus an die Korinther wurde bei ihrer Hochzeit vorgetragen. Sie, lieber Herr Riehm, wollten dass dieser Text auch heute bei dieser Eucharistiefeier, in der wir Ihrer Frau durch Jesus Christus vor Gott gedenken, in unser Ohr und unser Herz dringe. Auf dem Weg der Liebe wollten Sie miteinander gehen und auch im Tod und jenseits des Todes bleiben. So waren sie einander

Weggefährten

  • Auf einer Bergwanderung im Karwendel Gebirge hatten Sie sich kennen gelernt. Eine kleine nicht alltägliche Geste der Hilfe hat Ihnen das Herz und die Augen füreinander geöffnet. "Ich will ihm eine Hilfe machen, ihm gegenüber." So lauten die Worte, die Gott in der Bibel in alle Zeiten hinein gesprochen hat. Sie wurden einander Hilfe zum Leben, Hilfe zum Glauben.
  • Als sie heirateten hatten sie den gemeinsamen Weg und die Mitte des Lebens vor sich. Zwei Töchter Regina und Veronika wurden ihnen geschenkt. Sie nahmen sie mit auf ihren Weg der Liebe und des Lebens. Sie wurden einander Weggefährten hinauf auf die Höhen und auch hinab in die Tiefen menschlicher Existenz, wie es im Bild einer Bergwanderung gleichnishaft vorgezeichnet ist. Eheleute sind Weggefährten. Eheleute sind aber auch

Zielgefährten

  • Betriebe veranstalten Seminare, um ihre Mitarbeiter über Ziele zu einer exzellenten Leistung zu führen. Saint Exupery sagt: "Einander lieben, heißt mit einander in die gleiche Richtung gehen." Aber in welche Richtung? Sicher nicht in eine, die nur Vergängliches, Gewinn und Erfolg im Blick hat, nicht aber die Liebe. Der Mensch ist nicht für die Enge, sondern für die Weite geschaffen. Graf Dürkheim hat ein Buch geschrieben über den "doppelten Ursprung des Menschen." Der Mensch ist irdisch-vergänglich, aber auch göttlich und ewig. Er ist ganz persönlich angehaucht vom göttlichen Lebensodem.
  • Dem entspricht auch das Bekenntnis zu Jesus Christus. Jesus, der Christus, ist in einer Person Gott und Mensch, ungeteilt und unvermischt. In ihm verbinden sich Himmel und Erde, Gott und Mensch.
  • Der Glaube an Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen - schenkt unserem Leben ein Ziel, das über alles Irdische hinausweist.
  • Die Liebe sagt: Du darfst nicht sterben! Und doch wissen Liebende: Einer wird zuerst gehen. Unser irdisches Leben ist vergänglich, aber es ist auf Unvergänglichkeit angelegt. Alles Irdische vergeht, aber so sagt uns Paulus: Die Liebe bleibt.
  • Wir Menschen fragen: Werden wir ein Leben lang lieben können? Was ist wenn die Liebe, der Geliebte, die Geliebte geht? Wer die Liebe auf die Libido einengt, der wird erleben, dass die Liebe eines Tages geht, wenn die natürliche Anziehungskraft nachlässt.
  • Darum ist es wichtig den Partner als einen von Gott geschaffenen, von Ewigkeit her bis in Ewigkeit geliebten Menschen zu erkennen. Darum werde ich Gott bitten: „Liebe du in mir, weil meine menschliche Liebe immer begrenzt, von Stimmungen und Gefühlen beeinträchtigt ist.“ Das Mysterium der Liebe erschießt sich nur dem in seiner ganzen Tiefe, der mit dem Partner im Ewigen, in der göttlichen Liebe gegründet lebt.
  • Weil sie Ihre Frau und ihre Mutter mit göttlicher Liebe lieben, können sie aus Liebe diesen geliebten Menschen in die noch größere, göttliche Liebe und die Fülle des göttlichen Lebens hinein loslassen. Die gemeinsame Liebe zu Gott, der die Liebe ist, macht es uns möglich den irdischen Abschied zu ertragen, weil wir den geliebten Menschen in unserem eigenen Lebensziel, dem Gott, der Liebe ist, geborgen wissen.
  • Freilich solange wir hier auf Erden leben wird alles, auch unsere Liebe und unser Erkennen noch Stückwerk sein. "Wenn aber das Vollendete kommt, vergeht alles Stückwerk", sagt uns der Apostel.

Der Weg dorthin führt über das Kreuz. Daher gehört zum Weg der Liebe auch dass wir einander

Gefährten auf dem Kreuzweg

  • sind. Auch Sie mussten sich miteinander der bitteren Frage stellen: Warum gerade ich? Nur schwer ist darauf eine Antwort zu finden. Zweifel und Hader überfallen den durch die Krankheit geschwächten Menschen. Die Heilige Schrift des ersten Gottesvolkes und der Kirche Jesu Christi verdrängt solche Erfahrungen nicht. Sie zeigt uns gerade in den Psalmen, wie der Mensch in Krankheit und Todesnot sein Elend, seine Anfechtungen vor Gott ausspricht, ja hinausschreit, und so Tröstung erfährt.
  • Die als Antwortpsalm nach der Lesung gesungen Verse aus dem Psalm 116 lassen uns an einer solchen Erfahrung teilhaben: "Mich umfingen die Fesseln des Todes, mich befielen die Ängste der Unterwelt, mich trafen Bedrängnis und Kummer. Da rief ich den Namen des Herrn an: «Ach Herr, rette mein Leben!»"
  • Solange der angefochtene Mensch vor Gott so fragt, in seiner Not zu ihm schreit, wie es Jesus am Ölberg und am Kreuz getan hat, wird ihn das Kreuz nicht erschlagen, sondern als Teilhabe am Kreuz Jesu wird es ihn tragen. Der Psalm ermutigt, auch angesichts des Todes nicht zu resignieren, sondern sich daran zu erinnern, dass uns Gott auch in den schweren Stunden, da jede irdische Hilfe dahinschwindet, liebend nahe ist.

Gefährten auf dem Kreuzweg können wir einander nur sein, wenn wir vorher einander

Gefährten auf dem Glaubensweg

geworden sind.

  • Darum beginnt der Psalm mit dem Bekenntnis: "Ich liebe den Herrn, denn er hat mein lautes Flehen gehört." Die Liebe zum Herrn hat ihren Grund in der Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen, besonders des Menschen, den er nach seinem Bild als Mann und Frau erschaffen hat.
  • Durch Liebe ihrer Eltern hat Gott in seiner schöpferischen Liebe Mathilde Riehm zunächst zu einem irdisch begrenzten, vergänglichen Leben erschaffen. Weil ihre Eltern aber an den Gott und Vater Jesu Christi glaubten, weil die Liebe zu Gott und zu Jesus in ihrem Herzen brannte, haben sie ihre Tochter Mathilde zur Taufe gebracht und im christlichen Glauben erzogen, damit sie auch für Gott und die Fülle des Lebens bei ihm, für das ewige Leben, geboren war. Und Mathilde hat diesen Glauben in ihrer Kindheit und Jugend bejaht und ergriffen und ihr Leben lang gelebt.
  • Christliche Existenz wurzelt in der Taufe; Im Römerbrief erinnert Paulus daran, dass wir auf Christi Tod getauft sind. In Form einer Frage "Wisst ihr nicht?" will er daran erinnern, dass die Taufe uns mit dem ganzen Christus vereint und teilhaben lässt an seinem Schicksal, zu dem sowohl der Tod, wie auch seine Auferstehung gehören. "Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein." [1]
  • Als Christ werde ich auf Jesus und sein Todesschicksal schauen. Ich werde mich an seine Liebe erinnern, von der er sagt: "Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“[2] Jesus nimmt in der Blüte seines Lebens freiwillig den schändlichsten Tod auf sich. So weit geht seine Liebe zu uns, dass er bis zum Äußersten mit uns Menschen solidarisch wird.
  • In Jesus ist die Liebe Gottes gegenwärtig, in ihm geht Gott mit uns den Weg des Lebens bis hinein in den Tod, aber auch durch den Tod hindurch. Diesen Gott, diesen Jesus kann ich lieben auch angesichts des Todes. Zu ihm darf ich schreien: "Ach, Herr, rette mein Leben!" Ist es nicht das größte Wunder der Liebe, dass er uns als Person im und durch den Tod hindurch rettet, hineinführt in die Fülle des Lebens vor seinem Angesicht, dass mir bis in Ewigkeit in Liebe leuchtet?
  • Gerade in Todesnot ist er uns gnädig, liebend nahe durch Jesus. An der Grenze des irdischen Lebens stehend, lässt er uns nicht in die Dunkelheit des Nichts fallen. Denn er ist gerecht. Er steht zu dem bis in den Tod ihm gehorsam gewordenen Jesus, indem er ihn von den Toten auferweckt.
  • Und was er an Jesus getan hat, wird er an allen tun, die an Jesus seinen Messias glauben. Er sagt am Grab seines Freunde Lazarus in seinem Gespräch mit Marta: "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben."[3]

So werden wir im letzten Akt des Lebens einander

Gefährten auf dem Weg in die Weite, die Fülle des Lebens

  • Um eine Antwort auf das Warum ringend, hilft nur Glaube, der sich ganz in die Hand Gottes gibt. Bei dem nach solchem Ringen gemeinsam gebeteten Vaterunser wurde Ihrer Frau die Erkenntnis zuteil: Ich bin auch in dieser äußersten Not geborgen in der Liebe Gottes und des gekreuzigten und von den Toten auferweckten Jesus; in einer Liebe die niemals aufhört, weil sie vollkommen und ewig ist. Mathilde war eine starke Frau, weil sie aus der Liebe zu Jesus lebte.
  • Der österliche Jubel auf unseren Gott, der das Wunder der Auferweckung an Jesus vollbracht hat, ist das neue Lied, mit dem wir gegen das Dunkel des Todes ansingen. Halleluja - Preiset Jahwe, preiset Gott, der uns in diesem irdischen Leben hält und führt, der in jedem von uns auch als Leidende und Sterbende das Antlitz seines leidenden, sterbenden, bis in den Tod gehorsamen liebenden Sohnes erkennt; Jesus hat sich liebend bis zum letzten Atemzug ganz für Gott an die Menschen verschenkt. Daher kann und er will uns gerade an der Grenze unserer irdischen Existenz auffangen und hinübergeleiten in das Bleibende, das Ewige.
  • Im Schwinden unserer Lebenskraft, im Vergehen unserer leiblichen Gestalt, siegt der Glaube an Gott, der Toten auferweckt; siegt die Hoffnung, dass der Auferstandene am Ende unseres irdischen Weges steht und uns hineinführt in die Fülle des Lebens bei Gott. Angesichts des Todes siegt die Liebe. Sie ist das Einzige unserer Existenz bleibenden Sinn Verleihende. Alles, was wir an Liebe investieren in diesem Leben, ist für immer aufgehoben in der menschgewordenen, gekreuzigten und auferstandenen Liebe Jesu, der jetzt als Sohn ganz beim Vater daheim ist und durch seinen Heiligen Geist bei jedem, der an ihn glaubt. Diese Liebe des Vater zum Sohn und des Sohnes zum Vater ist Heiliger Geist.
  • Dieser wurde durch Jesus bei der Taufe in unsere Herzen ausgegossen. Durch den Heiligen Geist sind wir mit hinein genommen in den innergöttlichen Lebensstrom, die innergöttliche Liebesbeziehung.
  • Alle Prüfungen und Anfechtungen, sagt Paulus "überwinden wir durch den, der uns geliebt hat."[4] Das ermutigt uns, nicht nachzulassen in der Liebe zum Ehepartner, zu den Kindern, den Menschen, die uns täglich begegnen von den Nahen bis zu den Fernen, die nach Hilfe schreien. Denn wer liebt, verhilft anderen zum Leben.
  • Ihre Frau und Sie, lieber Herr Riehm, haben ihre Liebe zu einander nie als Fixierung aufeinander und das nur Eigene verstanden, sondern immer auch als Offensein für den Nächsten und als Bereitschaft zu tatkräftiger Hilfe. Was Karl Rahner in seiner prophetischen Sprache ausgesprochen hat, werden Sie voll bejahen können: "Denn wahre Liebe zu einem bestimmten Menschen ist nur dort gegeben, wo die Liebe zur Liebe aller aufschließt." Diese Liebe reicht bis in die äußerste Zukunft, bis die Ewigkeit Gottes hinein; denn was wir den geringsten seiner Brüder und Schwestern getan haben, das haben wir dem Herrn, dem göttlichen Richter getan, der am Ende alles richten wird.
  • Die in der Tiefe und im Kern unserer Person anwesende Liebe Gottes ist die einzige Versicherung dafür, dass wir auferstehen werden mit Christus; dass unser Leben nicht endet, sondern vollendet wird; Von dieser Liebe, sagt Paulus in Römer 8 kann uns nichts und niemand trennen: "Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn."
  • Denn die Liebe, die Gott schenkt und ist, bleibt immer und ewig. Das kommende Reich Gottes wird ein Reich der Liebe, des Friedens und der Gerechtigkeit sein. Der Schlusschor am Ende des 2. Teils des Messias von Georg Friedrich Händel besingt dieses Reich Gottes und seines Christus in einem nicht enden wollenden Jubelruf: "Auf immer und ewig, Halleluja, Halleluja."


[1] Röm 6,5
[2] Joh 15,13
[3] Joh 11,25
[4] Röm 8,37

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