Startseite | Zur Person | Informationen | Filme | Predigten | Podcast | Meditationen | Fundgrube | Dias | Kontakt
Boxbild
  Druckversion   Seite versenden

Predigten

Übersicht

Lesejahr 2012 (B)

Homilie zu

===>> zu den liturgischen Texten
===>> Predigt im Orginalformat lesen oder herunterladen
===>> Predigt als Podcast nachhören oder herunterladen



Menschwerdung - Der schöpferischen Liebe Gottes trauen

1 Schöpfung und Menschwerdung
  • Für nicht wenige in unserem Land ist Weihnachten wie ein Behälter, der nur noch mit Konsum gefüllt ist. Woher kommt das?
  • Insgesamt glauben laut Emnid 65 Prozent der Deutschen an einen Gott, 33 Prozent nicht. Aber: 77 Prozent der Ostdeutschen sagen: Nein, es gibt keinen Gott. Dasselbe behaupten in den alten Bundesländern nur 22 Prozent.
1.1 Im großen Kredo bekennen die Christen aller Konfessionen
  • "Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den allmächtigen, der alles geschaffen hat. Himmel und Erde, die sichtbare und unsichtbare Welt."
  • In meiner Weihnachtskarte steht: Der Glaube an Gott den Schöpfer ist die Voraussetzung dafür, dass wir an die Menschwerdung seines ewigen schöpferischen Wortes Jesus Christus glauben können.
1.2 Ohne Gott, dem Schöpfer, keine Menschwerdung Gottes
  • Freilich wer die Existenz Gottes leugnet, die Welt, den Kosmos und den Menschen nur als ein Zufallsprodukt der ewigen Materie und der Evolution versteht, dem ist die Tür zum Glauben an die Menschwerdung Gottes verschlossen.
  • Aber auch manche Christen haben keinen Zugang zum Geheimnis der Menschwerdung Gottes, wie sie die Kirche von Anfang an bezeugt.
  • In meiner Predigt zum 4.Advent sprach ich von der Brücke, die Gott heute den an ihn Glaubenden gebaut hat, um seiner schöpferischen Macht zu trauen: "Wir bewundern die Weite des Kosmos, das Geheimnis der Evolution des Lebens, das in seiner Tiefe und Komplexität für das menschliche Auge unsichtbar ist. Sollte Gott, der diesen gewaltigen Kosmos voller Wunder geschaffen hat, nicht kraft seines Geistes das Wunder seiner Menschwerdung im Schoß Mariens wirken können?"[1]
2 Das Heilswalten Gottes in Geschichte seines Volkes

2.1 Der Antwortpsalm fordert Israel und uns auf Jahwe unserem Gott
      »ein neues Lied« zu singen.
  • Durch die unerwartete Befreiung aus der Babylonischen Gefangenschaft erfährt das Gottesvolk das Heilswalten Gottes. Er lenkt die Geschichte seines Volkes indem er sie richtet, in die rechte Ordnung bringt, so dass es wieder frei leben und seinem Gott dienen kann. Wo Gott sich seinem Volk zuwendet strahlt in der Finsternis des Lebens ein Licht auf.[2]
Wie der Antwortpsalm nach der 1. Lesung, so schaut auch die Lesung aus dem Titusbrief auf

2.2 Das endzeitliche Erscheinen Jahwes zum Gericht.
  • Es bringt dem Volk Gottes die Fülle der Erlösung. Die ganze Schöpfung jubelt darüber, dass der Herr kommt, um die Erde zu richten. Sie haben recht gehört, "um die Erde zu richten".
  • Das ist nicht Angstmacherei, sondern hoffnungsvolle Zukunftsperspektive. Gut da stehen am Ende stehen nicht die gottlos nach irdischen Begierden Lebenden, nicht die Machtmenschen und die auf Kosten anderer sich Durchsetzenden, sondern die das Erscheinen der Liebe Gottes in Jesus Christus Annehmenden, die davon ihr Denken, Leben und Handeln durchdringen lassen.
3 Das Heilshandeln Gottes durch Jesu Christus, den Retter,
   den Messias, den Herrn

  • Allen, die sich am Fest der Geburt Christi von der Kirche rufen lassen verkündet der Engel Gottes "Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll. Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr." [3] Drei Zusagen Gottes durch seinen Engel bilden den Kern des Evangeliums:
3.1 "Fürchtet euch nicht!" (69mal im AT, 32 im NT)
  • Die Furcht Gottes ist zwar der Anfang der Weisheit. Furcht Gottes heißt nicht vor Gott Angst haben, sondern ihn und seine Verheißungen ganz ernst nehmen. Ihn immerzu suchen, wie er es uns im Psalm ans legt: "Mein Herz denkt an dein Wort. »Sucht mein Angesicht!« Dein Angesicht, Herr, will ich suchen."[4]
  • Wer Gott traut, ihm vertraut, der überwindet die Furcht. Im Psalm 56 bekennt der Beter "Ich preise Gottes Wort. Ich vertraue auf Gott und fürchte mich nicht. Was können Menschen mir antun."[5]
  • Dieses "Fürchtet euch nicht" ist vor allem den Kleinen, den gering Geachteten, ja den Verachteten als Frohe Botschaft gesagt. Bevor die Weisen aus dem Morgenland kommen, machen sich die wenig angesehenen in Nachtschicht arbeitenden Hirten zu dem Kind in der Krippe auf.
3.2 "Ich verkünde euch große Freude"
  • Kleine unbedeutende Menschen sind die ersten Empfänger der Frohen Botschaft des Evangeliums. In der Hirtenmesse hören wir, dass sie auch die ersten Verkünder des Evangeliums sind: Bei dem Messiaskind Jesus angekommen, "erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten."[6]  Jeden, den sie treffen, werden sie es weitersagen, denn dieses Geschenk Gottes "soll dem ganzen Volk zuteil werden."
  • Immer sind es zuerst die kleinen unbedeutenden Leute, welche die Frohe Botschaft von der Menschwerdung Gottes verkünden und weitersagen. Nicht die Theologen, nicht die Pfarrer oder Katecheten, sondern die Eltern ihren Kindern, die Großeltern ihren Enkeln, die älteren Geschwister ihren jüngeren.
3.3 "Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren;
         er ist der Messias, der Herr."
  • Dieses "Heute" galt damals den Hirten auf den Fluren Bethlehems, die vom Boten Gottes angesprochen wurden. Diese "Heute" gilt jetzt uns, die wir uns in dieser Nacht, an diesem Morgen aufgemacht haben, um die Frohe Botschaft von der Geburt Jesu Christi zu hören und für dieses Ereignis Gott zu danken und zu preisen.
  • Denn "für uns und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden." So antworten wir heute im Großen Glaubensbekenntnis kniend Gott anbetend auf das Mysterium der Menschwerdung Gottes.
  • "Heute ist uns der Heiland geboren; er ist der Messias, der Herr." Das gilt für jedes Heute. Wo und wann immer das Evangelium Jesu Christi verkündet und gläubig gehört und erinnert wird, geschieht dieses rettende und erlösende "Heute", wird in Jesus, dem Gesalbten Gottes, seinem Messias der Herr, der Kyrios, Jahwe gegenwärtig, nimmt er in unserem Herzen Wohnung. Die Menschwerdung Gottes ist also kein Ereignis, das nur vor 2000 Jahren in Bethlehem stattfand. Sie ist lebendige Gegenwart durch Gottes Heiligen Geist geschenkt.
3.4 Die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus geschieht heute
        in besonders dichter Weise in der Eucharistiefeier.
  • Der Priester bittet Gott bei der heiligen Wandlung seine Hände über Brot und Wein ausbreitend: "Sende deinen Geist auf diese Gaben herab und heilige sie, damit sie uns werden Leib und Blut unseres Herr Jesus Christus."
  • Gott selber ist es also, der durch seinen Heiligen Geist Brot und Wein durch den Mund des geweihten Priesters in den Leib und das Blut Jesu Christi verwandelt. So wird „heute“ und wann immer Eucharistie gefeiert wird Jesus Christus als wahrer Mensch und wahrer Gott, aber auch als der Auferstandene und der Wiederkommende in unserer Mitte gegenwärtig.
4 Die Auswirkungen der Menschwerdung Gottes im Leben des Christen

4.1 Sich von der Gnade Gott erziehen lassen
  • Als Christ, als Jünger oder Jüngerin Jesu lasse ich mich von der Gnade Gottes, seiner sich mir in Jesus Christus zugewandten Liebe anziehen und erziehen.
  • Dadurch angespornt, werde ich mich von den süchtig machenden irdischen Begierden lossagen. So werde ich, mich auf das Beispiel Jesu immer wieder neu besinnend, gerecht und fromm leben. Ich werde mich also als Christ immer und überall auf Gott, den Ursprung und Ziel meines Lebens ausrichten. Die zehn Weisungen der Gebote und besonders das Hauptgebot der Gottes- und Nächstenliebe sind die sichersten Wegweiser für meinen Lebensweg.
Die zweite Auswirkung der Menschwerdung auf unser Leben als Christen ist fundamental

4.2 Das Heil kommt von Jesus Christus allein
  • Jesus, der Messias, der Herr, in dem Jahwe gegenwärtig ist, wird uns von der Kirche verkündet als der in der Stadt Davids geborene Retter, als der Messias. Von keinem anderen werden wir uns daher das Heil erwarten, weder von der Politik noch von der Medizin, weder vom Konsum noch vom Rausch, auch nicht von den Dingen unter dem Christbaum, sondern nur von dem Kind in der Krippe, vom Heiland, von Gott in menschlicher Knechtsgestalt.
  •  Jesus der Christus geht uns auf dem Weg des Lebens, der Leidens, des Sterbens und des Todes voraus, weil er sich ganz in der schöpferischen Liebe Gottes geborgen weiß, einer Liebe, stärker als alle Bosheit, stärker als der Tod. Jesus vertraut der schöpferischen Liebe des Vaters im Himmel, der von den Toten auferweckt und Anteil schenkt an seiner schöpferischen und rettenden Macht in seinem Reich.
5 Unglaublich - Gott wird Mensch
  • Der Französische Philosoph Jean-Paul Sartre war bekennender Atheist. In Deutsche Kriegsgefangenschaft geraten hat er am 24. Dezember 1940 in einem Lager bei Trier ein von ihm geschriebenes Weihnachtsspiel aufführen lassen. Er schrieb diese Geschichte, um „die breiteste Gemeinschaft von Christen und Nichtchristen zum Ausdruck zu bringen." Das Stück trägt den Titel „Bariona“ und schildert, wohl auch als eine Parallele zu den Leiden der Menschen von damals, die Ausweglosigkeit gerade der jüdischen Bevölkerung. Es werden keine Kinder mehr geboren, denn die Zukunft ist nichts mehr anderes als der sichere Tod.
  • In dieser Situation kommt das Gerücht auf, in Bethlehem sei ein ganz ungewöhnliches Kind geboren. Manche glauben, er sei der erwartete Messias.
  • Bariona, der für Sartre steht, schüttelt den Kopf und kann es nicht glauben. Aber tief in seinem Inneren lebt ein Traum. So sagt er: „Wenn ein Gott für mich Mensch würde, für mich liebte ich ihn, ihn ganz allein. Es wären Bande des Blutes zwischen ihm und mir, und für das Danken reichten alle Wege meines Lebens nicht.“ [7]
  • Der Traum, die Sehnsucht dieses Atheisten, ist für uns Christen Wirklichkeit, heute und alle Tage unseres Lebens und in Ewigkeit.
  • „Wenn ein Gott für mich Mensch würde, für mich, liebte ich ihn, ihn ganz allein. Es wären Bande des Blutes zwischen ihm und mir, und für das Danken reichten alle Wege meines Lebens nicht.“

[1] Predigt am 4,Advent 2011 in Rödlas
[2] Vgl Jes 9,1
[3] Lk 2,10f.
[4] Ps 27,8
[5] Ps 56,5
[6] Lk 2,17f.
[7] (Bariona oder der Sohn des Donners. Ein Weihnachtsspiel = Gesammelte Werke in Einzelausgaben. Theaterstücke Bd. 1 und 2, Reinbek bei Hamburg 1991, 7-88)
Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.Ok, verstanden.