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2011 (A)

Homilie zu Jer 17,5-10 am Donnerstag 2. Fastenwoche in St. Michael Neunkirchen

Zu den liturgischen und biblischen Texten
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An der Quelle des Lebens Homilie zu Jer 17,5-10

1. Im Nahen Osten liegen große Flächen des Landes wegen Wassermangels unfruchtbar brach.
  • Dort erleben die Menschen anschaulich den krassen Gegensatz zwischen Wüste und wasserreichem Fruchtland. So habe ich es vor wenigen Wochen bei der Pilgerreise ins Heilige Land intensiv erlebt.
  • Die Lesung aus dem Propheten Jeremia verwendet dieses Gegensatzpaar, um uns vor Augen zu führen, was ein Leben ohne Gott und was ein Leben mit Gott für den Menschen bedeutet. Der Prophet fragt uns: Was wollt ihr sein, Verfluchte oder Gesegnete?

Jeremia lässt keinen Zweifel:

2. Gott ist die Quelle, an der wir unsere ganze Kraft zum Leben und zur Ausdauer schöpfen.
  • Wenn ich mich ganz auf Gott verlasse, darf ich hoffen, ja sicher sein, dass Gott mir ständig und zuverlässig beisteht.
  • Dieses Vertrauen ist freilich nur dann sinnvoll, wenn ich den richtigen Ort im Leben gewählt habe, also am wasserführenden Bach d.h. dort wo Gott die lebendig machende Kraft zur Verfügung hält.
  • So ist die entscheidende Frage, die ich mir stellen muss: Wo lebe ich? Wo habe ich mein Leben festgemacht? In der Wüste der selbst gemachten Weisheit, des Habenwollens, des Ankerns im Vergänglichen, im Diesseitigen? In der Wüste meines eigenen kleinen Ichs; in einem Menschen von dem ich alles erwarte und den ich so hoffnungslos überfordere? In einem Werk, das ich geschaffen, aufgebaut habe?
  • Wo mache ich mich fest in meiner Freizeit? In der Bibel oder in Illustrierten und Sensationsblättchen? Im Gottesdienst oder in allerlei Aktivitäten, die niemandem nützen außer meiner Selbstbestätigung.
  • Womit verbringe ich meine frei Zeit? Mit unnützem Geschwätz, ziellos durch die Fernsehkanäle zappend oder im Internet surfend? Oder gute Sendungen in Radio Horeb, in Bibel TV und KTV in mich aufnehmend um mein Glaubensleben zu nähren?
  • Wem wende ich mich zu, wenn meine Pflichten erfüllt sind? Den Witwen und Weisen, den Kranken und Einsamen?
Wie schon wiederholt in den Texten des AT geht es auch heute bei Jeremia um Fluch oder Segen, um Tod oder Leben.

3. Mein Vertrauen und meine Hoffnung auf den Herrn zu setzen  heißt nun nicht, dass mein Leben glatt läuft und sorgen- oder problemlos dahinplätschert.
  • Auch für den auf den Herrn Vertrauenden und Hoffenden gibt es Zeiten, wo er von der Hitze des Tages oder von der Härte der Arbeit wie ausgebrannt ist. Auch für ihn gibt es  Zeiten der inneren Trockenheit, wo sich nichts tut, wo er nichts fühlt. Alle Heiligen bezeugen uns solche Erfahrungen.
  • Aber wir werden darin nicht untergehen. "Er hat nichts zu fürchten", denn in allem sind wir in der gütigen Hand Gottes.
Paulus hat diese Erfahrung 2 Kor 4,8f. so ausgedrückt:
  • "Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet."
  • Dieses Leben an der Quelle ist die Gewähr dafür, dass der Glaubende und Hoffende "nicht aufhört Früchte zu tragen." Das Vertrauen auf Gott lässt ihn weder lahm noch energielos werden. Ein solcher Mensch ist auch dann noch zur Liebe und zum Gutes tun fähig, wenn es ihm schlecht geht.
  • Freilich reden wir uns gern ein, dass es "vor allem guten Menschen schlecht gehe". Aber wer ist schon gut? Jesus sagt: Gott allein ist der Gute.
4. Deshalb ist es wichtig, dass wir ständig auf die Regungen unseres Herzen achten;
  • das wäre ein Fasten, das uns auf unserem Lebens- und Glaubensweg voran bringt; denn,  so sagt Jeremia: "arglistig ohnegleichen ist das Herz und unverbesserlich. Wer kann es ergründen?" (17,9)
  • Das Herz eines Menschen, seine Gemütsbewegungen und Gefühle, die Beweggründe seines Handelns und Entscheidens, sein persönliches Ich, sind nicht nur für andere undurchschaubar, sondern oft auch für ihn selber.
  • Wie oft mussten wir schon sagen: "Ich kenne mich selber nicht mehr." Oder auch: "Ich weiß nicht, was mit mir los ist." Deshalb ist es unverzichtbar, dass wir nicht nur unser Gewissen täglich prüfen, sondern uns auch im Bußsakrament persönlich stellen, dass wir unseren Sünden auf den Grund gehen, Rat und Weisung erbitten.
  • Bewusstsein und Unterbewusstsein haben ihre Winkel und Verstecke. Unsere Träume sprechen da oft eine beredte Sprache. Jeder Mensch hat und ist ein Geheimnis. Doch dieses Geheimnis gibt es nur vor den Menschen, nicht vor Gott.
  • Er kennt die wirklichen Beweggründe meines Herzens und danach wird er mir vergelten. Daher ist es wichtig, dass ich mein Herz ständig offenhalte für ihn, damit er es reinigt und verwandelt. Es hat schon seinen Sinn, was die Herz-Jesu-Verehrung uns Jesus bittend in den Mund legt: "Bilde mein Herz nach deinem Herzen."

Jeden Tag sollte es eine Zeitspanne geben, wo ich ihm mein Herz hinhalte. Auch wenn es oft nicht zu mehr reicht, als im Jesusgebet immer wieder zu wiederholen: "Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, mein Heiland und Erlöser, erbarme dich meiner."

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