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Predigten

4.Sonntag im Jahreskreis (B) in der Filialkirche in Rödlas

 

Vollmacht und Freiheit        als pdf herunterladen

Die hohe Kunst des Übersetzens

Gedichte oder Romane von einer Fremdsprache ins Deutsche zu übersetzen ist eine hohe Kunst. Der Übersetzer, die Übersetzerin muss in der zu übersetzenden Sprache auch denken und fühlen können. Muss über die Bedeutung der Wörter in der Zeit der Entstehung eines Textes Bescheid wissen.
Bei der Übersetzung der Bibel aus dem Hebräischen oder Griechischen ins Deutsche ist das nicht anders. Schauen wir auf das heutige Evangelium. Da heißt es in der Einheitsübersetzung: "Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer der göttliche Vollmacht hat." Wörtlich übersetzt heißt es: "Und sie gerieten außer sich über seine Lehre; denn er lehrte sie, wie einer der Vollmacht hat."
Jesus weiß offenbar, wovon er spricht, er gibt nicht nur aufgespeicherte Wahrheiten von früher weiter, sondern hat selbst erfahren, was er verkündet. Und seine Worte haben Autorität, sie bewirken, was sie ausdrücken.
Dort wo Jesus gegenwärtig ist, so das Leitmotiv der Evangelien, geschieht Heiliges und Heilendes. Deshalb hat seine Gegenwart nichts mit Biederkeit und Harmlosigkeit gemein. Im Gegenteil! Immer dann wenn im Evangelium Heilung geschieht und neue Wege aufgezeigt werden, kommt es zu Konflikten und Kämpfen.[1]

Der alltägliche Kampf

Das griechische Wort, das im Text mit Vollmacht übersetzt wird (exousia), hat auch die Bedeutung Freiheit. Hier lehrt also einer mit Vollmacht und innerer Freiheit. Über ihn haben die unreinen Geister, die unfrei und besessen machen, keine Macht. Sie fürchten ihn.
In der Interpretation des alten Mönchtums waren diese unreinen Geister - Dämonen genannt - weder schlechthin Teufelchen noch - wie in der modernen Interpretation oft gedeutet - Anzeichen einer psychischen Erkrankung, sondern Gedanken, Versuchungen, Leidenschaften, die im Inneren des Menschen aufsteigen. Diese kann der Mensch nicht aufhalten, aber er muss sich mit ihnen auseinandersetzen. Tut er dies nicht, wird er unfrei, in sich selbst verkrümmt und am Ende besessen.
Die Mönche malen weder den Teufel an die Wand, noch weisen sie in die Psychiatrie ein, sondern sie machen deutlich, dass menschliche Reife, geistliches Leben nur dann wachsen und sich entwickeln kann, wenn der Mensch sich seinen Gedanken, Leidenschaften und Versuchungen stellt und lernt, mit ihnen umzugehen. Das heißt letztlich nichts anderes als Macht über sie zu bekommen und selber freier zu werden.
Dieser Prozess, das wissen die alten Väter und Mütter sehr gut, kann nicht vom Menschen alleine gemeistert werden, er braucht die Unterstützung des Geistes Gottes, das Vertrauen auf sein positives und befreiendes Wirken. Er braucht, um unseren Text zu zitieren, das Vertrauen auf die machtvolle und befreiende Lehre Jesu Christi und die Nähe zu ihm.
So gesehen beschreibt unser Text nur vordergründig ein spektakuläres Ereignis. In seiner Tiefenschicht schildert er den alltäglichen Kampf, die täglich geforderte Auseinandersetzung mit den »Geistern«, die uns bedrängen und unfrei machen wollen. Wobei der Ursprungsort der Geister wir selber sind. Ihnen zu widerstehen und so in den Prozess zunehmender Reifung und Freiheit einzutreten ist die Herausforderung derer, die an das Evangelium Jesu glauben.[2]
Dann machen wir die Erfahrung, dass

Christus befreit

In diesem täglichen Kampf sind wir nicht allein. Christus war nicht nur damals am Wirken, Er ist fortwährend. Er wirkte nicht nur damals befreiend, er wirkt auch heute und er wird auch morgen wirken, ja bis in Ewigkeit. Das meint ja der Ruf: "Christus gestern, Christus heute, Christus in Ewigkeit."
So ein unfrei machender Geist weiß das. Deshalb schreit er. "Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazareth? Bist du gekommen, uns ins Verderben zu stürzen?" Abwehr und Angst werden sichtbar. Der unreine Geist spricht in der Wirform. Das zeigt schon, dass der davon Besessene in vielen Bereichen seiner Person davon betroffen ist.
Wir wissen aus der Eigenbeobachtung, dass wir zunächst instinktiv Menschen aus dem Weg gehen, von denen wir annehmen, sie könnten uns durchschauen und könnten unsere falschen Haltungen und Gewohnheiten kritisieren.
Wir wissen auch, welch großer Überwindung es bedarf, in eine Therapie einzuwilligen, weil wir nicht gelernt haben, Suchtverhalten als Krankheit zu sehen, die unbedingt behandelt werden muss, soll der Mensch nicht daran zugrunde gehen.
Was sind die Ursachen, dass diese zerstörenden Geister in einem Menschen die Oberhand gewinnen? In jedem Menschen findet ein Kampf statt,

Der Kampf zwischen Glauben und Unglauben

In unserer aufgeklärten Zeit verweisen wir gerne auf die Macht der Gene und auf falsche Erziehung. Natürlich, beides beeinflusst den Menschen. Aber wir spüren auch, dass dies eine höchst oberflächliche Erklärung ist, die nur zu schnell als Alibi für verkehrtes Verhalten ausgegeben wird.
Johann Wolfgang von Goethe schreibt in seinen Anmerkungen zum "West-östliche Diwan": "Das eigentliche, einzige und tiefste Thema der Welt- und Menschheitsgeschichte, dem alle übrigen untergeordnet sind, bleibt der Konflikt des Unglaubens und Glaubens."
Denn im letzten sind wir es doch, die diesen Kampf auszutragen haben:
Wir sind es, die glauben oder nicht glauben können.
Wir sind es, die es schaffen, Gutes zu tun, oder auch nicht.
Wir sind es, die das Licht der Hoffnung hüten oder aber zu denen gehören, die das Dunkle in unserer Welt mehren.
Zugleich gibt es die verwirrende Erfahrung, dass wir nicht immer Herr in unserem Lebenshause sind, dass wir häufiger, als uns lieb ist, "fremd bestimmt" sind.
Die Fixierung auf Vergängliches, auf Sachen oder Menschen ist die große Versuchung, der wir alle ausgesetzt sind.
Es kann die Sucht des Haben Wollens sein, die sich als Spielleidenschaft oder in Anhäufung von Luxusgütern zeigt und manchen schon finanziell ruiniert hat.
Es können Genussmittel sein, die uns versklaven, wie Alkohol, Drogen, Nikotin, die nicht nur die eigene Gesundheit, sondern oft auch die menschlichen Beziehungen zerstören;
Es können Zwangshandlungen sein, die einem selber und der Umgebung das Leben schwer machen. Jeder muss aufpassen, dass diese Süchte ihn nicht ergreifen und besetzen. Und es ist unsere Pflicht, uns behandeln, therapieren zu lassen. Nicht nur bei Zahnweh, bei entzündetem Blinddarm oder beim Herzinfarkt, sondern auch wenn unsere Psyche leidet, unfrei geworden ist.
Unrein nennt der Evangelist diesen Geist, von dem dieser Mann in der Synagoge besessen ist. Damit ist gemeint, dass das Zwanghafte, das diesen Menschen ergriffen und besetzt hat, ihn in seiner Würde als Mensch beschädigt und sein Ansehen beschmutzt.

Nein und JA

"Schweig" und "verlass" ihn, lautet der Befehl Jesu. Aber auch die durch das Machtwort Jesu sich anbahnende Befreiung des betroffenen Mannes geschieht in einer schmerzhaften, die ganze Person hin und her reißenden Erschütterung. Ähnlich geht es abhängigen Menschen, die sich einer Therapie unterziehen sollen und oft während der Therapie selber. Katharsis – Reinigung nennt man dies seit alters her mit einem griechischen Wort.
Es ist für jeden von uns wichtig, dass wir ganz Ja sagen zu Jesus; uns dieser befreienden Macht Jesu anvertrauen, damit wir nicht unfrei werden durch Gedanken, die uns besetzen; durch Triebe und Leidenschaften, die uns beherrschen; durch Versuchungen und Verlockungen, die uns Lustgewinn oder auch Befreiung von unseren Alltagsproblemen versprechen, uns in Wirklichkeit abhängig machen und versklaven. Deshalb bedarf unser Ja zu Jesus und seiner befeienden Macht unser unbedingtes Nein zu allem, was uns unfrei macht und versklavt.
Zur Freiheit hat Christus uns befreit, nicht zur Knechtschaft. Nur mit ihm und an seiner Seite können wir frei werden und frei bleiben.

[1] Christian Heidrich, Das Zittern der Dämonen in: CG 2000-05 S.33f.
[2] Michael Plattig, Vollmacht und Freiheit in: Mit der Bibel durch das Jahr 2000 S.5

 

 

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