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Lesejahr 2012 (B)

Homilie zu Lk 24,113-35 am Ostermontag in Honings ULF v.Rosenkranz

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Die Nähe des Auferstandenen erfahren

1 Der Gang nach Emmaus
   kein Osterspaziergang

  • Der Gang nach Emmaus hat nichts zu tun mit einer Frühlingsidylle. Da gehen zwei, die verzweifelt sind, denen die Hoffnung ihres Lebens zusammengebrochen ist im Tod des Jesus von Nazareth.
  • Kein „Alles wird gut“ steht für sie als Mittelchen aus der Hausapotheke der kleinen Vertröstungen bereit. Die Jünger, die den Fluchtweg nach Emmaus gehen, brauchen keine Vorspielung falscher Tatsachen. Sie wissen, was los ist. Es ist für sie an der Zeit, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen.
  • Damals bei unserer Erstkommunion sind wir uns bewusst geworden, dass Jesus der immerwährende und himmlische Freund und Begleiter unseres Lebens werden möchte. Aber bald drängte sich so vieles andere in unser Leben, das uns ganz in Anspruch nahm oder auch in seinen Bann schlug.
  • Manchmal werden wir Jesus als unseren Begleiter vielleicht gar nicht mehr wahrgenommen haben. Aber unerkannt ging weiter neben uns, so wie bei den Jüngern, die nach Emmaus unterwegs waren. Manchmal in der Gestalt eines Menschen, der uns zuhörte, Mut zusprach, uns einen guten Rat gab, uns tröstete. Oder auch ein Wort im Gottesdienst, das uns aufhorchen ließ, unser Herz berührte.
  • Ja, der Gang nach Emmaus war kein Spaziergang, wie auch der Lebens und Glaubensweg vieler Menschen alles andere als ein Spaziergang ist. Gerade für sie ist wichtig:

2 Der Auferstandene führt
   zu neuen Horizonten

  • Die Männer aus Jerusalem werden von dem, der vor den Toren der Stadt gekreuzigt wurde, aus der Gemeinde der Trauernden herausgeführt und zu neuen Horizonten geleitet: nichts Spektakuläres – ein Haus in Emmaus; nichts Großartiges – ein Abendbrot; nichts Besonderes – eine Einladung zum Bleiben.
  • Wichtig scheint dem Fremden nicht nur zu sein, dass ein Weg gegangen wird, sondern dass es ein Ziel, einen Haltepunkt gibt: die drei erreichen das Dorf. Kein zielloses oder endloses Umherlaufen soll die Kräfte aufzehren, so dass sie vergeudet werden. Denn alle Kraft wird gebraucht zum Gehen und Reden zum Weinen und Fragen.
  • Liebe Schwestern, liebe Brüder! Der Auferstandene wird immer dann in ihr Leben hineingewirkt haben, wenn sie sich mit ihren Freuden und Leiden, ihren Sorgen und ihrem Scheitern, bei Jesus oder einem guten Menschen ausgesprochen haben.
  • An dem Mitgehen des Auferstandenen mit den Emmausjüngern wir sichtbar, dass er auch dann bei uns ist, wenn unser Glaube und unsere Hoffnung am Tiefpunkt sind.
  • Wir dürfen uns in solchen Situationen nicht in das Schneckenhaus unseres Ichs verkriechen, sondern wir müssen uns bei Menschen aussprechen, zu denen wir Vertrauen haben oder die vielleicht die besondere Gabe des Zuhörens und der Diskretion besitzen.
  • Oder wir flüchten uns in die Stille des Gotteshauses vor den im Brot der Eucharistie gegenwärtigen Herrn und schütten dort unser Herz aus. Wie die beiden Jünger brauchen auch wir solche Haltepunkte für unseren Lebens und Glaubensweg. Dabei müssen wir

3 Die unterschiedliche Gegenwart
   des Auferstandenen beachten

  • Wichtig scheint dem Auferstanden zu sein, dass seine Gegenwart unterschiedlich zum Tragen kommt.
  • Ungefragt gesellt er sich den beiden beim ersten Mal zu. Ohne auf Erlaubnis zu warten stellt er Fragen. Er ist einfach da, braucht keine Einladung, keine Aufforderung zum Gespräch. Er will nur wissen, wie es ihnen geht, was sie umtreibt.
  • Anders beim zweiten Mal, als sich ihre Wege trennen könnten; da will er gefragt sein, wartet er ab. Er mischt sich nicht ein in die Pläne der Wanderer aus Jerusalem, drängt sich nicht auf, bleibt der Fremde, der er von Anfang an war, ist kein Kumpel, will bewusst wahrgenommen und angenommen sein.
  • Denn jetzt hat sich das Blatt gewendet. Jetzt sind neue Aspekte aufgeleuchtet, neue Einsichten vermittelt, ein neues Sehen und Erkennen ist möglich geworden. Jetzt können und müssen sich die Jesusanhänger entscheiden: Soll er bleiben, er, der so gut Bescheid weiß, er, der die richtigen Worte findet, der Hoffnung vermittelt und der ihre Herzen zum Brennen brachte?
  • Wenn wir neu sehen gelernt haben, wenn uns die vielfältige Gegenwart Jesu in unserem Leben und auf unserem Lebens und Glaubensweg aufgegangen ist, dann werden wir auch

4 Seine Gegenwart beim Brotbrechen,
   bei der Feier der heiligen Messe

  • Und beim Empfang der Hl. Kommunion noch inniger und intimer erfahren. Und gerade jetzt, wo wir die vierzig Tage der Buße und Umkehr, die Woche seines Leidens und Sterbens hinter uns haben, werden wir noch offener und wacher seinen Worten lauschen, die er uns im Gottesdienst oder beim Lesen in der Bibel sagt.
  • Wir werden ihn bitten: Herr, bleibe bei uns, denn auch unser Leben geht unausweichlich auf das Ende zu. Bleibe bei uns mit der erlösenden Kraft deines Todes und deiner Auferstehung. Denn du, der Auferstandene bist unsere einzige wirkliche Zukunft.
  • Mit einem Mal ist alles so einfach. Der Fremde nimmt seinen Platz ein, setzt sich mit an den Tisch und übernimmt mühelos die Aufgabe des Hausherrn, des Herrn, der er ist. ER, den die Jünger verlassen haben auf dem Weg zum Kreuz und unter dem Kreuz, ER hat sie nicht verlassen.
  • Er war da, als die schwer Enttäuschten sich und ihren Kummer nach Emmaus schleppten, an den Ort des alten Lebens, der nichts weiß von der neuen Hoffnung.
  • Er war da, als sie den Fluchtweg gingen, der sie wegführen sollte vom Ort des Scheiterns zum Ort der kleinen Siege, wie sie der Alltag ihnen bislang geboten hatte.
  • Der Verlassene verließ sie nicht, zahlte nicht mit gleicher Münze heim. Er ist da und bleibt da, auch wenn die Sinne ihn nicht mehr fassen können: was macht das schon? Das Brot liegt auf dem Tisch, die Geschichte und Geschichten seines Lebens erfüllen den Raum. Seine Nähe ist fühlbar. Der Auferstandene schenkt ihnen seine Gegenwart und Nähe auf eine neue bisher nicht gekannte Weise. Sie aber geben von ihm weiter, was er sagte und wollte. Und wir?

5 Ist es für uns auch so einfach
   wie für die beiden Emmausjünger?

  • Als ob es für sie einfach gewesen wäre! Sie hätten hinterher sagen können:  Das war doch nur ein Hirngespinst! Eine Sinnestäuschung, eine Einbildung. Was soll’s? Wir Heutigen sind aufgeklärte Skeptiker. Deshalb haben wir es so schwer, den Auferstandenen wahrzunehmen. Uns auf die verschiedenen Möglichkeiten ihm zu begegnen einzulassen.
  • Daher müssen wir uns immer wieder einen Ruck geben, den Verheißungen Gottes in der Heiligen Schrift zu trauen. Dann werden wir die Erfahrung machen: Hier ist mehr als nur ein Stück Brot, ein Schluck Wein. Das brennende Herz schenkt die ahnungsvolle Einsicht: hier ist mehr, als Himmel und Erde fassen können!
  • Überlassen wir uns einfach mit allen Sinnen, mit Augen und Ohren, mit Herz und Verstand in unserer vom Geist Gottes durchwehten Kirche dem heiligen Geschehen, in dem sein Opfer und Mahl gegenwärtig wird mitten unter uns und er uns einlädt an seinen Tisch.
  • Brot und Wein nimmt er in der Person des Priesters und sagt: Das ist mein Leib, mein Blut, das bin ich, mit meiner ganzen Liebe und Hingabe, mit meinem Tod am Kreuz und meiner Auferweckung durch den Vater.
  • Von den Emmausjüngern heißt es "Da gingen ihnen Augen auf und sie erkannten ihn." Bei jeder Messfeier geht uns auf, wer Jesus für uns ist: Der Lebensspender, der mitten im Vergehen eine Zukunft schenkt - der auch der Tod nichts anhaben kann.
  • Die Emmausjünger behielten ihre Erfahrung nicht für sich. Sie mussten diese ihren niedergeschlagenen Freunden mitteilen. Wes das Herz voll ist, geht der Mund über.
  • Wenn unser Herz brennt, weil wir seine Nähe erfahren haben, sagen wir es weiter, an unsere Freunde und Bekannten, an unser Kinder und Enkel. Durch uns will der Auferstandene zu ihnen kommen und sie gewinnen für eine Zukunft, die nur er schenken kann.

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