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2010 (A)

Homilie am 28.11.2010 in U.L.F. vom Rosenkranz Honings

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Advent in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
1 Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft -
Das sind drei faszinierende Worte! Worte, die Freude schenken aber auch Angst einjagen können.

1.1 Es gibt Menschen, die leben ganz im Heute,
in der Gegenwart. Sie sagen: was früher war, interessiert mich nicht, und über morgen denke ich nicht nach; denn, was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Hinter diesem Denken verbirgt sich oft die Angst vor der Zukunft.

1.2 Ältere Menschen leben manchmal ganz in und aus der Vergangenheit.
Sie erinnern sich gerne an die Zeit, da sie auf der Höhe des Lebens, der Liebe und des Erfolgs waren. Mit dem "ja früher war halt alles ganz anders" decken sie die schwer auf ihnen lastende Gegenwart zu.

1.3  Vor allem junge Menschen sind oft ganz auf die Zukunft ausgerichtet,  
Sie sehen in ihr die Chance ihres Lebens. Und so träumen sie Tag und Nacht den Traum der Zukunft. Erfüllt sich dieser Traum nicht, muss dies nicht in ein Gefühl der Frustration umschlagen und zur Flucht in eine die Reifung ihrer Persönlichkeit verhindernde Scheinwelt führen. Ich erinnere an ein Wort Dietrich Bonhoeffers: „Es gibt erfülltes Leben trotz vieler unerfüllter Wünsche.“

2 Advent meint alles drei zusammen:  Ankunft des Herrn in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

2.1  Ankunft des Herrn ereignete sich in der Vergangenheit.
 Weil Gott seine Verheißungen wahrmachte, können wir heute mit seiner Ankunft rechnen und seinen Verheißungen für die Zukunft trauen.
Deshalb geht die Kirche in ihrem Wortgottesdienst am Sonntag in einem Dreischritt durch die Geschichte der Ankunft Gottes bei den Menschen.

2.1.1 In der ersten Lesung schauen wir auf das erste Testament zurück
  •  Sie zeigt uns, wie das Gottesvolk Israel im Vertrauen auf Gottes Zusagen seinen Weg durch die Geschichte gegangen ist; wie Gott durch die Propheten das Gewissen des Gottesvolkes lebendig hielt und ihm den Weg in die Zukunft wies. So wurden sie fähig immer wieder neu Ja zum Leben zu sagen und es nach Heimsuchungen und schweren Zeiten neu zu wagen.
  • In der Lesung aus dem Propheten Jesaja haben wir die Verheißung für die Zukunft vernommen: Alle Völker werden sich in der Endzeit in der Anbetung Jahwes zusammenfinden.  In der gemeinsamen Anbetung werden sie zum Frieden finden und nicht mehr für den Krieg üben.
  • Darum ist es die Aufgabe des Gottesvolkes damals wie heute, im Licht des Herrn seinen Weg zu gehen. Es geht nicht nur darum, die Lichter am Adventskranz und am Christbaum zu entzünden, sondern als Volk Gottes, als Christen, als Kirche im Lichte Gottes, das uns in Jesus Christus erschienen ist, unser Leben zu führen.
  • Dies meint, dass wir wie Jesus vor und für Gott leben und seine Liebe, sein Erbarmen, an unsere Mitmenschen weitergeben, damit sie, wie Jesus sagt, euere guten Werke sehen  und eueren Vater im Himmel preisen. Die Art, wie wir leben und handeln, will unsere Mitmenschen zum Lobpreis Gottes bringen.
2.1.2 Das Evangelium verstärkt die Mahnung zur Wachsamkeit
  • Diese Mahnung ergeht durch die Autorität des Gotteswortes aus Jesu Mund, der von der überraschenden Ankunft des Menschensohnes spricht. Diese Ankunft entscheidet über unsere ewige Zukunft.
  • Das überraschende Kommen des Herrn soll uns zur äußersten Wachsamkeit veranlassen. Die Sorglosigkeit des normalen Lebens täuscht. Es fällt wie ein Kartenhaus zusammen. Und dann folgt, meist zu spät das böse Erwachen. Jesus macht dies im Evangelium an zwei Beispielen deutlich:
  • Dem Augenschein nach arbeiten beide Männer auf dem Feld oder in unsere Zeit übersetzt, in der gleichen Firma, auf derselben Baustelle, gehen beide in die gleiche Schule, in die gleiche Klasse:
  • Dem Augenschein nach mahlen beide Frauen an der selben Mühle das Korn, oder in unsere Zeit übersetzt, gehen beide in den selben Supermarkt zum Einkaufen, waschen beide mit der gleichen Waschmaschine, kochen Klöse und Schweinebraten, bügeln Hemden und Blusen.
  • Aus der Sicht Gottes aber ist dennoch ein Riesenunterschied, denn Gott schaut nicht auf das Äußere, sondern ins Herz. Wer nur mit den eigenen Lebensplänen beschäftigt ist, der "schläft"; wer hingegen ständig mit Gott rechnet, vor seinem Angesicht und in seiner Gegenwart lebt, der ist "wach und wissend", und er wird mitgenommen in die Herrlichkeit des Menschensohnes.
  • Ein Aidskranker sagte vor der Fernsehkamera: "Seit ich weiß, daß ich bald sterben werde, lebe ich anders."
  • Wenn Christen lernen, den Tod jederzeit zu erwarten und in ihm Jesus Christus zu begegnen, dann üben wir uns auf das Kommen des Menschensohnes ein, wird er uns nicht unvorbereitet antreffen. Die Zeit unseres Wirkens ist begrenzt. Sie kann Morgen schon zu Ende sein.
Wenn ich mich im Advent mit diesen Fragen befasse nütze ich die Zeit der Gnade. Früher nannten wir den
2.2 Advent - die stille Zeit.
Davon ist heut nichts mehr zu spüren. Und doch hängt unsere ewige Zukunft davon ab, ob wir für das Kommen des Herrn bereit sind. Worum geht es?

2.2.1 Adentszeit ist Umkleidezeit
  • In seinem Brief an die Christengemeinde in Rom zeigt Paulus, wie der Christ aus der Christusbegegnung in der Gegenwart lebt und dabei die Zukunft im Blick behält. „Die Stunde ist gekommen vom Schlaf aufzustehen.“
  • Mit dem Fortschreiten unserer Lebenstage und Jahre sind wir jeden Tag dem endgültigen Heil einen Schritt näher. Darum gilt es alles abzulegen, was Christus nicht entspricht, was in seinem Gericht nicht bestehen kann. Paulus nennt ein paar Verhaltensweisen, die damals wie heute die Menschen von Gott wegziehen: „Maßloses Essen und Trinken, Unzucht und Ausschweifung, Streit und Eifersucht.“[i]
  • Das neue Gewand, das wir anziehen sollen, heißt Jesus Christus. Wie ist das zu verstehen? Es geschieht dadurch, daß ich mich wieder in seine Einflusssphäre begebe, die Nähe zu ihm suche. Das heißt weiter, daß ich mich von seiner Art mit Gott und den Menschen umzugehen prägen lasse. Advent, Ankunft des Herrn geschieht, wenn ich Jesus Christus näher komme, die Freundschaft mit ihm erneuere.
  • Nicht Punsch und Plätzchen, nicht Stollen und Kaffee, nicht Lichterglanz in den Straßen, nicht Weihnachtsmusik in den Geschäften, sind Zeichen des Advents. Nicht neue Klamotten, sondern einzig und allein, daß ich mich mit Jesus Christus bekleide, der Mensch geworden, gestorben, auferweckt und von Gott zum Richter der Lebenden und der Toten eingesetzt ist.
2.2.2 Die meisten Menschen nahmen sich früher die Zeit,
  • jeden Tag die heilige Messe mitzufeiern. Sie fasteten, schränkten die weltlichen Vergnügungen ein. "Geschlossene Zeit" nannte man die Adventszeit. So konnte jene seelische Kultur entstehen, die geistliche Erneuerung, spirituelles Auftanken, ermöglichte.
  • Unser heutiges gesellschaftliches Leben lässt dafür kaum noch Raum. Das Eingespannt sein  in den Arbeitsprozess, der Lärm und die Hektik des Verkehrs auf der Straße und in der Luft, die verführerische Anziehungskraft der Apparate mit ihren vielen Programmen, die Fülle des äußeren Lichts blenden und lähmen die Seele, lässt dem inneren Licht kaum eine Chance.
  • Der gewohnheitsmäßige Druck auf den Knopf der Apparate scheint zwar Zerstreuung zu bringen, aber er bringt nicht jene Ruhe des Herzens und Sammlung der Seele, die dem ganzen Menschen gut tut, innerlich heilt und öffnet für die Gnade Gottes, für das Wahrnehmen seiner liebenden und befreienden Nähe.
2.2.3 Wer einmal Exerzitien oder Einkehrtage mitgemacht hat,
  • konnte erleben, daß geistliches Leben  aufbaut und erquickt, wach und lebendig macht; wie manches von dem, was wir sonst tun, unwichtig, zweit- und drittrangig wird. Solche Angebote gibt es in den kirchlichen Bildungshäusern zuhauf. Bei etwas Selbstdisziplin wird es möglich sein, einmal am Tag 10 Minuten zur Schriftlesung oder zum persönlichen Gebet zu sich aufzuraffen und unsere Seele Gott hinzuhalten.
  • Es wäre wichtig, wenn wir in unseren Vereinen und Gruppen darauf achten würden, daß unsere Advents- und Weihnachtsfeiern wieder zu ihrem ursprünglichen Sinn finden: daß Menschen meditativ und besinnlich an das Geheimnis der Menschwerdung und des Kommens Gottes herangeführt werden. Für manche sind solche Feiern die einzige Chance in dieser lauten Welt und in einer entchristlichten Umgebung ihre Seele wieder wahrzunehmen. Edith Stein, deren Heiligsprechung wir 1998 also vor 12 Jahren erleben durften, hat einmal geschrieben:
2.3 "Je gesammelter ein Mensch im Innersten seiner Seele lebt,
  • um so größer ist die Ausstrahlung, die von ihm ausgeht und andere in seinen Bann zieht." Von ihr wissen wir z.B. während ihrer Tätigkeit als Lehrerin in Speyer betete sie ganze Nächte in St. Magdalena, der Kirche der Dominikanerinnen, an deren Schule sie von 1923 – 1931 unterrichtete.
  • Sicher wäre eine solch gute, von innen kommende Ausstrahlung das schönste Weihnachtsgeschenk, das ein Mann seiner Frau, eine Frau ihrem Mann, das Eltern ihren Kindern und Kinder ihren Eltern, Freunde einander machen könnten, schöner und wertvoller als viele Sachen, die wir einander schenken.
  • Erst wenn wir still werden und unsere Seele dem hinhalten, der uns geschaffen und zum ewigen Leben berufen hat, werden wir selber zum Geschenk in dem Gott anwesend ist.
  • Denn dieses aus dem Gesammeltsein der Seele kommende Lebendigsein ist Teilhabe an der Menschwerdung Gottes, die sich in Jesus in unüberbietbarer Dichte ereignet hat. Christsein heißt, dieses Lebendigsein widerspiegeln.
  • Dies kann gelingen wenn wir nach dem Grundsatz des Angelus Silesius unser Leben führen:

    "Lebe jeden Tag, als ob es dein erster und dein letzter wäre."


[i] Röm 13,13

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