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Heilige

Homilie in der Vorabendmesse zu Peter und Paul

Zwei ganz verschiedene Apostel eins in Christus

Petrus und Paulus um 1741
  Goerg Reuß zugeschrieben
  Im Chor der Stiftskirche St. Michael Neunkirchen a.Br.
Petrus und Paulus um 1741
Goerg Reuß zugeschrieben
Im Chor der Stiftskirche St. Michael Neunkirchen a.Br.
In den Texten der Vorabendmesse[1] zum Fest Peter und Paul begegnen uns in den Lesungen und im Evangelium zwei Jünger und Apostel, wie sie unterschiedlicher nicht sein können.


Schauen wir zunächst auf Petrus.
Der am Tor des Tempels um Almosen bettelnde Gelähmte bittet Petrus um eine milde Gabe. Petrus hat nichts, was er geben könnte. "Gold und Silber besitze ich nicht." Das einzige, was er geben kann, kommt vom auferstandenen Herrn. "Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, geh umher!" „Und er fasst den Mann an der rechten Hand und richtet ihn auf. Sogleich kommt Kraft in seine Füße und Gelenke; er springt auf, kann stehen und geht umher."
Die Apostel haben kein Geld. Was sie aber sie besitzen ist nicht für Geld zu bekommen: die Kraft des Heiligen Geistes, der sie befähigt, durch Wort und Tat zu bezeugen, dass Jesus lebt.
Im Namen Jesu, des Nazoräers, heilen sie den Gelähmten. Das ist kein Zauber, keine Magie; es ist das Vertrauen auf Jesus, der Glaube an die machtvolle Gegenwart dessen, den Gott „zum Herrn und Messias gemacht hat“.
Vom Heiligen Geist erleuchtet erkennt Petrus, dass seine Stärke und sein Vermögen allein Jesus, der gekreuzigte und auferstandene Herr ist. Nur in seiner Kraft kann er Menschen auf die Beine helfen und sie aufrichten, so dass sie leben und Gott preisen können.
Wenn auch in vielen Diözesen und Pfarreien die Finanzmittel knapp geworden sind, so sollten wir uns umso mehr auf das eigentliche Kapital der Kirche Jesu Christi besinnen: Auf die Gegenwart des Auferstandenen und auf die Gabe seines Heiligen Geistes.
Wenn wir Menschen aufrichten und trösten wollen, werden wir das nicht aus Eigenem heraus tun. Wir werden den Herrn bitten, dass er uns zu Werkzeugen seiner Liebe, seines Geistes und seiner Kraft mache. Und wir werden nicht zulassen, dass uns die Menschen wegen des erfahrenen Beistands anhimmeln, sondern wir werden mit ihnen Gott durch Jesus preisen, weil er Großes an ihnen getan hat.


In der 2. Lesung begegnet der Apostel Paulus.

Er gehört zwar nicht zu den Zwölfen, die Jesus zu seinen Lebzeiten zu seinen Gesandten, seinen Aposteln erwählt hatte. Er war auch nicht von Anfang an dabei, war weder Augen- noch Ohrenzeuge, vielmehr wurde er ein erbitterter Gegner der Jüngergemeinde. Bis nach Damaskus spürte er sie auf. Als sie den Stephanus lynchten war zugegen. Aber der Auferstandene holte ihn vor Damaskus vom Pferd und damit auf den Boden der Tatsachen, die durch Jesus Auferstehung und die Geist Sendung von Gott geschaffen worden waren.
Als gläubiger Jude konnte Paulus seine Bekehrung zum Jünger und Apostel nur als Erwählung durch Gott vom ersten Augenblick seiner Existenz an verstehen. „Schon im Mutterleib hat er mich auserwählt.“

Für ihn war es Gottes liebende Zuwendung, Gottes Gnade, dass er ihm Jesus als seinen Sohn offenbarte. Aber das ist kein Grund zu Stolz und Selbstruhm. Den Korinthern schreibt er später. " Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt." 1 Kor 12,7 Die ihm zuteil gewordene Offenbarung war für ihn der klare Auftrag, Christus als den Messias Gottes unter den Heiden zu verkünden.

Erwählung und Auftrag

Petrus und Paulus waren beide durchdrungen von der Liebe zu Jesus, dem Christus, und seinem Evangelium. Das ist das große Gemeinsame, das sie verbindet und antreibt.
So diente jeder auf seine Weise dem von Gott in Jesus Christus geschenktem Erlösungswerk.
Erwählung durch Gott ist also ein missionarisches Gnadengeschenk, das uns verpflichtet das Evangelium vom Reich Gottes und von der Auferweckung Jesu den Heiden unserer Tage vorzuleben und zu verkünden.
Aber können wir so wie Petrus, wie Paulus wirken? Sind wir glaubwürdig und kompetent genug?
Wer ehrlich vor sich selber ist, wird zugeben, dass wir oft und vielfach im Leben versagen und schuldig werden und Gott und den Menschen viel schuldig bleiben.
Aber das darf uns nicht mutlos machen. Entscheidend ist unsere Liebe zum Herrn. Die darf nicht erkalten, nicht nachlassen, nicht sterben. In sie werden wir daher ständig investieren durch das Lesen und Bedenken der heiligen Schrift, durch Meditation und Gebet, durch Umkehr und Buße, durch die Feier des Wortes Gottes und der Eucharistie.
Wenn die Liebe zum Herrn lebendig ist, dürfen auch wir wie Petrus bekennen: „Herr, du weißt alles. Du weißt auch dass ich dich liebe."
Am 29. Juni 2001 hat Papst Johannes Paul II in der St. Hedwigs Kathedrale zu Berlin uns ermutigt, die beiden Apostel nicht nur zu feiern, sondern ihrem Beispiel zu folgen. Er sagte: »Das Tagesgebet des Festes beinhaltet die Bitte: “Hilf deiner Kirche, in allem der Weisung deiner Boten zu folgen." Wir sind eingeladen, auf Petrus und Paulus zu schauen und daraus eine Botschaft abzuleiten für unser Sein und unsere Sendung, in die uns der Herr gerufen hat.

Wir kennen die beiden Männer und wissen, wie unterschiedlich ihr Charakter und ihre Sendung war. Doch in Jesus Christus wussten sich beide vereint. Mit Jesus Christus haben sie gearbeitet, ohne sich zu schonen, und sich aufgezehrt bis zum Tod. Durch Jesus Christus bekamen sie die Kraft, sich die Worte des Psalmisten zu eigen zu machen: “Der Herr hat mich all meinen Ängsten entrissen” (vgl. Antwortgesang, Ps 34,5).

Ihr Martyrium der Kreuzigung und Enthauptung ist gleichsam eine lebendige Auslegung der Doxologie, die das eucharistische Hochgebet beschließt: “Durch ihn und mit ihm und in ihm ist dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geiste, alle Herrlichkeit und Ehre.“«




[1] 1. Lesung Apg 3, 1-10
2. Lesung Gal 1, 11-20
Evangelium Joh 21, 1.15-19

 

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