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Lesejahr 2012 (B)

Homilie zu Jes 61,1-11 am 3.Advent in St. Johannes Großenbuch

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Der Verheissung Gottes trauen

1 Kleider machen Leute        

  • So jedenfalls behauptet ein bekanntes Sprichwort. Es will sagen: Mit unseren Kleidern bringen wir Menschen zum Ausdruck, wer wir sind bzw. wer wir gerne sein möchten.
  • Offenbar also ist es nicht unwichtig, wie einer sich kleidet. Bei Mitarbeitern der Banken oder in Wirtschaftsbetrieben wird Wert darauf gelegt, dass diese sich ordentlich kleiden. Manche Beamte, Polizisten oder Bahnbedienstete, müssen in ihrer Dienstzeit eine Uniform tragen. Aber auch in unserer Freizeit spielen Kleider eine wichtige Rolle.
  • Wird ein Fest gefeiert, ziehen sich die meisten von uns auch dementsprechend an. Selbst diejenigen, die sich an Festen betont lässig kleiden, wollen damit etwas zum Ausdruck bringen.
  • Manche Feste haben sogar traditionelle Festtagskleider. Denken wir nur an das weiße Kleid bei der Erstkommunion oder das Brautkleid bei der Hochzeit. 
Wenn der Priester in der Person Christi handelt, so wie jetzt bei der Feier der Heiligen Messe trägt er ein besonderes Gewand, das Bild für den gegenwärtigen auferstandenen Christus ist.
  • Wird uns durch den Tod ein geliebter, für uns wichtiger Mensch genommen, legen wir Trauerkleider an.
  • Offenbar sagen Kleider viel über uns aus: Wer wir sind, wer wir sein möchten, aber auch was uns gerade bewegt. Ob wir ein Fest feiern. Oder auch um uns durch unsere Kleidung von anderen zu unterscheiden. Oder wie es beim Auftreten von Stars üblich ist, um aufzufallen, Schlagzeilen zu machen.
Die erste Lesung aus dem Propheten Jesaja spricht von

2 Gewänder des Heils

  • Sie sind Bilder für das, was Gott dem Boten seiner frohen Nachricht schenkt. Angesichts dieses Geschenkes will sich der Verfasser „von Herzen freuen über den Herrn und in Jubel ausbrechen über seinen Gott.“ [1]
  • Den Grund seiner Freude und seines Jubels erfahren wir im darauf folgenden Vers ”Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils, er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit, wie ein Bräutigam sich festlich schmückt und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt.”
Wer ist das, der so spricht, so sprechen kann?
  •        Bedenken wir, in welcher Zeit unser gut 2500 Jahre alter Text verfasst wurde. Dem Volk Israel war gerade gestattet worden, aus der Gefangenschaft in Babylon heimzukehren. Vorbei ist also die Zeit der Unterdrückung. Das Volk kommt wieder heim. Aber zu welchem Preis?

2.1 Das Land ist verwüstet,

  • Die heilige Stadt Jerusalem liegt noch in Trümmern. Um eine Vorstellung davon zu bekommen, brauchen wir uns nur an die ersten Jahre nach dem 2.Weltkrieg zu erinnern, wie es in unserem Land kurz nach Kriegsende z.B. in Nürnberg und anderen Städten ausgesehen hat. Oder daran, welche Not und Verwüstung nach dem Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien herrschten.
  • So etwa muss es in Israel kurz nach der Befreiung aus der babylonischen Gefangenschaft ausgesehen haben. Keiner wusste so recht, wie es weitergehen sollte. Zwar waren die Israeliten frei - aber wie sah diese Freiheit aus? Um es im Bild zu sagen, sie hatten alles andere als Festtagsgewänder oder gar Brautkleider an. Sie saßen vielmehr in zerrissenen und zerfetzten Lumpen da.
  • Ob dieses Bild von den zerfetzten Lumpen manchmal nicht auch auf unsere eigene Situation übertragbar ist? Nun wir sitzen nicht auf Trümmern. In Lumpen muss bei uns kaum jemand herumlaufen. Für Minderbemittelte gibt es die Kleiderkammern der Caritas. Wie aber sieht es in den Seelen heute aus?

2.2 Die Seele in Lumpen

  • Etwa dann, wenn jemand tief traurig und verletzt ist, weil er  nicht mehr beachtet wird.
  • Oder wenn einer Mitte 50 arbeitslos geworden ist und das Gefühl hat, nicht mehr gebraucht zu werden. Wenn jemand durch Mobbing von seinem Arbeitsplatz verdrängt wird.
  • Die beruflich Gestressten und Überforderten. Alleinstehende, die ohne menschliche Nähe einsam leben. Wenn eine langjährige Beziehung oder eine Ehe zerbricht.
  • Oder wenn jemand plötzlich von einer schweren alle Zukunftspläne über den Haufen werfenden lebensbedrohlichen Krankheit heimgesucht wird.
  • Jeder von uns kann von heute auf morgen in eine Situation kommen, wo die Seele nicht mehr in ein kostbares wärmendes Gewand gekleidet ist, sondern vor Zukunftsangst oder wegen fehlender Zuwendung friert. Dennoch hörten wir in der 1. Lesung einen Menschen sagen:

2.3 Ich will mich freuen im Herrn

  • Es ist überaus erstaunlich, dass angesichts einer tiefen Depression des Volkes Israel ein prophetischer Mensch sagen konnte: „Von Herzen will ich mich freuen über den Herrn. Meine Seele soll jubeln über meinen Gott. Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils, er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit, wie ein Bräutigam sich festlich schmückt und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt.“

 

Woher rührt solche Zuversicht?
  • Wie kommt jemand dazu, so etwas zu sagen? Die Antwort entnehme ich den ersten Versen der heutigen Lesung. In diesem Teil spricht ein Prophet zu Israel, dessen Namen wir nicht kennen. Die Theologen nennen ihn ”Tritojesaja”, den dritten Jesaja.

 

Dieser sagt von sich:
  • ”Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. 
Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, 
damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“[2]
  • Das also ist der Grund für die Zuversicht Israels: Dass Gott einen Propheten gesandt hat, der die Menschen tröstet und stärkt, der ihnen eine Perspektive gibt und ihnen Mut macht. Von dieser Zusage Gottes gestärkt, bricht das Volk Israel auf in eine neue Zukunft und freut sich wieder am Herrn. Aber was hat das mit uns zu tun? Sehr viel!

3 Auf für uns gibt es Zuversicht

  • Uns Christen ist auch solches zugesagt. Denn Jesus nimmt den ersten Teil unserer Lesung in seiner Antrittspredigt in Nazareth wieder auf. Nachdem er den soeben gehörten Jesajatext verlesen hatte, bezieht er diesen auf sich selbst, was die Empörung seiner Zuhörer hervorruft. Auch wir stehen vor der gleichen Entscheidung wie die Menschen in Nazareth. Die Entscheidung für Jesus bedeutet Gewinn, die Entscheidung gegen ihn Verlust.

3.1 Worin besteht der Gewinn?

  • Wenn wir uns auf Jesu Person und Botschaft einlassen, werden auch wir erfahren, dass er uns tröstet und stärkt, uns eine neue Lebensperspektive gibt und uns Mut macht.
  • Freilich die Sache hat einen Hacken: Es hängt viel davon ab, ob ich zu mir selbst komme, zur Stille finde und mir die Zeit nehme, Jesus meine Seele hinzuhalten. Paulus will uns in der zweiten Lesung dazu ermutigen, indem er schreibt: „Freut Euch zu jeder Zeit. Betet ohne Unterlass!“ Paulus sagt das der kleinen Schar von Christen, die in Thessalonich unter 100.000 Heiden wohnen.
  • Froh und frei wird nur, wer sich durch Jesus, mit ihm und in ihm in jeder Situation an Gott wendet und sich vor ihm klagend und dankend, bittend und lobpreisend ausspricht.

3.2 Worin besteht der Verlust?

  • Lasse ich mich aber von der Hektik, dem Kaufrausch, dem nach außen gewendet Sein gefangen nehmen, verliere ich meine Offenheit für meinen Schöpfer und Erlöser.
  • Denken wir das Wort Jesu: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt?“ [3]
  • Sich selbst verlieren bedeutet, als ganzer Mensch mit Leib und Seele den mir von Gott geschenkten Sinn meines Lebens und damit die Teilhabe an der Fülle des ewigen Lebens und Glücks in seiner Herrlichkeit zu verlieren. Dies ist der größtmögliche Schadensfall, den ich mir selber zufüge.
  • Umdenken und Umkehr gehören wesentlich zum Advent, um dem kommenden Herrn und Erlöser in uns und bei uns den Weg frei zu machen.
Damit Weihnachten das Fest des Schenkens und Beschenkt Werdens Wirklichkeit wird, gilt es

3.3 Gottes größtes Geschenk anzunehmen

  • Ich werde mir als Christ den Zuspruch Gottes durch den Propheten Jesaja zu Herzen nehmen: „Denn so spricht der Herr, der Heilige Israels: Nur in Umkehr und Ruhe liegt eure Rettung, nur Stille und Vertrauen verleihen euch Kraft.“ [4]
  • Zu Gott umkehrend werde ich zur Ruhe kommen. Erst aus dem Still-Werden vor Gott wachsen Vertrauen in das Leben und die Zukunft, die er schenkt. Nur am liebenden Herzen Jesu werden wir Ruhe finden für unsere Seele.[5]
  • Wer im Advent gegen alle Widerstände auch die Stille sucht, die Hektik ablegt, sich vertrauensvoll in die Nähe Gottes begibt, bei dem wird in der Heiligen Nacht das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht.“ nicht zum hohlen Gedöns, sondern es bewahrheitet sich, was wir singen:
 „Christ, der Retter ist da.“! Wir werden unseren Heiland und Erlöser als den Anwesenden, für uns geboren und uns von Gott geschenkt erfahren.
  • Wir werden trotz aller irdischen Belastungen und Verluste es uns mutig neu einreden und bekennen: „Ich will mich freuen im Herrn, es juble meine Seele in meinem Gott.“[6]
  • Denn er hat mir in der Taufe das Gewand des Heils angezogen. Er erneuert dieses Gewand im Sakrament der Sündenvergebung. Er zieht uns in der Eucharistiefeier das Gewand des Auferstanden Herrn an. Darum dürfen wir mit Maria sprechen und singen: „Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig.“ [7]



[1] Jes 61,10
[2] Jes 61,1 vgl. Lk 4,18-19
[3] Lk 9,25
[4] Jes 30,15
[5] Mt 11,29
[6] Jes 61,10
[7] Lk 1,49

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