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2006

Homilie zu Hebr 2,9-11 am 27.So. im Alten- und Pflegeheim St. Elisabeth in Neunkirchen am Brand

 

Er, der heiligt, und sie, die geheiligt werden,
stammen alle von Einem ab


Lesung aus dem Hebräerbrief

9 Aber den, der nur für kurze Zeit unter die Engel erniedrigt war, Jesus, ihn sehen wir um seines Todesleidens willen mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt; es war nämlich Gottes gnädiger Wille, dass er für alle den Tod erlitt.
10 Denn es war angemessen, dass Gott, für den und durch den das All ist und der viele Söhne zur Herrlichkeit führen wollte, den Urheber ihres Heils durch Leiden vollendete.
11 Denn er, der heiligt, und sie, die geheiligt werden, stammen alle von Einem ab; darum scheut er sich nicht, sie Brüder zu nennen.

Erniedrigt und erhöht [1]

Verdunstung des Glaubens
Es ist relativ leicht an die Frohe Botschaft von der Errettung der Welt und Befreiung des Menschen vom Bösen zu glauben, solange es uns geht, wir gesund und angesehen sind, im Frieden und Wohlstand leben. Obwohl ein solches Leben viele dazu verleiten kann, Gott zu vergessen oder so zu leben, als gäbe es Gott nicht. Einen solchen Vorgang nennt man »Verdunstung des Glaubens«.

Gefährdung des Glaubens
Anders die Adressaten des Hebräerbriefs, Christen der zweiten oder dritten Generation. Sie stehen in der Gefahr, Glauben, Hoffnung und Gottvertrauen aufgrund ihrer Erfahrungen von Ohnmacht und Erniedrigung zu verlieren.
Von der zugesagten Herrschaft Christi ist in ihrer Welt wenig zu spüren, die versprochene Wiederkunft des Herrn lässt auf sich warten. Zweifel und Verzagtheit nagen am Glauben dieser Christengemeinde.


Suche nach einem neuen Fundament des Glaubens
In dieser schwierigen geschichtlichen Situation versucht der Verfasser das alte Bekenntnis neu zu sagen und greift dazu auf theologische Argumente zurück, die er in anspruchsvollem Griechisch und rhetorisch brillant vorbringt. Er versucht, dem überlieferten "Kinderglauben", der die Gemeinde nicht mehr trägt, ein neues Fundament zu geben.

Elementar ist für den sich auf Paulus berufenden Verfasser des Hebräerbriefes dabei die
Heilvolle Erniedrigung des Gottessohnes.

Seine Botschaft lautet:
Jesus stellt sich auf die Seite der Erniedrigten. Für kurze Zeit ist er sogar unter die Engel, unter die von Gott geschaffenen Geister erniedrigt, er, der geliebte Sohn des Vaters. Freiwillig nimmt er die Schmach des Todesleidens und des Verbrechertodes auf sich. Er lässt sich verhöhnen und verspotten. Wird zum Spottkönig degradiert. Vor dem Hohenpriester öffentlich geohrfeigt. Noch angesichts des Todes wird er von seinen Feinden und Mördern verspottet.
Seine Erniedrigung hat der Messias Jesus bewusst angenommen. Darum heißt es im Phil 2: "er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich."[2]
Nichts war und ist schlimmer als ein Sklave zu sein, rechtlos, ausgebeutet, gedemütigt, verkauft, der Willkür seines Herrn ausgeliefert.
Nichts ist schlimmer, als unschuldig den Verbrechertod öffentlich vor Gaffern und Spöttern zu erleiden. Das meint das Christuslied des Phil. wenn es von Jesus, dem Christus sagt: "er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz."[3]
Durch seinen Weg in die menschliche Todverfallenheit hat sich der Sohn der vielen Söhne und Töchter angenommen. In seiner Erhöhung hat er gerade ihnen den Weg zu Gott eröffnet und ist so zum "Anführer" (Archegos) ihres Heils geworden.
Der Christ muss also seinen Weg der Erniedrigung zur Vollendung und Fülle des Lebens bei Gott nicht allein gehen. Er hat dabei einen zuverlässigen Vorausgeher, einen Führer, der selber diesen Weg bis zum Äußersten auf sich nahm und ging. Weil er so handelte, "darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen."[4] Den »Urheber des Heils durch Leiden vollendet«[5] nennt ihn die Lesung. Da er in unbedingter Solidarität mit uns Menschen für uns alle und mit uns den Tod erlitt, erfüllte er Gottes Heilswillen und wird von ihm mit Herrlichkeit gekrönt.

Von ihm her dürfen wir uns schauen. Auch
Unser Weg führt durch Erniedrigung.

Erniedrigt fühlen wir uns, wenn man uns keine Beachtung schenkt, wenn wir für andere Luft sind.
Erniedrigt fühlen wir uns, wenn uns jemand beschimpft und alles Mögliche heißt.
Erniedrigt fühlen wir uns, wenn andere uns ausnützen und verachten.
Erniedrigt fühlen wir uns, wenn wir so ganz auf die Hilfe anderer angewiesen sind.
Erniedrigt fühlen wir uns, wenn Krankheit und Alter an unseren Kräften zehren und die Schönheit des Leibes vergeht und die Klarheit des Denkens immer schwerer fällt.
Erniedrigt und preisgegeben wir fühlen uns, wenn uns niemand mehr helfen kann und der Tod unausweichlich vor uns steht.


Zu unserem Glück wissen wir Christen
Vom doppelten Ursprung des Menschen.

Jeder von uns hat einen irdischen Ursprung, ist aus der Beziehung einer Frau und eines Mannes hervorgegangen. Durch unsere Eltern sind wir mit hinein genommen in den Strom des Erbes unserer Vorfahren mit vielen positiven Anlagen aber auch mit manchen vererbten Defekten. Jeder hat da sein Päckchen zu tragen. So ist das halt. Denn sonst wären wir nicht am Leben.
Jeder Christ und mit uns viele Menschen aus anderen Religionen wissen aber auch um unseren himmlischen Ursprung, der in der liebenden Zuwendung Gottes zu uns gründet.
Darum fasziniert mich der letzte Satz der Lesung so: "Denn er, der heiligt, und sie, die geheiligt werden, stammen alle von Einem ab." Von Gott geschaffen und durch Christus geheiligt sind wir nicht nur irdischer und damit vergänglicher, sondern auch göttlicher Abstammung. Darum scheut sich Christus nicht uns "seine Brüder (und Schwestern) zu nennen."


"Angemessen"

ist dieser leidvolle Weg zur Rettung, sagt der Verfasser des Briefes, weil neben dem Sohn selbst noch viele andere Söhne und Töchter ihren Ursprung und ihre Herrlichkeit in Gott haben. Eine ähnliche Gleichstellung der Gläubigen mit Christus findet sich an keiner zweiten Stelle im Neuen Testament. Weil wir Jesus Christus, den von den Menschen Erniedrigten und von Gott Erhöhten zum Bruder haben, können wir in aller Erniedrigung am Glauben festhalten. Also "mir nach", spricht Christus, unser Bruder und Anführer.

[1] Homilie zu Hebr 2,9-11
[2] Phil 2,7
[3] Phil 2,8
[4] Phil 2,9
[5] Hebr 2,10

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