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Predigten

Homilie zum 7. Sonntag i.Jk. (B) in der Filialkirche in Rödlas

Das Ja Gottes zum ganzen Menschen[1]

In der Vergangenheit Geschehenes erinnern

Eine betagte Frau wollte einem Priester von früher erzählen. Darauf sagte dieser: "Was früher war, interessiert mich nicht." Die Frau schwieg verwundert und verletzt. Denn ihre Lebensgeschichte war auch eine Heilsgeschichte.
Ich kann mich noch gut an die Zeit der 68er mit ihren Stundentenunruhen und Protesten erinnern. Den Geschichtsunterricht wollte man am liebsten ganz abschaffen oder nur noch unter dem marxistischen Gesichtspunkt des Klassenkampfs vermitteln. Wer aber geschichtslos lebt, der lebt ohne Wurzeln. Und er ist in Gefahr weder aus dem Positiven noch aus dem Negativen der Geschichte zu lernen.
Gerade der christliche aus seinen jüdischen Wurzeln kommende Glaube versteht die Geschichte als Heils- oder auch als Unheilsgeschichte. Denn sowohl der jüdische, wie der christliche Glaube lebt von der Erinnerung an die in der Geschichte des alttestamentlichen wie des neutestamentlichen Gottesvolkes geschehenen Heilstaten Gottes. Und spätestens bei der Wiederholung des Auftrags Jesu "Tut dies zu meinem Gedächtnis" bei der Heiligen Wandlung geht uns auf, wie sehr wir aus der geschichtlichen Heilstat Gottes in Jesus Christus bis heute leben und hoffnungsfroh in die Zukunft gehen dürfen.

Vergangenheit überwinden

Freilich gibt es auch eine berechtigte Abwehr von Vergangenheitsverklärung, so als wäre früher alles besser gewesen und heute alles schlechter. Man kann sich auch in der Vergangenheit verlieren und damit die Gegenwart übersehen und die Zukunft verspielen.
Durch den Propheten Jesaja sagt Gott seinem in der Verbannung lebenden Volk: „Denkt nicht mehr an das, was früher war, auf das was vergangen ist, sollt ihr nicht achten." In den vorausgehenden Versen wird nochmals auf das Exodus-Ereignis Bezug genommen. Der Auszug aus Ägypten mit dem wunderbaren Handeln Gottes hatte jenes Heil begründet, in dem Israel früher einmal gestanden hat. Die Zerstörung Jerusalems und das Exil machen deutlich, dass dieses Heil sein Ende gefunden hat. Gott aber wird einen neuen Exodus, wird neues Heil schaffen.
Man kann einen Menschen und auch ein Volk auf seine Untaten und sein Scheitern festnageln und ihm so jede Zukunftsperspektive nehmen. Die ins babylonische Exil Verschleppten hatten Zeit genug, ihre sündhafte, gottvergessene Vergangenheit und die daraus geborene Erniedrigung aufzuarbeiten und umzukehren.
Wer meint eigene Schuld verdrängen oder gar vergessen zu können, der gerät in eine Sackgasse, die lähmt oder auch krank macht.
Als erstes sagt Jesus im heutigen Evangelium zu dem Gelähmten: "Deine Sünden sind dir vergeben." Aus der gottgeschenkten Vergebung wird neues Heil, neues Leben.

Gott offenbart sich als Liebender und Erbarmender

Beim Propheten Jesaja schildert Gott sein Volk fast wie einen hoffnungslosen Fall. Sie rufen nicht zu Gott. Sie plagen ihn vielmehr mit ihren Sünden und üblen Taten.
Aber gerade in dieser Situation geschieht das große unbegreifliche Wunder: Gott offenbart sich um seinetwillen als der große Liebende und Sich-erbarmende, der die Vergehen seines Volkes auslöscht. Dass hier ganz Israel angesprochen wird zeigt, dass jede Sünde und Untat sich am ganzen Volk auswirkt und es schädigt.
"Um meinetwillen", heißt es. Gottes Wesen ist eben Liebe und Erbarmen. In seiner sich erbarmenden Liebe ergreift er die Initiative. Es ist Gottes zuvorkommende Liebe, die unsere Schuld auslöscht. Wir brauchen uns nur wie ein verlorener Sohn oder eine verlorene Tochter in die Arme des Vaters werfen, der uns wir eine gute Mutter liebt.
Die zweite Lesung aus 2 Kor schlägt den Bogen vom 1. Gottesvolk zu dem Neuen, was Gott durch Jesus wirkt.

In Jesus umfängt Gottes zuvorkommende Liebe den ganzen Menschen.

In ihm ist das unbedingte Ja Gottes zum Menschen greifbare, hörbare und handelnde Wirklichkeit geworden. Deshalb darf christliche Verkündigung nicht Ja und Nein zugleich sein. Ihre Aufgabe ist es, den Menschen aller Zeiten, Völker und Rassen Jesus Christus als das unbedingte Ja Gottes zu verkünden. Dieses Ja Gottes zum Menschen wird im heutigen Evangelium in seiner Vollgestalt erfahrbar.
Dieses Ja umfängt den ganzen Menschen mit Leib und Seele. Wobei die Seele als die »forma corporis« dem Leib seine Form, seine wahre Gestalt, seine Ausstrahlung gibt. Darum heilt Jesus zuerst die Seele des Gelähmten: "Deine Sünden sind dir vergeben." Damit sagt Jesus dem Kranken, was jetzt in diesem Augenblick als er mit göttlicher Vollmacht das Wort der Vergebung zuspricht von Gott her mit dem Gelähmten geschehen ist.
Ist aber die Seele gesund, dann kann auch der Leib genesen. Und so wird in Jesus das Ja Gottes zum Heilsein des ganzen Menschen offenbar. "Ihr sollt aber sehen, dass der Menschensohn Vollmacht hat, hier auf Erden Sünden zu vergeben", sagt er zu dem Gelähmten, "steh auf nimm deine Tragbahre und geh nach Hause." Das Neue, das Gott durch Jesus wirkt, wird kurz und einprägend verkündet:
"Und der Mann steht sofort auf und geht vor aller Augen hinweg."
Dieses sich in der Vergebung der Sünden und in der Heilung des Leibes vollziehende Ja Gottes zum Menschen ist so unerwartet und umwerfend, dass die Augen- und Ohrenzeugen außer sich geraten. Und ihr Staunen über das in Jesus geschehende Neue findet im Lobpreis Gottes das Amen, das Ja der Anwesenden zu dem Gott der Liebe und des Erbarmens.

In der Taufe uns geschenkt

Das Ja Gottes zum Menschen gewinnt seine ganze Tiefe in der durch die Taufe geschehenen Salbung mit Heiligem Geist. Gott schenkt sich darin selbst, indem er uns seinen Geist ins Herz gesenkt hat. Durch ihn ist, wie Paulus im Römerbrief sagt, "die Liebe Gottes ausgegossen in unsere Herzen." In der Taufe ist an jedem von uns wahr geworden, was der Prophet ausspricht: "Seht her, nun mache ich etwas Neues.“ Paulus nennt dieses Neue in der 2. Lesung "den ersten Anteil am verheißenen Heil."
Es ist Gottes zuvorkommende Liebe, die dem Getauften den ersten Anteil des verheißenen Heils zusagt und schenkt.
Freilich Gott zwingt uns seine Liebe nicht auf. Der nach Gott fragende und auf ihn aufmerksam gewordene Mensch, wird Gott suchen. Der Gelähmte war nicht in der Lage selber in die Nähe Jesu zu kommen. Seine Freunde setzen alles daran, dass dieser mit Jesus in Berührung kommt. Er kommt mit der göttlichen Liebe in Berührung, weil er es wollte und Freunde hatte, die ihm dabei halfen. So erfahren er, seine Freunde, die anwesenden Menschen, was die schöpferische Liebe und das Erbarmen Gottes vermag. Und sie geraten nicht nur außer sich, brachten den Mund nicht mehr zu vor lauter Staunen, sondern sie priesen Gott, der schöpferische Liebe und Erbarmen ist.

Höhepunkt der Woche unser Ja und Amen.

Die Heilstaten Gottes, die alten wie die neuen, können nur in den Lobpreis münden. Gott selber sagt es uns durch den Propheten: "Das Volk, das ich mir erschaffen habe, wird meinen Ruhm verkünden." Der Lobpreis ist bleibend gedacht; so wird das "Neue" in ständiger lebendiger Erinnerung bleiben.
In jeder heiligen Messe preist die Kirche im Hochgebet die schöpferische Liebe und das Erbarmen Gottes. Durch die Menschwerdung Gottes in Jesus, durch dessen Leben und Handeln, durch seine Hingabe bis in den Tod, durch seine Auferstehung und Verherrlichung beim Vater ist das Neue offenbar geworden. Deshalb mündet das große Lob- und Dankgebet - Hochgebet genannt - in die Doxologie, in der wir durch Christus, mit ihm und in ihm Gott dem allmächtigen Vater in der Einheit des Heiligen Geistes alle Ehre und Verherrlichung darbringen.

Dazu sagen oder singen wir unser Amen. Es ist das Ja der Glaubenden zur zuvorkommenden und schöpferischen Liebe Gottes, die durch Christus uns bei der Taufe zuteil geworden ist und in jeder heiligen Messe uns neu sakramental geschenkt wird. Dieses unser Ja und Amen zur Liebe Gottes ist der Höhepunkt der ganzen Woche und zugleich Quelle der Kraft für ein Leben aus der Liebe Christi und für die Liebe zu Gott, zu uns selber und zu unseren Mitmenschen und allen Geschöpfen in der kommenden Woche.

[1] Schrifttexte: L Jes 43,18–19.21–22.24b–25; 2. L 2Kor 1,18–22; Ev Mk 2,1-12

 

 

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