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Predigten

Ansprache am Aschermittwoch vor der Auflegung der Asche

 

Hinwendung des ganzen Menschen zu Gott[1]

Tu Gutes und rede darüber.

Diesem Motto begegnet man zunehmend in unterschiedlichen Bereichen: Firmen brauchen Öffentlichkeit, um ihr soziales Engagement auch für ihre Bekanntheit fruchtbar machen zu können. Wenn Sportler, Schauspieler und Politiker eine Patenschaft für ein Kind in den Entwicklungsländern übernehmen, warum dann nicht auch, um für das Projekt weitere Interessenten anzulocken? Gute Beispiele ziehen Nachahmer an und dürfen durchaus einen Platz im öffentlichen Bewusstsein beanspruchen. Tu Gutes und rede darüber.

Auch der Aschermittwoch hat viel mit Öffentlichkeit zu tun:

Es gibt keine Bälle mehr (oder fast keine), im Radio spricht man von Katerstimmung, die Politiker nützen diesen Tag, um in markigen Reden – mehr oder weniger glaubwürdig – den rechten Weg zu verkünden. Vielleicht treffen sie Menschen, die Ihnen mit trauriger Miene erzählen, dass jetzt die harte Zeit kommt, weil sie auf Alkohol und Nikotin verzichten, um sich zu beweisen, dass sie nicht abhängig sind. Tu Gutes und rede darüber?

Die Schrifttexte des heutigen Tages sprechen eine andere Sprache.

Jesus mahnt wohl dazu, Gutes zu tun, es aber für sich zu behalten: kein langes Gesicht wegen des Fastens zu machen, Spenden nicht öffentlich an die große Glocke zu hängen und zum Beten in die Kammer zu gehen. Sicher bestärkt es den einzelnen, wenn viele zusammen fasten, wenn sich eine Gemeinde zum Gebet versammelt und wenn eine öffentliche Spende zur Nachahmung einlädt. Und es ist auf jeden Fall zu begrüßen, wenn auch der Kirche fern stehende Menschen Gutes tun und helfen.

Das Problem beginnt aber dort, wo die Öffentlichkeitswirkung in den Vordergrund tritt. Es geht am Sinn der guten Werke vorbei, wenn ich nur spende, um für die Steuererklärung etwas vorweisen zu können; wenn ich nur faste, damit ich wieder attraktiver aussehe oder um mir nachher wieder mehr leisten zu können; wenn ich mich in der Pfarrgemeinde einsetze, um gesehen zu werden und mein Ansehen aufzupolieren; wenn ich mit Selbstlob anderen auf dem Wecker gehe.

Gott sieht das Verborgene! Im Inneren soll sich eine Änderung vollziehen.

Mit dieser Forderung steht Jesus in einer langen Tradition. Die Propheten des Alten Bundes weisen die Menschen wiederholt darauf hin, dass Gottesdienste und gute Werke sinnlos sind, solange das Herz davon unberührt bleibt und sich z. B. Lüge, Betrug und Unterdrückung genauso fortsetzen. “Ich hasse eure Feste, ich verabscheue sie und kann eure Feiern nicht riechen.“ So schreit der Prophet Amos (5,21) in die Menge, denn das reale Leben passt nicht zu den äußerlich beeindruckenden Frömmigkeitsübungen. Recht und Gerechtigkeit fordert er, und das setzt eine innere Hinwendung der Menschen zu Gott voraus. Der Prophet Hosea richtet den Menschen aus: “Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis statt Brandopfer“ (Hos 6,6).

Lieben und erkennen

sind im Hebräischen Begriffe äußerster Vertrautheit und Intimität. So innig begegnen sich nur Mann und Frau, und diese Intimität ist eine äußerst persönliche Angelegenheit, nichts für Kameras und Öffentlichkeit. Genauso innig soll das Verhältnis, die Freundschaft zwischen Gott und den Menschen wieder werden, eben von Seiten des Menschen her. Und auch das ist im letzten nichts, das man groß herumposaunt, es geschieht vielmehr im Verborgenen. Auf dieses innere Verhältnis legt Gott Wert, er sieht das Verborgene, er sieht auf das Herz. Deshalb ruft Joël den Israeliten zu: “Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider!“ (Joël 2,13)

Persönliche Zeichen

Wollen wir in der österlichen Bußzeit setzen. Heute beginnen wir mit einem eindrucksvollen äußeren Zeichen, dem “Aschenkreuz“. Es erinnert uns an unsere Sterblichkeit und an das Vergehen alles Geschaffenen. Es lenkt unseren Blick und unser Denken und Empfingen auf Ostern, auf die Auferstehung und die Fülle des Lebens bei Gott hin. „Darum kehr um und glaube an das Evangelium!“ Wir setzen persönliche Zeichen, um diese Zeit besonders zu gestalten. Wir versammeln uns hoffentlich in den kommenden Wochen zu besonderen Gottesdiensten: Kreuzwegandachten, Fastenpredigten, Bußgottesdienste verleihen ihnen ein besonderes Gepräge. Wir lesen daheim in der Heiligen Schrift. Das ist alles wichtig und wertvoll.

Aber das Eigentliche muss tief in unserem Inneren geschehen:

Eine neue intensive Hinwendung des ganzen Menschen zu Gott. Wenn ich mir das in der ganzen Tragweite bewusst mache, dann beginnt heute mit einem spürbaren Einschnitt eine Zeit der inneren Gottsuche, des Sensibelwerdens für die Spuren, die Gott in meinem Leben längst hinterlassen hat. Der Verzicht auf manches, was ich unbedingt zu brauchen meine; das Ankämpfen gegen schlechte Gewohnheiten, die sich bei mir eingeschlichen haben, schaffen neuen Raum, um tief in mir die Beziehung zu Gott neu wahrnehmen und gestalten zu können.

Das Wort des heiligen Augustinus: “Gott ist mir innerer als mein Innerstes“ könnte in diesen Wochen wieder neu an Bedeutung gewinnen. Aber das bedarf einer neuen Intimität zwischen mir und Gott, und nicht vieler Worte: Tu Gutes – und achte im Stillen darauf, was sich in deinem Inneren verändert. „Geh in dein Zimmer und schließ die Tür zu“ – und sei bei deinem Gott, dem ICH-BIN-DA. Durch deine persönliche Beziehung zu ihm wirst du auch fähig zusammen mit seiner Gemeinde auf ihn zu hören und ihn anzubeten.

[1] Christoph Seidl in „Liturgie Konkret Digital 2006/02“

 

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