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Lesejahr 2012 (B)

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OSTERN -  UNGLAUBE AN DEN TOD - GLAUBE AN DAS LEBEN
Am Aschermittwoch haben wir uns auf den Weg nach Ostern gemacht. Auf diesem Weg werden wir mit der Frage konfrontiert, woran glaube ich? An den Tod oder an das Leben? Das Ziel dieser Osterpredigt ist es, den Unglauben an den Tod und den Glauben an das Leben zu wecken. Da ist zunächst
1 Die Angst vor dem Tod
  • "Die Angst vor dem Tod ist die Mutter aller Theologie", behaupteten die Philosophen Griechenlands schon vor 2000 Jahren. Ist etwa der Glaube an die Auferstehung nur ein Produkt unserer Angst vor dem Tod, vor dem völligen Ausgelöscht-Werden? Jüdisch­christliches Denken ist der Tatsache des Todes nie ausgewichen. Gleich am Anfang der Bibel steht, was die Begräbnisliturgie erinnert:
"Von der Erde bist du genommen und zur Erde kehrst du zurück. "2
  • Am Aschermittwoch hat uns die Kirche das Aschenkreuz auf die Stirn gezeichnet und gesprochen "Bedenke 0 Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst. "
  • Auch Maria von Magdala und die anderen Frauen gehen am Ostermorgen noch vor Sonnenaufgang zum Grab Iesu um einen Toten zu salben. Maria von Magdala eilt zu den Aposteln. Sie vermutet einen Leichenraub. Daraufhin rennen Johannes und Petrus am Ostermorgen zum Grab.
2 Der Keim des Auferstehungsglaubens
  • Der Keim des Auferstehunqsglaubens befindet sich noch im Schlaf des Todes. Und doch, die jüdischen Rabbiner sind anderer Meinung als die griechischen Philosophen, welche die Angst vor dem Tod als die Mutter aller Theologie bezeichnen. Sie sagen:
"Der Unglaube an den Tod ist Schlusspunkt und Vater aller echten Lebensbejahung."
  • Von Abraham, Isaak und Ijob bekennt die Schrift, dass sie lebenssatt starben. Noch heute nennen gläubige Juden den Friedhof hoffnungsvoll „Der gute Ort“ oder „Haus des Lebens“
  • Ganz in dieser Tradition nennen wir den Ort, wo wir unsere Verstorbenen begraben "Gottesacker", Mit Paulus bekennen wir:
"Gesät wird in Schwachheit, auferweckt in Kraft. Gesät wird Vergänglichkeit, auferweckt in Herrlichkeit."3
  • Letzten Endes überwindet die messianische Hoffnung, der Glaube an den Messias, im Alten wie im Neuen Testament auch die Angst vor dem Tod.
  • Als Zeugnis mag jene Inschrift im Warschauer Ghetto dienen, die angesichts der Ausrottungspolitik der Nazis ein unbekannter Jude auf eine Wand kritzelte:

„Ich glaub, ich glaub, ich glaube,
unerschütterlich und fromm,
dass der Messias komm.
An den Messias glaub ich,
auch wenn er auf sich warten lässt,
glaub ich darum nicht weniger fest.
Selbst wenn er länger zögert noch,
an den Messias glaub ich doch.
Ich glaub, ich glaub, ich glaube."

  • Und Iesus selber legt während seines öffentlichen Wirkens Zeugnis für seinen Glauben an die Auferstehung und das ewige Leben bei Gott ab. Den die Auferstehung lächerlich machenden sich aufgeklärt gebärdenden Sadduzäern sagt er:
"Habt ihr im übrigen nicht gelesen was Gott euch über die Auferstehung der Toten mit den Worten gesagt hat .lch bin der Gott Abrahams, der Gott lsaaks und der Gott Jakobs? Er ist doch nicht der Gott der Toten, sondern der Gott der Lebenden“.4

3 Mit dem Messias kommt die Auferstehung
  • Die Jüngerinnen, die Iesus während seines öffentlichen Wirkens begleiteten und ihn unterstützen, sind die ersten die sich nach der Sabbatruhe in aller Frühe aufmachen, wohlriechende Öle kaufen und zum Grab eilen, um den Leichnam zu salben, damit der Geruch des Todes ihn nicht befalle. Sie entdecken als erste, daß das Grab leer ist.
  • Und sie finden darin den Boten Gottes, der ihnen sagt:
"Erschreckt nicht! Ihr sucht jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hat."

3.1 Die Liebe Jesu macht das Herz bereit
      für den Glauben an die Auferstehung

  • Die Liebe Iesu, die Johannes, der Jünger, "den jesus liebte", durch ihn erfuhr, löst in ihm angesichts des leeres Grabes und der zusammengelegten Leichentücher den Glauben an die Auferweckung Iesu aus: "Er sah und glaubte. '6
  • Die Liebe und das Erbarmen, das Maria von Magdala durch jesus zuteil wurde, bringt sie dazu, daß sie unaufhörlich nach dem Verschwundenen sucht. Sie darf als erste aller Jünger und Jüngerinnen erfahren, dass er auferstanden ist. Er ruft sie bei ihrem Namen und sie erkennt ihn.
  • Sie alle hatten das messianische Heil mit Augen gesehen und wie Iohannes in seinem ersten Brief bekennt "mit Händen berührt“ 7• Der Tod Jesu am Karfreitag war alles andere als ein böser Traum. Er war handgreifliche Wirklichkeit. Sie hatten diese Wirklichkeit mit den Händen begriffen, als sie seinen durch die Lanze des Soldaten aufgerissenen und verbluteten Leichnam ins Grab legten.
3.2 Das leere Grab führt zum Auferstandenen
  • Der Glaube an den Messias erwachte mit dem Morgen des ersten Tages der Woche angesichts des leeren Grabes neu. Der Messias kommt von Gott, der das All geschaffen hat und die Toten lebendig macht. Dieser Glaube lässt sie die Osterbotschaft erhorchen.
  • Anton Rotzetter schreibt dazu im Christ in der Gegenwart "Das Auge sieht zu wenig weit und immer nur Ausschnitte. Das Ohr dagegen hört Dinge, die das Auge von sich aus nicht sieht. Erst das Ohr gewähr uns Zugang zur umfassenden Wirklichkeit.
  • Darum ist es unsere Aufgabe, hörende Wesen zu werden und über das bloße Sehen hinauszukommen." Darum braucht es Boten, die verkünden.
3.3 Gott muss uns durch seine Boten
      die Ohren und die Augen öffnen

  • Es ist das Unglück unserer Tage, daß wir alle Augenmenschen geworden sind, überfüttert mit tausend Bildern, die andere für uns ausgewählt haben. Darum kommt uns die Botschaft von der Auferstehung so unwirklich vor.
  • o könnte doch unser Herz wieder hören auf die leise Stimme Gottes. Der Knecht Gottes, wie ihn der Prophet Jesaja uns vor Augen stellt und er in Jesus Gestalt angenommen hat, lebt uns vor, worauf es ankommt. Er sagt von Seinem Gott:
"Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich auf ihn höre wie ein Jünger. ''8
  • Auf wen hören wir am frühen Morgen -am Ostermorgen? Auf das Radio, die neuesten Nachrichten, den Wetterbericht? Glücklich wer Radio Horeb empfängt und hört. Eine wichtige christliche Stimme in der Medienlandschaft.
  • Gott will jeden Morgen mein Ohr wecken, damit ich auf ihn höre wie ein Jünger.
Der Bote Gottes sagt am frühen Morgen zu den Frauen:
"lhr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier.“
  • Ja, wenn wir wie sie hören könnten, die Stimme des Boten Gottes, schon am frühen Morgen. Wir würden erfahren, dass der Herr seinen Jüngern und Jüngerinnen vorausgeht nicht nur nach Galiläa, sondern auf unserem Lebensweg, auf dem Weg in die Schule, zum Arbeitsplatz; auf dem Weg in den Urlaub, auf dem Weg zur Kirche. Überall könnte er uns begegnen, der Auferstandene.
  • Und wenn ich heute zum Friedhof gehe. Meine Augen sehen Gräber voller Blumen. Und ich erinnere mich, was ich jedes Mal spreche, wenn ich dreimal Erde in das Grab werfe, auf den Sarg, in dem die Gestalt eines Menschen liegt, der lebte, atmete, liebte, glaubte.
"Von der Erde bist du genommen und zur Erde kehrst du zurück.“ Ja, das sehe ich. Und was höre ich?Der Herr aber wird dich auferwecken "
Ja, auf den Gräbern blühen die Blumen.
Nicht nur sie. Auch die Hoffnung, dass der Herr auch uns durch den Tod hindurch neues Leben schenkt.


I Joh 20, 1-10
2 vgl Gen 2,7
3 I Kor 15,23
4 Mt 22,31f
5 Mk 16.6
6 Joh 20.8
7 1 Joh 1,1
8 Jes 50.4

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