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Predigten

Homilie zu Hosea Kap 1+2 am 8.So.i.JK (B) in der Sonntag Abendmesse in Neunkirchen St. Michael

Gottes Liebe gibt nicht auf[1]

1. Die symbolische Botschaft Gottes an sein treuloses Volk

Die biblischen Prophetentexte haben immer einen geschichtlichen Hintergrund. So auch die heutige Lesung aus dem Propheten Hosea. In ihrer ganzen Tiefe können wir sie erst erfassen, wenn wir den Text in seinem Zusammenhang hören. Deshalb wird die Verlesung der Kapitel 1 und 2 immer wieder von der Schriftauslegung unterbrochen. Dabei will ich versuchen zu zeigen, was dieser Text uns heute zu sagen hat und wie er für unser Leben fruchtbar werden kann.

Der Prophet Hosea lebte im 8.Jht vor Christus im Nordreich Israel. Dieses hatte unter Jerobeam II den Höhepunkt der Macht und Ausdehnung erreicht. Der Niedergang des Gottesrechtes im Rechts-, Wirtschafts- und Sozialleben war offenkundig.
Die Vermischung des Jahweglaubens mit den Baalskulten griff um sich. Baale, das sind lokale Gottheiten, die man sich als in heiligen Bäumen, Quellen, Berggipfeln und Felsen wohnend vorstellte. Ihrem Wesen nach sind sie Götter und Geister der Vegetation, der Fruchtbarkeit. Zur Zeit des Propheten Hosea drohte die Gefahr eines Religionswechsels.

Diese Entwicklungen und Zustände griff der Prophet Hosea an. Nach Gottes Willen soll die Ehe und Familie des Propheten zum Drohzeichen für das Königshaus und Israel werden. Er soll ein Mädchen heiraten, das an den orgiastischen Sexualriten des Baalskultes teilgenommen hat, und als Tempelhure sich in einer späteren Ehe Fruchtbarkeit vom Baalsgott erhoffte.

Hören wir das erste Kapitel des Prophetenbuches, das eine symbolische Botschaft Gottes an sein treuloses Volk enthält.

Lesung aus dem Buch Hosea. [2]

So begann der Herr durch Hosea zu reden: Der Herr sagte zu Hosea: Geh, nimm dir eine Kultdirne zur Frau, und zeuge Dirnenkinder! Denn das Land hat den Herrn verlassen und ist zur Dirne geworden.
Da ging Hosea und nahm Gomer, die Tochter Diblajims, zur Frau; sie wurde schwanger und gebar ihm einen Sohn.
Der Herr sagte zu Hosea: Gib ihm den Namen Jesreel! Denn es dauert nicht mehr lange, dann werde ich das Haus Jehu für die Blutschuld von Jesreel bestrafen und dem Königtum in Israel ein Ende machen.
An jenem Tag werde ich den Bogen Israels in der Ebene Jesreel zerbrechen.
Als Gomer wieder schwanger wurde und eine Tochter gebar, sagte der Herr zu Hosea: Gib ihr den Namen Lo-Ruhama d.h. Kein Erbarmen! Denn von jetzt an habe ich kein Erbarmen mehr mit dem Haus Israel, nein, ich entziehe es ihnen.
Mit dem Haus Juda jedoch will ich Erbarmen haben und ihnen Hilfe bringen; ich helfe ihnen als der Herr, ihr Gott, aber nicht mit Bogen, Schwert und Krieg, nicht mit Rossen und Reitern.
Als Gomer Lo-Ruhama entwöhnt hatte, wurde sie wieder schwanger und gebar einen Sohn.
Da sagte der Herr: Gib ihm den Namen Lo-Ammi d.h. Nicht mein Volk! Denn ihr seid nicht mein Volk, und ich bin nicht der «Ich-bin-da» für euch.

In vielem gleicht der damalige Zustand Israels, dem heutigen der einst christlichen Ländern Europas. Nicht nur in der Europäischen Verfassung kommt Gott nicht mehr vor, auch im Leben vieler Zeitgenossen ist er unwichtig geworden. Das christliche Gottes- und Menschenbild scheint mehr und mehr zu verblassen. Stehen auch wir an der Schwelle zu einem Religionswechsel?

Das Recht und der Schutz der Verbrecher werden oft wichtiger genommen als das Recht und der Schutz der Opfer. Im Sog des Haben Wollens und des auf Kosten anderer leben, stehen unsere Sozialsysteme vor dem Kollaps. Politik und Medien erwecken den Einsdruck als seien Ehe und Familie überholt und anormal.

Viele Getaufte beten Gott nicht mehr öffentlich an. Manche haben überhaupt aufgehört zu beten oder laufen obskuren Sekten nach. Die heilige Messe, die uns in der Kirche geschenkten Heilszeichen der Sakramente, werden bei vielen Christen nicht mehr zur Ehre und Anbetung Gottes gefeiert, sondern dienen nur noch der Verschönerung der eigenen Feste.

Das Wort Scheidung ist wichtiger geworden als das Wort Hochzeit. Treue im privaten wie im gesellschaftlichen Leben ist vielen zum Fremdwort geworden. Schmiergelder in Wirtschaft und Politik zeigen den Verlust der Verantwortung gegenüber Volk und Staat. Fälschung von Bilanzen bringen viele um ihr Geld. Wo die Verlässlichkeit schwindet, nehmen Misstrauen und Angst zu. So zerstört sich eine Gesellschaft von innen her.

Seinem ersten Sohn gibt Hosea im Auftrag Gottes den Namen Jesreel. Jesreel heißt »Gott sät«. Es war die Kornkammer Israels, also seine Lebensgrundlage. Jesreel steht zugleich für ganz Israel. Vier Königsmorde gab es in 15 Jahren. Dort in der Ebene Jesreel beginnt König Jehu mit dem Morden. Dort findet das Königtum des Nordreiches 722 sein Ende. Es wird von den Assyrern vernichtet und damit seine politische Macht ausgelöscht.

Seiner Tochter muss der Prophet den Namen »Lo-Ruhama - Kein Erbarmen« geben. »Kein Erbarmen« ist das Los derer, die sich von Jahwe ab und den Götzen zuwenden.
»Lo-Ammi - Nicht mein Volk«, wird sein dritte Kind genannt. Dieser Name zeigt an, was für eine Katastrophe es für das Volk Gottes ist, wenn Gott zu ihm sagen muss: "Ich bin nicht der Ich-bin-da für euch".

Zur Warnung ist dies für uns aufgeschrieben, sagt später der heilige Paulus in seinem 1.Brief an die Korinther.[3] Aber Gottes Liebe gibt nicht auf.

2. Über allem Gericht hinweg plant Gott die kommende Rettung.

So hören wir es am Beginn des 2. Kapitels beim Propheten Hosea:

1 Einst werden die Söhne Israels so zahlreich sein wie der Sand am Meer, der nicht zu messen und nicht zu zählen ist. Und statt dass man zu ihnen sagt: Ihr seid «nicht mein Volk», wird man zu ihnen sagen: Die Söhne des lebendigen Gottes (seid ihr).
3 Nennt eure Brüder: Ammi (Mein Volk), und eure Schwestern: Ruhama (Erbarmen).

Jahwe, der Schöpfer des Himmels und der Erde. der den Menschen nach seinem Bilde schuf, neigt sich in seiner schöpferischen Liebe dem Menschen zu. Er zeigt dies beispielhaft am auserwählten Volk Israel. Mit diesem Volk hat Gott am Sinai einen ewigen Bund geschlossen. Gott bindet sich an Menschen, wie ein Mann an seine Frau. Der Treue Gottes aber steht die Untreue weiter Teile dieses Volkes gegenüber.

Wird Gott die Treulose für immer verstoßen? Nein niemals! Seine Liebe ist keine Liebe auf Zeit. Denn so spricht Gott bei Hosea 11,9:

"Ich will meinen glühenden Zorn nicht vollstrecken und Efraim nicht noch einmal vernichten. Denn ich bin Gott, nicht ein Mensch, der Heilige in deiner Mitte. Darum komme ich nicht in der Hitze des Zorns."

Gott wird alles tun, um seine geliebte treulose Frau wieder an seine Seite zurückzuführen. Aber der Weg dorthin ist ein Weg der Reinigung, ein schmerzlicher also. Die Vergehen müssen beim Namen genannt und das Unrecht als solches angeprangert werden.

Die auf der Seite Gottes und des Propheten stehenden bundestreuen Israeliten werden daher aufgefordert, gegen ihre ehebrecherische Mutter Israel klagen. Zu den Kindern der Treulosen spricht Gott:

4 Verklagt eure Mutter, verklagt sie! Denn sie ist nicht meine Frau, und ich bin nicht ihr Mann. Sie soll von ihrem Gesicht das Dirnenzeichen entfernen und von ihren Brüsten die Male des Ehebruchs.
5 Sonst ziehe ich sie nackt aus und stelle sie hin wie am Tag ihrer Geburt; ich mache sie der Wüste gleich, wie verdorrtes Land mache ich sie und lasse sie verdursten.
8 Darum versperre ich ihr den Weg mit Dornengestrüpp und verbaue ihn mit einer Mauer, so dass sie ihren Pfad nicht mehr findet.
9 Dann rennt sie ihren Liebhabern nach, holt sie aber nicht ein. Sie sucht nach ihnen, findet sie aber nicht. Dann wird sie sagen: Ich kehre um und gehe wieder zu meinem ersten Mann; denn damals ging es mir besser als jetzt.
10 Aber sie hat nicht erkannt, dass ich es war, der ihr das Korn und den Wein und das Öl gab, der sie mit Silber überhäufte und mit Gold, aus dem man dann Baalsbilder machte.
15 Ich bestrafe sie für all die Feste, an denen sie den Baalen Rauchopfer dargebracht hat; sie hat ihre Ringe und ihren Schmuck angelegt und ist ihren Liebhabern gefolgt, mich aber hat sie vergessen - Spruch des Herrn.

3. Wüste – Weg der Reinigung

Wer aber denkt, dass es hier um Rache geht, der irrt. Es geht vielmehr darum, die Treulose von ihren Täuschungen zu befreien, als wäre bei den Baalen das wahre Leben und Glück zu finden. Die geschaffenen Dinge und Kräfte sind alle vergänglich, dem Tod preisgegeben. Sie bringen uns eine unausweichliche Erfahrung: Alles vergeht. Nichts kann unser unruhiges Herz zufrieden stellen außer Gott, der - wie Augustinus bekennt - »unser Herz auf sich hin geschaffen hat. Und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in ihm«.

Durch die Erfahrung, dass die irdischen Götter und Götzen nicht halten, was sie versprechen, kommt der Mensch in einen wüstenähnlichen Zustand. Sein wüstes Leben lässt ihn einsam werden und führt nicht selten in die Verzweiflung. Wenn er dann begreift, dass Gott ihn in diese Wüste geführt hat aus Liebe, dann ist die Rettung nahe.

In die Wüste geführt werden, heißt, Gott nimmt uns alles, was letztlich nicht trägt, was unwichtig ist, was den Weg zu ihm verbaut. Denn wirklich leben können wir nur, wenn wir in seiner Gnade, seiner liebenden Nähe atmen und sind. Hören wir die Stimme seiner Liebe in den folgenden Versen:

16 Darum will ich selbst sie verlocken. Ich will sie in die Wüste hinausführen und sie umwerben.
17 Dann gebe ich ihr dort ihre Weinberge wieder, und das Achor-Tal mache ich für sie zum Tor der Hoffnung. Sie wird mir dorthin bereitwillig folgen wie in den Tagen ihrer Jugend, wie damals, als sie aus Ägypten heraufzog.

4. Die Erneuerung des Liebesbundes

Wenn sich Israel auf diese heimsuchende Liebe Gottes einlässt, dann wird der Liebesbund mit Gott erneuert. Wenn wir uns von seiner heimsuchenden Liebe überwältigen lassen, werden auch wir trotz aller Treulosigkeit und unserer Sünden wieder neu von seiner Liebe überwältigt und in ihr geborgen leben.

Dann werden unsere Baale, all die geschaffenen Mächte, an die wir uns verloren haben, die wir zur Hauptsache unseres Lebens gemacht haben unwichtig: Das Geld und die Geltungssucht, Besitz und Häuser, Autos und Computer, Ruhm und Ehre, selbst der Fasching, alles wird dann als unwichtig aus unserem Mund verschwinden. Diese Dinge werden nicht mehr unser Denken und Reden beherrschen.

Der Text sagt es in bewegenden Worten. Wir hören, das schönste Liebeslied von Gott für sein Volk, für uns, gesungen:

An jenem Tag - Spruch des Herrn - wirst du zu mir sagen: Mein Mann! und nicht mehr: Mein Baal!
19 Ich lasse die Namen der Baale aus ihrem Mund verschwinden, so dass niemand mehr ihre Namen anruft. 20 Ich schließe für Israel an jenem Tag einen Bund mit den Tieren des Feldes und den Vögeln des Himmels und mit allem, was auf dem Erdboden kriecht. Ich zerbreche Bogen und Schwert, es gibt keinen Krieg mehr im Land, ich lasse sie Ruhe und Sicherheit finden.
21 Ich traue dich mir an auf ewig; ich traue dich mir an um den Brautpreis von Gerechtigkeit und Recht, von Liebe und Erbarmen, 22 ich traue dich mir an um den Brautpreis meiner Treue: Dann wirst du den Herrn erkennen.

5. Bußzeit kann und soll zur Brautzeit werden,

wenn wir uns in der kommenden österlichen Bußzeit von Gott in die Wüste führen lassen, alles hintansetzen, was letztlich unser Leben nicht trägt, uns keine Erfüllung schenkt.  Genießen aber dürfen wir in Dankbarkeit vor Gott alles Gute und Schöne, vor allem die Liebe, die uns zuteil wird.
Öffnen wir uns dieser göttlichen Liebe, die auch dann noch treu ist, wenn wir untreu werden. Trauen wir wieder seiner Liebe, die stärker ist als der Tod. Geben wir durch unser Tun und Leben eine Antwort der Liebe auf seine treue, uns nie aufgebende Liebe.
Im heutigen Evangelium offenbart sich Jesus als unser Bräutigam. Er beschenkt uns mit dem Reichtum seiner geistlichen Gaben. Durch ihn wirbt Gott um unsere Liebesantwort. Je mehr wir uns auf Jesus Christus einlassen, ihn in seinem Wort, in seinen Sakramenten, im Gebet suchen, an uns heranlassen, desto mehr werden wir erkennen, wer Gott für uns ist: Unbesiegbare, treue Liebe, die sogar unser götzendienerisches ehebrecherisches Verhalten aushält und mit seiner Liebe besiegen kann.

Die letzten Worte aus dem 2. Kapitel beim Propheten Hosea sind nochmals wie ein Füllhorn göttlicher fruchtbarer Liebe, die er über sein Volk, über uns, ausgießt:

23 An jenem Tag - Spruch des Herrn - will ich erhören: Ich will den Himmel erhören, und der Himmel wird die Erde erhören, und die Erde erhört das Korn, den Wein und das Öl, und diese erhören Jesreel.
25 Ich säe sie aus in meinem Land. Ich habe Erbarmen mit Lo-Ruhama (Kein Erbarmen), und zu Lo-Ammi »Nicht mein Volk« sage ich: Du bist mein Volk! und er wird sagen: Du bist mein Gott!

»Ja, du bist mein Gott«, wenn wir das wieder aus ganzem Herzen zu ihm, zu Jahwe, dem Ich-bin-da, dem Gott und Vater Jesu Christi sagen können, dann hat die Liebe Gottes in uns wieder gefunkt, dann sind wir wieder daheim an seinem liebenden Herzen.

[1] Anstatt der 1. Lesung und Predigt werden Hosea 1+2 gelesen und erklärt. Lesungstexte werden vom Lektor, die Zwischentexte vom Geistlichen.

[2] Hos 1,2-9

[3] 1 Kor 10,11

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