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Predigten

Predigt zum 5. Ostersonntag B - Neunkirchen Sst. Michael Vorabendmesse und Kirchweih Heilig Grabkapelle

 

Frucht bringen für Gott[1]

Heute sagt uns Jesus etwas sehr Wichtiges über Gott, seinen Vater, über sich selber und über jeden von uns. Von Gott, seinem Vater sagt er:

Gott ist der Winzer

Jesus spricht von einem Weinberg und seine Hörer wissen, dass damit das Volk Gottes, also sie gemeint sind. Zu diesem Volk gehören alle, die wie Abraham und die Propheten an Gott glauben und die  Jesus als den von Gott auferweckten Messias bekennen.

In diesem Weinberg, der auch die Kirche Jesu Christi ist, der also auch wir als getaufte Christen sind, ist Gott der Winzer. Ein richtiger Winzer arbeitet in seinem Weinberg. Bevor er im Herbst gute saftige hochwertige Trauben ernten kann, muss er sich im Frühjahr und auch nochmals im Sommer  intensiv mit seinem Weinberg und mit den Reben beschäftigen. "Jede Rebe, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt."[2]

In diesem Bild sagt dir der auferstandene Herr: Wenn du mit mir verbunden lebst, dann ist das wahre Leben in Dir. Aber damit mein Leben in dir gute Früchte bringen kann, muss Gott als der Winzer etwas an dir tun, etwas was schmerzt. Er beschneidet alles Fruchtlose an dir und reinigt dich von allem, was dir die Kraft nimmt, gute Früchte für ihn zu bringen.

Jesus ist der Weinstock

Seine Aufgabe ist es, die an ihm wachsenden Reben, mit den nötigen Nährstoffen zu versorgen, damit sie Frucht bringen können. Ohne die Verbindung mit ihm, dem Weinstock, kann die Rebe in den Augen des Winzers, in den Augen Gottes, nicht gedeihen, keine Frucht bringen, die ihm gefällt. Die Verbindung mit Jesus, der bis zum Äußersten geht mit seiner Liebe und den Gott auferweckt hat, ist unerlässlich, soll mein Leben Frucht bringen für Gott. "Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen."[3] Stimmt das? Führen nicht ein große Anzahl von Menschen bei uns ihr Leben ohne eine Beziehung zu Jesus. Vollbringen nicht auch sie Großes dabei? Das kommt darauf an.

Karl Rahner hat einmal von den anonymen Christen gesprochen. Von Menschen, die zwar Christus nicht kennen, aber dennoch nach ihrem Gewissen handeln, das Gute tun, sich für andere, für Not leidende Mitmenschen einsetzen, also die Liebe leben. Sie tun dies einfach deshalb, weil sie es als ihre Pflicht, als ihren Auftrag erkannt haben. Solche anonyme Christen können manchmal ohne es zu wissen, die Art Jesu leben und so für Gott Frucht bringen, manchmal mehr als selbstgefällige, auf die eigene Ehre bedachte Christen.

Dennoch stellt Jesus im Evangelium im Bild vom Weinstock und den Reben seine Verbindung mit uns und unsere Verbindung mit ihm als lebensnotwendig heraus. Jesus ist der Weinstock.

Und wir sind die Reben

Die Verbindung mit Jesus ist zwar unerlässlich, aber keine Garantie, dass wir Frucht bringen für Gott.

Ich kann mich Christ nennen, den Gottesdienst mitfeiern, ja sogar mich in der Gemeinde Jesu, in der Kirche, einsetzen, und doch eine Rebe ohne Frucht sein. Das ist dann der Fall, wenn ich dabei nur mich selber, meine Befriedigung, meine Bestätigung, meine Ehre suche.

Ich werde mich deshalb ständig der reinigenden Kraft des Wortes Gottes aussetzen, damit Gott an mir seine Winzerarbeit der Beschneidung meiner Ich- und Ehrsucht und der Reinigung meiner Absichten anfangen und vollenden kann. Ich werde also an mir geschehen lassen, was Gott der Herr beim Propheten Jeremia sagt: "Ich, der Herr, erforsche das Herz und prüfe die Nieren, um jedem zu vergelten, wie es sein Verhalten verdient, entsprechend der Frucht seiner Taten."[4] Wie sieht nun die innere Haltung aus, die ein Fruchtbringen für Gott ermöglicht?

"Bringt Frucht hervor, die euere Umkehr zeigt" [5]

ruft Jesus am Anfang seines Wirkens seinen Zuhörern zu. Umkehr zu Gott. Umkehr zu dem, was Jesus uns vorgelebt hat. "Meine Speise ist es den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, um sein Werk zu Ende zu führen."[6] Jesus sagt von sich. "Meine Ehre empfange ich nicht von Menschen."[7] "Wenn ich mich selbst ehre, so gilt meine Ehre nichts. Mein Vater ist es, der mich ehrt, er, von dem ihr sagt: Er ist unser Gott."[8] Und in all seinem Tun, Verkünden, sich den Menschen Zuwenden, ihnen heilend und tröstend Begegnen, sagt er: "Ich bin nicht auf meine Ehre bedacht; doch es gibt einen, der darauf bedacht ist und der richtet."[9]

Frucht bringen wir also, wenn wir umkehren zur Art Jesu. Und das meint er, wenn er sagt: "Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet."[10] Frucht bringen geht also nicht ohne Jünger/Jüngerin Jesu zu werden. Deshalb genügt nicht ein äußeres Verbundensein mit Jesus, sondern es braucht ein innerliches, aus dem Herzen kommendes Verbundensein, es braucht die ständig gepflegte Freundschaft mit ihm. Das gilt für jeden, für unsere Kommunionkinder und für jeden von uns. (Auch für Sie, die Sie heute Ihre goldene Hochzeit feiern.)

Wie sieht die von uns erbrachte Frucht für Gott aus?

"An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen,“ sagt Jesus und fährt fort: "Erntet man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen?"[11] Dornen und Disteln sind Wildgewächse, die ihr Eigenleben führend alles überwuchern und ersticken können. Sie nähren das Leben nicht.

Anders Trauben und Feigen. Trauben empfangen ihre Lebenskraft aus dem Weinstock, der Christus ist. Sie schenken dem Menschen Freude und Lebenskraft. Feigen wachsen am Feigenbaum, ein Sinnbild für den Baum des Lebens, von dem in der Offenbarung des Johannes der Geist den Gemeinden sagt: "Wer siegt, dem werde ich zu essen geben vom Baum des Lebens, der im Paradies Gottes steht."[12]

Entscheidend ist nicht, welche Tätigkeit ich verrichte, ob ich am Computer arbeite oder am Herd, auf dem Acker oder im Betrieb, ob ich mich um die Kinder und Enkel kümmere oder um die alten pflegebedürftigen Menschen, ob ich eine Predigt mache oder einen Dienst beim Gottesdienst übernehme. Immer kommt es darauf an, dass ich in Verbindung mit Jesus, in seiner Art zur Ehre Gottes meine Arbeit, meinen Auftrag erfülle.

Unsere Zuwendung zum Mitmenschen darf nicht von Sympathie oder Antipathie, Dank oder Anerkennung abhängig sein - Letzteres ist eine schöne aufbauende Nebenerscheinungen - wir werden uns vielmehr die Devise des heiligen Paulus zueigen machen: "Darum nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes."[13]

Paulus wird nicht müde herauszustellen, was die Frucht unseres Lebens sein soll, nämlich: »Die Ehre Gottes und der Dank an Gott«. Den Korinthern schreibt er: "Alles tun wir euretwegen, damit immer mehr Menschen aufgrund der überreich gewordenen Gnade den Dank vervielfachen, Gott zur Ehre."[14] Und ganz gleich, wo Paulus sich aufhält, hat er nur eines im Sinn: "Deswegen suchen wir unsere Ehre darin, ihm zu gefallen, ob wir daheim oder in der Fremde sind."[15]

Frucht bringen als Passion

Frucht, die wir nur für uns bringen, vergeht wie alles Irdische. Frucht, die wir für Gott bringen, bleibt ewig, ist aufgehoben bei Gott. So hört es des Seher der Offenbarung des Johannes vom Himmel her: "Selig die Toten, die im Herrn sterben, von jetzt an; ja, spricht der Geist, sie sollen ausruhen von ihren Mühen; denn ihre Werke begleiten sie."[16]

Und wenn wir gar nichts mehr tun oder leisten können, ganz auf Hilfe von Menschen angewiesen sind, wenn wir uns vielleicht ganz wert- und nutzlos vorkommen, oder nur noch auf den Tod warten. Was dann?

Die Liebe und den Dienst anderer Menschen annehmend und dankbar an uns geschehen lassend, Krankheit und Sterben als letzte Möglichkeit begreifend, um gehorsam zu werden bis zum Tod, ist die letzte Chance Frucht zu bringen für Gott.

Jesus, unser Leben spendender Weinstock hat uns auch darin vorangegangen. Mit ihm dürfen im Psalm 62 beten: "Bei Gott ist mein Heil, meine Ehre; Gott ist mein schützender Fels, meine Zuflucht."[17] Oder ganz einfach, wie es jeder kann: "Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist." Das könnte unserer Morgengebet und Abendgebet für die kommende Woche sein.

 

 

[1] 1. L Apg 9,26–31; 2. L 1Joh 3,18–24; Ev Joh 15,1–8 (Lekt. II/B, 204) Homilie zum Evangelium

[2] Joh 15,2

[3] Joh 15,5

[4] Jer 17,10

[5] Mt 3,8

[6] Joh 4,34

[7] Joh 5,41

[8] Joh 8,54

[9] Joh 8,50

[10] Joh 15,8

[11] Mt 7,16.20

[12] Offb 2,7

[13] Röm 15,7

[14] 1 Kor 4,15

[15] 2 Kor 5,9

[16] Offb 2,7

[17] Ps 62,8


 

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