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Predigten

Predigt am Ostersonntag in Großenbuch

 

Osterkerze und Auferstandener in St. Michael Neunkirchen
Osterkerze und Auferstandener in St. Michael Neunkirchen
Der österliche Glaubensweg.

Fortleben oder Auferstehung

Wenn in den früheren Zeiten große Herrscher starben, hat man ihnen oft reiche Gaben mit ins Grab gegeben, mitunter ihr ganzes Gefolge. Es sollte ihnen auch jenseits des Todes so gut gehen wie im jetzigen Leben. Bei ihnen ging es nicht um Auferstehung, sondern um ein Fortleben nach dem Tode.

Wirkungen des Auferstehungsglaubens

Die wahren Märtyrer

In den Verfolgungen des Anfangs bis herauf in unsere Tage haben ungezählte Christen an den Gott und Vater Jesu Christi und an Jesus Christus geglaubt. Sie hielten an Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen fest, auch wenn es ihnen das Leben kostete. Sie waren noch Märtyrer im eigentlichen Sinn: Gewaltlos, liebend und verzeihend legten Sie Zeugnis für den Gott der Liebe und des Erbarmens ab, der in Jesus bis zum Äußersten, bis zum Tod am Kreuz liebte, Gott um Vergebung für seine Mörder bat, und selbst dem mit ihm gekreuzigten Gewaltverbrecher die Auferstehung verhieß. Das unterscheidet die christlichen Märtyrer fundamental von den sog. Märtyrern des Islam, die ihr Leben einsetzen, um andere mit in den Tod zu reißen.

Weil sie an den Gott der Liebe glauben und an den auferstandenen Christus, sind junge Muslime bei uns und anderswo Christen geworden, haben sich taufen lassen, obwohl sie jetzt für jeden Muslim vogelfrei sind, d.h. jeder Muslim darf sie umbringen.

Diese getauften Muslime haben diese neue Aussicht des Lebens geschmeckt, das Gott uns durch Jesus eröffnet. Anderen kommt die Botschaft der Liebe und der Gewaltlosigkeit ungelegen. Denn sie steht ihrem Denken, Planen und Machtgelüsten im Weg.

Wer sich auf das Leben und Sterben Jesu einlässt, dem geht auf, dass Gott in Christus ganz und gar mit uns ist. In Jesus ist er mit uns, auch wenn uns Hass, Ungerechtigkeit und Gewalt vernichten. Wir sind in seiner liebenden Hand im Leben und im Sterben. Denn wie Gott Jesus auferweckt hat, so wird er auch die an den gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus Glaubenden mit ihm auferwecken zur Fülle des Lebens beim Vater.

Aber es wird nicht ein Weiterleben sein, sondern wir werden, wie Paulus in 2 Kor 3,18 sagt, durch den Geist Gottes in "sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit." D.h. wird werden dem Auferstandenen ähnlich sein. Paulus sagt es in der 2. Lesung so: „Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.“[1]

Der Auferstandene ist nicht mehr an die Gesetze des Vergänglichen gebunden. Er schenkt sich wann und wo, wie und wem er will. Bedenken wir daher

Das Wirken des am Kreuz erhöhten und auferstandenen Herrn.

Gericht über die Welt

Das 11. und 12. Kapitel des Johannesevangeliums schildert den Übergang zur Passion. Jesus spricht von seiner Stunde und der Verherrlichung des Menschensohnes, und sagt: "Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden."[2]

Die Art seines Todes zeigt die abgründige Tiefe menschlicher Gottwidrigkeit. Menschen spielen sich selber als Herr über Leben und Tod auf, damals wie heute. Sein Tod legt das menschenfeindliche Handeln seiner Richter und Mörder offen.

Darum verkündet und bezeugt Petrus in der Lesung den Auferstandenen als den "von Gott eingesetzten Richter der Lebenden und der Toten."[3] Ein Zweites bewirkt er

Die Auferbauung der Christen

Wichtig ist für uns Christen, wie Jesus sich in diesem sich steigernden Prozess der Vernichtung seines Lebens verhalten hat. Er ist darin gewaltlos und versöhnungsbereit geblieben. Noch im Tod hat er sich dem Leben Gottes in die Arme geworfen und sterbend hat er Gottes liebende Solidarität mit uns Menschen bis zum Äußersten gelebt und bezeugt.

Bis zuletzt sorgt er für die Seinen, indem er seinen Freund Johannes seiner Mutter und diese dem Johannes anvertraut; Bis zuletzt liebt er sich des Schächers erbarmend; verzeiht er, indem er für seine Mörder betet. Was dann nach drei Tagen, nach dem Entsetzlichen, geschieht, kann auch unsere Sprache kaum fassen: Der Gott des Lebens holt Jesus aus dem Tod. Damit bekundet er: Sein Leben ist stärker als der Tod.

Der schwierige Glaubensweg

Der Weg zu diesem Glauben ist schwierig. Die Frauen, die Jesus auf seinen Wanderungen begleitet haben und am frühen Morgen auf dem Weg zum Grab sind, denken nicht an Auferweckung des Getöteten. Mit wohlriechenden Ölen wollen sie Jesus salben und den Geruch des Todes vertreiben. Die Liebe und Verehrung zu Jesus bringt sie auf diesen Weg.

Wenn wir Jesus lieben, weil in ihm die Liebe Gottes Mensch geworden, also für uns erfahrbar geworden ist, dann räumt Gott selber die Hindernisse aus dem Weg, die zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und Mensch, durch die Absonderung des Menschen von ihrem Schöpfer, durch unsere Sünden aufgerichtet wurden. Darum bestätigt Petrus, was alle Propheten bezeugen: Wer "an ihn glaubt, empfängt durch seinen Namen die Vergebung der Sünden."[4]

Unsere Sünden nämlich hindern uns am meisten daran, an die Auferstehung zu glauben. Verbrecherische Menschen haben erst recht mit Auferstehung nichts am Hut.

Hindernisse sind weggeräumt

Aber eigenartig, was den Frauen im Weg stehen könnte, um zu Jesus zu gelangen, ist schon weggeräumt: Der das Grab verschließende Stein. Gott muss erst die Hindernisse wegräumen, die sich unserem Glauben an die Auferstehung in den Weg stellen. Und das sind allemal die Gräber, die unsere Verstorbenen zudecken und sie wieder zu Erde werden lassen. Irgendwann ist von ihnen dann nichts mehr zu finden.

Welcher Anblick bietet sich den Frauen: Das Grab ist leer, aber wo ist Jesus? Das leere Grab war ein Zeichen, aber noch keine Botschaft. Es stellt Fragen an die Liebenden, aber es gibt noch keine Antwort, denen jene vertrauen können, die glauben möchten. Da braucht es schon

Himmlische Boten

Das Geschehen der Auferstehung hat keiner mit Augen gesehen. Wieder muss Gott eingreifen. Ein engelgleicher, also vom Himmel kommender Bote sagt den Frauen, was das leere Grab bedeutet: "Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte."[5]

Eine erstaunliche, ja kaum zu glaubende Nachricht ist dies. Da ist es wichtig, wie Paulus in der 2. Lesung schreibt, dass wir unseren Sinn auf das Himmlische richten und nicht dem Irdischen verhaftet sind. Wer mit seinem Herzen bei Gott zuhause, der wird auch offen sein für die Botschaft, die alles Begreifen übersteigt. Ein solcher Mensch wird dem himmlischen Boten Glauben schenken, dass Jesus, der Christus, auferstanden ist und durch seinen Tod den Tod besiegt hat.

Ist diese Botschaft glaubwürdig?

Am Schluss des Evangelium wird den Frauen als erstes aufgetragen, den Jüngern auszurichten: "Er(der Auferstandene) geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat."[6]

Sie werden somit wieder dorthin gehen, wo alles seinen Anfang nahm, nach Galiläa. Deshalb erinnert der hl. Petrus in der 1. Lesung seine Zuhörer und uns an das, "was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa."[7] Auch wir werden uns immer wieder an die Anfänge unseres Glaubens, an die besonderen Erfahrungen mit Gott und mit Jesus auf unserem Glaubensweg erinnern. Denn die Geschichte der Christen als Gemeinschaft, als Kirche, wie auch die Geschichte eines jeden einzelnen Christen ist eine Heilsgeschichte. Und die darf nicht in Vergessenheit geraten. Sie muss erinnert werden, soll der Glaube den roten Faden des Lebenssinns nicht verlieren.

Zum Zweiten sollen die Frauen die Jünger an das erinnern, was Jesus während seines Hinaufgehens nach Jerusalem ihnen wiederholt gesagt hat. Dreimal spricht im Matthäus, Markus und Lukas Evangelium davon, dass er nach Jerusalem hinaufgehen müsse, um getötet zu werden. Dort werde er, aber "am 3.Tag werde er auferstehen."[8] Jesus ging also auf die Macht und Liebe Gottes vertrauend auf seinen Kreuzestod zu. Er glaubte selber daran, dass Gott ihn durch den Tod hindurch retten und verherrlichen werde. Und wir, was erwarten wir für uns, wenn unser irdisches Lebenslicht erlischt?

Die Botschaft von der Auferstehung Jesu ist glaubwürdig, denn es gibt

Die Augen- und Ohrenzeugen

Wenn uns wundersame Dinge berichtet werden, fragen wir unvermittelt: Hast du das gesehen? Warst du dabei gewesen? Ja, ohne die Jünger und Jüngerinnen, denen der Auferstandene erschienen ist, ohne diese von Gott vorherbestimmten Zeugen,[9] stünde unser Auferstehungsglaube auf tönernen Füßen. Petrus verweist daher ausdrücklich auf seine und der anderen Jünger/innen Erfahrungen mit dem Auferstandenen: "die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben." [10]

Freilich auch sie mussten sich erst auf die neue Seinsweise ihres auferweckten Herrn einüben. Fast in alle Berichten von den Erscheinungen des Auferstandenen ist die Unsicherheit der Jünger und Jüngerinnen gegenüber dem sich offenbarenden Herrn zu spüren.

Und wie begegnen wir dem Auferstandenen?

Der berühmte Hymnendichter zu Beginn des 12. JH. Hugo von St. Viktor beschreibt die neue Seins- und Begegnungsweise des Auferstandenen so:

"Der Geliebte kommt unsichtbar, in der Heimlichkeit, er kann nicht ergriffen werden.

Er kommt, um dich sanft zu berühren, nicht um von dir erblickt zu werden.

Er kommt zu deiner Ermahnung, nicht um von dir umfangen zu werden.

Er kommt nicht, um ganz in dich einzutauchen, sondern er bietet sich an zum Kosten.

Er kommt nicht, um deine Sehnsucht zu erfüllen, sondern deine Liebe an sich zu ziehen."

Wenn mein Herz voller Liebe zu Jesus ist, werde ich mich seinem Evangelium ganz öffnen, ihm im Brot der Eucharistie empfangen, wird mein Geist und mein Leib, mein Denken und Fühlen seine Gegenwart wahrnehmen. Erst die Begegnung mit dem Auferstandenen macht das Zeichen des leeren Grabes verstehbar. Die Begegnung aber ist nur möglich, wenn das Herz bereit ist, zu sehen und zu glauben. Die Liebe macht dazu fähig.

[1] Kol 3,4

[2] Joh 12,31

[3] Apg 10,41

[4] Apg 10,34

[5] Mk 16,6

[6] Mk 16,7

[7] Apg 10,37

[8] (Mt 16,21; Mt 17,23; Mt 20,19; par. MK und LK;)

[9] Apg 10,41

[10] Apg 10,41 b

 

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