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Predigten

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Lesejahr 2011 (A)

Homilie zu den Lesungen des 14.Sonntags: 1. L Sach 9,9–10; 2. L Röm 8,9.11–13; Ev Mt 11,25–30

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Das süsse Joch der Freundschaft Jesu

Was das bedeutet konnte ich am Fest Peter und Paul bei dem vom Bayerischen Fernsehen übertragenen Gottesdienst aus dem Petersdom in Rom miterleben.

1 Die Auflegung des Palliums
1.1 Bei der Feier seines diamantenen Priesterjubiläums
  • Am Hochfest Peter und Paul hat Papst Benedikt XVI 46 im letzten Jahr ernannten Erzbischöfen das Pallium aufgelegt.
  • Wie ein Joch liegt es auf den Schultern. Joch nennt man das Zuggeschirr, mit dem Tiere vor den Wagen gespannt diesen ziehen. Beim Menschen ist es das Tragjoch. Eine Schultertrage mit der Eimer oder Körbe getragen werden.
  • In seiner sehr persönlichen Ansprache legte der Papst in berührender Weise Zeugnis ab von der in 60 Jahren Priesterdienst erfahrenen Freundschaft mit Jesus.[1]
  • Am Schuss sagte er das Pallium solle die Träger an das »süße Joch Christi« erinnern. Wörtlich: "Das Joch Christi ist identisch mit seiner Freundschaft. Es ist ein Joch der Freundschaft. Und darum ein süßes, aber gerade so auch ein forderndes und formendes. Es ist das Joch seines Willens, der ein Wille der Wahrheit und der Liebe ist."[2]
1.2 Dieses Joch seiner Freundschaft hat Jesus uns bei der Taufe aufgelegt
  •  Bei der Erstkommunion und bei der Firmung haben wir diese Freundschaft bewusst wahr- und angenommen. Was der Papst den Erzbischöfen sagte, gilt nicht nur für diese, sondern für jeden getauften und gefirmten Christen: "Es ist für uns das Joch, andere in die Freundschaft mit Jesus zu führen, und für die anderen da zu sein."[3]
  • Oder wie es uns das Leitwort unserer diesjährigen Pfarrwallfahrt nach Gößweinstein ans Herz legt „Wir wollen seine Zeugen sein.“ Zeugen seiner Wahrheit und Liebe. Seine Wahrheit und Liebe leuchtet vor uns auf:
1.3 Jesus ist Lamm und Hirte zugleich
  • Das Pallium ist gewoben aus der Wolle von Lämmern, die am Festtag der heiligen Agnes gesegnet werden. Der Papst sagte: "So erinnert es uns an den Hirten, des selbst Lamm geworden ist aus Liebe zu uns. Es erinnert uns an Christus, der sich aufgemacht hat in die Berge und in die Wüsten, in denen sich das Lamm, die Menschheit verlaufen hat. Das Pallium erinnert uns an ihn, der das Lamm, die Menschheit, mich auf seine Schultern genommen hat, um uns, um mich heim zu tragen."
Mit allen Lasten des Lebens dürfen wir zu ihm kommen.
2 Die Freundschaft Jesu - aufrichtend und befreiend[4]
  • Im Tagesgebet wurde dies vor Gott ausgesprochen "durch die Erniedrigung deines Sohnes hast du die gefallene Welt wieder aufgerichtet und aus der Knechtschaft der Sünde befreit."
Der Prophet Sacharja fordert in der 1. Lesung die Menschen in Jerusalem auf: „Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem!“
2.1 Grund zum Jubeln und Jauchzen[5]
  • haben die Bewohner Jerusalems und mit ihnen das ganze Volk Gottes in ihrer damaligen Situation nicht; Aus schlimmen politischen Verhältnissen und einem seine Macht missbrauchenden Königtums, schauen sie mit prophetischem Geist auf den ersehnten Messias: Dieser kommt demütig, helfend und Gerechtigkeit schaffend.
  • Er kommt auf einem Eselsfohlen, dem Fortbewegungsmittel der armen Leute, nicht in einer Edelkarosse, nicht mit Waffengewalt, sondern Frieden verkündend. Diese Vision des Propheten Sacharja sieht 500 Jahre später die junge Kirche in Jesus erfüllt.
  • Er repräsentiert Jahwe, den Gott Israels, den Ich-Bin-Da, den wir im Antwort-Psalm 145 so preisen "Der Herr ist gnädig und barmherzig langmütig und reich an Gnade. Der Herr ist gütig zu allen, sein Erbarmen waltet über all seinen Werken."[6]
  • Alle am Boden Liegenden, unter der Last des Lebens und der Verantwortung Stöhnenden, denen übel mitgespielt, die in ihrer Würde verletzt und beschädigt wurden, dürfen sich an ihn wenden, denn "Der Herr stützt alle, die fallen, und richtet alle Gebeugten auf."[7]
Die Freundschaft Jesu ist aufrichtend und befreiend, denn so sagt es Paulus in der 2. Lesung zu den Christen in Rom:
2.2 Wir sind durch den Geist Jesu neue Menschen geworden[8]
  • Natürlich spüren wir fast täglich unsere Ohnmacht und unser Unbedeutendsein gegenüber den Mächten dieser Welt. Je älter wir werden, desto deutlicher erfahren wir die Brüchigkeit unserer von Krankheit, Verschleiß und Tod bedrohten irdischen Existenz.
  • Nach Paulus ist der ungläubige, nicht erlöste Mensch "Fleisch": eingesperrt in sein kleines Ich, unzugänglich für den Geist Gottes.
  • Darum ruft uns Paulus im 2. Kor. Zu „Der Herr aber ist der Geist, und wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit.“[9]
  • Christsein aber heißt: den Geist Christi haben und wie Christus leben. Wie zeigt sich dies?
- In einem Akt des Glaubens werde ich mich deshalb immer wieder vor Gott erinnern - auch das heißt beten - dass Gottes Geist seit meiner Taufe in mir wohnt. Er hat aus mir einen neuen Menschen gemacht.

- Es ist der Geist, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat. Dieser Geist wird auch unseren sterblichen Leib lebendig machen.

- Deshalb setzen wir nicht auf das Fleisch, auf das Vergehende, das Irdische unsere Hoffnung; denn dann bliebe für uns nur der Tod, das Ausgelöscht Werden.

- In uns wohnt Gottes ewiger unsterblicher Geist. Durch ihn ist der Himmel, die Ewigkeit schon in uns anwesend.

- Deshalb werden wir nichts Geschaffenes, Vergängliches anbeten, zum absoluten Wert machen weder Personen noch Sachen, weder unsere Triebe noch unseren Geist. Wir werden nur den einen Gott anbeten, der sich in Jesus ganz klein gemacht und uns seine Liebe geschenkt hat. Ich werde also
2.3 Das Joch der Freundschaft Jesu annehmen und pflegen.
Aber zunächst stellen wir fest:
2.3.1 Viele haben Angst vor dem Joch Christi
  • Jesus hat bei den maßgebenden Leuten seiner Zeit wenig Glauben gefunden, weder in Galiläa noch in Jerusalem. Er war den Reichen zu arm, den Gebildeten zu einfach, den Frommen zu frei. Aber die Wahrheit Gottes, seine Heiligkeit und seine Liebe leuchteten in allem, was er sagte und tat.
  •  Jesus sagt im Evangelium, die Armen, die Kleinen, vor Gott Unmündigen, die verstehen das besser, auch heute. Deswegen preist Jesus Jahwe seinen Gott und Vater.
  • Aber wie steht es mit uns? Wie kommt uns unser Leben als Christen vor? Wenn wir das Christsein als eine Ansammlung von Geboten und Vorschriften sehen, dann so fürchte ich, werden wir dem Wort Jesu »Mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht«, wohl kaum zustimmen können. Das Wort Joch verbinden wir eher mit einer schweren Last, vor die wir wie Zugtiere gespannt sind.
Seine Freundschaft wird mich aufrichten und befreien, wenn ich seine Einladung annehme
2.3.2 „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt.“
  • Das Eingespanntsein in Familie, Beruf, Pfarrgemeinde, aber auch in meine leiblichen und seelischen Befindlichkeiten muss ich nicht mehr allein tragen und aushalten. Vieles im Leben geht nicht auf. Ist nicht zu ändern, muss ausgehalten und getragen werden.
  • Jesus sagt ja nicht, ich werde euch schwere Lasten aufladen. Er will, dass wir unsere Lasten bei ihm abladen. Das Joch seiner Freundschaft drückt nicht. Weil er uns entlastet ist seine Last leicht. Jesus will uns nicht belasten, sondern entlasten.
 Mit unserer ganzen Lebenslast dürfen wir zu ihm kommen, sie auf sein Kreuz legen, bei ihm abladen. Nur so werden wir
2.3.3 Nur so werden wir Ruhe finden für die Seele   
  • Diese Lebenssicht können wir nur gewinnen, wenn wir uns die Lebenssicht des Kindes wieder aneignen. Mein inzwischen verstorbener ehemaliger Mitschüler und Mitbruder der Franziskaner Siegfried Grän, drückte es so aus: "Wir fragen: Was schätzt Jesus an den Kindern, an den Unmündigen? Was zeichnet sie vor den Weisen und Klugen aus?
-  Ein Kind geht staunend auf die Wirklichkeit zu. Es ist frei von fertigen Meinungen, seine Welt ist noch voller Wunder und Überraschungen. Während der Erwachsene seine feste Weltanschauung mit sich herumträgt, ist für das Kind noch alles im Fluss. Es steht dem Neuen unvoreingenommen gegenüber.
- Eine Offenbarung, wie sie durch Jesus an die Menschen ergeht, ist für das Kind kein Ärgernis, denn es besitzt noch keine »Grundsätze«, die durch Jesus durcheinander gebracht werden könnten. Es spürt nur die Liebe, die Jesus ausstrahlt, und es sagt ja zu ihr."
Sich staunend von der Liebe überwältigen zu lassen, führt unweigerlich zur wahren Anbetung des in Jesus Christus Mensch gewordenen Gottes.

- Die Weisen aus dem Morgenland erkennen in dem Kind von Bethlehem den Messias Gottes, weil in ihm der große Gott sich ganz klein gemacht, erniedrigt hat.
- Dieser Jesus hat sich bis in den Tod hinein, dem schmachvollen Tod am Kreuz erniedrigt. Er wurde Letzter unter den Menschen. Darum hat ihn Gott zum ewigen Leben erweckt. Ließ er ihn von den Toten auferstehen. Machte er ihn ganz groß, zum Herrn des Alls.
3 Der Große wird klein, damit das Kleine groß wird.
Genau das feiern wir jetzt in der Eucharistie. Auch da macht sich der Herr ganz klein in Brot und Wein.
- Und indem wir ihn unter diesen unscheinbaren Gestalten gläubig empfangen, macht er uns groß, zu neuen Menschen durch seinen Geist. Schenkt er uns Anteil an seinem Ostersieg.

- Dies glaubend finden wir Ruhe für unsere vom Getümmel dieser Welt aufgescheuchten und durch die Last des Lebens niedergedrückten Seelen.
 
- Dankbar und froh nehmen wir das Joch der Freundschaft Jesu auf uns. Er ist ein gütiger und demütiger Freund, der immer bereit ist unserem Leben und unserem Heil zu dienen.

[1] Predigt Benedikts XVI bei seinem Diamantenen Priesterjubiläum an Peter und Paul im Petersdom
[2] ebd.
[3] Ebd.
[4] Lesungen des 14.Sonntags: 1. L Sach 9,9–10; 2. L Röm 8,9.11–13; Ev Mt 11,25–30
[5] Sach 9, 9-10
[6] Ps 145,8f.
[7] Ps 145,14
[8] Röm 8, 9.11-13
[9]2 Kor 3,17
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