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Predigten

Übersicht

2006

Sonntagvorabenmesse in St.Bartholmäus In Thüngfeld Pfarrei Schlüsselfeld

20.Sonntag im Jahreskreis B

Wandlung unter uns und an uns

1 Wandlung unter uns

1.1 Das Wichtigste
Lothar Zenetti hat ein Gedicht verfasst, das die Überschrift trägt: INKONSEQUENT
„Frag hundert Katholiken, was das Wichtigste ist in der Kirche.
Sie werden antworten: Die Messe.
Frag hundert Katholiken, was das wichtigste ist in der Messe.
Sie werden antworten: Die Wandlung.
Sag hundert Katholiken,
dass das wichtigste in der Kirche die Wandlung ist.
Sie werden empört sein: „Nein, alles soll bleiben, wie es ist!"

1.2 Heute geschieht mitten in diesem Ort WANDLUNG.

Wie bei jeder heiligen Messe spricht auch heute der Priester im Auftrag und in der Vollmacht Jesus über unsere irdischen Gaben von Brot und Wein die Wandlungsworte. Durch die Kraft des Heiligen Geistes werden Brot und Wein zum Leib und Blut Jesu Christi:
"Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch,
Ich gebe es hin für das Leben der Welt."[1]
Er selber wird gegenwärtig unter diesen Gaben, die durch Gottes Schöpfung und die Arbeit der Menschen geworden sind.
Seine Gegenwart ist nicht nur zum Schauen da, auch nicht allein zum Glauben, sondern zum Essen.
Wir sollen IHN uns e i n v e r l e i b e n. Wozu?

1.2.1 Er will uns verwandeln
Eucharistie bedeutet Wandlung unseres irdischen Lebens und Teilhabe an der göttlichen Lebensfülle.
Bis in unseren Leib hinein sollen wir erfahren, dass er in uns und wir in ihm sind, bis in unseren Leib hinein sollen wir wissen, dass wir von Gott zum ewigen Leben berufen sind und er uns auferwecken wird an letzten Tag.
Dadurch will uns Gott ermutigen, Jesus nachzufolgen, seine Art mit Gott und den Menschen umzugehen, nachzuahmen. Wir werden einander dann nicht als Konkurrenten begegnen, sondern als Bruder und Schwestern des einen Herrn. Unser Blick wird nicht neidisch auf den anderen schauen, sondern teilnehmend und verstehend. Wir werden nicht sagen, „was gehen mich die anderen an", sondern überlegen, wie wir ihnen Freude machen und helfen können.
Die Teilnahme am eucharistischen Mahl bedeutet Opferbereitschaft eines jeden für alle, mit denen wir durch Christus Gemeinschaft haben. Wir können nicht miteinander zum Tisch des Herrn gehen und draußen als Feinde begegnen. Gott will uns zu lebendigen Gliedern am Leibe Christi machen. Durch uns, seine Kirche, will er hineinstrahlen in die Welt, in die Schöpfung.

1.2.2 Gott will durch uns die Welt verwandeln
Vom Geist Jesu Christi, vom heiligen Geist, erfüllt spüren wir, dass unsere Sendung nicht bei den Mitmenschen aufhört, sondern die ganze Schöpfung miteinschließt. Er will durch seinen in uns wirkenden Geist das Angesicht der Erde erneuern. Aber nicht nur das Angesicht der Erde, sondern auch das Angesicht eueres Lebensraumes, eueres Dorfes.
Es sollte hier in diesem Dorf erfahrbar werden, dass Christus gegenwärtig ist. Nicht nur durch Kreuze am Wegrand oder in unseren Häusern, sondern vor allem an der Art und Weise, wie wir miteinander umgehen und einander helfen. Aber auch daran, wie wir den Fremden und Neuzugezogen begegnen.
Wenn wir uns von Christus immer wieder verwandeln lassen, dann werden wir uns nicht als Herren der Schöpfung aufspielen, sondern als deren Verwalter, die Gott verantwortlich sind.

1.3 Immer wieder Wandlung

Wandlung muss daher immer wieder geschehen. Fast jeden Tag, vor allem jeden Sonntag feiert die Kirche die heilige Messe, wird Brot und Wein verwandelt in den Leib und das Blut des gekreuzigten und auferstandenen Herrn. Der Herr selber lädt uns durch seine Kirche ein, sein Testament zu feiern.

1.3.1 Reine Pflichtveranstaltung
Die sonntägliche Messfeier darf nicht zu einer reinen Pflichtveranstaltung verkommen, um unser Gewissen zu beruhigen oder Gott einen Gefallen zu tun. Der Sonntagsgottesdienst soll vielmehr uns und unser Leben verwandeln. Zu dieser Wandlung sind wir verpflichtet. Keiner kann sie aus eigner Kraft bewirken. Wir brauchen dazu das Beispiel und Kraft unseres Herrn Jesus Christus, der den Tod überwunden und dessen menschliche Natur in der Auferweckung von den Toten verwandelt wurde in die göttliche.

1.3.2 Nichts oder alles
Manche sagen: "Die Messe gibt mir nichts." Was soll sie dir denn geben? Einen Nervenkitzel? Eine Schau? Ein Happening? Einen Event?
In der heiligen Messe gibt dir Gott Jesus Christus, sein Leben spendendes Wort, seinen auferstandenen Leib. Und da sagen getaufte Christen: "Nichts." Oder sagst du, sie gebe dir nichts, weil du dich nicht verwandeln lassen willst? Das wäre wenigstens ehrlich.

Vielleicht aber störst du dich an den Gottesdienstbesuchern, dass sie sich so wenig verwandeln lassen durch die Mitfeier der heiligen Messe und den Empfang des Leibes Christi. Aber das wäre ein billiges Alibi.

Wenn du der Einladung Jesu folgst und mit dem Willen kommst:
Ich will für dich, Herr, offen sein, für dein Wort des Lebens. Ich will mich von dir umgestalten, verwandeln, neu machen lassen, dann wird er dir nicht nur "etwas", sondern Anteil an seinem göttlichen Leben geben, an seinem Schalom, dem ganzen Reichtum seiner Person, den er vom Vater empfangen hat.
Wenn du die heilige Wandlung als Zeichen der von Gottes Geist gewirkten Verwandlung des Irdischen ins Himmlische mitten unter uns annimmst und Jesus Christus empfängst als das Brot des Lebens, dann wird er dich verwandeln Schritt für Schritt, Stufe für Stufe, ganz und gar. Dann wird aus dem "Nichts" ein "Alles".

Bei der heiligen Wandlung läutet die Glocke der Kirche. Sie ruft es in die Pfarrei, in den Ort hinein: Jetzt ist Wandlung. Gott wandelt unsere irdischen Gaben in den Leib und das Blut seines Sohnes. Lass dich von ihm umwandeln, neu machen, umgestalten nach dem Bild des Menschen‑ und Gottessohnes Jesus Christus.
Die Wandlung ist das Wichtigste in der Heiligen Messe, sie ist aber auch das Wichtigste in unserem, in meinem und deinem Leben.

[1] Joh. 6,51

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