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Lesejahr 2011 (A)

Mystagogische Predigt zu den Heilszeichen der heiligen Osternacht in Hetzles St. Laurentius und 2014 in ULF in Dormitz

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Die österlichen Zeichen Gottes in der heiligen Osternacht[1]
1 Das ganze Geheimnis des Osterfestes leuchtet in der Feier der Heiligen Osternacht auf.

Sie ist die Nacht aller Nächte. Die Nacht der großen Wende von der Dunkelheit zum Licht, vom Tod zum Leben.
Sie beginnt 1. mit der Lichtfeier. Die am Osterfeuer entzündete Osterkerze wurde in die dunkle Kirche getragen und Christus als das Licht begrüßt „Christus das Licht! Gott wir danken dir.“
Alle anwesenden Gläubigen empfingen ihr Licht von dem einen Licht, von Jesus Christus, den Gott auferweckt und zum Licht der Welt gemacht hat.
Der 2. Höhepunkt der Osternacht ist der sich an die Lchtfeier anschließenden Wortgottesdienst wurden die früheren Heilstaten Gottes in Schöpfung und Erlösung vergegenwärtigt. An sie uns erinnernd wurden sie zur Verheißung für die Gegenwart und Zukunft des neuen Gottesvolkes die Kirche.
Der 3. Höhepunkt der Osternacht ist die Weihe des Taufwassers, wenn eine Taufe gespendet wird. Das geschieht in dieser Nacht an vielen Orten der Welt. Wird keine Taufe gespendet, wird das Wasser dennoch geweiht. Nach der Erneuerung des Taufbekenntnisses werden sie damit besprengt. Sie machen das Kreuz über sich zum Zeichen und sprechen für sich „Mach mein Herz so rein und klar wie es bei der Taufe war.“
Es ist ein guter Brauch das geweihte Osterwasser mit nach Hause zu nehmen, um sich am Beginn und Ende das Tages beim Weihwasser Nehmen sich an in Taufe begonnene heilbringende Zuwendung Gottes zu erinnern. „Ich bin getauft. Christus ich gehöre zu dir.“
Im 4. Höhepunkt der Osternacht – der Eucharistie - lädt der Auferstandene Herr die Neugetauften und alle anwesenden Getauften Gemeinde zu seinem Gastmahl ein.
In der tiefen Symbolik des Geschehens der Heiligen Osternacht durchdringt  Gott in wesentlichen Zeichen durch seinen auferstandenen Sohn das Leben der Glaubenden, unsere hinfällige, von Tod und Verlöschen bedrohte Existenz.

2. Diese Lebenszeichen Gottes sind: Licht, Wort, Wasser, Brot.

Sie reißen den Horizont auf, an dem uns aufleuchtet, was Gott den an Jesus Christus Glaubenden schenken will: Anteil an der ewigen Fülle seines herrlichen Lebens.

 

2.1 Darum ist das erste österliche Zeichen Gottes: Das Licht
  • Nach einem langen Winter sehnen wir uns nach Licht und Wärme. Mit dem aufsteigenden Licht erleben wir, wie alles sprosst und wächst. "Licht bringt Leben", so lautete eine Ausstellung in der Katholischen Akademie im Jahr 2000 die Bilder des bedeutenden christlichen Gewerkschafters Georg Leber zeigte. Dieser berief sich auf den Anfang der Schöpfungsgeschichte. Dort heißt es bekanntlich. "Es werde Licht!" Leber betont diesen Anfangssatz. "Es werde Licht!“ und nicht: "Es werde Erde, Wasser, Feuer oder Luft." Also kann das Licht nicht etwas sein, was den anderen Elementen nur assistiert. Es muss ein eigenes tragendes Element sein.
  • Wenn schon das irdische Licht Leben schenkt, uns zum Sehen befähigt, Leib und Seele, ja die ganze Schöpfung aufleben lässt, um wie viel mehr das göttliche Licht, das uns im Auferstandenen aufleuchtet. Dreimal rief es der Lichtträger den in der dunklen Kirche Wartenden in steigendem Ton zu: Lumen Christi - Christus, das Licht! Und alle antworteten wir anbetend: Deo gratias - Gott sei Dank!
  • Darum betete der Priester bei der Weihe des Osterfeuers, "entflamme in uns die Sehnsucht nach dir, dem unvergänglichen Licht, damit wir mit reinem Herzen zum ewigen Osterfest gelangen."
  • Beim Entzünden der Osterkerze am Osterfeuer leuchtet auf, was der Auferstandene Herr uns schenken will: "Christus ist glorreich auferstanden vom Tod. Sein Licht vertreibe das Dunkel der Herzen."
Dunkel und Angst sind Geschwister, welche dem Menschen das Leben rauben.
  •  Alle, die an der Kreuzigung mitgewirkt haben, taten dies aus Angst. Jesus musste sterben, weil die Verantwortlichen in ihrem Hass und ihrer Sorge meinten, ihre Angst vor dem Eingreifen der Römer sei berechtigt.
  • Jesus setzt der Angst Vertrauen, der Gewalt die freie Hingabe und dem Selbstbetrug die Wahrheit entgegen. Indem Jesus am Kreuz ganz allein dem Schöpfer vertraut,  besiegt und widerlegt er die Macht der Angst und verleiht zugleich den  Menschen Kraft gegen die Angst. So wird der Tod Jesu zum Zeugnis für wahrhaft neues Leben.
  • Denn Gott hat Jesus auferweckt. Mit den Engeln des Himmels preist die Kirche im österlichen Preisgesang Christus, den Sieger. "Lobsinge, du Erde, überstrahlt vom Glanz aus der Höhe! Licht des großen Königs umleuchtet dich. Siehe, geschwunden ist allerorten das Dunkel."
  • Mit jubelnder Osterfreude ruft der heilige Johannes in seinem 1. Brief der Christengemeinde zu: „Das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkünden: Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm."[2] Deswegen erklingt an Ostern und in der Osterzeit immer wieder das Halleluja: Preiset Jahwe! Denn in seinem auferweckten Sohn schenkt er uns ewiges Licht und ewiges Leben.
2.2 Das zweite österliche Zeichen Gottes ist das Wort
  • Das Wort der Schrift, des ersten und des Neuen Testaments will uns bewusst machen, dass Gott durch die Geschichte hindurch wegweisend und rettend, also lichtvoll an seinem Volk handelt. Mit dem Psalm 119 dürfen wir bekennen "Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade."[3] Der Prolog des Johannesevangeliums sagt vom Fleisch gewordenen Wort Gottes "Das wahre Licht das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt."[4] Im Johannesevangelium offenbart sich Jesus so "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben."[5]
  • Im Hören auf sein Wort macht Gott unser Leben hell und leuchtend. Im Hören auf das Evangelium tritt der Auferstandene vor uns hin. So umwerfend und neu waren die Erfahrungen der in aller Frühe zu Grab geeilten Frauen, dass sie voll Furcht und großer Freude zu den Aposteln eilten. Und als der Auferstandene ihnen entgegen kommt und sie sich vor ihm niederwerfen, sagt Jesus: „Fürchtet euch nicht.“

 

2.3 Die dritte österliche Zeichen Gottes ist das Wasser
  • Im Licht des Glaubens an den Auferstandenen wird nun  im Wasser und im Heiligen Geist das neue im auferweckten Christus sich schenkende lichtvolle Leben in der Taufe oder Tauerneuerung dem Glaubenden zuteil.
  • Dreimal senkt der Priester die Osterkerze in das zu weihende Taufwasser und singt: "Durch deinen geliebten Sohn steige herab in dieses Wasser die Kraft des Heiligen Geistes, damit alle, die durch die Taufe mit Christus begraben sind in seinen Tod, durch die Taufe mit Christus auferstehen zum ewigen Leben."
  • Ohne Wasser kein Leben: Ohne Wasser wird man nicht rein. Beides ist uns in der Taufe geschenkt: Neues vom Geist Gottes erfülltes Leben, Reinigung von unseren Sünden und Heiligung als Teilhabe an der Heiligkeit Gottes. Im Taufgelöbnis ergreifen wir dieses Geschenk des Auferstandenen neu.

 

2.4 Das vierte österliche Zeichen Gottes sind Brot und Wein
  • Mehrmals hat der Auferstandene mit seinen Freunden Mahl gehalten. Er hat ihnen beim Abendmahl am Abend vor seinem Leiden und Sterben den Auftrag gegeben: dieses Mahl an ihn denkend zu feiern.
  • Er ist dabei Gastgeber und Speise zugleich. So wie Essen und Trinken Leib und Seele zusammenhalten, den Leib und seine Glieder belebt und den Geist erfrischt, so will der Auferstandene mit seinem Auferstehungsleben unser ganzes Sein durchdringen und verwandeln. Wer glaubend, hoffend und liebend seinen Leib empfängt, für den wird diese Speise zur Speise der Unsterblichkeit und des ewigen Lebens. "Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag." [6]
  • Es ist gut nach dem Empfang der heiligen Kommunion auf die Knie zu gehen, um die Größe des Geschenkes wahrzunehmen, das uns armen sündigen sterblichen Menschen durch Gott im auferstandenen Herrn Jesus Christus zuteil geworden ist.


[1] Mystagogische Predigt zur Osternacht
[2] 1 Joh 1,15
[3] Ps 119,105
[4] Joh 1,9
[5] Joh 8,12
[6] Joh 6,54

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