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2006

Homilie zu Joh 17,6a.11-19 am 7. Ostersonntag (B)
Einssein wie der Vater mit Jesus und Jesus mit dem Vater ist 

Bewahre sie in deinem Namen![1]

1 Das Testament Jesu und wir

Die letzten Worte oder Zeilen eines Menschen sind uns besonders kostbar. Angesichts des Todes betet Jesus zum Vater für seine Jüngergemeinde. Sein letzter Wille und seine große Sorge um uns werden darin vernehmbar. Dieses Gebet, das auch das hohepriesterliche Gebet genannt wird, gehört deshalb zum Testament Jesu.

1.1 Letzter Wille

Das Wort "Testament" ruft bei vielen von uns, auch bei mir, nicht gerade positive Schwingungen hervor.

„Der darf sein Testament machen,“ sagen wir, wenn jemand schwer krank wird und mit seinem Tod gerechnet werden muß.

"Mein Testament machen", bedeutet immer auch gewissermaßen, einen Abschluß mit dem eigenen Leben. Ich werde mir bewußt, daß ich alles zurücklassen muß. Ich spüre aber auch, daß es gut ist, geordnete Verhältnisse zu hinterlassen. Groß ist Ärger, wenn jemand bei der Testamentseröffnung leer ausgeht. Der Groll dauert oft lebenslang an. Wie viele Familien haben sich über den Nachlaß eines Menschen entzweit und verfeindet.

1.2 Das Testament Jesu

Über dem Testament Jesu haben sich die Erben, wir Christen, ebenfalls zerstritten. Viele von uns leiden unter der Spaltung der Christenheit in Konfessionen und Sekten. Die Spaltung erschwert die Mission und macht uns oft unglaubwürdig. Es ist also mehr als notwendig, daß Jesus für seine Jünger- und Jüngerinnen betet:

2 "Vater, bewahre sie in deinem Namen!"[2]

2.1 Jesus weiß, was im Menschen ist.

Er weiß um die Gefährdung seines Vermächtnisses, seines Testaments, durch seine Jünger. Denn er kennt den Menschen, er kennt auch uns. Darum sagt der Evangelist Johannes von ihm:

"Er brauchte von keinem ein Zeugnis über den Menschen, denn er wußte, was im Menschen ist."[3] Weil Jesus unsere durch die Sünde verdorbene Seh- und Hörweise kennt, betet er so inständig zum Vater für die Jünger damals wie für alle, die durch Verkündigung an ihn glauben werden:

2.2 "Bewahre sie in deinem Namen."

Der ganze Vers ist von großer Wichtigkeit:

"Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den DU mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir."[4]

Wir spüren die Größe des Auftrags und zugleich unser Unvermögen. Die Jünger sollen eins sein, wie der Vater mit Jesus und wie Jesus mit dem Vater eins ist. Wir sollen also die innere Einheit des dreieinigen Gottes in der Welt sichtbar machen. Wird da nicht Übermenschliches verlangt?

Jesus kennt den Menschen. Er weiß, daß dies keiner aus Eigenem kann. Darum bittet er zuerst:
"Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast."[5]

"Heiliger Vater", spricht er Gott an. Der Name steht für die Person und zeigt ihr wahres Wesen. Gott ist heilig und er ist Vater. Gottes Art ist anders als die der Menschen. Seine Liebe, sein Erbarmen, seine Gerechtigkeit übertrifft jedes menschliche Maß. Er ist wie ein guter Vater, wie eine gute Mutter, für uns da. Aber jede irdische väterliche und mütterliche Zuwendung ist nur ein schwaches und oft durch die Sünde eingeschränktes, unscharfes Bild der göttlichen Liebe und Sorge für uns.

Jesus sieht seine Aufgabe darin, diesen Namen Gottes, sein Wesen, seine Art, jenen Menschen mitzuteilen, die ihm Gott in der Welt gegeben und anvertraut hat, also seinen Jüngern.
Darum betet er:
"Ich habe ihnen dein Wort gegeben."[6]

2.3 Jesus Christus, das Mensch gewordene Wort Gottes

Von ihm singt der Christushymnus am Anfang des Johannesevangeliums:

"Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt,
und wir haben seine Herrlichkeit gesehen,
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit."[7]

Gott hat uns seine Botschaft nicht in Form eines Textes übermittelt, sondern in der eines Menschen, in der lebendigen Person Jesu, seines Gesalbten. Durch das ganze Sein und Leben Jesu redet Gott zu uns. Deshalb werde mich mit der Person Jesu vertraut machen. Ich werde mich um eine bleibende persönliche Beziehung zu ihm bemühen. Nur so kann ich Christ werden, sein und bleiben.

Gott hat also seinen Namen, sich selber Jesus gegeben. Darum kann das Evangelium, Jesus den einzigen Sohn des Vaters nennen. In Jesus wollte Gott sich uns menschlich schenken. Jesus gibt sich uns als lebendiges Wort Gottes mit der Absicht: "Damit wir eins seien wie der Vater und er".[8]

Je mehr wir die Art Jesu annehmen, desto mehr werden wir mit all jenen zur Einheit zusammenwachsen, die mit Jesus leben. Es gibt keinen anderen Weg zur Einheit der Christen als diesen.

Die Einheit innerhalb unserer Gemeinde und darüber hinaus mit der gesamten Kirche, mit allen die auf den Namen des dreieinigen Gottes getauft sind, ist also nicht nur die Aufgabe von ein paar besonders Interessierten, sondern von allen, die sich zu den Jüngern Jesu zählen.

Wir feiern am Pfingstsonntag um 17.00 zusammen mit den evangelischen Christen in der Christuskirche den ökumenischen Pfingstgottesdienst. Im gemeinsamen Hören auf das Wort Gottes und im Bitten um die Gaben des Heiligen Geistes machen wir sichtbar, daß uns am Vollzug des Testaments Jesu wirklich etwas liegt.

Dieses Verbundensein der Jünger durch Jesus Christus, in dem der Name Gottes anwesend ist, schenkt nicht nur momentane Freude, sondern eine Freude, die niemand von uns nehmen kann. Daraus wachsen jene drei Verhaltensweisen, die unser Jüngersein ausmachen:

3 Dankbarkeit – Erkenntnis - Zeugnis

3.1 Dankbarkeit macht das Jüngersein aus.

Ich bin dankbar, daß ich zu Jesus und seiner Kirche gehöre. Das ist nicht in erster Linie mein Verdienst, sondern Geschenk Gottes, der mich in der Taufe Jesus gegeben hat. Ich bin nicht deshalb Christ, weil ich halt zufällig in Mitteleuropa lebe, sondern "weil Gott mich Jesus gegeben hat." Daher ist mein Leben zu allererst Dank.

3.2 Die Erkenntnis Gottes macht das Jüngersein aus.

Jüngersein heißt wesentlich, durch Jesus, durch sein Leben und Wort, Gott, seine Art und sein Wesen immer tiefer zu erkennen. Die Frage, wovon nährt sich mein Geist und meine Seele ist immer sehr aktuell. Ist mir die Mitfeier des Gottesdienstes, das Hören auf das Wort Gottes wirklich wichtig, um dadurch meinem Glauben Nahrung zuzuführen?

Haben religiöse Sendungen in Rundfunk und Fernsehen einen Platz in meinem Leben? Welche religiösen Zeitungen und Zeitschriften lese ich? Lese ich unsere Bistumszeitung nur deshalb, weil da ab und zu was von Neunkirchen drin steht, oder aber um meinen Glauben zu vertiefen und meinen Blick für die Kirche zu weiten?

3.3 Zeugnis geben macht das Jüngersein aus

Jünger Jesu sein, verlangt, daß wir Zeugnis geben durch unser Wort und Leben, für die Art Gottes, wie sie Jesus uns vorgelebt hat. Seit 2000 Jahren ist diese Art Gottes im Leben vieler Menschen aufgeleuchtet. Im Epheserbrief wird uns diese unsere Berufung eindringlich vor Augen gestellt:
    "So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und zur Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zu vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen."[9]

    Jeder Christ, aber auch die Pfarrgemeinde als Ganzes, soll sich dieser Sendung bewußt werden. Gott heiligt uns nicht nur für uns selbst, sondern auch für diese Sendung. Am Schluß des Evangeliums sagt Jesus zum Vater: "Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt."[10] Wir sind getauft, vielleicht schon gefirmt.

    Die uns begegnenden Menschen müssen spüren, dass der Name Gottes in uns lebendig ist. Jesus Christus und seine Art den Namen Gottes zu leben soll durch uns in der Welt sichtbar und erfahrbar werden? Sind wir uns dieser Sendung als Getaufte und Gefirmte wirklich bewusst?

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[1] Joh 17,6a.11-19
[2] Joh 17,11b
[3] Joh 2,25
[4] Joh 17,17
[5] Joh 17,11b
[6] Joh 17,14
[7] Joh 1,14
[8] Joh 17,11
[9] Eph 4,23
[10] Joh 17,18



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