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2006

Homilie zum 12.Sonntag (B) zum Klassentreffen des Abiturjahrgangs des Neuen Gymnasiums am23.-25.6.2006 in Bamberg

 

Jesus die Mitte im Sturm[1]

Er muss wachsen, ich muss abnehmen

Die Kirche feiert heute die Geburt Johannes des Täufers. Er war von Gott dazu erwählt seinem Messias Jesus den Weg bei seinem Volk zu bereiten.

Von seinen Jüngern über Jesus befragt, bekennt sich Johannes als Wegbereiter des Messias. Sich selbst zurücknehmend sagt er auf Jesus weisend: "Er muss wachsen, ich muss abnehmen."[2]

Mit der steigenden Zahl unserer Lebensjahre, wächst das Bewusstsein, dass wir uns dem Ende unseres irdischen Lebens unaufhaltsam nähern.

Aufsteigend steigen wir ab. Glaubend und vertrauend steigen wir hinauf. Wir lernen, uns mehr und mehr zurückzunehmen, abzunehmen an Einfluss und Macht, aber zuzunehmen an Einsicht und Liebe. Das Ziel unserer Menschwerdung formuliert Paulus im Römerbrief so: "denn alle, die er im voraus erkannt hat, hat er auch im voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei."[3] An Wesen und Gestalt Jesu haben wir teil, wenn wir, wie er, uns herschenkend leben. Christus muss also in uns wachsen.

Aber so einfach lebt sich das nicht.

Ijob, wer kennt ihn nicht, diesen unbescholtenen, frommen Mann, der Gott in Ehren hält und den dennoch unverschuldet großes Leid trifft? Wie keine andere biblische Figur steht dieser Mensch für die durch alle Zeiten und unendlich viele Biografien immer wiederkehrende verzweifelte, erboste, erschöpfte, bange Frage: "Warum? Warum gerade ich?"

Wer seine Ohnmacht gegenüber Gott und den Kräften der Natur, der Welt und ihren Machtstrukturen erfährt, ist versucht entweder zu rebellieren oder zu resignieren. Es ist wie ein lebensbedrohliches Hindurchmüssen zwischen Scylla und Charyptis. An beiden würden wir zerschellen. Die Rebellion vergiftet uns im Kern der Persönlichkeit, die Resignation lähmt, macht depressiv.

Sich als der Schöpfer des Himmels und der Erde offenbarend fragt Gott den Jiob, "Mit dem Allmächtigen will der Tadler rechten? Der Gott anklagt, antworte darauf!"[4]

Und was antwortet Jiob? "Siehe, ich bin zu gering. Was kann ich dir erwidern? Ich lege meine Hand auf meinen Mund."[5] Letztlich ist es "unserer Wogen Stolz", die uns wie ein Tsunami ins Verderben fortreißen. Jesus kann diese Wogen, wie das Evangelium offenbart, mit seinem Machtwort glätten.

Jesus - in der Mitte des Sturms

Jesus - die ruhende Mitte im Sturm
Jesus - die ruhende Mitte im Sturm
In dem um das Jahr 1000 entstandenen Bild ist nicht der Sturm die Mitte des Bildes, sondern der mitten in diesem Sturm schlafende Jesus.
Das führt uns weiter zu den Menschen dieses Bildes. Die Jünger vorn im Boot starren wie gebannt in den Sturm hinein, als gäbe es nichts anderes als diesen. Dadurch liefern sie sich ihm noch mehr aus, als sie es ohnehin schon sind.
Andere kauern sich zusammen: Angst, Verzweiflung, Resignation zeigen sich in ihrer Haltung: Es hat ja doch alles keinen Sinn mehr. Nur einer ein einziger schaut auf den Herrn. Seine Hand rührt ihn an: "Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?"
Mitten im Sturm auf dem See schläft Jesus. Er ist gleichsam das Auge des Taifuns. Mitten im Sturm ist er ganz gar in der liebenden Nähe Gottes - und das meint Gnade - geborgen. Die Anfrage Jesu: "Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?" macht deutlich, dass bei den Jüngern dieser Glaube an die bergende Nähe Gottes noch schwach entwickelt ist oder gar fehlt.

Geht es uns etwas anders, wenn die Stürme des Lebens, Verlust Erfahrungen, Schicksalsschläge, Sorgen mit pflegebedürftigen Eltern, mit Kindern und Enkeln, Krankheiten, vor allem die Persönlichkeit zerstörende wie Alzheimer, uns überfallen? Wir verstehen den

Schrei des Jüngers.

Es ist nicht das erste und einzige Mal, dass Glaubende den Herrn anrufen und wachrütteln. Schon im Psalm 44 schreit einer zu Gott:

"Wach auf! Warum schläfst du, Herr?
Erwache, verstoß nicht für immer!"[6]

Mag es auch mit unserem Glauben und Vertrauen Gott und seinem Messias Jesus gegenüber nicht weit her sein, werden wir dennoch wie die Jünger im vom Untergang bedrohten Boot rufen: "Wach auf! Warum schläfst du, Herr? Kümmert es dich denn nicht, dass wir, dass ich untergehe?“

Und auch wir dürfen mit dem Psalm 83 Gott anflehen: „Schweig doch nicht, o Gott, bleib nicht still, o Gott, bleib nicht stumm!“

Jesu stillt den Sturm

Jesus nimmt den Angstruf der Jünger ernst. Er steht auf, droht dem Wind und spricht zu dem aufgewühlten See in göttlicher Vollmacht das erlösende Wort: "Schweig, sei still!"

Seit den Tsunamis haben uns die Bilder der Bibel vom Toben des Meeres, von den fortreißenden Wogen, die Leib und Seele bedrohenden Kräfte uns anschaulich vor Augen geführt.

Wir alle befinden uns im gleichen Boot, im Boot, das in der vergehenden Zeit zur Ewigkeit unterwegs ist. Zum Glück haben wir als Kirche, als Gemeinschaft der Jüngerinnen und Jünger, Jesus mit im Boot. Er ist die ruhende, Glauben und Vertrauen ausstrahlende Mitte in unserem Lebensschiff.

Der Dichter der Antike, Horaz, mahnt in seinen Oden (2,3,1) "Aequam memento in arduis servare mentem, denke daran im Ungemach Gleichmut zu bewahren."

Von einem rechtschaffenen sein Ziel beharrlich verfolgenden Menschen sagt Horaz: "Si fractus illabitur orbis, impavidum ferient ruinae - Er erschrickt auch nicht, wenn der Himmel einstürzt." (Ode 3,3)

Was ermutigt den heidnischen Dichter zu solchem Denken? Ist es stoische Resignation als Gleichmut getarnt?

Jesus Christus - unsere von Gott geschenkte Mitte

Für uns Christen ist es die von Gott in Jesus Christus geschenkte Mitte. Die Freundschaft und persönliche Beziehung zu ihm lässt uns im Herzen Gottes zuhause und geborgen sein.

Dieses Geborgen- und Zuhause sein darf ich bei einem 80jährigen Alzheimer Patienten immer wieder erleben, wenn ich ihm die heilige Kommunion bringe. Stimme ich ein Lied oder Gebet an, er singt und betet es auswendig mit. In gesunden Jahren hat er jeden Sonntag die heilige Messe mitgefeiert, am Morgen und Abend gebetet. So hatte er seine geistliche und geistige Mitte im Herrn. Sie ist ihm auch in der Krankheit geblieben oder jederzeit abrufbar.

Wir dürfen uns auf diese persönliche Beziehung zu Jesus einlassen. Warum?

Paulus spricht im 2. Kor von der Liebe Christi, die uns drängt, bewegt, vorantreibt. Welche Liebe? Es ist die Liebe, die auch unseren Tod auf sich nimmt, die gänzlich mit uns und unserem Geschick solidarisch ist. Also geht es im Leben der Getauften darum, miteinander für und mit Christus zu leben. Er ist uns liebend lebend und sterbend und auferstehend in die Fülle des Lebens beim Vater vorausgegangen. Darum sagt Paulus von Jesus Christus:

"Er ist aber für alle gestorben, damit die Lebenden nicht mehr für sich leben, sondern für den, der für sie starb und auferweckt wurde."[7]

Neue Schöpfung

Für ihn und mit ihm lebend verändern sich die Maßstäbe, nach denen wir unser eigenes Leben und Geschick einschätzen. Wie es das Wort »einschätzen« sagt, sind wir als Person von Christus her und auf ihn hin ein Schatz, eine Kostbarkeit. Staunenswert und kostbar ist, was aus uns in der Taufe geworden ist und immer neu wird, wenn wir für Christus und in der Freundschaft mit ihm leben: "Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden."[8]

Durch Christus sind wir eine neue Schöpfung.

Diese geistliche Wirklichkeit bewahrt uns angesichts unseres Geschicks vor Rebellion, Resignation und Verzweiflung. Sie ermutigt uns, das Positive in uns zu entdecken: Die Reife und den Reichtum unserer Persönlichkeit. Die geistige und geistliche Tiefe, die uns dem unergründlichen Geheimnis, das wir Gott nennen, näher bringt.

Es ist die Erfahrung, dass unser Gott einen Namen hat, der uns das Geheimnis des Lebens offenbart: ICH-BIN-DER-ICH-BIN-DA. Und dass Jesus der Immanuel ist, der GOTT-MIT-UNS. Dass Gott immer und überall für uns da ist und mit der Fülle seines Lebens sich für uns bereithält, jetzt und auch jenseits des Todes. Seinen Namen heiligen wir, wenn wir aus diesem Geheimnis Gottes lebend füreinander da sind. Mag es Lebensbereich auch nur noch ganz kleiner und bescheidener sein.

Die Minderungen des Alters, der Abstieg in das nicht mehr Wichtig-, das nicht mehr Gefragtsein, das Schwinden der Gesundheit, das Nachlassen der vitalen und mentalen Kräfte, können durch die in uns von Gott her geschehene neue Schöpfung weder zerstört noch außer Kraft gesetzt werden.

Weil das so ist, feiern wir jetzt dankbar und froh Eucharistie. Wir dürfen mit Christus, durch ihn und in ihm Gott für unser Leben und unser Christsein danken. Und indem wir das tun, leben Geist, Seele und Leib auf.

 


[1] Ijob 38,1.8–11; 2. L 2Kor 5,14–17; Ev Mk 4,35–41

[2] Joh 3,30

[3] Röm 8,28

[4] Jjob 40,2

[5] Jjob 40,4

[6] Ps 44,24

[7] 2 Kor 5,15

[8] 2 Kor 5,17


 

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