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Lesejahr 2011 (A)

Homilie zu Joh 20,19-31 am 2. Ostersonntag in St. Johannes d.T. in Großenbuch (Kirchweih)

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WARUM AN DEN AUFERSTANDENEN GLAUBEN?1
I. Glauben heißt immer auch mit dem Zweifel fertig werden.

     Der Apostel Thomas gehört zu denen, die sich nicht mit billigen, einfachen Antworten zufrieden geben. Die Vernichtung Jesu war zu schwerwiegend.

     1. "Kann man nach Auschwitz noch an Gott glauben?"

hat einmal einer gefragt. Wer Tod und Vernichtung, menschliche Ohnmacht und unmenschliche Macht in einem solch erdrückenden Ausmaß erlebt hat, wird wohl mit der rettenden Gegenwart Gottes immer seine Schwierigkeiten haben. Er wird fragen: Wo warst du, Gott?

     2. Vor Jahren stand ich vor der geöffneten Gruft von Verwandten.

Die Frau meines Taufpaten war gestorben. In dem Grab sah ich den zusammengefallenen Sarg meines vor 25 Jahren durch einen Betriebsunfall ums Leben gekommenen Taufpaten. Beim Anblick von so viel Zerfall und Moder stieg in mir der Gedanke auf: Das war einmal dieser stattliche, große Mann, der Gründer der Firma Veit Dennert. Und das ist von ihm übrig geblieben. Angesichts eines solchen Anblicks kann unser Glaube an die Auferstehung schon angefochten werden.
     Wir möchten halt mehr sehen als nur Moder und Zerfall.

     3. Wir möchten wie Thomas einen handgreiflichen Beweis,dass der            Verstorbene lebt.

Doch unseren leiblichen Sinnen, den Augen, den Händen bleibt die Tür zu dieser Erfahrung verschlossen. Nur indem wir auf die Augen- und Ohrenzeugen hören und ihrem Zeugnis glauben, erschließt sich uns die Gegenwart des Auferstandenen. Darum sagt Petrus zu den durch die Verkündigung der Apostel zum Glauben gekommenen Christen: "Ihn habt ihr nicht gesehen, und dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht; aber ihr glaubt an ihn und jubelt in unsagbarer, von himmlischer Herrlichkeit verklärter Freude, da ihr das Ziel des Glaubens erreichen werdet: euer Heil."2
     Die Lesung aus der Apostelgeschichte und das Evangelium zeigen uns

II. Der Zugang zum Auferstandenen erschließt sich

     nur dem, der in der Gemeinschaft der Jünger verweilend den Glauben wagt, beim Brechen des Brotes, im heiligen Mahl Jesus in sich aufnimmt und die Liebe lebt.
  •      Thomas ist Typus des Glaubensblinden und Glaubensschwachen. Seinem herausfordernden Wunsch, durch "Hineinlegen" der Hand in die Wundmale die Realität des Auferstandenen zu prüfen, entspricht Jesus und zeigt seine Herzenskenntnis indem er die fordernden Worte des Thomas wiederholt. Durch Jesu Güte beschämt ruft Thomas ergriffen aus: "Mein Herr und mein Gott!"3 Er bestätigt für seine Person, was die anderen Jünger schon glauben.
  •      Auch wir befinden uns hinter verschlossenen Türen. Unsere leiblich irdischen Sinne haben keinen Zugang zur jenseitigen Wirklichkeit Gottes. Das "Selig, die nicht sehen und doch glauben", meint also auch uns. Wer diesen Glauben in der Gemeinschaft der Glaubenden, der Kirche wagt, wird auch die Nähe und Gegenwart des Auferstandenen und durch ihn auch die Nähe zu den Verstorbenen erfahren.
  •      Der Weg zu diesem Glauben führt aber über den irdischen auf Erden wandelnden Jesus von Nazareth zu dem bei Gott erhöhten und verherrlichten Christus. Die Nähe und Freundschaft zur Person Jesu, wie sie uns in den von der Kirche anerkannten Evangelien begegnet, öffnet uns die Tür zum himmlischen, zum Vater heimgekehrten Jesus Christus, der seit seiner Erhöhung bei Gott immer und überall uns nahe ist. "Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt."4

III. Warum glaube ich an den Auferstandenen?

     Als ich mir diese Frage stellte, kamen mir spontan folgende Gedanken:

     Ich glaube an den Auferstandenen,

1. Weil für mich die Apostel glaubwürdige Zeugen der Auferstehung Jesu sind, die ihr Zeugnis mit der Hingabe ihres Lebens besiegelten.

2. Weil seit 2000 Jahren ungezählte Menschen aus diesem Glauben Kraft für ihr Leben und Hoffnung  für ihr Sterben geschöpft haben.

3. Weil es im Lauf dieser 2000 Jahre viele, viele Menschen gegeben hat und bis heute gibt, die dieser Glaube frei gemacht hat von ihrem Egoismus, so dass sie aufgebrochen sind, um anderen die Frohe Botschaft zu verkünden. Der Glaube an den Auferstandenen hat sie fähig gemacht alles aufzugeben, woran Menschen hängen, um für Kranke, Aussätzige, körperlich und geistig Behinderte dazu sein, ihnen ihre Liebe zu schenken und im Dienst an ihren Mitmenschen ihr Leben hinzugeben.

4. Ich glaube an den Auferstandenen und sein richtendes Kommen, weil ich ohne diesen Glauben wegen der Verbrechen und Unmenschlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts und auch unserer Tageverzweifeln müsste und in mir nur noch Hass, Menschenverachtung und Resignation übrig blieben.

5. Ich glaube an den Auferstandenen, weil ich einfach nicht glauben will, dass all die um ihr Leben Betrogenen, denen jede Würde genommen wurde, die vergast und verbrannt, erschossen und gehenkt wurden, einschließlich den wehrlosen im Mutterleid getöteten Kindern, keine Gerechtigkeit, kein Glück, kein Leben zuteil wird. Der Gott und Vater Jesu Christi, der Gott der Liebe, der Schöpfer, Freund und Fülle des Lebens ist, wird sie mit Jesus auferwecken zum ewigen Leben.
6. Ich glaube an den Auferstandenen, weil ich nur in der Kraft dieses Glaubens meinen Weg als Priester gehen kann. Dieser Glaube hilft mir, eben nicht zu resignieren, wenn der Erfolg auszubleiben scheint, sondern beharrlich einfach auf Hoffnung hin weiter die Frohe Botschaft zu verkünden, wo sich mir die Gelegenheit bietet, wo man mich lässt.

 7. Ich glaube an den Auferstandenen, weil ich ohne diesen Glauben, das Viele, das im Leben nicht aufgeht, ja scheitert, nicht aushalten könnte; weil es mir sonst nicht möglich wäre, immer wieder zu verzeihen und jene anzunehmen und auszuhalten, die mir das Leben schwer machen.

8. Ich glaube an den Auferstandenen und die Auferstehung der Toten, weil ich ohne diesen Glauben aufhören müsste zu lieben, Gefühle zu haben, da sonst ja jede echte Beziehung zu Menschen durch den Tod endgültig zerschnitten und vernichtet würde. Verzweiflung wäre das letzte aller Gefühle.

9. Ich glaube an den Auferstandenen und meine Auferweckung als ganzer Mensch, weil dadurch der Tod seinen Schrecken verliert und aufhört, ständig mein Leben zu bedrohen. Dieser Glaube nimmt mir die lähmende Angst ausgelöscht zu werden für immer. Er hilft mir schöpferisch, gestaltend zu leben, lebendig zu sein und anderen zum Leben zu verhelfen, verantwortlich meine Talente und Fähigkeiten einzusetzen.

10. Ich glaube an den Auferstandenen und das eigene Auferweckt Werden, weil dieser Glaube es mir ermöglicht, bis zum letzten Atemzug mein Leben positiv und in Liebe zu vollziehen, ja den eigenen Tod zur letzten Möglichkeit der Liebe und Hingabe werden zu lassen, ihn als Teilhabe am Gehorsam und Tode Christi und damit an seiner Auferstehung zu vollziehen.

IV. Unser Glaube an den Auferstandenen und an unsere eigne                      Auferweckung wird immer wieder angefochten sein.

  •      Petrus zeigt uns heute in der Lesung den Sinn solcher Anfechtungen, die oft von außen, aber auch aus uns selbst kommen können. "Dadurch soll sich euer Glaube bewähren, und es wird sich zeigen, dass er wertvoller ist als Gold, das im Feuer geprüft wurde und doch vergänglich ist. So wird (eurem Glauben) Lob, Herrlichkeit und Ehre zuteil bei der Offenbarung Jesu Christi."5
  •      Wenn wir auch das Beispiel der Urgemeinde in Jerusalem nicht einfach kopieren können, so zeigt sie uns doch, was den Glauben stark macht: Wer durch die Taufe in die Gemeinschaft der Glaubenden aufgenommen wurde, der fühlt sich der Gemeinde der Erlösten zugehörig und zugleich verantwortlich für die anderen. Hieraus ergibt sich die Solidarität mit jenen, denen es am Lebensnotwendigen fehlt.
  •      Was aber gab der Urgemeinde die Kraft so zu leben? Die Apostelgeschichte nennt als Kraftquellen:  „Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens. Sie lobten Gott und waren beim ganzen Volk beliebt.“
  •      Das gemeinsame vor Gott sein im  Hause Gottes,  die aus der Feier der Eucharistie strömende Freude, das Lob Gottes und der gute Umgang mit unseren Mitmenschen erhält auch unseren Glauben an den Auferstandenen lebendig und macht seine Gegenwart unter uns erfahrbar.

1 2. Ostersonntag A2011 GB Kirchweih »Warum an den Auferstandenen glauben?«Veit Dennert, Pfr.
2 1 Petr 1,8
3 Joh 20,28
4 Mt 28,20
5 1 Petr 1,7

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