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2007 (C)

Ansprache am Fest »Erscheinung des Herrn« und Aussendung der Sternsinger in Großenbuch.

Das Jesukind in Großenbuch
Das Jesukind in Großenbuch
Kurs halten auf dem Weg des Lebens und Glaubens


1 Seefahrt und Navigation

Zur Zeit der Geburt Jesu dehnte sich das römische Weltreich rund um das Mittelmeer, ja bis hinein ins Schwarze Meer und später bis nach England aus. Damals entstand ein geflügeltes lateinisches Wort:
Navigare necesse est. Seefahrt ist notwendig[1]. Über das Meer zu fahren, über die unendlichen Weiten der See seinen Zielhafen zu finden, das hat noch heute den Hauch von Abenteuer an sich. Navigation, das ist eine Kunst für sich. Seit alters her orientieren sich Seefahrer dabei an den Himmelskörpern, z.B. am Polarstern, der 2000mal heller ist als die Sonne. Der Sextant, die Seekarte, die nautischen Tabellen und das Parallellineal sind unerlässliche Hilfsmittel der klassischen Navigation.
Navigare necesse est. Navigation, Kurs halten, darauf kommt es an. Das könnte auch über das Leben der einzelnen Menschen und das Leben der Kirche schreiben. Unser Leben gleicht doch auch einer Fahrt über das unbekannte Meer der Zeit. Da gibt es Stürme und Flauten, gute und böse Tage. Schnell kann man die Orientierung verlieren in den Unwettern des Lebens oder im Dahinplätschern der Zeit. Gibt es da einen Orientierungspunkt, einen Fixstern, an dem ich als Christ Orientierung finden kann? Ein solcher Orientierungspunkt ist

2 Der Stern von Bethlehem

„Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihm zu huldigen." Das ist die Botschaft der Weisen aus dem Morgenland und des Evangelisten Matthäus.
Wenn wir heute vom Stern von Bethlehem hören, dann geht es genau um diesen Fixstern. Nicht um einen Stern da droben am Firmament, sondern um eine Person. Es geht um neugeborenen König der Juden, den Messias, den Retter. Es geht um Jesus. Er ist der Star Gottes, der Stern, den Gott uns aufgehen lässt.
1200 Jahre vor Christi Geburt erging durch den Seher der Moabiter, Bileam, ein Weisheitsspruch, „der Spruch des Mannes mit geschlossenem Auge, ...der Gottesworte hört, der die Gedanken des Höchsten kennt, der eine Vision des Allmächtigen sieht, der daliegt mit entschleierten Augen: Ich sehe ihn, aber nicht jetzt, ich erblicke ihn, aber nicht in der Nähe: Ein Stern geht in Jakob auf, ein Zepter erhebt ich in Israel“. [2]
Diese Weissagung des Sehers Bileam nimmt wohl der Evangelist Matthäus zum Anlass, um uns die Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland zu erzählen. Ein Nichtisraelit weissagt das Kommen des Messias, Nichtisraeliten, Weise aus dem Osten, kommen zum neugeborenen Kind in der Krippe, um ihm zu huldigen.
Gott selbst hat uns dieses Licht in der Dunkelheit des Lebens geschenkt: Jesus Christus, seinen Messias, mit Heiligen Geist Gesalbt, den er als seinen geliebten Sohn offenbart, wie wir es morgen am Fest der Taufe Jesu hören werden.
Das Kind in der Krippe soll den Menschen Orientierung geben, ihnen den Kurs weisen, wie sie durch das Meer des Lebens, durch die unbekannten Gewässer, die Stürme und Flauten ihr Ziel finden.
Darum ruft die Kirche heute mit den Worten des Propheten Jesaja nicht nur dem Volke Israel, nicht nur den an Jesus Christus Glaubenden, sondern auch den Heiden, Astronomen und Astrologen, die hineinblicken in die Weiten des Kosmos und seine unergründlichen Rätsel: „Auf, werde licht denn es kommt dein Licht und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir.“[3]
Der Kurs, den Gott durch seinen Mensch gewordenen Sohn Jesus Christus angibt ist klar: Mensch zu werden und Mensch zu sein nach seinem Bild, dem Vater im Himmel ganz und gar zu vertrauen und für die Menschen da zu sein und sie zu lieben wie er. So werden wir den Zielhafen des Lebens, der Gott selber ist, erreichen. Der Wind, der uns auf dieser Fahrt dem Ziel entgegentreibt, ist der Heilige Geist. Er ist es, der die Weisen, den in Jakob, der auch Israel genannt wird, aufgehenden Stern als seinen Stern erkennen lässt.

3 Was sind nun die Instrumente für die Navigation?

Navigare necesse est. Navigation, Kurs halten, ist nötig. Seefahrer haben zur Navigation ihre Hilfsmittel. Und Christen? Unsere Hilfsmittel sind natürlich nicht der Sextant, die nautischen Tabellen, die Seekarte und das Parallellineal, aber wir haben auch unsere »nautischen Instrumente«, die uns helfen Kurs zu halten:
- das Gebet, in dem wir uns Gott öffnen und ihm unsere Seele, unseren Leib, unser Leben hinhalten;
- die Heilige Schrift, die uns die Heilstaten und Verheißungen Gottes, sein Wirken in der Geschichte verkündet;
- die Meditation, in der wir uns dem sich schenkenden Geheimnis, das in allen Dingen, waltet, auftun;
- das Glaubensgespräch, wo wir den Glauben miteinander teilen und so reicher werden;
- Die Sakramente, die verkünden, dass Gott sein Heil dem ganzen Menschen schenkt, seinem Leib und seiner Seele, seinen Gefühlen und seinem Geist. Ja, dass die ganze Schöpfung sakramental durch die Menschwerdung und Auferstehung Christi Anteil bekommt an der Herrlichkeit Gottes
- Das wichtigste Navigationsinstrument aber ist die tätige Liebe, dieses Sich-Einsetzen für die geringsten der Brüder und Schwestern Christi. Jesus identifiziert sich mit ihnen: „Was ihr ihnen getan habt, das habt ihr mir getan.“
Ihr Sternsinger probiert das heute aus. Ihr zieht für Kinder, deren Lebenschancen sehr gefährdet sind, von Haus zu Haus. Ihr bringt in die Häuser den Segen Gottes und bittet um eine Spende. Durch diesen Einsatz schenkt ihr Jesus Zeit und Kraft. Wie die Weisen macht auch ihr euch auf dem Weg, Regen und Wind nicht scheuend. Müde, geschafft und doch zufrieden kommt ihr nach vollbrachtem Werk nach Hause. Euere gute Tat wird im Himmel für immer hinterlegt sein.
Das alles - das Gebet, die Bibel, die Meditation, das Glaubensgespräch, die Sakramente, die tätige Liebe - sind Navigationsinstrumente, Hilfsmittel, damit wir vom Kurs Jesu nicht abkommen und unsere Fahrt durch das Meer der Zeit ihr Ziel findet.
Sind nicht deshalb heute so viele orientierungslos, weil sie es verlernt haben, mit diesen Instrumenten umzugehen?
Wir bräuchten schnellstens Nachhilfe in »geistlicher Navigation«, damit wir den Kurs Gottes, den Kurs des Kindes von Bethlehem wieder finden. Unsere Sternsinger geben uns ein gutes Beispiel.
Denn wie gesagt: Navigare necesse est – Navigation - Kurs halten, tut Not, nicht nur auf den sieben Weltmeeren, sondern auch auf unserer Fahrt durch das Meer der Zeit.

[1] Liturgie konkret Heft 1/1998 Pustet; Andreas Hasse, Kurs halten
[2] Num 24,15-17
[3] Jes 60,1

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