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Predigten

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2006

Predigt am 25.Sonntag (B) in St. Johannes d.T. in Großenbuch

 

Der anwesende und zuhörende Gott - Vernünftig glauben

Stammtischgespräche

Wenn man Stammtischgesprächen zuhört, so sagte kürzlich ein Kabarettist, könnte man meinen, dort säßen die gescheitesten Leute und auf den Regierungsbänken die dümmsten. Sie kommen einem vor, wie die Menschen der ersten Lesung, die "ihre verkehrten Gedanken austauschen." [1]Aber nicht nur an den Stammtischen passiert solches.

Empörte muslimische Welt

Die muslimische Welt empört sich über den Papst, weil er in der Universität Regensburg[2] aus einem Gespräch zitierte, das der christliche Kaiser Manuel II von Konstantinopel 1391, von den türkischen Truppen hart bedrängt, im Winterlager zu Ankara mit einem gebildeten muslimischen Perser über Christentum und Islam und beider Wahrheit führte. In diesem Gespräch ging es auch um Religion und Gewalt.

Religion und Gewalt

Manuel II, so sagte Benedikt XVI, wendet sich in erstaunlich schroffer Form ganz einfach mit der zentralen Frage nach dem Verhältnis von Religion und Gewalt überhaupt an seinen Gesprächspartner. Er sagt: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten.“

Vernunftgemäßes Handeln

Der Kaiser begründet dann eingehend, warum Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig ist. Sie steht im Widerspruch zum Wesen Gottes und zum Wesen der Seele. „Gott hat kein Gefallen am Blut, und nicht vernunftgemäß zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider." 

Wie der Papst in seiner Generalaudienz[3] am vergangenen Mittwoch klarstellte, ging es ihm in der Uni Regensburg um das Verhältnis von Glaube und Vernunft. Keineswegs wollte er die Muslime damit provozieren.

Selbstkritischer Dialog

Wörtlich sagte der Papst: "Ein besonderes Anliegen war es mir, das Verhältnis von Glaube und Vernunft und die Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs sowie des Dialogs zwischen Wissenschaft und Religion aufzuzeigen. Hier bedarf es der Selbstkritik und, wie ich in München hervorgehoben habe, der Toleranz, welche die Ehrfurcht vor dem, was anderen heilig ist, einschließt.“

Ob diese Worte von den Muslimen gehört werden? Denn Selbstkritik scheint den Muslimen fremd.

Oder hat man nur darauf gelauert, dem Papst als Feind des Islam abzustempeln zu können, weil seine Botschaft der Liebe, der Aufruf zur Selbstkritik, aber auch sein hohes Ansehen in der Welt seinen Gegnern nicht schmecken?

Der Papst sagte noch einmal deutlich worum es ihm ging: "Das Thema meiner Vorlesung war also die Beziehung zwischen Glaube und Vernunft. Ich wollte zum Dialog des christlichen Glaubens mit der modernen Welt einladen und zum Dialog aller Kulturen und Religionen."

Die Reaktion der Muslime, das ist das Positive des Vorgangs, hat erst recht alle Welt auf das Anliegen des Papstes aufmerksam gemacht.

Der Papst sagte zum Schluss, er vertraue darauf, dass seine Worte nach den ersten Reaktionen "einen Impuls und eine Ermutigung zu einem positiven und auch selbstkritischen Dialog bilden, unter den Religionen wie zwischen der modernen Vernunft und dem Glauben der Christen."

Gefährdete Weisheit und Vernunft

"Wo Eifersucht und Ehrgeiz herrschen, da gibt es Unordnung und böse Taten jeder Art", sagt Jakobus in der 2. Lesung. Das gilt im Kleinen wie im Großen. Eifersucht und Ehrgeiz vergiften die Beziehungen der Menschen, der Völker, der Religionen.

Wir können Gott danken, dass unser Papst nicht nur ein gebildeter, sondern auch ein weiser, friedfertiger und frommer Mensch ist. Jakobus spricht von der Weisheit als etwas Heiligem. Sie ist "friedlich, freundlich, gehorsam, voll Erbarmen und reich an guten Früchten, sie ist unparteiisch, sie heuchelt nicht." 

Weisheit ist eine Schwester der Vernunft.

Das lateinische Wort für Weisheit heißt Sapientia. Darin steckt das Tunwort sapere = schmecken. Thomas von Aquin sagt, „weise ist, wem die Dinge so schmecken, wie sie sind.“ Die Weisheit des Glaubens verlangt, dass er vernünftig ist.

In der Religion, so macht Jesus im Evangelium deutlich, vor allem in der christlichen, darf es nicht um Posten, um Selbstdarstellung, um Ehrgeiz gehen.

Jesus geht gewaltlos liebend nach Jerusalem hinauf. Durch sein Leiden und Sterben, durch den schimpflichen Kreuzestod, zeigt er die äußerst mögliche Solidarität mit den unschuldig Leidenden und Umgebrachten. Dem seiner gerechten Strafe zugeführten Verbrecher schenkt er selber sterbend noch ein Wort des Heiles und der Rettung. Für seine Mörder tritt er sterbend den Vater um Erbarmen bittend ein.

Seine Jünger aber, die Säulen des christlichen Glaubens, worum kreist ihr Denken und Reden auf diesem Weg? Es geht ihnen um Posten, um Ehrgeiz, um Eifersucht, wer denn im künftigen Messiasreich die ersten Plätze einnehmen wird.

Anscheinend hatten sie vergessen, dass Jesus ihre Gedanken lesen, ihre Reden hören konnte.

Achtsamkeit

ist daher von uns allen gefordert, wollen wir weise und vernünftig denken, reden und handeln. "Ihr erhaltet nichts, weil ihr nicht bittet,“ sagt Jakobus in der Lesung, oder noch schlimmer, "weil ihr in böser Absicht bittet." Etwa dass unsere egoistischen Pläne und Absichten sich durchsetzen.

Es gibt mir zu denken, dass die Muslime das Bittgebet nicht kennen. Denn alles ist vorherbestimmt. Auch bei uns wird viel geschrieben und diskutiert, aber wenig gebetet.

Achten wir also auf uns. Kreist unser Denken nur um unsere eigenen Pläne, wie wir groß herauskommen, Beachtung finden, geehrt werden? Die Pläne Gottes, sein Wille, interessiert er uns, spielt er in unserem Beten und Denken eine wichtige Rolle?

Worüber reden wir bei unseren Zusammenkünften, über Gott und die Welt, über die Anderen? Ist uns bewusst, dass er zuhört, wenn wir reden?

Ist unser Tun von der von Jesus vorgelebten Liebe getragen oder handeln wir unbedacht, egoistisch? Leben wir vor ihm oder abgesondert von ihm.

Die Rede des Jakobus ist keine Drohrede, sondern die Beschreibung eines Zustands, dem Weisheit und Vernunft fehlen: "Ihr begehrt und erhaltet doch nichts. Ihr mordet und seid eifersüchtig und könnt dennoch nichts erreichen." Wo das Haben Wollen den Kopf und das Herz beherrscht, kann das Gute nicht gedeihen.

Tag des Kindes

Jesus versteht die, die ihn nicht verstehen und fragt uns: Worüber sprechen wir, worüber habt ihr unterwegs verhandelt - auf dem Weg zur Kirche? Er fragt: Habt ihr nichts Größeres, Wesentlicheres, über das es sich zu reden lohnt, als über euer Fortkommen? Jesus hört sie und schenkt den Unbelehrbaren eine Art ”lebenskundlichen Unterricht.

"Gel, da setzt die hie", sagen wir wenn etwas Unerwartetes und doch uns Treffendes geschieht. Es heißt: "Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein." Gut, dass die Jünger schon saßen. "Ja, da setzt dich hie!"

Aber damit nicht genug. Es kommt noch anschaulicher: "Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat."[4]

Wer also die Kleinen, Schutz- und Lernbedürftigen, aufnimmt, sich um sie kümmert, ihnen zum Leben und zum Glauben verhilft, der nimmt Jesus, und man höre und staune, der nimmt Gott auf. Durch den wird Jesus und Gott präsent in dieser Welt.

Mit den vom Papst zitierten Worten des weisen christliche Kaisers Manuel II von Konstantinopel möchte ich diese Ansprache, weil sie so ganz zum Geist des Evangeliums passen, schließen: "Der Glaube ist Frucht der Seele, nicht des Körpers. Wer also jemanden zum Glauben führen will, braucht die Fähigkeit zur guten Rede und ein rechtes Denken, nicht aber Gewalt und Drohung… Um eine vernünftige Seele zu überzeugen, braucht man nicht seinen Arm, nicht Schlagwerkzeuge noch sonst eines der Mittel, durch die man jemanden mit dem Tod bedrohen kann.“

Der christliche Glaube ist schön, weil er vernünftig ist.

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[1] Weish 2,1a

[2] Papstansprache am Montag am 12.Sept. 2006 Glaube, Vernunft und Universität. Erinnerungen und Reflexionen.

[3] FAZ Donnerstag 21.Sept. 2006 Nr.220/38 D Seite 2

[4] Mk 9,36.f.

 

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