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Predigten

Predigt zum 2. Ostersonntag (B)

Das Fundament der Gemeinde Jesu – der Kirche.

1 Ein Sprichwort sagt: „Viel Köpf viel Sinn.“

Verfremdend spricht man heute gerne von Pluralismus. In der Tat, wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Wir meinen damit die Vielfalt der Meinungen, der Lebensentwürfe, der sittlichen Vorstellungen, der Religionen. Selbst die Einheit der Kirche können wir uns nur in versöhnter Verschiedenheit vorstellen. Und ist es nicht so, dass Gott seine Schöpfung in einer großen Vielfalt geschaffen hat?

Und doch fragen wir mit vielen: „Worauf sollen wir hören, sag uns worauf? Wohin sollen wir gehen, sag uns wohin? Wofür sollen wir leben, sag uns wofür?“[1] Was sind die Fundamente, auf die wir unser Leben bauen können als Kirche, als Christen?

2 Dem Zeitgeist begegnen.
Wir Christen sind auch Kinder unserer Zeit. Wir sind häufig nicht so von Christus durchdrungen, dass wir gegen den Zeitgeist immun wären. Jede weltliche Auffassung ist daher auch unter Christen und in unserer Kirche zu finden. Nur selten gelingt es uns nach der Vorgabe des Herrn zu leben: „Einer ist euer Meister, ihr aber seid Brüder.“

Wir wissen, dass schon urkirchlichen Gemeinden, wie die in Korinth mit dem Problem der Parteiungen innerhalb der Gemeinde sich herumschlagen mussten. Deshalb fragt Paulus die Korinther: „Ist denn Christus geteilt?“[2]

3 Das ideale Bild der Urgemeinde

Die erste Lesung aus der Apostelgeschichte zeichnet uns ein von Lukas gewiss idealisiertes Bild der Urgemeinde. Aber die verschiedenen Züge dieses Bildes sind für die Gemeinden unserer Tage doch ein Spiegel in den wir öfters hineinschauen sollten. Ob wir uns und unsere Gemeinde darin erkennen würden? Da ist zuerst die Rede vom

3.1 verharren und festhalten
Das klingt zunächst wenig fortschrittlich. Aber jeder Fortschritt braucht einen Ausgangspunkt, einen Impuls, der uns im Voranschreiten trägt, Energie und Ausdauer schenkt. Die ersten Christen „halten fest an der Lehre der Apostel.“ Das macht sie immun gegen den Zeitgeist und gegen Modeerscheinungen.

Jeder einzelne Christ fühlt sich in die Gemeinde eingebunden. Er steht ihr nicht gegenüber als Fordernder oder gar als Konsument. Er weiß vielmehr, ich bin ein Glied am Leibe Christi, ich gehöre zu seinem Auferstehungsleib. Als Glied an seinem Leib bin ich für den ganzen Leib mitverantwortlich und habe meinen besonderen Beitrag zum Ganzen des Leibes, der Kirche, zu leisten. Dazu gehört auch die Achtung und Ehrfurcht vor den anderen Gliedern des Leibes.

Die gemeinsame Feier der Eucharistie und das gemeinsame Gebet verbinden die Glieder der Urgemeinde zur Einheit. Diese machen immer wieder neu die Erfahrung: Christus ist für jeden von uns gestorben. Wir essen alle von dem einen Brot. Zu uns allen sagt der Auferstandene: Der Friede sei mit euch. Diese Erfahrung überbrückt alle Gegensätze, reißt alle Schranken nieder, die wir Menschen durch unseren Egoismus aufrichten.

Das Verharren im gemeinsamen Gebet vertieft die Erfahrung: Wir haben einen Gott und Vater. Der auferstandene und beim Vater erhöhte Jesus Christus ist unser Fürsprecher bei Gott. Wir sind alle Empfangende und Beschenkte. Weil Gott bei seinem Geben und Schenken keine Grenzen kennt, dürfen auch die Gemeindeglieder untereinander keine aufrichten.
Der Getaufte muss gleichsam am Eingang der Kirche im Weihwasserbecken sein nur um sich selbst kreisendes Ich ertränken; denn wir sind auf Christus und auf seinen Tod getauft.[3]

3.2 Bereit zum Teilen
Der in der Eucharistie und im gemeinsamen Gebet gewachsene Wille zur Einheit und Gemeinschaft zeigt sich vor allem bei den Christen der Urkirche in Ihrer Bereitschaft zum Teilen. Die Christen haben nicht nur die ewigen, sondern auch die zeitlichen Güter gemeinsam.

Der Zusammenhalt der urchristlichen Gemeinde zeigte sich vor allem in der unbedingten Bereitschaft für den Nächsten sich einzusetzen und für ihn zu sorgen, wenn er in Not geraten war.

Dabei darf es nicht nur um Geld, Kleidung und Nahrung gehen. Genau so wichtig ist die Bereitschaft, mit jemanden unsere Zeit zu teilen, ihm oder ihr zuzuhören, Tost zu spenden, Hoffnung und Zuversicht zu vermitteln, unsere Kraft einem kranken oder behinderten Menschen oder auch einem vernachlässigtem Kind zu schenken.

3.3 Ein Herz und eine Seele
Die Gemeinde ist »ein Herz und seine Seele«.[4] Diese Haltung hat ihren Grund in der gelebten gemeinsamen Mitte. Diese ist die in Jesus Mensch gewordene und von den Toten auferstandene Liebe Gottes. Von daher empfangen die ersten Christen ihre Ausstrahlung.
Nach einem Wort Jesu ist das Erkennungszeichen Jünger und Jüngerinnen Jesus die Liebe, die sie zueinander haben.[5] Aus der Mitte des Glaubens und der Liebe lebend geht von der Urgemeinde eine große Anziehungskraft auf Juden und Heiden aus. Ehrfürchtiges Betroffensein erfasst sie vor der offenkundigen Gegenwart Gottes in der ersten christlichen Gemeinde.

4. Gottes Gegenwart in der Kirche heute

Dieses Idealbild der Urgemeinde vor Augen werden wir uns fragen: Geht von unserer Kirche, von unserer Gemeinde eine solche Strahlkraft aus? Können die Menschen unserer Tage durch uns

4.1 Gottes Gegenwart erfahren.
Es müssen nicht unbedingt Wunder sein, obwohl solche für jene, die mit dem Herzen sehen können, auch immer wieder geschehen. Es genügt schon, wenn die mit uns lebenden Menschen merken, dass wir nicht aus dem Vordergründig-Weltlichen leben, sondern aus dem Glauben an den gegenwärtigen Gott, aus seiner in Jesus gegenwärtigen Liebe.

Natürlich könnte der Vergleich mit der Urkirche uns heutige Christen auch entmutigen, weil wir von dem Ideal so weit entfernt zu sein scheinen. Aber das muss es nicht. Es könnte uns sogar helfen, uns wieder mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Dieses Wesentliche finden wir in dem unserer Lesung vorausgehenden Vers: „Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten.“[6]

4.2 Die tragenden Säulen der Kirche
Offensichtlich sind damit die Säulen genannt, welche die Kirche von Anfang an trugen und zu allen Zeiten tragen werden. Nur auf ihnen ruhend kann sich die Kirche immer wieder erneuern, wenn ihre erste Liebe nachgelassen hat.
Wichtig sind die Worte »festhalten« und »verharren«. Wer durch die Taufe Christ geworden war, konnte das nur sein und bleiben, wenn er an der Lehre der Apostel und an der Gemeinschaft der Jünger und Jüngerinnen festhielt. Das verwirklichte sich am Anfang, indem sie Tag für Tag einmütig, also als Gemeinschaft der Glaubenden im Tempel und in den Gebeten verharrten.
Und diese Gemeinschaft setzte sich fort im häuslichen Mahl, bei dem sie an die Gegenwart des unter ihnen anwesenden auferstandenen Herrn glaubend Gott lobten und dankten und „miteinander Mahl hielten in Freude und Einfalt des Herzens.“ [7]

4.3 Das soll auch uns tragen
Das Wort »verharren« meint, so in der Lehre der Apostel, in dem von ihnen gepredigten Evangelium und in der betenden und feiernden Gemeinschaft der Jünger und Jüngerinnen zuhause sein, darin leben, dass es uns umgibt, wie Luft, die uns den Atem des Lebens ermöglicht.

Auf diesem das Wesen der Kirche bildenden Fundament stehend können wir uns neuen Fragen und Anforderungen stellen, ohne von ihnen vereinnahmt oder aufgefressen zu werden.

Die Repräsentanten der Lehre der Apostel sind in der katholischen Kirche das Kollegium der Bischöfe angeführt vom Papst, der den vom Herrn gestifteten Petrusdienst ausübt. Darum gilt in den christlichen Gemeinden von Anfang an: »Nichts ohne den Bischof«.

Pfarrer, Priester und Diakone werden vom Bischof in die Gemeinden gesandt. Ihnen ist es aufgetragen die Gemeinden in der Lehre der Apostel zu festigen, sie am Altar zur Gemeinschaft mit dem auferstandenen Herrn zusammenzuführen, „die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi.“[8]

4.4 Der Auftrag der Laien
ist es die Priester bei dieser Aufgabe voll zu unterstützen. Mitarbeiter Gottes zu sein. Jedem Getauften und Gefirmten, vorrangig natürlich den Priestern und Diakonen, den Pastoral- und Gemeindereferenten und Religionslehrern muss es darum gehen,

dass die Gemeinde an der Lehre der Apostel, also am Evangelium festhält und darin verharrt;
dass wir in Gemeinschaft miteinander leben, den Frieden und die Einheit wahren;
dass wir aus dem Opfer und Mahl des Herrn unsere Kraft schöpfen;
dass wir eine Gemeinschaft betender, Gott dankender und lobpreisender Menschen sind.
Und in dem Bewusstsein handeln, dass an Gottes Gnade alles liegt.

Wie wichtig dieses Fundament für einen Christen ist, durfte ich einmal beim Besuch eines schwerkranken Mannes erleben. Er begrüßte mich mit den Worten: „Die Seele freut sich, weil der Hirte zu ihr kommt.“ Und etwas später fuhr er fort: „Herr Pfarrer, ohne glauben, ohne Kirche, ohne Gottesdienst geht das Leben und sterben nicht.“


[1] GL 623/1-3 Text von Lothar Zenetti
[2] 1 Kor 1,13
[3] Röm 6,3
[4] Apg 4,32
[5] Joh 13,35
[6] Apg 2,42
[7] Apg 2,46
[8] Eph 4,12

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