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Predigten
2006
Übersicht

Homilie zu 1 Joh 3,1-3 am Fest Allerheiligen in der Filialkirche St. Johannes der Täufer in Großenbuch, Pfarrei Neunkirchen a.Br. St. Michael

Zeugen der Heiligkeit Gottes sein [1]

Nachwirkungen der Heiligen

Heute beginnt das Jubiläumsjahr »1000 Jahre Bistum Bamberg«. Kaiser Heinrich und Kaiserin Kunigunde haben vor 1000 Jahren unser Bistum gegründet. Beide wurden von der Kirche heilig gesprochen. Gibt es das, ein Herrscherpaar heilig? Hat nicht Heinrich auch Kriege geführt? Hat man nicht Kunigunde der Untreue bezichtigt?
Kein Mensch ist frei von Sünde. Nur von Jesus dürfen wir mit der Schrift sagen: Er wurde in allem uns gleich außer der Sünde. Dazu passt, was ich vor kurzem las: "Ein Heiliger ist ein Sünder, sorgfältig überarbeitet und neu herausgegeben."[2]
Wir dürfen und sollen fragen: Was war im Leben dieser Menschen heilig? Kardinal Newman schrieb einmal: "Erst im Rückschauen erkennen wir dann die Wunder der Gnade Gottes in Menschen, die wir zu ihrer Zeit noch nicht erkannten: ihre schöpferische Kraft, ihre unversieglichen Quellen, die mannigfachen Segenswirkungen, die von ihnen ausgingen."

Heilig sein ist zuerst Gnade.

Heiligkeit kommt von Gott, der sich uns liebend naht, uns sein Ansehen schenkt, uns erwählt als seine geliebten Kinder, Söhne und Töchter. "Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es." [3]

Darum nennt Paulus die christlichen Adressaten seiner Briefe »Heilige und Geliebte«, von Gott geheiligt und von Ewigkeit in seinem Sohn Jesus Christus geliebt. So schreibt im Römerbrief an die dortigen Christen: "An alle in Rom, die von Gott geliebt sind." [4]

Der Epheserbrief bringt diese Liebe Gottes auf den Punkt: "Gott aber, der voll Erbarmen ist, hat uns, die wir infolge unserer Sünden tot waren, in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, zusammen mit Christus wieder lebendig gemacht. Aus Gnade seid ihr gerettet."[5]

Gottes zuvorkommende Liebe gibt unserem Leben Glanz, macht uns heilig, so dass wir seine Heiligen und Geliebten sind.
Diese liebende Tat Gottes, die uns in der Taufe zugesprochen wurde, ist unsere Würde, schenkt uns unverdient die Teilhabe an Gott ist der allein der Heilige ist.

Daher darf jeder sich fragen: Was ist in meinem Leben heilig? Aber auch: Was ist in mir unheilig? Wie zeigt sich mein Heiligsein und Unheiligsein?
Der große Mystiker des Mittelalters Meister Eckhart sagt: "Nicht gedenke man, Heiligkeit zu gründen auf sein Tun; Man soll Heiligkeit vielmehr gründen auf ein Sein, den die Werke heiligen uns nicht, sondern wir sollen die Werke heiligen."

Geheiligte Werke

Es kommt also im letzten nicht darauf an, was einer ist und was einer tut, ob er Kaiser oder Bauer ist, ob Kaiserin oder Hausfrau, sondern wie und in welcher Absicht ich meine Aufgabe wahrnehme. Wichtig ist, dass ich meine Aufgabe, mag sie noch so gering erscheinen, im Sinne Gottes, in der Art Jesu vollbringe, nämlich in Verantwortung und Liebe, damit Gott dadurch verherrlicht werde. So werden unsere Werke geheiligt.

Heinrich und Kunigunde haben vor 1000 Jahren zielstrebig das getan, was sie tun konnten. Sie haben durch die Gründung des Bistums Bamberg dafür gesorgt, dass in dem Gebiet östlich der Regnitz der christliche Glaube gefestigt wurde und die Menschen zukunftsicher leben konnten. Sie haben wegen ihrer Kinderlosigkeit nicht resigniert, sondern haben ihr persönliches Vermögen der Kirche von Bamberg vermacht, um so der Seelsorge eine tragfähiges materielles Fundament zu sichern. Sie haben damit Klöster gegründet und so ZENTREN geistlichen Lebens, der Kultur und der Bildung geschaffen. Sie haben das für die Menschen damals getan und wir profitieren bis heute davon und freuen uns, zum Bistum Bamberg zu gehören.

Beschenkte werden zu Schenkenden

Wer sich von Gott geliebt und beschenkt erfährt, der wird auch selber ein Schenkender. Unser sich Verschenken an unsere Berufung oder unseren Beruf, an unsere Aufgabe in Familie, Gesellschaft und Kirche, sollte eine Antwort der Liebe sein auf die zuvorkommende Liebe Gottes. Der Kolosserbrief sagt es klar und deutlich: "Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld!"[6] Und Johannes schreibt in seinem 1. Brief an die Gemeinden kurz und bündig: "Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat." [7] Wenn unser Leben eine Antwort auf die zuvorkommende Liebe Gottes ist, dann wird durch uns Gottes Heiligkeit, die Liebe ist, für die uns begegnenden und anvertrauten Menschen erfahrbar.

Am Fest Allerheiligen geht es nicht darum, dass wir die anderen prüfen, ob sie denn heilig sind oder nicht, es geht nicht darum, uns vielleicht über die sog. "Scheinheiligkeit" unserer Mitmenschen zu mokieren. Es geht um uns. Durch uns will der heilige Gott sich der Welt offenbaren.

Seid heilig, weil Gott heilig ist!

Der im Buch Levitikus überlieferte Gottesspruch, den der heilige Petrus in seinem 1.Brief aufgreift, spricht alle an, die zum Volk Gottes gehören: "Rede zur ganzen Gemeinde der Israeliten und sag zu ihnen: Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig." [8]

Gottes Heiligkeit besteht darin, dass seine Liebe und sein Erbarmen unwandelbar und unveränderlich sind. Es ist auf sie absoluter Verlass. Er gibt sie, wem er will. Und er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn Jesus Christus. Es ist unser unverdientes Glück, dass wir zu ihm gehören, dass wir Christen sind.

Es geht darum, diese zuvorkommende Liebe Gottes uns gegenüber zu entdecken, sie im Gespräch mit ihm zu verinnerlichen. Die zweite Lesung hat uns gleich im ersten Vers die Richtung gewiesen:
"Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es." [9] Daher heißt nach Heiligkeit streben: In der Liebe wachsen. Das ist eine Lebensaufgabe.

Heilige Menschen wissen um ihre Grenzen. Sie wissen: Nur einer ist heilig, Gott allein. Heilige Menschen sind solche, die ihr ganzes Leben, ihren konkreten Alltag Gott anvertrauen, ihm allein überlassen, wie er ihr Geschick wendet. Heilige sind Menschen, die gläubig vertrauen auf den, der allein Anfang und Ende bereiten kann, der allein der Schöpfer ist, der allein Leben noch im Tod schenken kann. So sind heilige Menschen wie Türen zu Gott.
Nathan Söderblom ein schwedischer Bischof hat einmal gesagt: "Heilige sind Menschen, durch die es den anderen leichter wird, an Gott zu glauben."

Heilige als Helfer zur Erkenntnis Gottes

Die Welt, die den Gott Israels und der Christen nicht erkannt hat, erkennt natürlich auch uns nicht als Kinder Gottes. Aber die Welt kann etwas von der Liebe des immer gegenwärtigen Gottes erahnen, wenn uns Denken und Tun durch die Liebe motiviert sind.

Das Fest Allerheiligen thematisiert heute die gläubige Gewissheit: Alle Getauften sind Heilige. Alle sollen durch ihr Leben Zeugnis geben für Gott, die Türen öffnen auf ihn hin. Niemand ist aus eigener Kraft eine Heilige, ein Heiliger. Alle sind es aufgrund der zuvorkommenden Gnade Gottes. Heilig ist, wer Gottes Wort im Leben als glaubwürdig erweist – im Handeln, im Dienst, im Leben. Aber es geht nicht nur darum, dass die Welt Gott erkennt indem sie uns als seine Kinder wahrnimmt.

Es geht auch um unsere persönliche Zukunft

Denn Gott kann nur der schauen, wer durch seine Heiligkeit und Liebe verwandelt ihm ähnlich geworden ist. Denn was wir einmal sein werden ist noch nicht offenbar geworden, auch uns selber nicht. Es geht also darum, dass wir uns von seiner Liebe, wie sie in Jesus Mensch geworden ist, anstecken, verwandeln lassen.

Es geschieht an uns Heiligung, wenn wir sein Wort und Beispiel in uns aufnehmen, seine Seligpreisungen im Alltag wie Glückwünsche zu einem gelingenden Leben in uns einlassen. Es geschieht an uns Heiligung, wenn wir uns in seine Hingabe in seinem Opfer-Mahl mit hineinziehen lassen, wenn wir seinen Leib essen, damit wir in unserem ganzen Sein von ihm, von seiner Hingabe und Liebe durchdrungen werden. So von ihm geheiligt werden wir ihm ähnlich.

Dann werden wir ihn sehen, wie er ist, wenn er offenbar wird. Es wird das wunderbarste uns überwältigende Ereignis sein, das wir je erlebt haben. Es wird uns ewig glücklich machen. Weil wir das von ihm erhoffen, werden wir alles daran setzen, "uns zu heiligen, wie er heilig ist."


[1] 1. L Offb 7,2–4.9–14; 2. L 1Joh 3,1–3; Ev Mt 5,1–12a
[2] Ambrose Gwinnett Bierce
[3] 1 Joh 3,1
[4] Röm 1,7
[5] Eph 2,4
[6] Kol 3,12
[7] 1 Joh 4,19
[8] Lev 19,2; 1 Petr 1,16
[9] 1 Joh 3,1

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